finanzen.net
21.11.2019 17:52

thyssenkrupp-Aktie fällt deutlich: thyssenkrupp streicht Dividende und erwartet höhere Verluste - Umbau wird vorangetrieben

Restrukturierung: thyssenkrupp-Aktie fällt deutlich: thyssenkrupp streicht Dividende und erwartet höhere Verluste - Umbau wird vorangetrieben | Nachricht | finanzen.net
Restrukturierung
Hohe Verluste, keine Dividende und möglicherweise ein stärkerer Personalabbau als geplant: Bei thyssenkrupp wird es unter der neuen Vorstandsvorsitzenden Martina Merz ungemütlich.
Werbung
"So wie bisher kann es nicht weitergehen", kündigte Merz am Donnerstag bei der Vorlage der Bilanz des angeschlagenen Stahl- und Industriekonzerns an. thyssenkrupp habe sich in der Vergangenheit "durchgewurschtelt", statt die Probleme "konsequent und ernsthaft anzugehen". Treffen wird der neue Kurs alle: Mitarbeiter, Manager, Aktionäre.

Zwei bis drei Jahre veranschlagt Merz für die Sanierung des Traditionsunternehmens mit seinen weltweit mehr als 160 000 Mitarbeitern. Doch das kostet zunächst einmal, einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag hat der Konzern für den Umbau reserviert. Für eine erwartete Kartellstrafe sind 370 Millionen Euro zurückgelegt. Da auch der konjunkturelle Rückenwind fehlt, wird der Konzern im neuen Geschäftsjahr 2019/20 noch tiefer in die Verlustzone rutschen. Im abgelaufenen Jahr hatte thyssenkrupp unter dem Strich ein Minus von 304 Millionen Euro eingefahren.

Die Aktie brach am Donnerstag zwischenzeitlich um mehr als 14 Prozent ein, zuletzt schloss sie noch 13,62 Prozent im Minus bei 11,67 Euro. Der Industriekonzern bleibe in schwierigem Fahrwasser und stehe vor harten Zeiten, schrieb Analyst Christian Obst von der Baader Bank in einer ersten Reaktion. Der Ton des Industriekonzerns sei mit Blick auf eine beschleunigte Restrukturierung deutlich strenger gewesen als zuvor, kommentierte Jefferies-Analyst Alan Spence.

Merz hatte erst am 1. Oktober das Ruder in Essen übernommen - nach turbulenten Jahren für thyssenkrupp mit Chefwechseln, dem Verbot der Stahlfusion mit dem Konkurrenten Tata durch die EU, der abgesagten Konzernteilung und schließlich dem Abstieg aus dem DAX 30. Bei ihrem ersten Auftritt auf großer Bühne zog die Ingenieurin eine vernichtende Schlussbilanz der Arbeit ihrer Vorgänger. "Nicht zufriedenstellend", "viel zu wenig in der Umsetzung", "weit hinter den Ansprüchen zurück", "Zeit mit anderen Themen verbracht" - Merz hängte Kritikpunkt an Kritikpunkt.

Bei ihrem Vorgänger Guido Kerkhoff, den Merz als Aufsichtsratsvorsitzende kontrolliert hatte, klang die Kritik am eigenen Unternehmen ähnlich. Kerkhoff, dessen Vertrag vier Jahr vor Ablauf aufgelöst worden war, hat eine Ausgleichszahlung von knapp 6,4 Millionen Euro sowie weitere Zahlungen von 580 000 Euro erhalten, wie aus dem Geschäftsbericht hervorgeht.

Auf die Beschäftigten kommen neue Unsicherheiten zu. thyssenkrupp wird möglicherweise mehr als die bisher geplanten 6000 Arbeitsplätze streichen. "Zum aktuellen Zeitpunkt können wir noch nicht ausschließen, dass es mehr Stellen werden, die wir abbauen müssen", sagte Personalvorstand Oliver Burkhard. "Schritt für Schritt werden wir da genauer werden können." Für den Abbau von 2100 Arbeitsplätzen gebe es bereits Vereinbarungen mit den Arbeitnehmervertretern.

