USA und Israel verstärken Angriffe auf Iran - Alarm am Ölmarkt nach Ölpreisanstieg über 90 Dollar

Ungeachtet stark gestiegener Ölpreise intensivieren die USA und Israel ihre Angriffe auf den Iran. Die Diskussionen um Lockerungen der Sanktionen für russisches Öl laufen.
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Nach erneut schweren Angriffen der USA und Israels hat US-Präsident Donald Trump dem Iran mit der "vollständigen Zerstörung" und dem "sicheren Tod" für bislang angeblich verschonte Ziele und Menschengruppen gedroht. Der Iran werde "in die Hölle geprügelt", schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social, also massiv und schwer geschlagen. Am heutigen Samstag werde der Iran "sehr hart getroffen" werden, kündigte Trump an.
"Aufgrund des schlechten Verhaltens des Irans stehen Gegenden und Gruppen von Menschen, die bislang noch nicht Ziel waren, unter ernsthafter Prüfung für vollständige Zerstörung und sicheren Tod", schrieb Trump. Der Beitrag auf seiner Plattform folgte auf Aussagen des iranischen Präsidenten Massud Peseschkian, der am Morgen Bedingungen für ein Ende der eigenen Luftangriffe auf Nachbarländer gestellt hat.
In einer Videobotschaft sagte Peseschkian, der Iran werde keine Raketen abfeuern und Nachbarländer angreifen, sofern von deren Territorium keine Attacken auf den Iran erfolgten. Die bisherigen Angriffe auf Nachbarländer seien "das Ergebnis der chaotischen Situation nach dem Tod mehrerer hochrangiger Kommandeure" gewesen.
Seine Bedingungen bedeuten aber auch, dass von US-Militärstützpunkten in der Region keine Angriffe mehr auf den Iran erfolgen dürfen. Nur wenige Stunden nach der Aussage meldeten mehrere Golfstaaten, sie hätten erneut Raketen und Drohnen abgewehrt. Trump schrieb, die Entschuldigung sei nur wegen der "unerbittlichen Angriffe" der USA und Israels erfolgt.
Eigentlich habe der Iran die ganze Region übernehmen wollen, schrieb der US-Präsident, ohne dafür konkrete Beweise vorzulegen. Jetzt aber sei das Land der "Verlierer" der Region und werde es für viele Jahrzehnte sein, "bis sie sich ergeben oder, noch wahrscheinlicher, komplett zusammenbrechen". Die umliegenden Länder hätten sich bei ihm bedankt, schrieb Trump.<
Die Islamischen Revolutionsgarden erklärten im Anschluss an Peseschkians Rede laut Nachrichtenagentur Tasnim, dass sie in Übereinstimmung mit den Anweisungen des Präsidenten die Interessen und die nationale Souveränität der Nachbarländer respektierten. Alle Militärstützpunkte und Interessen der USA und Israels zu Wasser, zu Land und in der Luft in der Region würden aber weiter als Hauptziele angesehen. Hardliner im Land warfen Peseschkian vor, Schwäche zu zeigen, den nationalen Stolz zu verletzen und dem Land zu schaden.
Iranische Angriffe auf US-Stützpunkte in der Region
Irans Marineeinheiten teilten der Nachrichtenagentur Tasnim zufolge mit, sie hätten mit Drohnen US-Stützpunkte in Abu Dhabi und in Kuwait angegriffen. Irans Revolutionsgarden erklärten, sie hätten an der US-Basis in den Emiraten unter anderem ein Kommunikationszentrum und Radarsysteme getroffen.
Am Vormittag berichteten iranische Staatsmedien von schweren Schäden im ganzen Land. Betroffen gewesen seien unter anderem zwei Krankenhäuser in der Provinz Chuzestan im Südwesten des Landes. Laut der staatlichen Rundfunkagentur Irib war auch der Inlandsflughafen Mehrabad im Westen von Teheran Ziel von Angriffen. Medienberichte zeigen Brände und große Schäden. Auch Militäranlagen in Teheran sowie in Zentral-, West- und Nordwestiran seien attackiert worden. Unabhängige Bestätigungen dafür gibt es bislang nicht.
