Was ist eigentlich "Dry Promotion?"

06.02.2026 03:30:00

Mehr Verantwortung, aber kein Cent mehr Gehalt - genau das steckt hinter der sogenannten "Dry Promotion". Immer häufiger vergeben Unternehmen Titel und neue Aufgaben ohne Gehaltserhöhung. Für Beschäftigte kann das Chance und Falle zugleich sein.

Begriff und Bedeutung

Eine Beförderung gilt gemeinhin als Anerkennung - doch nicht immer geht sie mit einem höheren Gehalt einher. Immer häufiger vergeben Unternehmen neue Titel oder zusätzliche Verantwortung, ohne den Lohn anzupassen. Dieses Phänomen wird im englischen Sprachraum als "Dry Promotion" bezeichnet, also als "trockene Beförderung". Laut Indeed handelt es sich dabei um Rollenaufstiege, die zwar mehr Aufgaben und einen neuen Status mit sich bringen, jedoch ohne Gehaltserhöhung verbunden sind. Auch im deutschsprachigen Raum ist der Begriff inzwischen angekommen - häufig unter der Bezeichnung "Scheinbeförderung", die nach Einschätzung des RND inzwischen in vielen Branchen zum Alltag gehört.

Warum Unternehmen darauf setzen

Für viele Arbeitgeber ist die "Dry Promotion" vor allem ein pragmatisches Instrument. Sie können Verantwortung an vertraute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übertragen, ohne gleichzeitig das Gehalt anheben zu müssen. Wie das RND berichtet, ist das für Unternehmen ein lohnendes Konzept, um Aufgaben effizient zu verteilen und Kosten zu sparen. Indeed nennt als weitere Gründe Budgetengpässe oder den Versuch, Engagement zu belohnen, ohne zusätzliche Gehaltskosten einzuplanen. In manchen Fällen übernehmen Beschäftigte die neuen Aufgaben ohnehin schon - die Beförderung macht den erweiterten Verantwortungsbereich dann lediglich offiziell.

Risiken und Nachteile für Beschäftigte

So verlockend ein neuer Titel oder zusätzliche Verantwortung zunächst wirken mögen - für viele Beschäftigte überwiegen die Schattenseiten. Indeed warnt, dass fehlende Gehaltserhöhungen bei gleichzeitig gestiegenen Anforderungen schnell zu Frust, Motivationsverlust und letztlich auch höherer Fluktuation führen können. Das RND betont zudem die Gefahr einer dauerhaften Mehrbelastung ohne echten Ausgleich, was den Leistungsdruck deutlich steigen lässt. Manche Karrierecoaches weisen sogar darauf hin, dass "Dry Promotions" in ungünstigen Fällen als Ausstiegsstrategie genutzt werden: Wer mit immer mehr Aufgaben überfordert wird, könnte am Ende selbst die Kündigung einreichen.

Chancen für die Karriere

Neben den Risiken kann eine "Dry Promotion" durchaus auch positive Seiten haben. Wie das RND hervorhebt, bietet sie die Möglichkeit, neue fachliche wie soziale Kompetenzen zu entwickeln und Verantwortung in Projekten zu übernehmen. Ein zusätzlicher Titel oder die Leitung eines Teams stärken zudem den Lebenslauf und erhöhen die Sichtbarkeit im Unternehmen. Wer die Beförderung als Investition versteht, kann die gesammelten Erfahrungen später nutzen, um in einem anderen Kontext oder bei einem Jobwechsel einen deutlichen Gehaltssprung zu erzielen.

Handlungsempfehlungen und Alternativen

Wer eine "Dry Promotion" angeboten bekommt, sollte das Gespräch suchen und die eigenen Erwartungen klar formulieren. Indeed empfiehlt, die zusätzliche Arbeit zu dokumentieren und gegenüber Vorgesetzten transparent zu machen. Neben einer Gehaltserhöhung können auch andere Formen der Wertschätzung sinnvoll sein - etwa Weiterbildungen, flexible Arbeitszeiten, zusätzliche Urlaubstage oder ein Bonus. Das RND rät zudem, konkrete Zielvereinbarungen zu treffen und einen klaren Zeitraum festzuhalten, nach dem über eine spätere Gehaltserhöhung entschieden wird. So entsteht Verbindlichkeit und die Beförderung wird nicht zur Einbahnstraße.

Redaktion finanzen.net

Bildquelle: Rawpixel.com / Shutterstock.com, Pressmaster / Shutterstock.com

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