08.12.2021 22:20

BioNTech- und Pfizer-Aktien geben nach: Impfstoff schützt offenbar nur teilweise gegen Omikron - Bei drei Dosen immer noch effektiv

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Der COVID-19-Impfstoff von BioNTech/Pfizer bietet Studien zufolge offenbar lediglich einen teilweisen Schutz gegen die neue Omikron-Variante.
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Sie deuten darauf hin, dass Booster-Impfungen dringend nötig sind. Die Neutralisierung der Omikron-Variante habe im Vergleich zu einem früheren COVID-Stamm "sehr stark abgenommen", erklärte Alex Sigal, Professor am Africa Health Research Institut in Südafrika, auf Basis vorläufiger Ergebnisse. Die Virologin Sandra Ciesek vom Universitätsklinikum Frankfurt veröffentlichte am Mittwoch Daten zur Wirksamkeit der Impfstoffe gegen die neue Variante und kam zu dem Schluss, "dass die Entwicklung eines an Omikron angepassten Impfstoffs sinnvoll ist".

Der Virologe Christian Drosten von der Charite sprach von sehr wichtigen Daten. "Sieht nicht gut aus für zweifach Geimpfte. Dritte Dosis notwendig", schrieb er auf Twitter. Aber selbst drei Monate nach einer Booster-Impfung mit BioNTech sieht Ciesek bei ihrer Untersuchung nur eine Neutralisation von 25 Prozent bei Omikron im Vergleich zu 95 Prozent bei der noch vorherrschenden Delta-Variante und spricht von einer bis zu 37-fach reduzierten neutralisierenden Wirkung der Antikörper im Vergleich zur Delta-Variante. Bei einer sechs Monate zurückliegenden zweifachen Impfung mit BioNTech, Moderna sowie einer Kreuzimpfung von AstraZeneca/BioNTech sei eine Antikörperreaktion nicht einmal messbar gewesen.

Das Afrika Health Research Institut in Südafrika untersuchte im Labor das Blut von zwölf Personen, die mit dem Impfstoff von BioNTech/Pfizergeimpft wurden. Dabei wurde ein 41-facher Rückgang der neutralisierenden Antikörper gegen die Omikron-Variante beobachtet. Das Blut von fünf der sechs geimpften und zuvor mit COVID-19 infizierten Personen konnte die Omikron-Variante allerdings noch immer neutralisieren. "Diese Ergebnisse sind besser als ich erwartet hatte. Je mehr Antikörper man hat, desto größer ist die Chance, dass man vor Omikron geschützt ist", erklärte Sigal. Die vorläufigen Daten wurden noch nicht von Fachkollegen geprüft.

Während neutralisierende Antikörper ein Indikator für die Immunreaktion des Körpers sind, gehen die Wissenschaftler davon aus, dass auch andere Arten von Zellen wie B- und T-Zellen durch die Impfstoffe stimuliert werden und zum Schutz vor den Auswirkungen des Coronavirus beitragen. Die vorläufigen Daten deuten zudem nicht darauf hin, dass der Impfstoff weniger in der Lage ist, schwere Erkrankungen oder Todesfälle zu verhindern. BioNTech-Chef Ugur Sahin sagte in der vergangenen Woche, dass er es für wahrscheinlich hält, dass Geimpfte einen deutlichen Schutz gegen schwere Erkrankungen, die durch Omikron verursacht werden, haben werden. Sahin sagte dem Sender NBC am Dienstag, dass das Unternehmen am Mittwoch oder Donnerstag Daten zur Omikron-Variante veröffentlichen wird.

"Die Daten zeigen, dass selbst zweifach Geimpfte oft nicht genügend Antikörper haben, um Omikron zu neutralisieren", sagte Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie. "Erst nach einem Booster oder nach der Kombination aus Infektion plus zweifacher Impfung sind genügend Antikörper vorhanden. Das bedeutet, dass wir mit Omikron noch mehr Durchbruchsinfektionen sehen werden. Die Inzidenzen könnten daher noch mal deutlich steigen."

Nach Einschätzung des führenden US-Experten für Infektionskrankheiten, Anthony Fauci, deuten vorläufige Ergebnisse darauf hin, dass die Variante wahrscheinlich einen höheren Grad der Übertragbarkeit aufweist, aber weniger schwerwiegend ist. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte Omikron am 26. November als "besorgniserregende Variante" eingestuft. Bisher gebe es jedoch keine Hinweise auf eine nötige Anpassung der bestehenden COVID-19-Impfstoffe auf die Omikron-Variante, hatte ihr Notfalldirektor Mike Ryan erklärt.

Labordaten von BioNTech: Booster nötig für Schutz vor Omikron

Für einen ausreichenden Schutz vor der Omikron-Variante des Coronavirus sind nach Angaben der Impfstoffhersteller BioNTech und Pfizer drei Dosen ihres Produktes nötig. Ersten Labordaten zufolge schützten zwei Dosen nicht ausreichend vor einer Infektion mit der kürzlich entdeckten Variante, teilten die Unternehmen am Mittwoch mit. Sie gehen allerdings davon aus, dass der Schutz vor einer schweren Erkrankung weiterhin gegeben ist. Eine Booster-Dosis erhöhe den Antikörper-Spiegel ausreichend, um auch die Omikron-Variante zu neutralisieren. Bei Bedarf könne ab März unter Vorbehalt der behördlichen Genehmigung ein angepasster Impfstoff bereitgestellt werden.

