25.01.2022 23:54

VanEck-Experte zeigt sich zuversichtlich für Gold - auch wegen Geldpolitik der Fed

Trotz schwachem 2021: VanEck-Experte zeigt sich zuversichtlich für Gold - auch wegen Geldpolitik der Fed | Nachricht | finanzen.net
Trotz schwachem 2021
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Trotz Corona-Pandemie und stark steigender Inflationsraten trat Gold im vergangenen Jahr mehr oder weniger auf der Stelle. Dabei gilt das gelbe Edelmetall als sicherer Hafen und Schutz vor Geldentwertung. Laut einem Experten des Fondsanbieters VanEck sollte man eine Rally bei Gold aber noch nicht abschreiben - gerade auch wegen der geplanten geldpolitischen Wende der US-Notenbank.
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• Fondsmanager Joe Foster von VanEck: Steigende Inflation trifft auf Gegenwind-Faktoren für Gold
• Trotz Minus in 2021: Durchschnittlicher Goldpreis seit Beginn der Corona-Pandemie gestiegen
• Foster: Geldpolitik der Fed wird Goldpreis antreiben
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Obwohl die Inflationsraten in den vergangenen Monaten stark angezogen haben - in den USA liegt die Teuerungsrate inzwischen bei sieben Prozent, im Euroraum bei fünf Prozent - konnte die Krisenwährung Gold davon nicht recht profitieren. Theoretisch sollte der Preis für das gelbe Edelmetall bei zunehmender Geldentwertung steigen, denn es gilt als sicherer Hafen, doch aktuell bewegt sich der Goldpreis in etwa auf dem Niveau von vor einem Jahr. Im vergangenen Jahr hat der Rohstoff sogar rund vier Prozent an Wert verloren.

Joe Foster, Portfoliomanager beim Fondsanbieter VanEck, erklärt dies laut der Rohstoff-Informationsplattform "Kitco" in einem Bericht zum Goldmarkt damit, dass der steigenden Inflation zahlreiche Faktoren gegenüberstehen, die Gegenwind für das Edelmetall liefern. Er nennt in diesem Zusammenhang das anziehende Momentum beim US-Dollar, der von Mitte 2020 bis Mitte 2021 wieder an Wert gewann und Gold für Investoren außerhalb der USA somit teurer und weniger attraktiv machte, die Rekordbewertungen am Aktienmarkt und den Hunger nach Kryptowährungen. Letztere dürften womöglich auch von einigen Anlegern anstelle von Gold als Absicherung gegen eine willkürliche Geldmengenausweitung eingesetzt werden, da die Anzahl der maximal verfügbaren Coins bei vielen Digitalwährungen begrenzt ist. "In einer Manie fehlt den meisten Investoren der Sinn für Risiken und sie sehen keinen Grund, sich eine Geldanlage zuzulegen, die als sicherer Hafen gilt", schreibt Foster - wohl vor allem mit Blick auf die beiden zuletzt genannten Punkte.

Auch die zunehmend falkenhafte Rhetorik der Fed ist für den VanEck-Experten mitverantwortlich für die schwache Performance von Gold. Denn bei steigenden Zinsen wird das Edelmetall, das selbst keine Zinsen abwirft, ebenfalls unattraktiver. "Während wir glauben, die verzögerte Antwort der Fed auf die Inflation könnte ein bisschen zu spät kommen, scheinen die Märkte blindes Vertrauen in die Fähigkeit der Fed zu haben, die Wirtschaft zu managen", so Foster laut "Kitco". Dennoch sollten Gold-Investoren nicht den Kopf in den Sand stecken. Denn trotz dem Minus im Jahr 2021 gibt es beim Goldpreis auch positive Nachrichten zu vermelden - und der Experte glaubt an ein deutliches Aufwärtspotenzial für das Edelmetall in 2022.

Gold mit höherem Durchschnittspreis seit Pandemiebeginn

Gold ist in der Corona-Pandemie durchaus gefragt, auch wenn die Performance 2021 negativ war. So hat der Goldpreis im August 2020 ein neues Allzeithoch bei 2.063 US-Dollar markiert, und Foster weist außerdem darauf hin, dass sich der durchschnittliche Goldpreis seit dem Corona-Crash im März 2020 deutlich erhöht habe. "Die vielen Unsicherheiten und Risiken, die mit der Pandemie kamen, zusammen mit radikaler Haushalts- und Geldpolitik, haben Gold zu neuen Höhen gehoben, als Investoren nach Sicherheit gesucht haben. Seit dem Pandemie-Crash im März 2020 lag der Goldpreis durchschnittlich bei 1.817 US-Dollar pro Unze", so der Experte. Im Zeitraum von 2013 bis 2019 habe der durchschnittliche Goldpreis deutlich niedriger, nämlich nur bei 1.250 Dollar je Unze gelegen, schreibt die "Neue Zürcher Zeitung".

