06.07.2016 12:21

BMW, Deutsche Bank und Co.: Für diese deutschen Unternehmen wird der Brexit zum Problem

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Auch an deutschen Konzernen wird ein Brexit nicht folgenlos vorbei gehen. Einige der deutschen Unternehmen könnten durch das Ausscheiden der Briten kräftig ins Trudeln kommen.
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Das überraschende "Ja" der Briten zum Ausscheiden aus der Eurozone hat die Märkte international erschüttert - und das in mancherlei Hinsicht vielleicht sogar sehr nachhaltig. Denn während sich die Kurse wieder langsam einpendeln und sich der Euro vom ersten Schock erholt, befürchten einige Unternehmen aus Deutschland Langzeitfolgen, wenn der Brexit tatsächlich Realität wird. Rund 2500 Firmen aus der Bundesrepublik sind nach Angaben der deutschen Außenhandelskammer auch in Großbritannien aktiv. 400.000 Mitarbeiter befinden sich bei diesen Firmen in einem Beschäftigungsverhältnis - keine kleine Zahl. Nachdem der Brexit-Entscheid einige deutsche Unternehmen kräftig durchgerüttelt hat, müssen diese nun sehen, wie sie sich nach dem Ausscheiden des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union künftig positionieren. Auf der Liste der gebeutelten deutschen Konzerne finden sich viele große Namen.

Deutsche Börse - fällt die Börsenhochzeit doch ins Wasser?

Für die Deutsche Börse hätte es schlimmer kaum kommen können. Die geplante Börsenhochzeit zwischen der Deutschen Börse und der London Stock Exchange droht, aufgrund des Brexit-Votums der Briten, vorzeitig abgeblasen zu werden. Denn: Der Hauptsitz der vermeintlichen Mega-Börse sollte in London sein. Die Vertreter der LSE hatten dies bereits ausgehandelt. Nach dem Aus der Briten aus der EU, ist dies sowohl für die Finanzaufsicht BaFin als auch für die Finanzmarktaufsicht in Hessen mehr als nur ein Dorn im Auge. Würde der Deal wie gehabt zustande kommen, würde dies bedeuten, dass die wichtigste Börse in Europa ihren Hauptsitz außerhalb der EU hätte. Kaum vorzustellen also, dass die hessische Börsenaufsicht ihre Zustimmung zu dieser Fusion erteilt. Auch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) zeigte sich bereits skeptisch. "Das Vorhaben war bereits vor dem Austritt-Votum Großbritanniens mehr als zweifelhaft", meldete sich DSW-Vizepräsident Klaus Nieding bereits zu Wort. Doch nun ist zu befürchten, dass der Aktienhandel nach einer Fusion trotz aller guten Absichten und Beteuerungen faktisch hauptsächlich in London stattfinden würde - untragbar, nicht nur für Nieding. "Nach der Brexit-Entscheidung darf … deshalb eine Börsenfusion unter den bisherigen Vorzeichen gar nicht mehr in Frage kommen", lautete daher seine Forderung. Bislang arbeitet Deutsche Börse-Chef Karsten Kengeter noch fieberhaft an einer Lösung, versucht London zum Einlenken zu bewegen, um den Hauptsitz doch nach Frankfurt oder alternativ nach Amsterdam zu verlegen. Nun liegt der Ball im Feld von London. Bleiben die Briten eisern, wäre dies mit größter Wahrscheinlichkeit das Aus für den Deal.

thyssenkrupp - Fusionspläne auf tönernen Füßen

Auch der deutsche Stahlriese thyssenkrupp muss um seine Fusionspläne zittern. Der Konzern an der Ruhr steht mit dem indischen Mischkonzern Tata seit längerem in Verhandlungen, die europäischen Stahlsparten der beiden Unternehmen zusammenzulegen. Doch das überraschende Brexit-Votum hat die Fusionspläne der beiden Stahlkonzerne nahezu schockgefroren. Denn für die Fusion benötigen thyssenkrupp und Tata die Unterstützung der britischen Regierung. Nun ist jedoch fraglich, ob Camerons Nachfolger die bereits getroffenen Vereinbarungen weiterverfolgen wird, die unter anderem die Schließung des Tata-Stahlwerks in Port Talbot miteinschließen. Unter den Brexit-Befürwortern dürfte das geplante Hüttensterben im Vereinigten Königreich auf wenig Gegenliebe stoßen.

Deutsche Bank - eine Baustelle mehr

Wie erwartet hat der Brexit vor allem die Bankenbranche kräftig durchgeschüttelt - die Deutsche Bank nicht ausgenommen. Für das deutsche Geldhaus kam der Brexit mehr als ungelegen, da es aktuell an vielen verschiedenen Fronten kämpfen muss. Nicht nur die Kernsanierung und der Umbau des Konzerns ist eine große Aufgabe der Bank, auch die milliardenhohen Rechtsrisiken und die Einstufung als Finanzmarkt-Risiko durch den IWF lasten schwer auf den Schultern des Instituts. Dazu kommt nun die Frage um die Zukunft des Finanzplatzes London nach dem Ausscheiden der Briten aus der EU. Im besten Fall könnte dies eine Aufwertung von Frankfurt bedeuten, wo die Deutsche Bank neben London ebenfalls vertreten ist. Deutsche Bank-Chef Cryan hat bereits Stellung bezogen und angekündigt, den Großteil des Euro-Geschäfts im Brexit-Fall auf den Kontinent zurückzuholen. Konkrete Reaktionen vertagte Cryan jedoch vorerst: "Das wird davon abhängen, wie die Verhandlungen laufen". Unter Umständen könnte die Deutsche Bank von einem Brexit profitieren, da ist sich Cryan sicher. Dennoch: "Innerhalb des Sektors ist die Deutsche Bank nicht das beliebteste Unternehmen", stellte er außerdem fest. An dieser Beliebtheit gilt es jedoch zu arbeiten, wenn die Investoren wieder Vertrauen fassen sollen.

