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16.10.2019 06:27
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Letztes Quartal angebrochen: Darauf können sich Anleger 2019 noch freuen

Gut gefüllte Pipeline: Letztes Quartal angebrochen: Darauf können sich Anleger 2019 noch freuen | Nachricht | finanzen.net
Gut gefüllte Pipeline
Das letzte Quartal ist angebrochen - und der Terminkalender für Anleger ist noch immer prall gefüllt. Das kommt im letzten Jahresviertel noch auf die Märkte zu.
• Im letzten Quartal stehen noch einige potenziell marktbewegende Ereignisse auf der Agenda
• Notenbankentscheidungen dürften den Markt prägen
• Berichtssaison und IPOs werden die Börsen bewegen

Investoren, die eine Anlageentscheidung treffen wollen, sollten nicht nur über die fundamentalen Fakten von potenziellen Aktieninvestments informiert sein. Auch andere marktbewegende Faktoren müssen Anleger im Auge behalten. Und davon dürfte es im restlichen Jahresverlauf noch eine ganze Menge geben.

Noch vier wichtige Notenbanksitzungen

Deutliche Marktimpulse könnte die Geldpolitik der Notenbanken liefern. Vier wichtige Termine stehen diesbezüglich im letzten Quartal noch an: Am 24. Oktober wird die Europäische Zentralbank im Rahmen ihrer geldpolitischen Sitzung eine Leitzinsentscheidung treffen. Seit 2019 stehen die Leitzinsen im Euroraum bei 0,0 Prozent - das schränkt den Handlungsspielraum für die Währungshüter deutlich ein. "Der EZB-Rat geht nun davon aus, dass die Leitzinsen der EZB mindestens bis zur ersten Jahreshälfte 2020 auf ihrem derzeitigen Niveau bleiben", hieß es von Seiten der Zentralbank zum Szenario Zinserhöhung.

Schon jetzt hat die EZB angesichts der konjunkturellen Schwäche in Europa das geldpolitische Kriseninstrument Negativzinsen ausgepackt. So müssen Banken Strafzinsen zahlen, wenn sie Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken. Bei der letzten Sitzung wurde der Einlagensatz auf minus 0,5 Prozent verschärft, um Geldinstitute dazu zu bringen, Geld als Unternehmens- und Verbraucherkredite weiter zu reichen, um die Wirtschaft zu stützen.

Immer mehr Experten kommen unterdessen zu dem Ergebnis, dass geldpolitische Instrumente nicht das Mittel der Wahl sind, um die konjunkturellen Herausforderungen anzugehen. Es bleibt also spannend, wie die EZB dieses Narrativ am 24. Oktober entkräften will. Zumal am 12. Dezember noch eine weitere geldpolitische Sitzung der EZB ansteht.

Ende Oktober wird auch die US-Notenbank Federal Reserve darüber entscheiden, wie es in Sachen Geldpolitik in den USA weitergeht. Anders als ihr europäisches Pendant hat die US-Notenbank noch größeren Handlungsspielraum, da die Währungshüter rechtzeitig aus ihrer Krisenpolitik ausgestiegen sind, als die Wirtschaft Erholungssignale sendete. Bei ihrer letzten Sitzung hatte die Fed den Leitzins das zweite Mal in Folge um 0,25 Prozentpunkte gesenkt - damit liegt die Spanne derzeit bei 1,75 - 2,00 Prozent. Auch weitere Zinssenkungen sind offenbar denkbar: Während fünf Fed-Notenbanker bis zum Ende des Jahres keine Zinssenkung mehr erwarten, gehen weitere fünf Fed-Mitglieder von einer weiteren Zinssenkung um 0,25 Prozentpunkte aus. Sieben Ratsmitglieder rechnen indes damit, dass das Zinsniveau Ende des Jahres einen halben Prozentpunkt niedriger liegt. Zwei Sitzungen stehen in diesem Jahr noch an: Am 29. Oktober und am 10. Dezember. Geht es nach Präsident Donald Trump, wird die Federal Reserve die Zinsen nochmals deutlich nach unten anpassen, um die Wirtschaft anzukurbeln.