Erste Maßnahmen beim Personalabbau hat thyssenkrupp inzwischen mitgeteilt. In der Essener Unternehmenszentrale soll fast die Hälfte der bislang etwa 800 Arbeitsplätze wegfallen - nur für einige wird es einen neuen Job im Konzern geben. Im Autozuliefergeschäft sollen 640 Stellen abgebaut werden. In den nächsten Wochen und Monaten werde es "immer wieder Meldungen zu Stellenreduzierungen geben", kündigte Burkhard an.

Die Aktionäre müssen für das abgelaufene Geschäftsjahr auf eine Dividende verzichten - zum dritten Mal in den vergangenen acht Jahren. Das trifft vor allem die Kruppstiftung, die mit dem Geld ihre wissenschaftlichen und kulturellen Förderprogramme finanziert.

Merz will zudem den Wettbewerb zwischen den einzelnen Sparten des Konzerns anheizen. "Die Geschäfte stehen miteinander im Wettbewerb um Investitionen", sagte sie. Wenn einzelne Geschäfte nicht zu den Branchenbesten aufschließen könnten, müsse sich thyssenkrupp eingestehen, "dass wir nicht der beste Eigentümer sind". Einen dauerhaften Ausgleich von Verlusten werde es nicht mehr geben. Wenn die Manager nicht die erwarteten Ergebnisse bringen, müssten sie "dafür geradestehen".

Geld für die Sanierung soll die profitable Aufzugssparte bringen. Ob dies über einen Börsengang, einen Komplett- oder einen Teilverkauf geschehen soll, bleibt vorerst offen. Im ersten Quartal kommenden Jahres werde eine Entscheidung fallen, "welche Option wir primär weiterverfolgen", sagte Finanzchef Johannes Dietsch. Merz betonte, die Erlöse würden "nicht zum Stopfen von Löchern" genutzt.

thyssenkrupp will sich wieder mehr auf seine Stammgeschäfte Stahl und Werkstoffhandel konzentrieren. Doch dafür ist die Situation derzeit wenig günstig. Die Stahlindustrie leidet unter der schwachen Nachfrage in Europa und weltweiten Überkapazitäten. Bei thyssenkrupp Steel ist der Gewinn massiv eingebrochen, das bereinigte Ebit sank von 687 Millionen auf 31 Millionen Euro. Im Dezember will thyssenkrupp für den Stahlbereich ein Konzept vorlegen. Um sich die nötigen Investitionen leisten zu können, "müssen wir an unseren Kosten arbeiten. Da werden alle ihren Beitrag leisten müssen", sagte Vorstandsmitglied Klaus Keysberg./hff/DP/men

ESSEN (dpa-AFX)

Bildquellen: thyssenkrupp AG

Nachrichten zu thyssenkrupp AG

  • Relevant
  • Alle
  • vom Unternehmen
  • Peer Group
  • ?

Um Ihnen die Übersicht über die große Anzahl an Nachrichten, die jeden Tag für ein Unternehmen erscheinen, etwas zu erleichtern, haben wir den Nachrichtenfeed in folgende Kategorien aufgeteilt:

Relevant: Nachrichten von ausgesuchten Quellen, die sich im Speziellen mit diesem Unternehmen befassen

Alle: Alle Nachrichten, die dieses Unternehmen betreffen. Z.B. auch Marktberichte die außerdem auch andere Unternehmen betreffen

vom Unternehmen: Nachrichten und Adhoc-Meldungen, die vom Unternehmen selbst veröffentlicht werden

