15.12.2017 18:10
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Börsen-Ausblick 2018: Was die Profis erwarten

Euro am Sonntag-Titel: Börsen-Ausblick 2018: Was die Profis erwarten | Nachricht | finanzen.net
Euro am Sonntag-Titel
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Die Weltwirtschaft wächst, die Unternehmensgewinne steigen. Die Rahmenbedingungen für den Aktienmarkt sind weiterhin gut. Trotzdem gibt es auch Warnungen vor Gefahren für Anleger im Jahr 2018.
€uro am Sonntag
von S. Parplies und C. Platt, €uro am Sonntag

Ein Jubiläum, das niemand feiern wird: Im September 2018 jährt sich zum zehnten Mal der Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers. Der Kollaps leitete die größte Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit und einen weltweiten Kurseinbruch der Aktienmärkte ein. Der Kontrast zur Gegenwart könnte kaum größer sein: Die Weltwirtschaft hat sich erholt, der DAX seinen Wert seit dem Tiefpunkt im Frühjahr 2009 mehr als verdreifacht.


Volkswirte erwarten, dass der Aufschwung weitergeht. Deutschland, der Eurozone und den USA trauen sie laut unserer Umfrage im neuen Jahr ein Wirtschaftswachstum von mehr als zwei Prozent zu, China erneut über sechs Prozent. In diesem Umfeld sollten die Unternehmen ihre Gewinne weiter verbessern können. "Für fast alle Märkte werden Gewinnsteigerungs­raten im prozentual hohen einstelligen oder niedrigen zweistelligen Bereich ­erwartet. Bewahrheiten sich diese Einschätzungen, dürfte 2018 erneut ein ­gutes Aktienjahr werden", kalkuliert die Privatbank M. M. Warburg.


Ein für viele noch ungewohnter Name wird im kommenden Jahr oft fallen: Jerome Powell übernimmt im Februar den Chefposten der amerikanischen Notenbank von Janet Yellen. Die Währungshüter in den USA und Europa stützten die Wirtschaft in den Monaten nach dem Lehman-Kollaps mit Zins­senkungen und dem massenhaften Kauf von Anleihen. Powell steht jetzt vor der Herausforderung, diese Hilfsprogramme zurückzufahren, ohne den Wirtschaftsaufschwung abzuwürgen.

Experten erwarten, dass die US-­Notenbank ihren Leitzins im neuen Jahr weiter anheben wird. Die USA sind damit, auf dem Weg zurück zur geldpolitischen Normalität, deutlich weiter als Europa. Der Zinssatz der Eurozone dürfte auch 2018 auf null bleiben. Das im historischen Vergleich niedrige Zinsniveau sollte den Aktienkursen helfen, weil risikoarme Alternativen in diesem Umfeld weiterhin kaum Rendite bringen dürften.


Anders als im auslaufenden Jahr sehen Börsenprofis die Politik 2018 nicht als einen dominierenden Faktor. Die wichtigste Wahl in Europa steht in Italien an. Dramatische Verwerfungen werden dort nicht erwartet. In den USA werden das Repräsentantenhaus und Teile des Senats neu besetzt. Da die große Steuerreform noch in diesem Jahr über die Bühne gehen soll, ist die wichtigste Entscheidung der US-Politik aus Sicht der Finanzmärkte wohl schon lange vor dem Wahltag gefällt worden.

Wachsende Wirtschaft, steigende Unternehmensgewinne, niedrige Zinsen - die Rahmenbedingungen werden nach Einschätzung der Profis auch im neuen Jahr günstig bleiben. Ist genau dieser Optimismus die größte Gefahr? "Aktienanleger sind inzwischen ausgesprochen sorglos geworden. So zeigt die historisch niedrige implizite Volatilität, dass die Kursrisiken vom Gros der Marktteilnehmer derzeit sehr gering eingeschätzt werden", warnen die Strategen der Helaba, die als einzige Teilnehmer unserer Umfrage fallende Aktienkurse für den DAX im kommenden Jahr voraussagen.

Auch grundsätzlich optimistische Strategen warnen vor Risiken. "Das Ifo-Geschäftsklima befindet sich auf ­einem historischen Hoch und kann kaum noch positiv überraschen. Außerdem ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis in den USA ungewöhnlich hoch und in Europa nicht mehr niedrig", so die Commerzbank. Erwarte man für den DAX trotzdem ein weiteres gutes Jahr, liege das an der fortgesetzt ­lockeren Geld­politik der Europäischen Zentralbank.

