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13.02.2016 23:25
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Fondsmanager Leber: "Das Schlimmste ist vorbei"

Euro am Sonntag-Interview: Fondsmanager Leber: "Das Schlimmste ist vorbei" | Nachricht | finanzen.net
Euro am Sonntag-Interview
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Hendrik Leber, der Fondsmanager und Value-Investor, über die Korrektur an den Börsen, günstige Aktien - und das Comeback des Value-Investments.
€uro am Sonntag
von Uli Kühn, Euro am Sonntag

€uro am Sonntag: Die Börsen beben so heftig wie lange nicht. Ist die lange Hausse zu Ende?
Hendrik Leber:
Sieben Jahre Hausse sind eine lange Zeit. Da kann man durchaus eine Trendwende oder zumindest eine Korrektur erwarten. Nach den kräftigen Rückgängen ist jetzt wahrscheinlich das Schlimmste überstanden. Viele Aktien sind inzwischen sehr preiswert zu haben. Das heißt aber nicht, dass jetzt sofort Ruhe an den ­Finanzmärkten einkehrt, aber wohl doch eine gewisse Stabilisierung. 9.000 Punkte im DAX sind nach meiner Einschätzung die Untergrenze.


Einige große Risiken wie ein möglicher China-Crash oder ein weltweiter Konjunktureinbruch bleiben aber doch bestehen?
Die meisten Anleger ziehen die falschen Schlüsse aus dem starken Rückgang der Ölpreise. Sie werten den Preisverfall als Vorboten für eine weltweite Wirtschaftskrise. Doch der Ölpreis sinkt vor allem aufgrund des weltweiten Überangebots und der Machtkämpfe der Ölpro­duzenten. Objektiv betrachtet sieht die Wirtschaftslage gar nicht schlecht aus: In China und den USA zieht der Konsum an, wie sich an steigenden Autoverkäufen und Neubauten ablesen lässt. Sogar in Europa deutet sich langsam ein Aufschwung an.


Aber die US-Ölbranche hat durch das billige Öl massive Probleme. Das könnte auf ­andere Branchen ausstrahlen.
Die Ölkrise bleibt eine potenzielle Bedrohung. Viele unterschätzen, wie brisant die Lage für die oft hoch verschuldeten US-Ölproduzenten ist. Noch will keiner aufgeben, aber das wird kommen. Ich hoffe auf den Konkurs eines großen Spielers. Das würde die Situation wohl bereinigen. Die Folgen für den Rest der US-Wirtschaft dürften aber nicht allzu dramatisch sein.

In welchen Bereichen sehen Sie jetzt die größten Chancen?
Biotechaktien sind ausgesprochen günstig, trotz fantastischer Kursgewinne in den letzten Jahren und weiterhin guter Ertragsperspektiven. Die Marktteil­nehmer gehen davon aus, dass Hillary Clinton die US-Wahl gewinnt und bei Medikamenten­preisen die Bremse reinhaut. Das wird nicht passieren, weil nicht Clinton US-Präsident wird, sondern Michael Bloomberg.


Wer wird außerdem zu den ­Gewinnern bei Aktien gehören?
Auch in der IT-Branche finden wir viele aussichtsreiche Werte. Alphabet, also Google, hat weiter riesiges Potenzial. Microsoft ist ein Wertschöpfungsgigant, weil der Konzern eine kluge Ausschüttungs- und Rückkaufpolitik betreibt und kein Geld durch unsinnige Übernahmen vernichtet. Auf Gewinnkurs bleibt auch die sehr profitable IT-Beratung Cognizant, eine US-Firma, deren Mitarbeiter zu vier Fünfteln in Indien sitzen. Auch in ­Europa werden wir zurzeit oft fündig: Für unseren Europa-­Fonds haben wir Aktien des norwegischen Halbleiterherstellers Nordic Semiconductor gekauft.

Als Value-Investor haben Sie ein paar schwere Jahre hinter sich. Ist der Value-Ansatz ein Konzept der Vergangenheit?
Fast scheint es so. Gegenüber den großen Standardindizes blieben Value-Aktien zurück, weil immer mehr Anleger nur noch den Index kaufen. Doch wir bleiben unserer Value-Strategie treu, denn betriebswirtschaftlich ist nur Value sinnvoll. Warum sollte ich ein überteuertes Unternehmen kaufen? Geduldige Value-Anleger, die sich nicht um den Markt kümmern, haben Aussicht auf große Gewinne. Außerdem: Inzwischen gibt es im Value-Bereich ein enormes Aufholpotenzial. Value wird sein Comeback feiern, wenn die Gier zurückkommt.

Vita:

Hendrik Leber

Der 1957 Geborene ist Gründer und Chef der Vermögensverwaltung Acatis (siehe auch "Fonds im Fokus" links). Nach BWL- Studium und Promotion ­arbeitete er zunächst als Berater bei McKinsey und beim Bankhaus Metzler.


Investor-Info

Fonds im Fokus
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Situationen wie die aktuellen Kursturbulenzen sind für Value-Investoren eine willkommene Gelegenheiten, um Aktien von solide wachsenden Unternehmen günstig einzusammeln. Hendrik Leber ist da keine Ausnahme. Er glaubt nicht an einen ­Einbruch der amerikanischen Wirtschaft und hat knapp die Hälfte des Fondsvermögens in US-Titel investiert. Größte Position ist die Schnäppchenmode-Kette Ross Stores, branchentechnisch liegt mit 27 Prozent Anteil ein Schwerpunkt auf Informationstechnologie. Leber hält jedoch auch exotischere Titel wie den norwegischen Seafood-Produzenten ­Marine Harvest und die thailändische Bangkok Bank. Lässt die Panik nach, sollte das Port­folio überdurchschnittlich profitieren.
Fazit: Für Anhänger von Value-Investments eine gute Wahl.
Bildquellen: ACATIS Investment GmbH, photofriday / Shutterstock.com

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