Zukunftsfragen

ProSieben-Aktie stärker: Verkaufspläne erhalten zunehmend Rückenwind - Sat.1 zeigt Topspiel zwischen FC Bayern und Stuttgart

17.04.24 12:32 Uhr

ProSiebenSat.1-Aktie gesucht: Finanzchef kündigt bahnbrechende Verkaufsstrategie an - Streamingplattform Joyn erreicht Schweiz | finanzen.net

Im Streit um die Zukunft von ProSiebenSat.1 gibt sich Finanzvorstand Martin Mildner zuversichtlich, dass der italienische Großaktionär MFE mit seinem Plänen zur Aufspaltung des deutschen Fernsehkonzerns scheitert.

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"Die Zustimmung für unsere Verkaufspläne und gegen die Forderung von MFE nach einer Abspaltung wächst", sagte Mildner dem Magazin "Focus" laut Vorabbericht vom Dienstag. Sollten sich die Italiener aber auf der Hauptversammlung am 30. April mit ihrer Forderung nach einer Abspaltung der Internettöchter durchsetzen, fürchtet Mildner eine finanzielle Schieflage des Konzerns.

"Die E-Commerce-Assets würden abgespalten werden, doch die Verbindlichkeiten in kompletter oder zumindest in ganz überwiegender Höhe bei der ProSiebenSat.1 Media SE verbleiben, die dann zudem ein geringeres operatives Ergebnis hat", sagte der Finanzchef. "Zurück bliebe eine hoch verschuldete Entertainmentgruppe, die aber nicht mehr in der Lage wäre, den Schuldenberg durch Verkäufe von Konzernteilen abzubauen."

Die von der Familie Berlusconi kontrollierte Holding MFE-MediaForEurope plädiert dafür, eine Abspaltung des Dating- und E-Commerce-Geschäfts vom Kerngeschäft Unterhaltung zu prüfen und vorzubereiten. Das würde es für MFE attraktiver machen, ProSiebenSat.1 zu übernehmen. Wie von Reuters eingesehene Dokumente zeigten, führte MFE Ende vorigen Jahres und Anfang 2024 Gespräche mit Kreditgebern, die an der Finanzierung einer Übernahme von ProSieben interessiert wären und dies auch unterstützen würden. Es gehe darum, ein potenzielles Übernahmeangebot für bis zu rund vier Milliarden Euro zu finanzieren, hatte Reuters von mit der Sache vertrauten Personen und aus Dokumenten dazu erfahren. MFE ist 2019 bei ProSieben eingestiegen und hält fast 30 Prozent. Die übrigen 70 Prozent sind derzeit rund 1,2 Milliarden Euro wert.

Rückendeckung bekommt die Konzernspitze von der Arbeitnehmervertretung. Der Betriebsrat stelle "sich klar hinter die Strategie von Vorstand und Aufsichtsrat", erklärte der Vorsitzende des Gremiums, Ulrich Schaal. Die Beschäftigten forderten "einen klaren Kurs in der Veränderung und nach innen noch stärker werdende wertschätzende Kontinuität". Aus heutiger Sicht biete "unser jetziges Setup dafür die größte Chance". Daher rufe der Betriebsrat Aktionärinnen und Aktionäre innerhalb der Mitarbeiterschaft, aber auch alle anderen dazu auf, ihr Stimmrecht zur Unterstützung des Vorstands zu nutzen. Der Europäische Betriebsrat (EEB), der die Beschäftigten außerhalb des Hauptsitzes Unterföhring vertritt, äußerte sich ähnlich. Man fordere klare Auskunft von MFE und dem zweiten Großaktionär, der tschechischen PPF-Holding, "über ihre Absichten und Gründe, die sich uns bislang nicht erschließen".

ProSiebenSat.1-Chef Bert Habets hatte jüngst angekündigt, man habe einen Verkaufsprozess des Online-Parfümhändlers Flaconi und des Vergleichsportals Verivox gestartet. "Flaconi und Verivox haben ein exzellentes Jahr 2023 gehabt", sagte Mildner. "Beide Unternehmen sind auch sehr gut in dieses Jahr gestartet." Sie seien in ausgezeichneter Verfassung für einen Verkauf.

ProSiebenSat.1 steigerte seinen Umsatz im ersten Quartal im Jahresvergleich um sechs Prozent auf 867 Millionen Euro, wie der Konzern am Montagabend auf Basis vorläufiger Geschäftszahlen mitgeteilt hatte. Der bereinigte operative Gewinn (Ebitda) kletterte trotz des angekündigten Anstiegs der Programmausgaben um 35 Prozent auf 72 Millionen Euro - auch mit Hilfe von "konsequentem Kostenmanagement".

ProSiebenSat.1 erweitert Streamingplattform Joyn auf die Schweiz

ProSiebenSat.1 weitet sein Streaming-Angebot Joyn auf die Schweiz aus. Die kostenfreie Plattform startet dort im Juni, wie der Medienkonzern am Mittwoch in Unterföhring bei München mitteilte. In der Schweizer Version werde es Filme, Serien und Shows auf Abruf sowie Live-Programm von TV-Sendern geben. Joyn gibt es bislang in Deutschland und Österreich.

Anders als andere Streaming-Anbieter setzt Joyn in erster Linie auf Werbeeinnahmen und auf Reichweite mit einem kostenfreien Angebot. Einnahmen durch Abonnenten mit Plus-Inhalten stehen nicht im Hauptfokus. In Deutschland, Österreich und der Schweiz betreibt ProSiebenSat.1 15 Free- und Pay-TV-Sender, wie aus dem jüngsten Geschäftsbericht hervorgeht.

Joyn war zunächst als Joint-Venture mit Warner Bros. Discovery gegründet worden. Vor Jahren übernahm ProSiebenSat.1 dann alle Anteile. Auf der Plattform sind auch die Live-Programme von TV-Sendern anderer Anbieter zu sehen, darunter sind auch öffentlich-rechtliche Angebote.

Sat.1 zeigt Topspiel zwischen FC Bayern und Stuttgart

Der Süd-Kracher in der Fußball-Bundesliga zwischen dem FC Bayern München und dem VfB Stuttgart am 4. Mai wird live im Free-TV übertragen. Sat.1 zeigt das Topspiel des 32. Spieltags und berichtet ab 15.00 Uhr. Aktuell liegen die Münchner und die Stuttgarter in der Tabelle punktgleich auf den Plätzen zwei und drei, ihr Vorsprung auf den Vierten aus Leipzig liegt schon bei sieben Zählern. Meister ist seit dem vergangenen Wochenende vorzeitig Bayer Leverkusen. Das Heimspiel des VfB gegen den Rekordmeister ist außerdem auf Joyn und ran.de im Live-Stream zu sehen.

Die Übertragung ist Bestandteil einer Kooperation der Seven.One Entertainment Group mit Sky Deutschland. Die Vereinbarung umfasste vier Live-Spiele 2022/23 und 2023/24. Sie endet nun mit der Begegnung Stuttgart gegen München. In der Hinrunde hatte der FC Bayern nach einem Doppelpack von Harry Kane mit 3:0 gewonnen.

Die ProSiebenSat.1-Aktie klettert im XETRA-Handel zeitweise 3,89 Prozent auf 7,87 Euro.

Berlin / UNTERFÖHRING (Reuters / dpa-AFX)

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Bildquellen: Jan Pitman/Getty Images, Holger Rauner © ProSiebenSat.1 Media AG

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