25.10.2012 13:57

Wer rechnen kann, ist klar im Vorteil

Baader Bond Markets-Kolumne: Wer rechnen kann, ist klar im Vorteil | Nachricht | finanzen.net
Baader Bond Markets-Kolumne
Klaus Stopp
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Die nachträgliche Korrektur von Wirtschaftszahlen ist ein bekanntes Phänomen, das viele Anleger von den US-Behörden kennen.
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Besonders ausgeprägt ist dies aber auch bei den offiziellen griechischen Stellen. Lag die Verschuldung für 2011 im April noch bei 9,1% der Wirtschaftsleistung (BIP) und die Gesamtverschuldung bei 165,3%, revidierte die nationale statistische Behörde Griechenlands Elstat die vorläufigen Zahlen nach oben auf 9,4% der Wirtschaftsleistung (BIP) und die Gesamtverschuldung auf 170,6%. Die Wahrheit wird der Öffentlichkeit in einer Art Salamitaktik präsentiert. Doch auch die Europäische Statistikbehörde Eurostat korrigierte die Zahlen für die anderen Sorgenkinder in Europa nach oben. So betrug die Neuverschuldung für Spanien im vergangenen Jahr statt 91,3 jetzt 100,4 Mrd. € und die Defizitquote erhöhte sich von 8,5% im April auf nun 9,4% des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Auch für Irland korrigierten die Statistiker die Defizitquote um 0,3% auf 13,4% nach oben. Kein Grund zur Sorge, sagen die Politiker. Sie scheinen alles im Griff zu haben – so wie die Statistiken.

Apropos Zahlen. Mit Spannung wird die Auszählung der Stimmen zur US-Präsidentschaftswahl erwartet. Dieses Land hat bereits im Jahre 2000 - trotz Unternehmen wie Apple, IBM und Microsoft - bewiesen, dass dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten auch Grenzen gesetzt sind. Damals waren mehrere Auszählversuche sowie gerichtliche Anweisungen notwendig und erst im Dezember stand der Präsident fest.

Athen kommt wieder an den Tropf
Heute ist die gute alte Zeit von morgen

Als hätte man es nicht schon vorher gewusst. Die griechische Regierung soll offenbar mehr Zeit für die Sanierung des maroden Staatshaushaltes erhalten. Das Land müsse die Neuverschuldung statt 2014 erst 2016 wieder unter die EU-Obergrenze von 3% der Wirtschaftsleistung drücken, wollen gut unterrichtete Kreise wissen. Athen hat also zwei Jahre mehr Zeit, nichts zu tun. Der nächste Hilfskredit von fast 32 Mrd. € dürfte trotz der unerfüllten Forderungen der Troika – wie dem Aufbau einer Finanzverwaltung und die Reduzierung des Beamtenapparates – nach einigen verbalen Verrenkungen wohl ausbezahlt werden. Doch wie will das Land ohne Strukturreformen die Neuverschuldung in den kommenden Jahren senken? Die nächste Geldspritze dürfte ebenso wie die bereits gezahlten 150 Mrd. € irgendwo versickern, ohne dass sich der Zustand der griechischen Wirtschaft verbessert. „Zeit ist Geld“, heißt es. In keinem anderen Fall hat dies eine so große Bedeutung wie bei Griechenland. Es stellt sich die Frage, wer dann die Hilfsgelder bis 2016 bezahlen soll?

Hierzu wird sich sicherlich ein großzügiger Spender finden, der alles ohne Spendenquittung übernimmt. Denn wie sagte bereits Karl Valentin: „Wer am Ende ist, kann von vorne anfangen, denn das Ende ist der Anfang von der anderen Seite.“ Ein anderer Spruch, dessen Botschaft wir uns allerdings nur schwerlich vorstellen können, lautet: "Heute ist die gute alte Zeit von morgen“. Na, das kann ja noch "heiter" werden.

Corporates: Otto find ich gut?
Ungebrochene Emissionstätigkeit

Die Stimmung am Primärmarkt für Euro-Corporates hat sich in der abgelaufenen Woche insbesondere für die Emittentenadressen aus der Eurozonenperipherie weiter aufgehellt.

