21.10.2015 03:00

Comeback der Rohstoffe: Wo Anleger jetzt investieren

Euro am Sonntag: Comeback der Rohstoffe: Wo Anleger jetzt investieren | Nachricht | finanzen.net
Euro am Sonntag
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Nach dem Absturz auf mehrjährige Tiefs verbuchen die Rohstoffmärkte die stärkste Wochenbilanz seit 2012. Bei Metallen könnte es die Wende sein.
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€uro am Sonntag
von Alexander Sturm, Euro am Sonntag

Erst alles düster, dann ­alles rosig - so mussten Rohstoffinvestoren in den vergangenen Wochen die Börsen empfinden. Fielen die Rohstoffpreise bis Ende September auf immer neue Tiefstände, erlebten Anleger seitdem eine Rally. Unaufhaltsam stiegen die Preise zwischenzeitlich höher. Aus dem Nichts verbuchten die Rohstoffmärkte jüngst die stärkste Woche seit 2012: Der breite Bloomberg Commodity Index, der im August so tief notierte wie seit 16 Jahren nicht, gewann mehr als vier Prozent. Vor allem Metalle wie Gold, Kupfer, Blei und Zink stiegen rasant. Selbst Platin, das in Dieselkatalysatoren verbaut wird und unter dem Volkswagen-Skandal litt, machte die Verluste komplett wett.
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Zwar sind die Metallpreise immer noch sehr tief, doch die ­Erholung macht Hoffnung. Sie bestätigt Rohstoff-Bullen, die schon vor Wochen eine Wende erwartet hatten (siehe €uro am Sonntag Ausgabe 39), und ruft neue Optimisten hervor. Die ­Allianz-Tochter Pimco, die rund 15 Milliarden Dollar in Rohstoffen verwaltet, verkündet nun, das Schlimmste an den Rohstoffmärkten sei überstanden. "Der Verfall liegt größtenteils hinter uns", sagt Nicholas Johnson, Rohstoffexperte bei Pimco.


Er erwartet, dass sich bei Rohstoffen ein Boden bildet. Denn angeschlagene Branchenriesen wie Glencore schließen wegen des Preisverfalls Minen und stoppen Investitionen. Banken wie Morgan Stanley empfehlen die Minenkonzerne BHP Billiton und Rio Tinto angesichts ihrer stark gefallenen Aktienkurse ­sogar zum Kauf (siehe Investor- Info). Morgan Stanley macht Mut, dass die Rohstoffpreise in den vergangenen Monaten unterm Strich seitwärts liefen. Das lege nahe, dass sich die Nachfrage allmählich stabilisiere.

Gegenreaktion oder Wende?

Den Aktien der Minenkonzerne half zuletzt die Erholung der Metalle. Gold erreichte kürzlich ein Dreimonatshoch und überwand wichtige charttechnische Trendlinien. Kupfer, das jüngst so billig war wie seit 2009 nicht, trotzte immer wieder der wichtigen Marke um 5.000 Dollar je Tonne. Dann verteuerte es sich in der Spitze um acht Prozent. Zink verbuchte mit einem Tagesgewinn von mehr als sechs Prozent den größten Kurssprung seit vier Jahren, als Glencore ankündigte, Minen in Australien, Chile und Peru zu schließen. Und Palladium, das in Benzinmotoren zum Einsatz kommt, stieg als Profiteur des VW-Skandals binnen zwei Wochen um gut elf Prozent.

Bedeutet die Erholung eine Trendwende auf den Rohstoffmärkten? Oder verbirgt sich dahinter nur eine Gegenbewegung überverkaufter Märkte?

Uwe Burkert, Chefvolkswirt bei der LBBW, glaubt an eine Trendwende. "2016 sehen wir Rohstoffe im Schnitt zehn bis 15 Prozent teurer." Die Nachfrage aus China stabilisiere sich, während der Bedarf aus Europa und den USA leicht steige. Zugleich würden Angebotsüberschüsse etwa bei Metallen abgebaut. "Mit dem Fall auf das Niveau der Finanzkrise haben wir bei Metallen den Boden gesehen", ist Burkert überzeugt. Er hält den Einbruch und die Angst um Chinas Konjunktur für überzeichnet. "Dieses Jahr erleben wir eine Übertreibung, 2016 wird das Jahr des Realismus."

Tatsächlich lassen einige Daten hoffen. So hat die International Copper Study Group gerade ihre Kupfer-Prognose korrigiert. Für 2015 rechnet sie nur noch mit einem Angebotsüberschuss von 41.000 Tonnen auf dem Markt, in der April-Prognose waren es 364.000 Tonnen. Grund seien Produktionskürzungen. 2016 erwarten die Experten nun statt eines Überschusses sogar ein Defizit. Die Commerzbank rechnet zudem mit steigenden chinesischen ­Importen. Das Land baue das Stromnetz aus und benötige Kupfer für die Überlandleitungen. "Ende des Jahres sehen wir Kupfer bei 5.700 Dollar je Tonne", sagt Eugen Weinberg, Leiter der Rohstoffanalyse.