Peer Group: Nachrichten von Unternehmen, die zur Peer Group gehören

Analysen zu thyssenkrupp AG

  • Alle
  • Buy
  • Hold
  • Sell
  • ?
27.03.2020thyssenkrupp HaltenIndependent Research GmbH
25.03.2020thyssenkrupp Equal-WeightMorgan Stanley
25.03.2020thyssenkrupp addBaader Bank
23.03.2020thyssenkrupp buyJefferies & Company Inc.
09.03.2020thyssenkrupp Equal weightBarclays Capital
25.03.2020thyssenkrupp addBaader Bank
23.03.2020thyssenkrupp buyJefferies & Company Inc.
02.03.2020thyssenkrupp OutperformCredit Suisse Group
28.02.2020thyssenkrupp buyKepler Cheuvreux
28.02.2020thyssenkrupp addBaader Bank
27.03.2020thyssenkrupp HaltenIndependent Research GmbH
25.03.2020thyssenkrupp Equal-WeightMorgan Stanley
09.03.2020thyssenkrupp Equal weightBarclays Capital
05.03.2020thyssenkrupp Equal-WeightMorgan Stanley
03.03.2020thyssenkrupp HaltenNorddeutsche Landesbank (Nord/LB)
13.02.2020thyssenkrupp UnderweightBarclays Capital
21.01.2020thyssenkrupp UnderperformCredit Suisse Group
13.01.2020thyssenkrupp UnderperformCredit Suisse Group
08.01.2020thyssenkrupp UnderweightBarclays Capital
22.11.2019thyssenkrupp UnderperformCredit Suisse Group

Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für thyssenkrupp AG nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen

Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"

Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"

Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"
mehr Analysen
Werbung
Werbung
Werbung
Börse Stuttgart Anlegerclub

Die richtige Strategie für die Börsenkrise

Stecken Sie nicht den Sand in den Kopf, sondern kaufen Sie die richtigen Aktien. Erfahren Sie im aktuellen Anlegermagazin mehr über attraktive Qualitätsaktien und zyklische Aktien
Kostenfrei registrieren und lesen!

Heute im Fokus

DAX beendet Handel tiefrot -- US-Börsen tief im Minus --T-Mobile schließt Sprint-Fusion ab -- Springer: Börsenaus steht fest -- Continental nimmt Ausblick zurück -- BYD, adidas, Munich Re im Fokus

Talfahrt der europäischen Industrie verschärft sich. E.ON platziert in Corona-Krise grüne Anleihen für 750 Millionen. Coronavirus-Krise lässt deutsche Industrie im März einbrechen. FMC kooperiert mit US-Dialyseanbietern. Lufthansa-Konzern meldet Kurzarbeit für 87.000 Beschäftigte an.

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Rohstoffe: Die Gewinner und Verlierer im März 2020
Welcher Rohstoff macht das Rennen?
DAX 30: Die Gewinner und Verlierer im März 2020
Welche Aktie macht das Rennen?
TecDAX: Die Gewinner und Verlierer in Q1 2020
Welche Aktie macht das Rennen?
Die erfolgreichsten Kinofilme der letzten 25 Jahre
Welche Titel knackten die Milliardenmarke an den Kinokassen?
DAX: Die größten Verluste an nur einem Tag
An diesem Tagen verbuchte der DAX das höchste Minus
mehr Top Rankings

Umfrage

Corona-Crash und Chaostage an den Börsen. Wie handeln Sie in unsicheren Zeiten?

Online Brokerage über finanzen.net

finanzen.net Brokerage
Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade aus der Informationswelt von finanzen.net!

ETF-Sparplan

Oskar ist der einfache und intelligente ETF-Sparplan. Er übernimmt die ETF-Auswahl, ist steuersmart, transparent und kostengünstig.
Zur klassischen Ansicht wechseln
Kontakt - Impressum - Werben - Pressemehr anzeigen
Top News
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Bitcoin
Goldpreis
Meistgesucht
Microsoft Corp.870747
Deutsche Bank AG514000
Lufthansa AG823212
Wirecard AG747206
Shell (Royal Dutch Shell) (A)A0D94M
Airbus SE (ex EADS)938914
Daimler AG710000
Scout24 AGA12DM8
Amazon906866
TeslaA1CX3T
Allianz840400
Apple Inc.865985
BioNTech SE (spons. ADRs)A2PSR2
NEL ASAA0B733
Volkswagen (VW) AG Vz.766403