Berichts- und Gewinnwarnungssaison

Eines der wichtigsten im vierten Quartal anstehenden Ereignisse ist zudem die Berichtssaison. Schon Mitte Oktober legen die ersten US-Banken ihre Bilanzen für das abgelaufene Quartal offen und läuten damit die sogenannte Earnings Season ein. Nur wenig später folgt dann Netflix als erster der US-Techriesen. Bereits jetzt wirft die anstehende Berichtsssaison ihre Schatten voraus: Viele Experten rechnen mit sinkenden Gewinnen. Beim S&P 500 gehen Analysten derzeit von einem durchschnittlichen Gewinnrückgang von 2,3 Prozent aus und haben damit ihre ursprünglich verhalten positiven Erwartungen für das dritte Quartal massiv korrigiert.

Einen ersten Vorgeschmack hatte Mitte September schon der US-Paketdienstleister FedEx geliefert, der die Märkte mit einer Gewinnwarnung schockte. Auch Micron lieferte einen durchaus pessimistischen Ausblick auf das Weihnachtsquartal ab. Die sogenannte "Gewinnwarnungssaison" ist also bereits angelaufen.

Auch hierzulande übrigens, wo traditionell SAP den Bilanzreigen der DAX-Riesen eröffnen wird. Bereits Wochen vorher warnten Westwing, BAUER, Compugroup und Singulus, dass sie ihre Ziele wohl nicht erreichen werden. Ein schlechtes Omen für die anstehende Berichtssaison und ein Hinweis auf eine volatile Entwicklung am Aktienmarkt, meinte zuletzt auch die US-Bank Goldman Sachs.

IPOs in der Pipeline

Neben Notenbankentscheidungen und Quartalszahlen sind noch in diesem Jahr anstehende Börsengänge für Anleger einen Blick wert. 2019 war bisher bereits ein prall gefülltes IPO-Jahr, nachdem unter anderem die Fahrdienstleister Uber und Lyft, der Chatdienstleister Slack, sowie TRATON, TeamViewer, die Global Fashion Group, Pinterest und Peloton den Sprung aufs Parkett gewagt haben. Alle diese Börsenneulinge haben eins gemeinsam: Sie haben seit ihrem IPO kräftig an Wert verloren. Die großen Namen haben Anleger in diesem Jahr also bislang nicht von sich überzeugen können.

Und einige bekannte Unternehmen scharren noch mit den Hufen: In der Schweiz wird SoftwareOne an die Börse gehen, auch Selecta wartet noch auf sein Listing, die Deggendorfer congatec steht ebenfalls in den Startlöchern. Diese IPOs dürften spannend werden, denn die Stimmung, die Börsenneulingen derzeit am Finanzmarkt entgegenschlägt, ist alles andere als freundlich und hatte zuletzt sogar den Büroraumdienstleister We Company dazu veranlasst, seinen Börsengang vorerst zu canceln. Palantir hatte seine Pläne ebenfalls auf später vertagt.

Geopolitische Faktoren

Neben all diesen Faktoren dürfte auch das allgegenwärtige Thema Handelskrieg die Anleger im Jahresverlauf weiter begleiten. Nach immer wieder aufkeimenden Hoffnungen auf eine baldige Beilegung des Konflikts rückten die Parteien in Folge stets von einer vermeintlich bevorstehenden Einigung ab. Noch ist völlig unklar, ob es zeitnah zu einer Lösung kommt. Zuletzt hatte das Hin und Her in den Verhandlungen zwischen China und den USA aber bereits dafür gesorgt, dass Anleger dem Verhandlungsthema immer weniger Bedeutung beimaßen. Nicht allerdings den Folgen des Konflikts, der nicht nur die Wirtschaft beider Länder, sondern auch viele exportorientierte Unternehmen weiter empfindlich treffen dürfte.

Die Märkte kräftig aufmischen könnte am 31. Oktober auch der anstehende Brexit. Kommt es nicht in letzter Minute noch zu einer Einigung zwischen der britischen Regierung und der Europäischen Union, droht ein Austritt aus der EU ohne Abkommen, ein Hard Brexit. Dieser dürfte insbesondere für Großbritannien schwerwiegende wirtschaftliche Folgen haben, aber auch in der EU, wo man sich bereits seit Monaten auf den Ernstfall vorbereitet, wird ein ungeregelter Austritt der Briten wohl Spuren hinterlassen.

Und auch ein drohendes Amtsenthebungsverfahren gegen US-Präsident Donald Trump wird die Märkte zumindest in den kommenden Wochen wohl weiter begleiten. Auch wenn die Vergangenheit zeigt, dass Entwicklungen in der Wirtschaft deutlich größere Auswirkungen auf die Handelsentscheidungen von Anlegern haben, als ein Impeachment-Verfahren.



Redaktion finanzen.net

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