SAP-Aktie sackt nach Rückkauf-Ankündigung ab: Gewinn steigt deutlich - Umsatz leicht unter den Erwartungen

Der DAX-Riese SAP hat am Donnerstag vorbörslich seine Bücher geöffnet. So fielen die Zahlen des Softwarekonzerns aus.
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Europas größter Softwarehersteller SAP will im neuen Jahr sein Umsatzwachstum weiter beschleunigen und dabei erneut profitabler werden. Gegen Ende des vergangenen Jahres konnten die Walldorfer jedoch nicht so viele Verträge im Wachstumsfeld mit Cloudsoftware abschließen wie erhofft. Auch 2026 wird das Wachstum des Vertragsbestands auf Sicht der kommenden zwölf Monate im Vergleich mit dem Vorjahr zurückgehen. Um die Anleger bei Laune zu halten, steckt das Dax-Schwergewicht über zwei Jahre bis zu 10 Milliarden Euro in Aktienrückkäufe.
Die Aktie hat derzeit einen schweren Stand. Investoren haben sich in den vergangenen Monaten vielfach von Softwarewerten abgewandt; sie fürchten Konkurrenz und ein schwierigeres Geschäftsumfeld für viele der Unternehmen im Zuge des rasanten Wachstums von KI-Anwendungen. Der Aktienkurs von SAP hat vom Rekordhoch vor knapp einem Jahr bis dato im Haupthandel rund 40 Prozent verloren.
JPMorgan-Analyst Toby Ogg wertete zwar die Aussichten für den freien Finanzmittelfluss (Free Cashflow) im neuen Jahr als überraschend hoch. Der Vertragsbestand in der Cloud enttäusche indes; und die Umsatzprognose in der Cloud für das laufende Jahr liege leicht unter der Markterwartung.
Trotz der aktuell trüben Aussichten setzt SAP-Chef Christian Klein aber - wie in der Mittelfristplanung versprochen - beim Umsatz auf weitere Beschleunigung sowie eine Ausweitung der Profitabilität. Der Produktumsatz mit Cloudsoftware und herkömmlichen Lizenzen soll 2026 währungsbereinigt um 12 bis 13 Prozent zulegen, die Cloudsoftware zur Nutzung über das Netz allein um 23 bis 25 Prozent, wie das DAX-Schwergewicht am Donnerstag mitteilte.
Die Nordbadener wollen zudem das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 14 bis 18 Prozent steigern, wenn Wechselkursschwankungen ausgeklammert werden. Damit würde die Marge weiter anziehen. Mit den Zielen liegt SAP im Rahmen der Erwartungen von Analysten.
Der Auftragsbestand in der Cloud auf Sicht von zwölf Monaten (Current Cloud Backlog - CCB) dürfte allerdings langsamer wachsen als im Vorjahr. Schon 2025 hatte der Bestand an vertraglich zugesicherten Zahlungen nicht mehr so rasant angezogen wie zuvor. Finanzchef Dominik Asam sagte, der Rückgang der Wachstumsrate werde allerdings nicht so deutlich ausfallen wie zuletzt.
Mit einem Anstieg des kurzfristigen Vertragsbestands in der Cloud von währungsbereinigt 25 Prozent verfehlte SAP im vergangenen Jahr seine eigene Erwartung um einen Prozentpunkt. Anleger sind empfindlich, wenn es um diese Kennzahl geht - ist sie doch bei den Aboverträgen die Basis für den künftigen gebuchten Umsatz.
Im vierten Quartal seien einige große Deals in der Vertriebspipeline gewesen, die wegen ihrer Komplexität länger in der Umsetzung bräuchten, sagte Finanzchef Dominik Asam. Zudem seien einige abgeschlossene öffentliche Verträge noch nicht in den Vertragsbestand eingeflossen. Grundsätzlich profitiere SAP aber weiter von guter Nachfrage - auch, weil Kunden angesichts der geopolitischen Lage mehr und mehr auf Datensouveränität setzten.
Das Unternehmen kündigte ein neues Aktienrückkaufprogramm für 10 Milliarden Euro über zwei Jahre an. SAP kauft regelmäßig Aktien für das eigene aktienbasierte Vergütungssystem der Mitarbeitenden zurück - das dürften nach SAP-Angaben pro Jahr 1,5 bis 2 Milliarden Euro sein. Der Rest geht an die Aktionäre. Aktienrückkäufe sind bei großen Investoren beliebt, weil sie unter anderem den Gewinnanteil je verbleibendem Papier erhöhen. Allerdings gibt es auch Kritik, dass das Geld dann für Investitionen in eigene Produkte fehlt und lediglich der Kurspflege dient.
2025 stieg der Erlös des Konzerns dank des starken Zuwachses bei Cloudsoftware insgesamt um acht Prozent auf 36,8 Milliarden Euro, der schwache Dollar bremste dabei erheblich und kostete beim Umsatzanstieg drei Prozentpunkte.
Das bereinigte operative Ergebnis legte unter anderem wegen Einsparungen durch einen großen Personalumbau um 28 Prozent auf 10,4 Milliarden Euro zu und fiel damit etwas besser aus als von Experten geschätzt.
Unter dem Strich wuchs der Nettogewinn auf 7,5 Milliarden Euro, das war mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Im Vorjahr hatten Stellenstreichungen mit Milliardenkosten belastet. Diesmal legte SAP 174 Millionen Euro für einen alten Rechtsstreit in den USA mit der dortigen Firma Teradata zurück. Dabei geht es unter anderem um kartellrechtliche Vorwürfe im Zusammenhang mit der SAP-Datenbanktechnik Hana.
So reagiert die SAP-Aktie
Die Aktien von SAP nähern sich Donnerstagmorgen nach dem Geschäftsbericht wieder ihrem Jahrestief. Auf der Handelsplattform Tradegate sanken die Papiere der Walldorfer auf fast 188 Euro und lagen damit gut 4 Prozent unter ihrem Xetra-Schluss vom Vortag.
Analysten wie Börsianer stören sich am Auftragsbestand in der Cloud - dem Current Cloud Backlog (CCB). Er verfehlte die Erwartungen trotz eines deutlichen Anstiegs. Analyst Mohammed Moawalla von Goldman Sachs rechnet allerdings nur mit sehr moderat sinkenden Umsatzerwartungen für 2026. Am Ergebniskonsens für die Walldorfer dürfte sich kaum etwas ändern.
Schwer einzuschätzen ist die Kursreaktion auch wegen der immensen Kursschwäche der Aktien seit Februar 2025. Damals hatten sie bei gut 283 Euro den bisherigen Rekord erreicht und sind bis dato um gut ein Drittel gefallen.
Redaktion finanzen.net / dpa-AFX
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