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29.07.2015 15:00

Rheinmetall hofft auf Rüstungs-Renaissance

Rüstungsindustrie im Visier: Rheinmetall hofft auf Rüstungs-Renaissance | Nachricht | finanzen.net
Rüstungsindustrie im Visier
Folgen
Die Ukraine-Krise lässt in Europa die Wehretats steigen. Die Branche könnte damit vor besseren Zeiten stehen, auch weil die Politik den Weg auf die Auslandsmärkte nicht mehr versperren will.
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von Peer Leugermann, Euro am Sonntag

Für Armin Papperger sind die Folgen der Ukraine-Krise klar. "Deutschland wird wieder als Panzermacht helfen müssen", ist der Rheinmetall-Chef überzeugt. Der Vorstand des größten deutschen Rüstungskonzerns schätzt, dass der Konflikt der Branche 400 bis 800 Millionen Euro an zusätzlichen Aufträgen bringt - und glaubt an die Renaissance der Wehrtechnik.

Tatsächlich müssen Europas Verteidigungspolitiker umdenken, seit Russland die Krim annektiert und in der Ukraine einen Krieg nach altem Ost-West-Muster angezettelt hat. Denn bis zu dem Konflikt taten die NATO-Länder mit ihren Verteidigungsetats vor allem eins: kürzen. So sanken die Wehrausgaben des transatlantischen Verteidigungsbündnisses seit Ende des Kalten Krieges um 20 Prozent, obwohl die Mitgliederzahl im selben Zeitraum von 14 auf 8 Länder stieg. Als dann Polen, Litauen und Estland ihre NATO- Partner fragten, mit was sie rechnen könnten, sollte Putin die Krim nicht genügen, zeigten sich die Folgen der Sparrunden: Die NATO kann ihre Bündnis­partner kaum schützen.

Kaum Panzer in Europa

Bei der Bundeswehr sind von 3.000 Kampfpanzern noch 300 übrig, ähnlich mau fällt die Bilanz bei den Franzosen und den Briten aus. "Der Ukraine-Konflikt könnte zu einem Wendepunkt werden und den Trend sinkender Rüstungsausgaben in Europa beenden, vielleicht sogar umkehren", sagt Giri Rajendran vom renommierten Londoner Friedensforschungsinstitut IISS.

Erste Anzeichen hierfür gibt es bereits. Seit Kriegsausbruch im Februar 2014 hat ein Drittel der NATO-Länder angekündigt, die Rüstungsausgaben zu steigern. Zugleich beschloss die ­gesamte NATO, ihre Wehretats mindestens stabil zu halten. Wo es möglich ist, sollen die Ausgaben sogar wieder auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen. Im vergangenen Jahr investierten die NATO-Länder im Schnitt 1,2 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung in ihr Militär.

Bedeutende Beispiele dafür, dass dieser NATO-Zielwert von den Bündnispartnern nicht länger ignoriert wird, sind Frankreich und Deutschland. Beide Länder wollen ihre Rüstungsaus­gaben entgegen der ursprünglichen Planungen steigern. Frankreich plant, bis 2019 etwa 3,4 Milliarden Euro mehr auszugeben, der Wehretat in Deutschland soll von 2016 bis 2019 um acht Milliarden Euro steigen.

Dem Rheinmetall-Chef kommt diese Entwicklung gelegen. Papperger will das Unternehmen in die Topliga der internationalen Rüstungsindustrie führen. Der Jahresumsatz von zuletzt 4,7 Milliarden Euro reicht bloß für Platz 32 auf der Weltrangliste. Für die Top 10 sind Umsätze jenseits von zehn Milliarden Euro nötig. Ohne Übernahmen dürfte Rheinmetall das selbst bei steigenden Rüstungsausgaben so schnell nicht schaffen.

Pappergers Ambitionen

Doch dem Manager spielt nicht nur die Ukraine-Krise in die Hand, auch die innenpoli­tische Lage verschiebt sich zugunsten der Düsseldorfer. Nach langem Widerstand hat sich die Bundesregierung entschlossen, eine stärkere Europäisierung der Industrie zu fördern. Sprich: Zukäufe im Ausland sind neuerdings politisch nicht nur erlaubt, sondern gewünscht. Es ist eine laut Branchenkennern seit Jahren überfällige Erkenntnis, will die fragmentierte europäische Rüstungsindus­trie im internationalen Wettbewerb bestehen. Überdies wurden Aufklärungstechnik, Panzer- und U-Boot-Bau zu Schlüsselindustrien erklärt. Papperger hat lange darauf gewartet. Denn auch hieraus leitet sich ab, welche Zukäufe infrage kommen. Rheinmetall wird Interesse an ThyssenKrupps U-Boot-Sparte sowie an der Sonar- und Lasertechnik von Airbus nachgesagt.

Mit jeweils zwei Milliarden Euro sind den Düsseldorfern die Preise zu hoch - noch. Denn der Konzern könnte trotz regem ausländischem Interesse noch zum einzigen Bieter werden. Auch hier will Berlin mitreden: Schlüsseltechnologie soll möglichst nicht in ausländische Hände fallen.