Daten aus der Vergangenheit würden außerdem zeigen, dass die Zeit von Gold erst noch bevorstehe, so Foster laut "Kitco". Denn der Fondsmanager hat sich die Entwicklung des Edelmetalls in den zwei vorangegangenen Zeiträumen hoher Inflationsraten - in den 1970ern und zwischen 2003 und 2008 - angesehen und ist dabei zu dem Ergebnis gekommen, dass der Rohstoff noch viel Zeit für eine Rally habe. "In jeder dieser inflationären Perioden hat Gold im Vergleich zu anderen Rohstoffen in der ersten Hälfte eine Underperformance aufgewiesen und eine Outperformance in der zweiten Hälfte. Es scheint, als ob die Märkte die Inflation (oder Gold) nicht ernstnehmen würden, bis sie sich als hartnäckig erweist", so Foster, der daran glaubt, dass die Verbraucherpreise auch in Zukunft weiter steigen werden.

Geldpolitik der Fed als Treiber für Goldpreis

Auch die Geldpolitik der US-Notenbank werde laut dem VanEck-Experten letztlich für einen steigenden Goldpreis sorgen. Das klingt zunächst einmal paradox, da steigende Zinsen eigentlich ungünstig für Gold-Investoren sind. Doch Foster verweist auf eine Untersuchung der Schweizer Großbank UBS, wonach Gold in vergangenen Zyklen steigender Leitzinsen in den sechs Monaten vor der ersten Zinserhöhung zwar zwischen fünf und zehn Prozent an Wert verloren hätte, in den sechs drauffolgenden Monaten jedoch um zehn bis 20 Prozent zugelegt habe.

Des Weiteren hält der Experte die Erwartungen des Marktes an die US-Notenbank - nämlich vier Zinserhöhungen in 2022 und den Beginn des Abbaus der aufgeblähten Bilanz - teilweise für ein bisschen zu aggressiv. "Die Fed hat eine Vorgeschichte darin, für zu lange Zeit zu locker zu bleiben. Das hat die Wirtschaft in Schwierigkeiten gebracht, als die Tech-Blase und die Immobilien-Blase geplatzt sind. Dieses Mal haben wir eine Blase bei allem und Inflation", so Foster. Er glaubt also, die Fed könnte letzten Endes entweder mehr reden als handeln oder durch ihr Handeln der Wirtschaft empfindlichen Schaden zufügen. Beides wäre wohl positiv für den Goldpreis und würde dafür sorgen, dass sichere Häfen wieder gesucht sind.

Tatsächlich warnte Foster laut "FONDS professionell" bereits im November 2021 davor, dass es zu einem Crash am Aktienmarkt kommen könnte, wenn die Fed den Geldhahn zudreht. "Im Gegensatz zum Markt besteht unserer Meinung nach ein erhebliches Risiko, dass die durch die Liquidität angeheizte Wirtschaft und der Aktienmarkt nicht mehr funktionieren, sobald die Fed die Liquidität abzieht", so der Portfoliomanager. In einem solchen Szenario würde die Bedeutung von Gold als Risikoschutz wieder steigen.

Weiterer Experte sieht Chance auf Gold-Rally 2022

Auch Peter Grosskopf, CEO des auf Edelmetalle spezialisierten Anlageverwalters Sprott, äußerte sich gegenüber "Kitco" zuversichtlich für die Performance von Gold im aktuellen Jahr. Seiner Meinung nach würden Anleger womöglich unterschätzen, wie die Geldpolitik der Fed die Marktbedingungen beeinflussen werde und wie schwierig dieses Jahr für den Aktienmarkt tatsächlich werden dürfte. So würde sich der beispiellose Lauf bei Aktien bereits jetzt verlangsamen, was auch das Wirtschaftswachstum nach unten ziehen und die Fed dazu zwingen könnte, bei der Geldpolitik weniger aggressiv vorzugehen. Das wäre dann allerdings negativ für die Inflationsbekämpfung.

Außerdem würde sich die Fed mit einem Ende des Anleihekaufprogramms im März, den geplanten Zinserhöhungen und der Reduzierung der Bilanz laut Grosskopf zu viel vornehmen. "Die Chancen stehen sehr schlecht, dass sie das ohne irgendeine Form der Marktkorrektur durchziehen können", so der Sprott-CEO. Auf der anderen Seite jedoch stünden die "Chancen sehr gut, dass wir alle richtigen Bedingungen für Gold haben werden", so Grosskopf weiter. Er glaube daher daran, dass Gold bis zum Jahresende wieder auf Rekordniveau steigen werde. "Ich denke, eine Bewegung wie diese ist machbar, falls es eine breitere Marktkorrektur gibt. Ich denke, wir werden eine langsam voranschreitende Rally [beim Goldpreis] sehen, bis die Menschen anfangen, sich Sorgen zu machen, und dann werden wir einen explosiven Sprung sehen", so der Edelmetall-Experte.

Redaktion finanzen.net

Bildquellen: OscarDominguez /Shutterstock.com, David Biagini / Shutterstock.com

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