BioNTech und Pfizer hatten in Laboruntersuchungen geprüft, wie gut Blutseren geimpfter Personen mit den darin enthaltenen Antikörpern die kürzlich entdeckten Omikron-Variante des Coronavirus neutralisieren können. Sie nutzten für ihre Untersuchung eine künstlich hergestellte Form des Virus. Aus den Ergebnissen lassen sich Erkenntnisse über die Schutzwirkung ableiten, auch wenn Laboruntersuchungen die realen Bedingungen nicht vollständig widerspiegeln.

Nach zwei Dosen des Impfstoffs war das Neutralisierungspotenzial demnach im Vergleich zum Wildtyp des Erregers um das 25-fache reduziert. Die auf die Impfung hin gebildeten T-Zellen würden von den Mutationen der Variante allerdings nicht beeinträchtigt. Deshalb "gehen die Unternehmen davon aus, dass geimpfte Personen immer noch gegen schwere Formen der Krankheit geschützt sein könnten."

Die vorläufigen Labordaten deuteten darauf hin, dass "die erste Verteidigungslinie" gegen die Omikron-Variante nach zweimaliger Impfung beeinträchtigt sein könnte, die dritte Impfung diesen Schutz aber wieder herstelle, sagte die medizinische Geschäftsführerin und BioNTech-Mitgründerin Özlem Türeci auf einer Online-Pressekonferenz.

Eine konkrete Zeitangabe, wann BioNTech über die Notwendigkeit eines auf die neue Variante zugeschnittenen Impfstoffs entscheidet, nannte Vorstandschef Ugur Sahin nicht. Zunächst müssten in den nächsten Wochen noch weitere Ergebnisse aus Laboruntersuchungen sowie Erfahrungen über die tatsächliche Ausbreitung der Variante abgewartet werden. BioNTech arbeite weiter "mit voller Geschwindigkeit" an der Anpassung des Vakzins an Omikron und gehe dabei von der Annahme aus, dass dies notwendig werden könnte. Die Produktion werde nicht komplizierter als bei dem jetzigen Impfstoff. BioNTech stehe mit Blick auf die neuen Varianten-Studien in ständigem Kontakt mit den Zulassungsbehörden.

Nach Sahins Ansicht ist für Menschen, die sich gegen die Omikron-Variante schützen wollen, ratsamer, sich jetzt boostern zu lassen und nicht auf eine mögliche Impfstoff-Anpassung in ein paar Wochen zu warten. Zudem werde der neue Impfstoff bei einem etwaigen Anlaufen der Produktion im März auch nicht gleich massenhaft zur Verfügung stehen. BioNTech werde voraussichtlich erst einmal mit 25, 50 und 75 Millionen Dosen in die Produktion gehen.

Die Booster-Dosis erhöhte den Antikörper-Spiegel nach Angaben von BioNTech und Pfizer zufolge um das 25-Fache. Diese Antikörper-Spiegel würden mit einer hohen Wirksamkeit sowohl gegen das Wildtyp-Virus als auch gegen zuvor aufgetauchte Varianten in Verbindung gebracht. "Auch wenn zwei Dosen des Impfstoffs möglicherweise weiterhin Schutz vor schweren Krankheitsverläufen bieten, zeigen diese ersten Daten sehr deutlich, dass der Schutz mit einer dritten Dosis unseres Impfstoffs verbessert wird", sagte Albert Bourla, Chef des Pharmakonzerns Pfizer.

Die Blutseren für den Versuch der Hersteller wurden drei Wochen nach der zweiten Impfung oder vier Wochen nach der dritten Impfung entnommen. Daten zur Langlebigkeit der durch den Booster induzierten Antikörpertiter werden derzeit noch erhoben.

Erste Chargen eines angepassten Impfstoffs könnten laut BioNTech bei Genehmigung durch die Behörden innerhalb von 100 Tagen ausgeliefert werden. Die erwarteten Produktionsmengen von vier Milliarden Dosen des Impfstoffs im Jahr 2022 würden sich auch bei einer nötigen Anpassung nicht ändern.

Bund organisiert zusätzliche BioNTech-Impfdosen

Der Bund hat zur Beschleunigung der Corona-Impfungen drei Millionen zusätzliche Impfdosen von BioNTech organisiert, die andere EU-Staaten aktuell nicht benötigen. Sie sollen in dieser und zu Beginn der kommenden Woche den Ländern für die Impfzentren zur Verfügung gestellt werden, wie aus einem Bericht des scheidenden Gesundheitsministers Jens Spahn (CDU) von Mittwoch an seine Länderkollegen hervorgeht. Auch über den Großhandel sollen demnach mehr BioNTech-Dosen an Praxen gehen. Insgesamt soll der Bund damit in der Woche vom 13. Dezember acht Millionen Dosen BioNTech und mehr als zehn Millionen Dosen von Moderna für Auffrischungsimpfungen ausliefern.

Bei vielen Ärzten und anderen Impfstellen hat es Proteste ausgelöst, dass der Bund für den meistgenutzten Impfstoff von BioNTech kürzlich Bestell-Obergrenzen eingeführt hatte - da sich die Lager sonst zu schnell zu leeren drohten. Bund, Länder und Wissenschaftler betonen, dass BioNTech wie Moderna für Verstärkungen ("Booster") schon länger zurückliegender Impfungen gleichermaßen verwendet werden können.

Die BioNTech-Aktie verlor im Handel an der NASDAQ letztlich 3,55 Prozent auf 291,94 US-Dollar, während die Pfizer-Aktie an der NYSE um 0,62 Prozent auf 51,40 US-Dollar abgab. Im frühen Handel verbuchten beide Titel noch Gewinne.

Frankfurt / New Jersey / BERLIN (dpa-AFX / Reuters)

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19.01.2022BioNTech (ADRs) NeutralGoldman Sachs Group Inc.
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