Ölpreise ziehen kräftig an - Brent kratzt wieder an der 100-Dollar-Marke - Auch Gaspreis mit Höhenflug

An den Ölmärkten zeichnet sich auch nach der Freigabe von Ölreserven durch die Internationale Energieagentur keine Entspannung ab.
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Sorgen vor einer dauerhaften Blockade der Straße von Hormus halten die Preise auf dem höchsten Niveau seit Jahren - ein schlechtes Omen für Autofahrer in Deutschland und weltweit.
Während der Iran droht, kein Tropfen Öl für die USA und ihre Partner werde die Meerenge passieren, spielt US-Präsident Donald Trump die Gefahr herunter. Öltanker sollten die Straße von Hormus durchfahren, sagte er am Mittwoch. Dass der Iran die Gewässer vermint habe, wie mehrere Medien berichteten, glaube er nicht.
Die etwa 55 Kilometer breite Straße von Hormus liegt zwischen dem Iran und dem Oman. Sie gehört zu den wichtigsten Seerouten des internationalen Ölhandels.
Freigabe der Ölreserven verpufft am Ölmarkt
Unterdessen suchen Regierungen nach Wegen, mehr Öl auf den Weltmarkt zu pumpen. Die Internationale Energieagentur (IEA) gab am Mittwoch bekannt, eine Rekordmenge strategischer Ölreserven freizugeben. Insgesamt werden die 32 Mitgliedsländer 400 Millionen Barrel Rohöl an den Markt geben. Ihr Ziel: die durch den Krieg angespannten Märkte zu stabilisieren.
Doch die Ölpreise steigen weiter kräftig. Ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent kostete am Donnerstagmorgen zeitweise wieder mehr als 100 Dollar und damit rund neun Prozent mehr als am Vortag. Bei der US-Sorte WTI fiel der Anstieg ähnlich aus. Die Ölpreise waren in den vergangenen Tagen auf den höchsten Stand seit Sommer 2022 gestiegen.
Zuletzt kostete WTI 94,71 US-Dollar je Barrel, Brent 99,29 US-Dollar.
Auslieferung könnte Monate dauern
Die freigegebene Reserve könnte derweil ausreichen, um die Blockade der Straße von Hormus einige Zeit zu überbrücken. Nach Angaben der IEA passierten die Meerenge im vergangenen Jahr durchschnittlich 20 Millionen Barrel pro Tag. Die angekündigten 400 Millionen Barrel würden also genügen, um einen Ausfall für 20 Tage auszugleichen.
Allerdings dürfte es Wochen oder sogar Monate dauern, bis das Öl ankommt. Die USA versprachen, sich mit 172 Millionen Barrel zu beteiligen. Nächste Woche solle es losgehen, und die komplette Auslieferung könne rund 120 Tage dauern.
Tankstellen zeigen höchste Preise seit Jahren an
Die Schockwellen des Krieges sind derweil für Verbraucher in aller Welt zu spüren: In Deutschland stieg diese Woche selbst der Durchschnittspreis für die günstigste gängige Benzinsorte E10 auf über zwei Euro pro Liter. Die Bundesregierung will Tankstellen deshalb verbieten, die Preise mehr als einmal täglich anzuheben. Auch in den USA - selbst einer der größten Ölproduzenten der Welt - zeigen die Tankstellen die höchsten Preise seit 2024 an.
Besonders gravierend dürften die Folgen derweil für Asien sein. Vier von fünf Ölfässern, die die Straße von Hormus passieren, gehen nach IEA-Angaben dorthin. Viele Aktienmärkte in Asien gingen infolge der steigenden Ölpreise bereits auf Talfahrt, etwa in Japan.
Beamte in Thailand sollen die Treppe benutzen
Aus Sorge vor einer Energieknappheit waren Beamte in Thailand etwa angewiesen, von zu Hause zu arbeiten, auf Reisen zu verzichten und die Treppe statt den Aufzug zu benutzen, wie mehrere Medien berichteten. Auf den Philippinen ordnete die Regierung demnach eine Vier-Tage-Woche für Beamte an.Für Trump könnten die steigenden Preise auch innenpolitisch zum Problem werden - seine Bemühungen, die Reeder zur Durchfahrt der Straße von Hormus zu bewegen, verpufften bisher. Zur Not werde er die Schiffe mit der Marine eskortieren, hatte er bereits vor Tagen angekündigt. Trotzdem wird laut IEA nicht einmal ein Zehntel der zuvor üblichen Ölmenge durch die Straße von Hormus transportiert.
Gaspreis steigt deutlich - Iran attackiert Anlagen der Energiewirtschaft am Golfa
Der Preis für europäisches Erdgas ist am Donnerstag nach erneuten Angriffen des Iran auf die Energiewirtschaft in der Region am Persischen Golf deutlich gestiegen. An der Börse in Amsterdam sprang die Notierung für den richtungweisenden Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat zum Handelsbeginn um rund zehn Prozent auf 53,83 Euro je Megawattstunde (MWh) nach oben. Im frühen Handel ist der Preis wieder ein Stück weit zurückgefallen, auf 52,25 Euro.
Mit dem Preisanstieg hat sich europäisches Erdgas seit Beginn der Angriffe der USA und Israels auf den Iran vor fast zwei Wochen um rund 70 Prozent verteuert. Dies ist der stärkste Anstieg seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine vor vier Jahren. Die globalen Öl- und Gasmärkte sind durch den Krieg im Nahen Osten stark beeinträchtigt. Der Transport von Flüssiggas aus den Förderregionen am Persischen Golf durch die wichtige Straße von Hormus ist durch den Krieg faktisch zum Erliegen gekommen.
Zuletzt haben Meldungen über immer stärkere Angriffe der iranischen Streitkräfte gegen die Energiewirtschaft wichtiger Förderstaaten am Persischen Golf die Preise angetrieben. Unter anderem wurden im Oman Treibstofftanks im Hafen von Salala mutmaßlich von iranischen Drohnen getroffen.
WASHINGTON (dpa-AFX)
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