BMW hat einiges zu verlieren

Großbritannien ist für BMW der drittgrößte Auslandsmarkt - nach China und den USA. Außerdem sind die Münchener mit ihren Töchtern Rolls-Royce und Mini auch im Vereinigten Königreich stark vertreten. Ein endgültiges Ausscheiden aus der EU wäre für BMW mit kräftig steigenden Produktionskosten verbunden. Um Kosten zu sparen, könnte dies wiederum nach dem endgültigen Brexit einige Arbeitsplätze fordern. Aktuell beschäftigt BMW rund 24.000 Menschen in Großbritannien und ist mit insgesamt 2,2 Milliarden Euro an seinen dortigen Produktionsstandorten investiert. Allein von den dort produzieren Minis wurden im Jahr 2015 die Hälfte in die EU exportiert. Daher dürfte es von höchster Wichtigkeit für BMW sein, dass der freie Handel zwischen Großbritannien und der EU gewährleistet bleibt. Einzelne Autoexperten rechnen mit einer allmählichen Abwanderung der Autobauer aus Großbritannien. Bei BMW will man sich jedoch noch nicht konkret äußern. Lediglich von einer beginnenden "Phase der Unsicherheit" ist die Rede.

Siemens - Windkraftpläne liegen vorerst auf Eis

In der britischen Hafenstadt Hull hat Siemens eine gigantische Fabrik mit 1.000 Angestellten errichtet, in der riesige Rotorblätter für Hochseewindparks hergestellt werden. Der Plan: Von dort aus eine EU-weite Exportindustrie für Windkraft aufzubauen. Diese hochfliegenden Pläne liegen jedoch vorerst auf Eis, wie der Großbritannien-Chef von Siemens, Jürgen Maier, "Spiegel Online" sagte. Beendet Großbritannien seine EU-Mitgliedschaft, müsste Siemens für die Ausfuhr in die EU Zölle zahlen. Dennoch werde die Produktion für Großbritannien zunächst "wie geplant fortlaufen", so Maier.

Deutsche Post bangt um Investitionen auf der Insel

Die Deutsche Post hat durch einige Übernahmen viel Geld in Großbritannien investiert. Für umgerechnet fünf Milliarden Euro kaufte die Post 2005 das Logistik-Unternehmen Exel. 2006 erstand die Deutsche Post den Brief- und Dokumenten-Dienstleister Williams Lea. Außerdem betreibt das deutsche Logistik-Unternehmen Verteilzentren am Flughafen Heathrow und am Frachtflughafen East Midlands. In den Ausbau dieser Standorte steckte das deutsche Unternehmen noch vor zwei Jahren satte 120 Millionen Euro und erweiterte zudem seine Niederlassungen in Sheffield, Manchester und Croydon. Legt der DAX-Konzern nach dem Brexit-Votum nun die Bremse ein? Konzern-Chef Frank Appel möchte sich dazu noch nicht konkret äußern. "Wir prüfen das", sagte er zuletzt.

Deutsche Lufthansa - schwächere Nachfrage droht

Hätte Lufthansa-Chef Spohr beim Briten-Referendum abstimmen dürfen, er hätte klar für "Remain" gestimmt. Denn nach dem Brexit droht eine noch schwächere Nachfrage, als bereits jetzt schon. Eine Hiobsbotschaft angesichts des Preisdrucks und den Überkapazitäten, unter denen die gesamte Luftfahrtbranche aktuell leidet. "Ich bin sicher, der Brexit würde zu einer Reduzierung des europäischen Wachstums führen und das führt zu einer Nachfragereduzierung auch beim Kunden", so der Lufthansa-Chef. Dennoch wolle die Lufthansa ihre Investitionen in Großbritannien vorerst nicht zurückfahren.

Der endgültige Ausstieg der Briten aus der EU wird jedoch noch eine Weile auf sich warten lassen. Nach Einschätzung der EU-Kommission wird die kommende britische Regierung Artikel 50 zum Austritt aus der EU erst nach den Bundestagswahlen im September 2017 auslösen. "Wir rechnen nicht damit, dass der Antrag noch in diesem Jahr kommt", zitierte die "Wirtschaftswoche" Insider aus der EU-Kommission. Dort gehe man davon aus, dass sich die kommende britische Regierung sehr viel Zeit lassen werde. Zeit, die auch manches deutsches Unternehmen möglicherweise für eine Neupositionierung gut brauchen kann.

Redaktion finanzen.net

Bildquellen: Lightspring / Shutterstock.com, donfiore / Shutterstock.com

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