Die israelische Armee teilte mit, sie habe in Mehrabad 16 Flugzeuge der Al-Kuds-Brigaden zerstört. Die Auslandseinheit der Revolutionsgarden habe mit den Flugzeugen Waffen zur libanesischen Hisbollah-Miliz transportiert. Auch eine ungenannte Zahl an Kampfjets sei am Boden zerstört worden. Zudem sei unter anderem ein unterirdisches Lager für ballistische Raketen sowie eine Militär-Universität der Revolutionsgarden in Teheran angegriffen worden.
Im Gegenzug hatte der Iran seine Angriffe auf Israel in der Nacht zu Samstag und den Tag über fortgesetzt. Über Einschläge oder größere Schäden durch Trümmerteile sowie über mögliche Opfer wurde zunächst nichts bekannt.
Israelischer Einsatz im Libanon
Im Libanon führte die israelische Armee neben den Luftangriffen derweil überraschend auch einen nächtlichen Einsatz mit Militärhubschraubern durch. Spezialtruppen hätten in der Nacht versucht, Details zum israelischen Luftwaffen-Navigator Ron Arad zu finden, der 1986 über dem Südlibanon abgeschossen und von der schiitischen Amal-Miliz gefangen genommen wurde, teilte die Armee mit. Nach schweren Kämpfen habe es mindestens 26 Tote gegeben, darunter drei libanesische Armeesoldaten, teilten libanesische Medien mit.
Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz warnte den Libanon, das Land werde den "vollen Preis" zahlen, wenn die Hisbollah-Miliz Israel weiterhin bedrohe. Die Regierung in Beirut habe ihre Verpflichtung aus dem Abkommen zum Waffenstillstand vom November 2024, die vom Iran unterstützten Gruppe zu entwaffnen, nicht erfüllt, hieß es in einer Erklärung des israelischen Außenministeriums.
Israel: Bisher rund 420.000 Libanesen geflohen
Am Nachmittag gab es im Norden Israels erneut Luftalarm wegen Raketenangriffen aus dem Libanon, wie israelische Medien berichteten. Ein israelischer Armeesprecher rief unterdessen auf Arabisch mit einem Post auf der Plattform X alle Bewohner des Libanons südlich des Litani-Flusses auf, sich unverzüglich Richtung Norden abzusetzen.
Bisher sind nach einer Schätzung des israelischen Militärs rund 420.000 Menschen innerhalb des Libanons wegen der Angriffe in andere Gegenden geflohen. Südlich des Litani halten sich nach Einschätzung libanesischer Sicherheitskreise noch etwa 100.000 Menschen auf.
Sorge am Ölmarkt
Nach Informationen der US-Zeitung "Wall Street Journal" füllen sich die großen Öllagerstätten in Saudi-Arabien und in den Vereinigten Arabischen Emiraten inzwischen so schnell, dass die beiden Länder in weniger als drei Wochen ihre Kapazitätsgrenzen erreichen dürften. Kuwait habe derweil wegen fehlender Lagerkapazitäten bereits begonnen, seine Ölproduktion zu drosseln. Sollte die Produktion deutlich sinken, dürften die Ölpreise weiter steigen.
Bessent: Könnten Sanktionen auf russisches Öl lockern
Die Ölpreise ziehen wegen der Versorgungsprobleme an. Am Freitagnachmittag wurde Rohöl der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Mai erstmals seit April 2024 über 90 US-Dollar je Barrel (159 Liter) gehandelt. Vor dem Krieg lag der Preis im Februar noch um die 70 US-Dollar.
Um für mehr Angebot zu sorgen, brachte US-Finanzminister Bessent die Möglichkeit einer weiteren Lockerung der Sanktionen auf russisches Öl ins Spiel. "Wir könnten weitere russische Öllieferungen von Sanktionen befreien", sagte er Fox Business. "Wir werden weiterhin regelmäßig Maßnahmen ankündigen, um den Markt während dieses Konflikts zu entlasten."Zuvor hatten die USA indischen Raffinerien am Donnerstag erlaubt, für einen begrenzten Zeitraum bereits auf Tanker verladenes russisches Öl zu kaufen.
Die Rolle Moskaus bei Irans Gegenangriffen
US-Medienberichte, wonach Russland den Iran mit Standortangaben sowie Bewegungsdaten von amerikanischen Truppen, Schiffen und Flugzeugen versorge, dementierte die US-Regierung zunächst nicht. Verteidigungsminister Pete Hegseth sagte dazu dem Sender CBS News, die USA beobachteten alles.
