03.05.2017 20:31

Chinesen greifen bei Deutsche Bank-Aktie zu: Wie wahrscheinlich ist jetzt eine Übernahme?

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Der Aktienkurs der Deutschen Bank hat in den letzten zwölf Monaten eine beeindruckende Erholung aufs Parkett gelegt. Eigentlich kein guter Zeitpunkt für den chinesischen Großaktionär, seinen Anteil an Deutschlands größtem Finanzhaus deutlich auszubauen. Das wirft Fragen auf.
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Seit dem Wahlsieg von Donald Trump im November kennen die Börsen nur eine Richtung: Aufwärts. Besonders Bankaktien haben eine durchaus beachtliche Rally hingelegt. Davon hat auch Deutschlands größtes Finanzhaus, die Deutsche Bank, profitiert: 45 Prozent ging es seit den Wahlen in den USA nach oben. Doch der vergleichsweise hohe Aktienkurs scheint den chinesischen Mischkonzern HNA Group wenig zu beeindrucken: Über Nacht haben die Chinesen ihre Beteiligung an der Deutschen Bank kräftig ausgebaut und sind zum größten Anteilseigner des Frankfurter Geldhauses aufgestiegen. Doch welche Ziele die Chinesen verfolgen, liegt weitgehend im Dunkeln.

Deutsche Banken im Visier

9,92 Prozent hält die HNA Group einer Stimmrechtsmitteilung zufolge inzwischen an der Deutschen Bank. Erst Anfang Februar hatten die Chinesen erstmals in das Geldhaus investiert und damals erklärt, sich als Ankerinvestor zu sehen, der das Management unterstützen will. Das Finanzhaus sei ein "attraktives Investment im Finanzsektor", hieß es von Seiten der HNA Group. Tiefer ließen sich die Chinesen aber nicht in die Karten schauen, über die Pläne, die sie mit ihrem Investment verfolgen, wurde kaum Näheres bekannt. Das ließ Spekulationen ins Kraut schießen, welche Rolle die Deutsche Bank in dem global agierenden Unternehmenskonglomerat spielen könnte. Denn die Deutsche Bank ist nicht das einzige Finanzhaus, das die Chinesen ins Visier genommen haben. Die HNA Group ist auch einer der Bieter für die angeschlagene HSH Nordbank, deren Eigner das marode Finanzhaus losschlagen wollen. Dabei gehören Banken eigentlich nicht zum Kerngeschäft des Mischkonzerns aus Asien. Denn eigentlich ist die HNA Group im Touristikbereich aktiv. Im Falle der HSH Nordbank könnte man noch argumentieren, das Schiffsportfolio habe das Interesse der Chinesen geweckt. Die Deutsche Bank hat aber keine entsprechenden Aktivitäten vorzuweisen, was das Interesse der HNA Group umso mysteriöser macht.

Droht jetzt die Übernahme der Deutschen Bank?

Aktuell hat die Deutsche Bank einen Marktwert von 34,5 Milliarden Euro. Damit wären die Deutschen verglichen mit der US-Konkurrenz günstig zu haben: Goldman Sachs kommt auf 82 Milliarden Euro, Morgan Stanley kommt auf eine Marktkapitalisierung vom 73,5 Milliarden Euro, die Bank of America ist sogar satte 245,73 Milliarden Euro wert. Im Vergleich dazu sind die Deutschen ein kleiner Player am Markt.

Doch ein Schnäppchen ist die Deutsche Bank deshalb noch lange nicht. Wer eine Übernahme ernsthaft in Erwägung zieht, muss voraussichtlich einen langen Atem haben. Denn die Frankfurter sind international verflechtet wie nur wenige andere Banken. Die Systemrelevanz dürfte das Institut vor einem Zusammenbruch schützen - zu groß wären die systemischen Risiken, wenn ein global agierendes Institut wie die Deutsche Bank in Schieflage geriete. Doch das vermeintliche Systemrisiko ist gleichzeitig auch ein recht wirkungsvoller Schutz vor einer möglichen Übernahme. Denn wer tatsächlich Ambitionen hat, sich das Geldhaus einzuverleiben, wird wohl nicht nur die deutsche Politik von den Vorteilen überzeugen müssen, auch die Europäische Zentralbank und europäische Regulierungsbehörden dürften sich den möglichen Käufer genau anschauen. Eine Zustimmung aller Beteiligten ist wenig wahrscheinlich, zumal die Deutsche Bank das einzige deutsche Finanzhaus mit nennenswerten internationalen Aktivitäten ist.

Was wollen die Chinesen wirklich?

Doch eine Komplettübernahme der Frankfurter ist offenbar ohnehin nicht im Langfristplan der Chinesen vorgesehen. Bereits zu Jahresbeginn hatten sie eine Anteilsaufstockung zwar angedeutet, aber betont, unterhalb der 10-Prozent-Schwelle bleiben zu wollen. Was der Mischkonzern als größter Einzelaktionär der Deutschen Bank bezwecken will, darüber hält sich das Management der HNA Group bedeckt. Ohnehin lassen sich die Asiaten bezüglich ihrer Pläne in Europa kaum in die Karten schauen - dabei gibt es zahlreiche Aktivitäten auf dem europäischen Kontinent. Neben dem Interesse an der HSH Nordbank und der Deutsche Bank-Beteiligung gehören auch zehn Prozent der österreichischen Fondsgesellschaft C-QUADRAT zum Portfolio der Chinesen. Nach dem Erwerb eines 82,5-Prozent-Anteils am Flughafen Hahn hat das Konglomerat zudem auch einen Flughafen in Europa in seinen Reihen. Wesentliche Nachteile hat es für die Beteiligungen bislang nicht gegeben. Und auch für die Deutsche Bank dürfte der höhere Anteil der HNA Group zunächst kein Grund zur Sorge sein.

John Cryan sieht keine Gefahr

Auch Deutsche Bank-Chef John Cryan hat der Beteiligung der chinesischen HNA Group bislang wenig Brisanz beigemessen und den Einstieg der Chinesen sogar begrüßt. An seiner grundsätzlichen Einstellung, dürfte sich auch nach dem Ausbau der Beteiligung kaum etwas geändert haben. "Wir leben nicht in einer Zeit, in der die Regulatoren große Übernahmen sehen wollen. Und wir sind weiter eine sehr große Bank. Ich sehe uns daher nicht als Übernahmeziel", erklärte der Manager einst gegenüber "Der Spiegel". Und dass die Chinesen bei der Deutschen Bank als Ankeraktionär an Bord sind, dürfte der Manager eher positiv bewerten. Schließlich ließ der neue Großanteilseigner verlauten, man habe vollstes Vertrauen in das Management der Deutschen Bank. Ein Vertrauensvorschuss, den der Konzernlenker gut gebrauchen kann, schließlich hat der Manager zahlreiche Rechtsstreitigkeiten aufzuarbeiten und hat dafür eine Kapitalerhöhung über 8 Milliarden Euro durchgezogen, mit der die Kosten für den Umbau des Finanzriesen mitfinanziert werden sollen. Ein Investor, der ihn bei seinen Plänen unterstützt, dürfte Cryan da gerade recht kommen.

Auch die Anleger nehmen den Aufstieg der HNA Group zum größten Einzelaktionär weitgehend unaufgeregt zur Kenntnis. Die Deutsche Bank-Aktie legte am Mittwoch zu und ging mit einem Plus von 0,56 Prozent bei 16,82 Euro aus dem Handel.

Redaktion finanzen.net

Bildquellen: Tupungato / Shutterstock.com, Bocman1973 / Shutterstock.com

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