Abertis, ein spanisches Infrastrukturunternehmen, entschied sich bereits vergangene Woche am Primärmarkt aufzutreten. Nach drei Jahren Abstinenz wurden dadurch 750 Mio. € am Kapitalmarkt eingesammelt. Der Triple-B-Emittent offerierte den Investoren eine Anleihe mit einer siebenjährigen Laufzeit und, bei einer deutlichen Überzeichnung, eine Rendite von 4,825%.

Lagardère, ein im Verlagswesen sowie in der Flugzeug- und Raumfahrtbranche tätiges französisches Unternehmen, wurde ebenfalls zum Wochenschluss am Kapitalmarkt aktiv. Das fünfjährige Papier im Volumen von 500 Mio. € wurde zunächst mit einer Spread-Vorgabe von 340 bis 350 BP angekündigt. Die Zuteilung erfolgte infolge einer 9-fachen Überzeichnung allerdings mit 325 BP über Midswaps.

Am Dienstag dieser Woche emittierte der deutsche Versandhandelskonzern Otto GmbH & Co. KG eine 300 Mio. € große Anleihe mit Fälligkeit im November 2019. Der Kupon beträgt 4,00% und als Emissionskurs wurde 99,25% festgesetzt. Dies entspricht 259,6 BP über Midswaps. Die Emission wurde von der Commerzbank und der Deutsche Bank begleitet.

Ebenfalls am Dienstag refinanzierte sich mit der Nederlandse Gasunie NV, ein staatliches, niederländisches Unternehmen aus dem Energiesektor, mit 500 Mio. € am Kapitalmarkt. Mit einem Kupon von 0,875% und einer Fälligkeit im Oktober 2015 wurde die Anleihe bei 99,903% begeben.

Machtspiel auf amerikanisch
Fiscal cliff - wie reagieren die Rating-Agenturen?
Einigung um „5 vor 12“ oder „5 nach 12“?

Egal, wer die US-Präsidentschaftswahl gewinnt, Barack Obama oder Willard Mitt Romney: Es könnte sich als ein Pyrrhussieg herausstellen. Denn durch den als sogenannten „fiscal cliff“ bezeichneten Stimulusentzug wie den Wegfall einer Reihe von Steuernachlässen, die 2001 und 2003 unter dem früheren Präsidenten George W. Bush verabschiedet worden waren, und den einhergehenden Ausgabenkürzungen droht ein massiver Konjunktureinbruch. Allein im Januar 2013 werden Ausgabenstreichungen im Volumen von 1,2 Bill. US-Dollar greifen, die auf die kommende Dekade verteilt werden sollen. Diese Sparmaßnahmen wurden bereits 2011 verabschiedet, um eine Staatspleite zu verhindern. Ein neues Gesetz ist nicht in Sicht, da sich Demokraten und Republikaner nicht einigen können und nach den Wahlen am 6. November noch in alter Konstellation der Kompromiss gefunden werden muss. Experten rechnen daher mit einem negativen Wachstum von 0,5% bis Ende 2013. Dadurch besteht die Gefahr, dass es im Falle einer Nichteinigung zu einem weiteren Downgrade des Bonitätsratings der USA kommen wird. Die logische Konsequenz davon wäre ein Zinsanstieg, der die Konjunktur zusätzlich belasten würde. Aber sicherlich wird die amerikanische Notenbank auch für diesen Fall eine Medizin in ihrem „Arzneischrank“ bereithalten.

Dennoch darf man gespannt sein, ob die Parteien den Einstieg in einen „circulus virtuosus“ zulassen oder sich wieder in letzter Sekunde einigen werden.

Immobilienblase in Italien
Wie lange wird noch gedopt?

