Rheinmetall-Aktie sackt ab: Umsatzprognose in Pre-Close-Call enttäuscht - auch TKMS, HENSOLDT, RENK & Co. unter Druck

Die Rheinmetall-Aktie gerät nach einem Pre-Close-Call am Vorabend deutlich unter Druck, nachdem die vorgestellte Umsatzprognose für lange Gesichter sorgt. Finanzprofis reagieren negativ.
Werte in diesem Artikel
• Rheinmetall stellt Umsatzprognose in Pre-Close-Call vor
• Rüstungsaktien rauschen nach unten
• Finanzprofis reagieren negativ
Die Rheinmetall-Aktie geriet am Donnerstag kräftig unter Druck und war damit zeitweise Tagesverlierer im DAX. Der Grund: Der Rüstungskonzern stellte am Mittwoch in einem nachbörslichen Pre-Close-Call eine Umsatzprognose für das laufende Jahr vor, die weit hinter den Markterwartungen zurückblieb.
Umsatzziel deutlich unter Analystenerwartungen
Der Rüstungskonzern hatte am späten Mittwoch während einer Telefonkonferenz mit Investoren erklärt, für dieses Jahr einen Konzernumsatz zwischen 13,2 Milliarden und 14,1 Milliarden Euro zu erwarten. Der Mittelwert liegt 12 Prozent unter den Konsensschätzungen von Visible Alpha.
Die Lücke sei auf ein geringeres Wachstum im Verteidigungsbereich als erwartet zurückzuführen, einschließlich des Marinegeschäfts Naval Vessels Lürssen (NVL), dessen Übernahme Rheinmetall derzeit vollzieht, so Analysten von Berenberg in einem Kommentar. Berenberg bezeichnete den Ausblick für 2026 als schwach und fügte hinzu, dies sei eine Überraschung und das Unternehmen habe in der Telefonkonferenz kaum eine Erklärung dafür angeboten.
Rheinmetall bezeichnete die Schätzungen Analysten zufolge für 2026 eher als erste Indikation denn als vollständige Prognose. Der Umsatz im Verteidigungsgeschäft dürfte in diesem Jahr zwischen 15 Milliarden und 16 Milliarden Euro liegen, einschließlich der Umsätze von NVL, so das Unternehmen den Analysten zufolge. Der Auftragseingang könnte 2026 insgesamt 80 Milliarden Euro erreichen, wodurch der Auftragsbestand des Unternehmens bis zum Jahresende auf rund 135 Milliarden Euro steigen würde. Davon dürften 67 Milliarden Euro aus deutschen Verteidigungsaufträgen stammen.
Die operative Marge des Konzerns dürfte zwischen 18 Prozent und 20 Prozent liegen. Der Free Cashflow werde in diesem Jahr voraussichtlich sehr stark ausfallen, angetrieben durch hohe Anzahlungen für Verteidigungsaufträge.
Der Rüstungshersteller expandiert schnell in neue Bereiche, darunter Drohnen und maritime Anwendungen. Gleichzeitig bringt er neue Produkte auf den Markt, um auf den entstehenden Bedarf in Europa zu reagieren, wie etwa das Luftverteidigungssystem Skyranger, das als kostengünstigere Lösung gegen feindliche Drohnen dienen soll.
Jens-Peter Rieck, Analyst bei Mwb-Research, ist der Auffassung, dass die ersten Bewertungen des Skyranger im echten Einsatz in der Ukraine im ersten Quartal dieses Jahres erwartet werden. Diese seien entscheidend. "Sollte der Skyranger nicht die erwartete Leistung erbringen, wird dies erhebliche Auswirkungen auf die breitere Rheinmetall-Equity-Story haben", ergänzte der Analyst.
Die Analysten von Jefferies erklärten, Rheinmetall könnte den Umsatz bis 2030 immer noch vervierfachen. "Wir sehen Rheinmetall weiterhin durch den anhaltend starken Auftragseingang gestützt, insbesondere dank des schnell wachsenden deutschen Verteidigungsetats", schrieben sie in einem Kommentar. "Wir begrüßen auch die Expansion der Gruppe in die Bereiche Luftverteidigungslösungen, Raketen und Marineverteidigung, um langfristiges Wachstum zu sichern."