Ähnlich ist die Lage bei Zink. Auch dort besteht noch ein Überschuss, der laut neuesten Schätzungen der International Lead and Zinc Study Group im kommenden Jahr in ein Defizit münden wird. Zwei der größten Zinkminen der Welt stellen die Förderung ein. Und die Produktionskürzungen von Glencore sind in der Prognose noch gar nicht berücksichtigt. Für Burkert hat Zink das größte Preis­potenzial unter den Metallen.

Mehr Spielraum für Gold

Auch für Gold hellen sich die Bedingungen auf. Das Edelmetall profitiert von Spekulationen über eine spätere Zinswende der US-Notenbank Fed. "Wenn die Fed die Zinsen später erhöht als erwartet oder die Realzinsen fallen, dürfte Gold anziehen", sagt Pimco-Experte Johnson.

Der Hintergrund: Da Gold ­weder Zins noch Dividende abwirft, bevorzugen Investoren in Erwartung steigender Zinsen oft Anlagen mit laufenden Erträgen. Steigen die Zinsen nicht, wird Gold attraktiver. Viele Profis erwarten wegen der Schwäche der Schwellenländer 2015 keine Zinswende mehr.

Selbst Platin könnte wieder bessere Zeiten erleben. Investoren mieden das Metall wegen der VW-Affäre, da sie eine ge­ringere Nachfrage nach Diesel­motoren erwarteten. Doch nun dürften die Umweltauflagen für Dieselfahrzeuge steigen. Dann könnte wieder mehr Platin in Katalysatoren verbaut werden. Und bei Blei könnten saisonale Effekte für ein Defizit im zweiten Halbjahr sorgen. Denn im Winter steigt gewöhnlich die Nachfrage nach Batterien, wofür Blei gebraucht wird.

Begrenztes Potenzial

So ist bei den meisten Metallen ein Ende des Verfalls und eine Trendwende wahrscheinlich. Zwar dürften die alten Preisniveaus von vor dem Verfall für lange Zeit unerreichbar sein. Denn die Märkte sind gerade erst dabei, Überschüsse zu tilgen und die Rohstoffnachfrage ist fragil. Doch ausgehend von den derzeit sehr niedrigen Preisen haben die meisten Metalle mittelfristig wieder etwas Luft nach oben. Nur bei manchen wie Aluminium bleiben die Aussichten wegen sehr großer Überschüsse trübe. Bei dem Industriemetall weitet China die Produktion weiter aus.

Voraussetzung für eine Er­holung der Metalle ist, dass die Weltkonjunktur nicht einbricht. Gerade die Nachfrage aus China ist für Rohstoffe entscheidend. Zuletzt lieferten die Importe von Kupfer ermutigende Signale.

Wie bereits vor Wochen empfohlen, können Investoren mit langfristigem Anlagehorizont über Fonds breit gestreut bei Metallen einsteigen. Indes ist nach der jüngsten starken Rally zunächst eine Konsolidierung wahrscheinlich. Investoren sollten schwache Tage nutzen, um zu kaufen.

Investor-Info

Fonds für Minenkonzerne
Besser breit gestreut

Minenkonzerne wie BHP Billiton oder Rio Tinto bieten Dividendenrenditen von über fünf Prozent. Banken empfahlen die Aktien jüngst, weil sie stark gefallen sind. Investments in einzelne Minenbetreiber können aber schiefgehen: Der Rohstoffriese Glencore etwa ist in Schieflage geraten, die Aktie verlor in zwölf Monaten gut 60 Prozent. Die Dividende musste Glencore streichen. Weniger riskant für Anleger sind Fonds wie der BGF World Mining, der über mehrere ­Minenaktien streut und Erträge ausschüttet.

Amundi ETF S & P GSCI Metals
Wette auf die Metall-Wende

Wer nicht auf Minenkonzerne, sondern direkt auf die Preisentwicklung von Metallen setzen will, kann diesen ETF kaufen. Er bildet den S & P GSCI All Metal Capped Commodity Index ab und notiert in Dollar. Hohes Gewicht im Portfolio haben Kupfer, Gold, Aluminium und Zink. Seit unserer Empfehlung Ende September hat der ETF rund fünf Prozent zugelegt.

Anleihe von Glencore
Wilde Aktie, wackere Anleihe

Glencore belasten relativ hohe Schulden. Zweifel eines Analysten an der Finanzkraft des Rohstoffkonzerns ließen die Aktie ab­stürzen. Doch eine Pleite schien Investoren übertrieben, binnen zwei Wochen verdoppelte sich der Aktienkurs wieder. Zumal Glencore viel tut, um die Schulden zu senken: Kapitalerhöhung, Aussetzen der Dividende, Verkauf von Geschäftsteilen, Investitionsstopp. Während die Aktie wild schwankt, hält sich die Anleihe von Glencore wacker. Das Papier mit Fälligkeit 2017 notiert fünf Prozentpunkte unter dem Ausgabekurs und bietet neun Prozent Rendite. Spekulative Anleger greifen zu.
Bildquellen: reproduced by kind permission of Glencore, BHP Billiton

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