Jüngst warnte der Finanzvorstand der Allianz, Maximilian Zimmerer, vor einer Immobilienblase in Deutschland durch die niedrigen Zinsen. Während Banken wie die KfW diese Ansicht nicht teilen, treibt Experten der gefährdete Immobilienmarkt in Italien die Schweißperlen auf die Stirn. Da viele Kreditnehmer die Bedingungen der Banken für ihre Baufinanzierung nicht mehr erfüllen können, müssen viele italienische Banken kräftige Abschreibungen vornehmen. Es wundert daher nicht, dass seit vier Jahren die Preise für Wohnimmobilien und gewerbliche Immobilien in dem südeuropäischen Land sinken. Da mehr als 40% der vergebenen Bankkredite an die Immobilienbranche gebunden sind, drohen den italienischen Finanzinstituten Verluste von bis zu 65 Mrd. €. Es steht zu befürchten, dass die Banken versuchen, die Immobilienpreise künstlich hoch zu halten, um Verluste zu vermeiden. Man muss sich fragen, wie lange dieser Zustand anhalten kann, ohne dass das Kartenhaus zusammenbricht. Was passiert, wenn ein solches Konstrukt in sich zusammenfällt kann man derzeit in Spanien sehen. Dennoch ist festzustellen, dass die Preiskorrekturen im Vergleich zu Amerika bisher sehr moderat ausgefallen sind und sich die Hauspreise noch nicht den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen angepasst haben.

Diese Aussichten sind nicht wirklich „Mut einflößend“ für Euroland und es drängt sich die folgende Lebensweisheit auf: „Wenn einem das Wasser bis zum Halse steht, dann sollte man den Kopf nicht hängen lassen.“ In diesem Sinne: Kopf hoch!

Freibrief für alle: Schuldenunion folgt Bankenunion
Deutsche Einlagensicherung gehört bald allen

Spanien und Frankreich machen Druck. Sie wollen so schnell wie möglich, dass die geplante Bankenunion für die Eurozone geschaffen wird. Kein Wunder: Spaniens Banken hätten dann die Möglichkeit, ohne Umweg über die Regierung, Geld aus dem Euro-Rettungsfonds zu bekommen. Wenn aber eine Bankenunion beschlossen wird, dann sind allerdings auch die Diskussionen nicht weit, eine EU-Einlagensicherung zu schaffen. Damit haben dann europäische Institutionen Zugriff auf die zur Sicherung deutscher Kunden bei Sparkassen und Banken bestimmten Mittel. Die Einlagen des deutschen Michel sichern dann wohl künftig auch italienische und spanische Sparer ab. Auch wenn derzeit mehr als zwei Drittel der Deutschen dagegen sind, dürfte die Einrichtung einer gemeinsamen Einlagensicherung nur eine Frage der Zeit sein. Das ist der Preis eines Vereinten Europas und zugleich der Wille der Politiker.

Euro-Bund-Future: Der Tag der Entscheidung naht!
Euro-Bund-Future ist nicht tot zu kriegen
Tradingrange zwischen 139,45% und 141,95%

Immer dann wenn man denkt, dass eine Korrektur überfällig ist, dann passiert irgendetwas und alles verkehrt sich ins Gegenteil. Mal sind es Äußerungen des EZB-Präsidenten Draghi, mal positive Darstellungen der „Sparerfolge“ verschiedener Euroländer, die das Sorgenbarometer talwärts schicken, mal wiederum schlechte Konjunkturaussichten und Stillstand bei den Sanierungsbemühungen, die eine Wiederauferstehung des Euro-Bund-Future zur Folge haben.

Die vergangenen Handelstage standen ganz im Zeichen fallender Notierungen am Aktienmarkt und der ständigen Ungewissheit bei der Lösung der Finanzierungsprobleme in Euroland. Dass ein EZB-Präsident auf „Roadshow“ geht und sich den Fragen von Volksvertretern stellt, ist schon eine einmalige Sache und trägt sicherlich nicht zur nachhaltigen Beruhigung der Kapitalmärkte bei.

In solchen Zeiten greifen Marktteilnehmer immer wieder gerne auf die altbewährte Charttechnik zurück. Hierbei zeigt sich, dass ein kurzfristiger Aufwärtstrend und ein mittelfristiger Abwärtstrend ein Dreieck herausbilden und der Marke von 141,00% (diverse Oktobertiefs) eine besondere Bedeutung zukommt. Bei Durchbrechen der oberen Begrenzung ist eine Erholung bis auf 141,95% (Hoch vom 28.9.) möglich. Sollte sich aber wieder Abgabedruck einstellen, so würde dem Bereich um 139,45% (Tief vom 18.10.) eine besondere Bedeutung als Unterstützungslinie zukommen. Niemand kann vorhersagen, was zuerst passieren wird, aber eines ist gewiss: "Der Tag der Entscheidung naht!"