Die BayernLB sieht eine bedeutende Stolperfalle: "Eines der größten Risiken für den Ausblick 2018 ist ein unerwartet starker Anstieg der Inflation in den USA, auf den die Notenbank mit einer deutlichen Straffung der Zinspolitik reagieren würde." Die Unicredit erwartet, dass es an den Aktienmärkten nächstes Jahr ­etwas stärkere Ausschläge geben werde als zuletzt: "Nach einem mehrjährigen Rückgang könnte die Aktienmarktvolatilität in der zweiten Jahreshälfte 2018 wieder steigen."

Schwarze Schwäne

Besonders gefährlich sind jene Krisen, die für die Masse der Investoren unerwartet kommen - sogenannte graue oder schwarze Schwäne. Viele Szenarien sind denkbar: Der Atomwaffenkonflikt um Nordkorea könnte eskalieren, ein neuer Krieg im Nahen Osten ausbrechen, Trump eine Verfassungskrise in den USA auslösen, Hacker eine große Bank lahmlegen und damit Panik schüren, ein Erdbeben Kalifornien verwüsten. JP Morgan verweist auf ein Ereignis, das eigentlich offensichtlich sei, trotzdem von vielen als Gefahrenquelle unterschätzt werde: den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union, der die Wirtschaft auf beiden Seiten des Kanals belasten und die Aktienmarktrally beenden könnte.

Das Hauptszenario fürs nächste Jahr bleibt aber ein anhaltender Konjunkturaufschwung, der die Aktienkurse antreibt. Gestützt wird diese Erwartung durch die sehr optimistischen Früh­indikatoren. Vor allem die Entwicklung der Eurozone sei beeindruckend, lobt Morgan Stanley. Deutschland ist dank seiner starken und international aus­gerichteten Unternehmen in diesem Szenario fast automatisch ein Favorit für Anleger.

Kurszielmathematik

Wie weit aber kann der DAX noch steigen? Eine bei den Profis populäre Formel zur Ermittlung von Kurszielen ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis. Berechnet wird dieses KGV für den DAX aus zwei Komponenten: aus dem Indexstand und den von Analysten für die jeweils kommenden zwölf Monate erwarteten Unternehmensgewinnen. Letztere werden an das Gewicht der einzelnen Unternehmen im Index angepasst und dabei in Punkte umgerechnet.

Konkret ergibt sich folgendes Bild: Bei einem Indexstand von 13.000 Punkten und den von Analysten für das Jahr 2018 erwarteten Unternehmensgewinnen in Höhe von 982 Indexpunkten liegt das KGV des DAX derzeit bei 13,2.

Für das Jahr 2019 erwarten Analysten, dass die Unternehmensgewinne von 982 auf 1070 Indexpunkte anziehen. Entsprechend steigt das Kurspotenzial: Bei einem gleich bleibenden KGV von 13,2 errechnet sich ein Kursziel von 14.124 Punkten. Diese Zahl entspricht ziemlich genau dem durchschnittlichen Ziel der Experten zum Jahresende 2018.

Investments in Aktien für das neue Jahr (pdf)

Licht und Schatten:

Gold & Erdöl: Das Edelmetall hat 2018 Potenzial, das schwarze Gold eher nicht.

Keine großen Bewegungen erwarten die befragten Finanzinstitute bei den Rohstoffen Gold und Erdöl. Bei dem Edelmetall rechnen sie im Mittel mit ­einem Plus von knapp fünf Prozent im Vergleich zum aktuellen Wert. Der Goldpreis wird Ende 2018 im Durchschnitt bei knapp über 1.300 US-Dollar pro Feinunze (rund 31 Gramm) gesehen.Am optimistischsten ist die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), die 1.420 Dollar vorhersagt. Pessimistisch eingestellt ist die DekaBank, die einen Rückgang des Goldpreises auf 1.215 Dollar prognostiziert.

"Gold gehört auf die Einkaufsliste", sagt Gertrud Traud, Chefvolkswirtin der Helaba. Sie sieht das Metall gegenüber klassischen Risikoanlagen wie Aktien attraktiv bewertet. Infolge der Hausse sollte auch der Wunsch nach Absicherung in Form von physischem Gold steigen. Zudem erwartet sie, dass die zuletzt weitgehend ausgeblendeten politischen Risiken wieder ins Bewusstsein der Anleger zurückkehren.

Wer rein von möglichen Aufwärtsbewegungen des Goldpreises profitieren will, kauft Xetra-Gold, das dem Preis des Edelmetalls folgt. Mutigere Anleger investieren in Aktien von Minenbetreibern, die das Auf und Ab beim Gold meist verstärkt nachvollziehen.

Durchwachsene Aussichten

Eher pessimistisch eingestellt sind die befragten Banken gegenüber Erdöl. Sie prognostizieren durchschnittlich ­einen Preis von 60,39 US-Dollar für ein Barrel (Fass à 159 Liter) der Nordseesorte Brent. Das entspricht einem Minus von knapp drei Prozent gegenüber der aktuellen Notierung.