"Es scheint sich um eine ziemlich umfassende Maßnahme zu handeln", zitierte die "Washington Post" eine der Personen. CNN zufolge sind die meisten weitergegebenen Informationen Bilder, die mit modernen Satelliten Moskaus angefertigt wurden.
Russland greift offiziell nicht in den Konflikt ein. Es hatte mit dem Iran vergangenes Jahr eine "strategische Partnerschaft" geschlossen, die auch eine Zusammenarbeit bei Militär und Rüstung vorsieht. Der Vertrag enthält aber keine Verpflichtung zum Eingreifen, wenn eins der Länder attackiert wird.
Das Weiße Haus geht davon aus, dass der Krieg vier bis sechs Wochen dauern wird, wie US-Präsident Donald Trumps Sprecherin Karoline Leavitt sagte. In dem seit vergangenem Samstag laufenden Krieg mit dem Iran änderte die US-Regierung damit zum wiederholten Mal ihre Einschätzung zur erwarteten Kriegsdauer. Das US-Militär hat nach eigenen Angaben bisher mehr als 3.000 Ziele im Iran angegriffen. Hinzu kommen noch die Angriffe Israels.
Trump: US-Rüstungskonzerne wollen Produktion steigern
US-Rüstungsunternehmen haben nach Angaben von Präsident Donald Trump zugestimmt, die Produktion von Waffen zu steigern. Nach einem Treffen mit Vertretern grosser US-Rüstungskonzerne teilte Trump auf seiner Plattform Truth Social mit, dass sie zugesagt hätten, die Produktion hoch entwickelter Waffen zu vervierfachen. Dabei blieb allerdings unklar, auf welche Waffen er sich genau bezog und bis wann und wie die Produktionssteigerung in der Praxis umgesetzt werden soll.
Trumps Angaben nach begann die Ausweitung der Produktion bereits vor drei Monaten. Die Herstellung vieler dieser Waffen sei bereits angelaufen, schrieb er. Der US-Präsident betonte, dass bestimmte Munition, die etwa im Iran eingesetzt werde, praktisch unbegrenzt vorhanden sei. Gleichzeitig gab er jedoch an, dass man auch dafür die Bestellungen erhöhe. An dem Treffen mit ihm nahmen unter anderem die Rüstungskonzerne Lockheed Martin und Boeing teil.
Befürchtungen aus der Opposition
Vertreter der US-Regierung haben jüngst mehrfach betont, dass die USA keinen Mangel an Munition hätten. Sie traten damit Befürchtungen einiger Demokraten entgegen, die sich zuletzt besorgt über die grosse Menge Munition gezeigt hatten, die die USA im Krieg gegen den Iran einsetzen.
Schon vor Beginn des Kriegs im Iran war die Nachfrage nach Rüstungsgütern massiv angestiegen, vor allem aufgrund des russischen Angriffskriegs in der Ukraine. Auch im Gaza-Krieg und bei den vorherigen Angriffen auf den Iran im vergangenen Jahr wurden massiv Waffen und Munition aus US-Produktion verbraucht. Viele Rüstungsunternehmen haben sehr volle Auftragsbücher - und Kunden müssen geduldig sein.
Frankreich verlegt Hubschrauberträger nach Nahost
Frankreich verlegt unterdessen neben seinem Flugzeugträger "Charles de Gaulle" auch einen Hubschrauberträger Richtung Mittelmeer. Dieser solle die von Paris bereits entsandten militärischen Kräfte verstärken, teilte der Generalstab mit. "Ein amphibischer Hubschrauberträger wird im Mittelmeer eingesetzt, um die französischen Streitkräfte im Rahmen der Krise im Nahen und Mittleren Osten zu ergänzen", sagte eine Sprecherin.
Der stellvertretende iranische Außenminister Madschid Tacht-Rawantschi warnte im Sender France24, falls sich Länder "den USA und Israel bei der Aggression gegen den Iran anschließen, werden sie definitiv ebenfalls ein legitimes Ziel für iranische Vergeltungsmaßnahmen sein". Teheran habe "die Europäer und alle anderen" bereits informiert, dass sie vorsichtig sein sollten, sich nicht in den Krieg hineinziehen zu lassen, sagte Tacht-Rawantschi.
TEHERAN/WASHINGTON/TEL AVIV (dpa-AFX)
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