Staatsanleihen und sonstige Neuemissionen: Spanien und Deutschland am Markt
2% für 6 Monate und 1,56% für 10 Jahre

Und täglich beziehungsweise wöchentlich grüßt das Murmeltier. Seit Wochen wird unverändert mittels eines siebentägigen Geldmarktgeschäfts das durch Anleihenankäufe in den Markt gepumpte Geld (209,5 Mrd. €) wieder abgezogen. Eine betragsmäßige Veränderung ist lediglich Endfälligkeiten geschuldet.

In Euroland wurden in den vergangenen Handelstagen wiederum verschiedene Altemissionen Italiens, Belgiens und Frankreichs aufgestockt. Die Geldmarktauktion Spaniens, der nach den Entscheidungen der Ratingagenturen besonderes Augenmerk geschenkt wurde, kann als durchaus gelungen bezeichnet werden, wenn auch die Renditen für 3-Monats-Papiere von zuletzt 1,20% auf 1,41% anstiegen. Bei den sechsmonatigen Geldmarktpapieren konnten hingegen allerdings nur niedrigere Renditen (2,0% nach 2,2%) erzielt werden. Insgesamt konnten 3,5 Mrd. € so refinanziert werden. Aber auch Deutschland braucht trotz der unerwartet hohen Steuereinnahmen immer wieder die Hilfe des Kapitalmarktes. So wurden am gestrigen Mittwoch 4 Mrd. € zu einer Durchschnittsrendite von 1,56% eingesammelt. Fällig ist diese Anleihe (113549) aber erst 2022 und verdeutlicht die vorhandene Diskrepanz bei der Begebung von Wertpapieren durch Emittenten unterschiedlicher Bonität.

Währungsanleihen: Der Euro wird überleben
Euro zwischen 1,28 und 1,32 USD
Neubewertung gegenüber NOK

Grundsätzlich hat sich wieder Zuversicht bezüglich der Zukunft des Euros eingestellt. Aber dennoch zogen kurzzeitig dunkle Wolken über der Eurozone auf. Verantwortlich hierfür waren abermals die „Causa Spanien“, sowie ernüchternde Wirtschafts- und Wachstumsdaten. Nach dem etwas überraschendem Rückgang des Ifo-Geschäftsklima-Index für Oktober ging es für die europäische Gemeinschaftswährung rasant gen Süden. Wurde der Euro vor Wochenfrist noch über der Marke von 1,31 USD gehandelt, so hat er inzwischen sogar die psychologisch markante 1,30 USD unterschritten. Aber mit einer weiteren signifikanten Kursentwicklung ist, auch vor dem Hintergrund der US-Präsidentschaftswahl, nicht zu rechnen.

Ein anderes Bild zeigt sich allerdings hinsichtlich der Kursentwicklung zur norwegischen Krone. Da die „Nordwährungen“ in den vergangenen Monaten als Profiteure der Krise in Euroland bezeichnet werden können, ist es nicht verwunderlich, dass diese - bedingt durch die gestiegene Lebenserwartung des Euros – eine Neubewertung erfuhren. Innerhalb eines Monats hat sich die norwegische Krone von 7,4995 (18.9.) auf 7,3413 (1.10) verteuert, um jetzt wieder bei ca. 7,4510 zu handeln. Jede Neubewertung kann aber auch eine Chance sein.

Solange sich die Stimmung in der Eurozone nicht nachhaltig aufhellt, bleiben Fremdwährungsanleihen eine gute Alternativanlage zum Euro und werden zur Diversifikation gerne gekauft.

Als „Investors Liebling“ gelten infolge großer Umsätze weiterhin Anleihen auf norwegische Kronen, australische Dollar sowie brasilianische Real.


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Der Vorsitzende des Aufsichtsrats ist Dr. Horst Schiessl. Die Mitglieder des Vorstands sind Uto Baader (Vorsitzender), Nico Baader, Dieter Brichmann und Dieter Silmen.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.Baadermarkets.de

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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