Wie zwiespältig die Indus­triepolitik der Großen Koalition hier ist, zeigt ein anderer Deal, der dem Vernehmen nach kurz vor dem Abschluss steht: die ­Fusion von Kraus Maffei Wegmann (KWM) und der französischen Waffenschmiede Nexter. Das Zusammengehen des Leopard-2-Herstellers KWM mit den Franzosen wird Berlin wohl abnicken.

Politisch sakrosankt dürften wegen des Einflusses von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel die strengen Exportkontrollen für deutsche Rüstungsgüter bleiben. "Es wird schon mit dem Slogan ,German free‘ für Produkte ohne deutsche Beteiligung geworben", sagt Rüstungsexperte Manfred Hader, Partner der Unternehmensberatung Roland Berger. Viele Konzerne verlagern ihre Produktion ins Ausland, um den Auflagen zu entgehen. Nickt der Bund die Fusion von KWM und Nexter ab, so gilt das Experten zufolge als stilles Einverständnis mit der Praxis.

Staat gibt Starthilfe

Was es bedeutet, die volle Rückendeckung der eigenen Regierung zu haben, zeigt ein Blick auf den französischen Konzern Dassault Aviation. Dem Flugzeughersteller ist es zum Jahresanfang gelungen, 34 Kampfjets des Typs Rafale für 5,2 Milliarden an Ägypten zu verkaufen. Frankreich hat sich laut Präsident Holland "einige Mühe gemacht", um den Kunden bei ­Finanzierungsfragen zu unterstützen. Mehr als die Hälfte des Kaufpreises wird von französischen Banken finanziert.

Später orderte Katar Rafale-Jets für sieben Milliarden Euro. Die Verhandlungen mit Indien über den Kauf von 36 der Flieger stehen offenbar kurz vor dem Abschluss. Die Franzosen sind zuversichtlich, dieses Jahr noch ein viertes Geschäft abzuschließen. Gespräche dazu laufen mit Malaysia und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Die Kundenliste der Franzosen belegt das unverändert hohe Interesse von Schwellenländern an Wehrtechnik, die Rüstungsausgaben wachsen. Auf diese Märkte haben es auch die Größten der Branche abgesehen: die US-Konzerne. Soeben übernahm die amerikanische Lockheed Martin den US-Hubschrauberhersteller Sikorsky - unter anderem, um die eigenen Exporte zu steigern. Lockheed war der Deal neun Milliarden Dollar wert.

Das US-Verteidigungsministerium bleibt Hauptkunde der Nummer 1 der globalen Waffenschmieden. Die Hälfte des Umsatzes von 6,5 Milliarden Dollar macht der Hersteller der Blackhawk-Hubschrauber mit dem Pentagon. So festigt Lockheed seine Position als größter Waffenlieferant der US-Streitkräfte. Doch der Rest des Umsatzes geht in den Weltmarkt. Sikorsky bringt Lockheed so dem Ziel näher, rund ein Viertel des Umsatzes in Übersee zu machen. Auch ein neuer Kalter Krieg in Europa könnte Geschäft bringen.

Investor-Info

Rheinmetall
Pfeile im Köcher

Sondereffekte in der Militärsparte ver­miesten dem Konzern das vergangene Jahr. Trotz Umsatzanstiegs auf 4,6 Milliarden Euro fiel das Ergebnis je Aktie um ein Drittel. Das erste Quartal sah mit stark steigenden Umsätzen, einer langsam in die Profitabilität zurückkehrenden Rüstungssparte sowie einem Auftragsbestand von 6,6 Milliarden Euro jedoch wieder besser aus. Konsolidierung und womöglich günstige Übernahmen schaffen Kurspotenzial. Spekulativer Kauf.

Dassault Aviation
Vormarsch der Franzosen

Wegen der Verkaufserfolge des Kampfjets Rafale hat der Konzern soeben erklärt, die Produktionskapazitäten auszuweiten. Dassault baut nicht nur Kampfflieger, sondern mit der Falcon-Reihe auch Privatjets. Die Kombination aus militärischer und ziviler Luftfahrt macht den Konzern unabhängiger von staatlichen Rüstungsausgaben. Vom ­Falcon wird es in den nächsten Jahren neue ­Modelle geben. Hoch bewertet, abwarten.

Lockheed Martin
Weltweite Nummer 1

Die Übernahme des Helikopterherstellers ­Sikorsky für neun Milliarden Dollar festigt die Stellung von Lockheed als Lieferant für das US-Militär und stärkt das Exportgeschäft. Der Deal reduziert die Abhängigkeit der Ameri­kaner von ihrem Topseller, dem F35-Jet. Das IT-Servicegeschäft wird verkauft. Der Konzern setzt seine Fokussierung auf die Rüstung fort. Die besser als erwartet ausgefallenen Zahlen zum ersten Quartal zeigen, dass die Strategie stimmt. Moderat bewertet.
Bildquellen: Boeing

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