Das obere Ende der Preisspanne markiert die Prognose von Donner & Reuschel. Das Bankhaus rechnet mit 70 Dollar pro Fass, steht mit seiner Zuversicht aber relativ allein da. DekaBank, Deutsche Bank und Haspa sind dagegen Öl-Bären: Sie rechnen für Ende 2018 mit ­einem Preis von nur 55 Dollar.

"Die Fundamentaldaten sprechen für einen niedrigeren Ölpreis im Jahr 2018", sagt Bernd Meyer, Chefstratege Wealth and Asset Management bei der Berenberg Bank. "Trotz der OPEC-Produktionskürzungen und der robusten Nachfrage im Zuge des globalen Aufschwungs dürfte es im ersten Quartal 2018 ein Überangebot geben, das für eine Korrektur des Ölpreises spricht." Die Berenberg Bank nennt zwar kein konkretes Ölpreisziel für Ende 2018, erwartet jedoch eine Seitwärtsbewegung zwischen 50 und 60 Dollar.

Auf einen fallenden Ölpreis können Anleger mit einem ETC wetten, der sich gegenläufig zur Notierung der Sorte Brent entwickelt. Um die Chancen zu erhöhen, empfiehlt sich ein gehebeltes Produkt - die Risiken steigen allerdings entsprechend. Es eignet sich daher nur mittelfristig für erfahrene Anleger.

Investments in Gold und Erdöl für das neue Jahr (pdf)

Anleihen: Ein Prozent in Sichtweite:

Die Renditen für deutsche und US-Staatsanleihen steigen, die Kurse fallen.

Dass die Renditen von Anleihen steigen werden, gilt bei den befragten Banken als ausgemachte Sache. Sie erwarten Ende 2018 sowohl bei deutschen als auch bei US-Staatsanleihen ein höheres Renditeniveau als jetzt. Für die zehnjährige Bundesanleihe wird im Durchschnitt eine Rendite von 0,9 Prozent vorausgesagt. Besonders zuversichtlich ist das Bankhaus Donner & Reuschel mit 1,25 Prozent. Am wenigsten optimistisch ist die Commerzbank, die lediglich mit einer Rendite von 0,5 Prozent rechnet.

"Die EZB bleibt auch 2018 ein Zins­manipulator", sagt Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. Ein festes Ende ihres Anleihekaufprogramms gebe es nicht, und ohnehin würden die Erlöse der EZB aus fälligen Anleihen vollständig reinvestiert. "Selbst bei Einstellung ihrer Nettoaufkäufe wird der Bestand an von ihr gehaltenen Staatsanleihen nicht sinken, sodass die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen grundsätzlich niedrig bleibt."

Wie alle übrigen Institute ist die Baader Bank der Ansicht, dass der Leitzins in der Eurozone bei null Prozent verharren wird. Allerdings wird die EZB als Anleihekäufer kürzertreten und ihr Kaufprogramm von monatlich 60 Milliarden auf 30 Milliarden Euro zurückfahren. Weitere Grundlage für steigende Renditen dürfte 2018 die sich normalisierende Teuerung sein.

Infolge des Renditeanstiegs drohen Kursverluste. "Erste Wahl bei Neuanlagen sollten daher kürzere und mittlere Laufzeiten sein", empfiehlt Helaba-­Chefvolkswirtin Gertrud Traud. Für die Rendite zehnjähriger US-Treasuries reichen die Prognosen von 2,6 bis 3,0 Prozent. Am unteren Ende rangieren die Vorhersagen der DekaBank und der DZ Bank, am oberen Ende - neben fünf weiteren Instituten - die der Deutschen Bank und der BayernLB.

Grund für den Anstieg dürfte vor allem die anziehende Inflation sein. Eine starke Teuerung ist jedoch nicht zu erwarten. "Trotz US-Konjunkturerholung fehlt dem Inflationsauftrieb wegen globalem Wettbewerbsdruck, lohnkostendrückender Digitalisierung und ausbleibenden Preisschocks bei Rohstoffen die strukturelle Basis", sagt Halver. Ein großer Renditesprung bei US-Staatsanleihen, die aktuell mit 2,3 Prozent rentieren, bleibt daher wohl aus.

Anleger reagieren auf dieses Umfeld am besten mit flexiblen Rentenfonds oder mit Produkten für Hochzinsanleihen, die wegen ihrer hohen Kupons weniger stark von Renditeanstiegen betroffen sind. Alternativ kommen inflationsgebundene Anleihen in Betracht.

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Bildquellen: leolintang / Shutterstock.com, iStockphoto
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