Rüstungsbranche unter Beobachtung
Die schwächere Umsatzprognose des deutschen Rüstungsriesen wirft Fragen zur Auftragslage und zum Wachstumstempo in der Branche auf. Rheinmetall gilt als wichtiger Indikator für die Entwicklung im europäischen Verteidigungssektor. Die Ankündigung setzt daher auch andere Rüstungsaktien unter Druck.
Jefferies streicht Kursziel zusammen
In Reaktion auf den Pre-Close-Call strich Jefferies das Kursziel für die Rheinmetall-Aktie zusammen. Konkret wurde das Ziel von 2.170 Euro auf 2.060 Euro gesenkt. Trotz der Reduzierung bleibt die Einstufung bei "Buy". Die Analysten warnen jedoch vor enttäuschenden Umsatzzahlen und schwachen Margenaussichten.
Die zuständige Jefferies-Analystin Chloe Lemarie begründet die Kurszielabsenkung mit den ersten Geschäftsindikatoren des Rüstungskonzerns für das Jahr 2025 und den Umsatzaussichten für 2026. Die vom Unternehmen kommunizierte Umsatzprognose liegt deutlich unter den Markterwartungen.
Operative Ergebnisse enttäuschen Konsensschätzungen
Besonders kritisch bewertet Jefferies die Aussagen zur Gewinnmarge. Lemarie erwartet, dass das operative Ergebnis ebenfalls signifikant unter dem Konsens der Analystenschätzungen liegen wird. Diese Kombination aus schwächeren Umsatzprognosen und geringeren Margen könnte das Vertrauen der Investoren belasten.
Trotz der Kurszielreduzierung hält Jefferies jedoch an der Kaufempfehlung fest. Dies signalisiert, dass das Analysehaus langfristig weiterhin Potenzial in der Rheinmetall-Aktie sieht - auch wenn kurzfristige Belastungen nicht auszuschließen sind.
Auch andere Finanzprofies reagierten auf die Aussagen Rheinmetalls. Analyst David Perry von JPMorgan reduzierte seine Ergebnisprognosen für Rheinmetall bis 2030 um bis zu 14 Prozent - seine Schätzungen lagen zuvor deutlich über dem Analystenkonsens. Seine Begründung: Der Produktionshochlauf gestalte sich komplizierter als ursprünglich kalkuliert. Trotz dieser Anpassung rechnet Perry weiterhin mit "außergewöhnlich starkem Umsatz- und Gewinnwachstum" in den kommenden fünf Jahren - allerdings auf niedrigerem Niveau als bisher angenommen. Marktteilnehmer erwarten nun, dass auch andere Analysten ihre Prognosen nach unten korrigieren werden.
So bewegt sich die Rheinmetall-Aktie - auch andere Rüstungsaktien unter Druck
Im XETRA-Handel zeigte sich die Rheinmetall-Aktie letztlich 6,46 Prozent im Minus bei 1.571,00 Euro. Die pessimistische Stimmung erfasste die gesamte deutsche Rüstungsbranche. So verlor das HENSOLDT-Papier schließlich 1,55 Prozent auf 76,35 Euro, RENK gewann nach anfänglichen Verlusten 0,62 Prozent auf 51,62 Euro. Die TKMS-Aktie notierte derweil 2,8 Prozent niedriger bei 90,35 Euro. Für die Aktie der CSG Group ging es an der EuroNext Amsterdam schlussenldich 1,49 Prozent runter auf 30,46 Euro.
Investoren zeigen sich zunehmend nervös angesichts möglicher Produktionsschwierigkeiten und unklarer Auftragsentwicklung. Gleichzeitig richtet sich der Blick der Branche gespannt auf die laufenden Friedensverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Am zweiten Tag der von den USA vermittelten Gespräche über ein Kriegsende erklärte Kreml-Sondergesandter Kirill Dmitrijew im russischen Staatsfernsehen, dass Fortschritte erzielt worden seien - eine Entwicklung, die für die Auftragslage der Rüstungskonzerne entscheidend sein könnte.
Redaktion finanzen.net / dpa-AFX / DOW JONES
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