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14.11.2019 16:52
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Allianz im Fokus: Katastrophen kratzen den Riesen kaum

Was bei Allianz los ist: Allianz im Fokus: Katastrophen kratzen den Riesen kaum | Nachricht | finanzen.net
Was bei Allianz los ist
Ob Wirbelstürme, Unternehmenspleiten oder das Flugverbot für Boeings wichtigstes Flugzeugmodell.
Europas größter Versicherer Allianz mischt zwar bei der Deckung großer Risiken mit, doch die jüngsten Katastrophen verschiedenster Art kratzen kaum an den Gewinnen des DAX-Konzerns. Die verschärften Niedrigzinsen lassen die Ergebnisse aber auch nicht in den Himmel wachsen. Was bei Allianz los ist, was Analysten sagen und was die Aktie macht.

DAS IST LOS BEI ALLIANZ:

Für das dritte Kapitel seines Zukunftsprogramms hat sich Allianz-Chef Oliver Bäte die Schaden- und Unfallversicherung vorgenommen. In der größten Sparte des Konzerns soll alles schneller, einfacher und digitaler werden.

Im Lauf der Jahrzehnte hat Allianz im Geschäft mit Privat- und Unternehmenskunden Vertragsmodelle und Computersysteme in verschiedenen Segmenten und Ländern doppelt und dreifach und für alle möglichen Bedürfnisse entwickelt. Allein in der gewerblichen Haftpflichtversicherung bot das Unternehmen 340 verschiedene Module an. So etwas soll es künftig nicht mehr geben.

Bäte lässt Vertragstypen und Technologie jetzt zentral entwickeln und will sie in so vielen Ländern wie möglich einsetzen. Gerade hat er mit Allianz Direct einen konzerneigenen Direktversicherer an den Start gebracht. Dieser bietet seit wenigen Wochen in Deutschland und den Niederlanden eine digitale Kfz-Versicherung an - pünktlich zur hiesigen Wechselsaison. Damit reagiert Bäte auf den Erfolg junger Unternehmen wie dem Vergleichsportal Check24 oder dem US-Digitalversicherer Lemonade, der gerade nach Deutschland expandiert.

Auf der anderen Seite hat Bäte die Schaden- und Unfallsparte bereits im wahrsten Wortsinne wetterfest gemacht. Bei Versicherungen gegen Naturkatastrophen-Schäden ist Allianz zwar weiter mit im Boot, doch nur in beschränktem Maß. So kam es, dass der Konzern selbst 2017, dem bisher weltweit teuersten Naturkatastrophenjahr für die Branche mit drei Hurrikanen in den USA, keinen Gewinneinbruch erlitt.

Im jetzt abgelaufenen Quartal musste Allianz für die Zerstörungen durch Taifun "Faxai" in Japan nur mit rund 50 Millionen Euro geradestehen. Die Schäden durch Hurrikan "Dorian" in der Karibik und den USA waren für die Münchner laut Finanzchef Guilio Terzariol "praktisch nicht relevant". Damit hielt das Unternehmen Kurs auf seine Jahresziele. In den ersten neun Monaten erzielte es einen operativen Gewinn von 9,1 Milliarden Euro, 4,2 Prozent mehr als im Vorjahr.

Große Sprünge sind allerdings nicht zu erwarten. Für das laufende Jahr rechnet Terzariol zwar jetzt mit einem operativen Gewinn zwischen 11,5 und 12 Milliarden Euro - was der oberen Hälfte der bisherigen Zielspanne entspricht. Allerdings habe sich der Vorstand bewusst entschieden, nicht das obere Ende anzupeilen, stellte der Manager vergangenen Freitag klar: "Dass die Zinsen so niedrig sind, hat Konsequenzen."

Auch bei ihren Mittelfrist-Zielen gibt sich die Allianz-Führung eher vorsichtig. Von 2018 bis 2021 soll das operative Ergebnis im jährlichen Schnitt um mehr als vier Prozent wachsen. Schon 2018 fiel der Anstieg etwas geringer aus.

DAS MACHT DIE AKTIE:

Auf die vorsichtige Anhebung des Ziels für 2019 reagierten Anleger verschnupft - schließlich hatten Analysten im Schnitt schon mit 11,9 Milliarden Euro gerechnet. Die Aktie verlor in den folgenden Tagen zeitweise mehr als vier Prozent. Zuletzt lag ihr Kurs mit rund 217 Euro noch rund 3,5 Prozent niedriger als vor der Veröffentlichung des Zwischenberichts am Freitagmorgen.

Seit einigen Jahren passt die Kursentwicklung der Allianz-Aktie zu dem Bild, das wohl viele von dem Münchner Versicherungsriesen haben: konservativ, langweilig, aber verlässlich. Das heißt aber auch: So leicht wirft Allianz an der Börse nichts aus der Bahn. Das war zwischenzeitlich einmal anders.

Nach dem Rekordhoch von mehr als 402 Euro im Jahr 2000 sackte der Kurs infolge der Terroranschläge vom 11. September 2001 auf rund 41 Euro ab. Nach einer kräftigen Erholung ging es in der Finanzkrise 2008 noch einmal ähnlich weit nach unten. Auch Erdbeben und Tsunami 2011 in Japan hinterließen tiefe Spuren.

In den vergangenen Jahren zeigte die Linie aber kräftig aufwärts. Seit dem Jahreswechsel hat das Papier etwa 24 Prozent an Wert gewonnen. Seit Bätes Amtsantritt im Mai 2015 steht ein Plus von mehr als 40 Prozent zu Buche. Damit legte der Kurs in dem Zeitraum stärker zu als der DAX und übertraf auch den europäischen Branchenindex Stoxx 600 Insurance.

Das Rekordhoch von der Jahrtausendwende bleibt für die Aktie aber weit entfernt. Welch positive Entwicklung das Papier hinter sich hat, erkennt man jedoch, wenn man die Marktkapitalisierung des Versicherungskonzerns mit der der Deutschen Bank vergleicht: Mit einem Börsenwert von gut 90 Milliarden Euro ist die Allianz derzeit mehr als sechsmal so viel wert wie das Bankhaus.

DAS SAGEN ANALYSTEN:

Von den 17 im dpa-AFX Analyser erfassten Branchenexperten sind die meisten der Allianz-Aktie zugetan. 11 Analysten empfehlen das Papier zum Kauf, 5 raten zum Halten und nur einer gibt eine Verkaufsempfehlung. Im Schnitt sehen sie die Aktie auf dem Weg zu rund 226,50 Euro - rund vier Prozent über dem jüngsten Kursniveau.

Am optimistischsten zeigt sich Branchenexperte Volker Sack von der NordLB. Nach den jüngsten Quartalszahlen hob er sein Kursziel sogar von 225 auf 252 Euro an. Denn er bleibt trotz der vorsichtigen Äußerungen von Finanzvorstand Terzariol bei seiner Einschätzung, dass die Allianz beim operativen Ergebnis in diesem Jahr die Marke von zwölf Milliarden Euro übertreffen dürfte.

Sein Kollege Kamran Hossain vom Analysehaus RBC ist in Sachen Kursentwicklung deutlich pessimistischer. Obwohl die Allianz mit ihrem operativen Gewinn im dritten Quartal seine Erwartungen getroffen hat, hält er die Aktie derzeit für zu hoch bewertet. Mit seinem Kursziel von 200 Euro liegt er so niedrig wie kein anderer erfasster Analyst. Folgerichtig ist er auch der einzige, der Anlegern rät, die Papiere zu verkaufen.

/stw/kro/he

MÜNCHEN (dpa-AFX)

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