09.09.2021 16:14

RWE-Aktie stärker: Rufe nach Braunkohleausstieg werden lauter - Zuschlag für Offshore-Windparks

Ausstoß von Treibhausgasen: RWE-Aktie stärker: Rufe nach Braunkohleausstieg werden lauter - Zuschlag für Offshore-Windparks | Nachricht | finanzen.net
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Mit einer Aktion am Braunkohlekraftwerk Neurath im Rheinland haben Umweltaktivisten am Donnerstagmorgen einen schnelleren Kohleausstieg gefordert.
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Auf einen Kühlturm des Kraftwerks ließen sie den Schriftzug "Braunkohle ist tödlich - Für unsere Dörfer und unser Klima" projizieren. "Auf jeder Zigarettenpackung stehen Warnhinweise, aber vor den Folgen fossiler Energien für unser Klima wird nicht gewarnt", sagte eine Vertreterin der Gruppe "Menschenrecht vor Bergrecht".

In Neurath stehen die beiden größten Braunkohleblöcke des Energiekonzerns RWE. Sie sollen nach den Beschlüssen des Bundestags zum Kohleausstieg bis zum Jahr 2038 laufen. Das Kraftwerk Neurath ist nach Zahlen des Umweltbundesamtes die Industrieanlage mit dem höchsten Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid in Deutschland.

Der nordrhein-westfälische Landtag wird am Vormittag über einen Antrag der Grünen debattieren, in dem unter anderem eine Überarbeitung der Leitentscheidung der Landesregierung zum weiteren Braunkohleabbau gefordert wird. Die Landesregierung müsse die Voraussetzungen für die Beendigung des Braunkohleabbaus im Rheinischen Revier bis spätestens 2030 schaffen, heißt es darin.

RWE hält seinen Kritikern entgegen, der Konzern setze den Ausstieg aus der Braunkohle bereits konsequent um. Bis Ende 2022 würden sieben weitere Braunkohleblöcke vom Netz gehen. RWE werde bis 2030 insgesamt zwei Drittel der Braunkohlekapazität stilllegen.

Aktivistischer Investor fordert von RWE Abtrennung der Braunkohle

Der aktivistische Investor Enkraft Capital ist beim Energiekonzern RWE eingestiegen und fordert eine Abtrennung des umstrittenen Geschäfts rund um die Braunkohle.

Encraft halte mehr als 500.000 RWE-Aktien, heißt es in einem Reuters vorliegenden Brief des Investors an RWE-Chef Markus Krebber. Das "strategische Festhalten an den (...) Braunkohleaktivitäten führt zu einer signifikanten Werteerosion", heißt es darin. Dies sei für die Aktionäre nur schwer akzeptabel. Eine Fokussierung des Versorgers auf die in den letzten Jahren massiv ausgebauten Erneuerbaren Energien würde ein enormes Wertsteigerungspotential bei RWE freisetzen.

RWE bestätigte, ein Schreiben von Enkraft mit Fragen zur Strategie erhalten zu haben. "Wie jedem Investor haben wir Ihnen angeboten, ein Gespräch über unsere Geschäftsstrategie zu führen", sagte eine Sprecherin.

Aktivistische Investoren kaufen sich in ein Unternehmen ein, um Strategie- oder Personalwechsel zu forcieren, von denen sie sich eine Wertsteigerung für ihr Investment erhoffen. Enkraft hat sich in der Vergangenheit vor allem bei kleineren Unternehmen aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien engagiert. Der Investor übte etwa Kritik an der Führung des Wind- und Solarkraftanlagen-Entwicklers Energiekontor und forderte eine Überprüfung der Strategie. Aber auch bei der Immobilien-Firma Agrob hat Enkraft investiert. 500.000 RWE-Aktien entsprechen einem Wert von etwa 16,4 Millionen Euro, ein recht kleines Engagement. Durch den Gang an die Öffentlichkeit oder die Überzeugung weiterer Aktionäre können aktivistische Investoren aber auch mit kleinen Beteiligungen Druck ausüben.

In dem Brief and Vorstandschef Krebber kritisiert das RWE-Management massiv: Es sei "nicht nachvollziehbar, warum Vorstand und Aufsichtsrat noch nicht proaktiv einen Plan vorgelegt haben, die Braunkohleaktivitäten ambitionierter und schneller zu reduzieren sowie noch kurzfristiger vom zukunftsgerichteten Geschäft der RWE zu separieren". Eine Abtrennung werde auch dem Aktienkurs auf die Sprünge helfen - RWE werde sich dann signifikant in Richtung der Bewertung von Vergleichsunternehmen bewegen, die sich auf Erneuerbare Energien fokussierten. Darüber hinaus schlummerten in den RWE-Bilanzen Werthebungspotentiale von bis zu 13 Milliarden Euro durch bereits angekaufte CO2-Emissionsrechte, die bei einer Reduzierung der Braunkohleaktivitäten gehoben werden könnten. Enkraft sei sich sicher, dass entsprechende strategische Schritte auf eine breite Unterstützung der Aktionäre treffen würden. Plattform für eine Neuausrichtung könne der RWE-Kapitalmarkttag am 15. November sein.

Der früher stark auf Kohle und Atomstrom ausgerichtete RWE-Konzern wandelt sich derzeit zu einem der größten Ökostromproduzenten Europas. Krebber will das Geschäft allein bis 2022 mit Investitionen von fünf Milliarden Euro ausbauen. Nach dem mit der Bundesregierung vereinbarten Kohleausstieg soll in Deutschland die Verstromung des klimaschädlichen Brennstoffs spätestens 2038 enden. Bis 2030 will RWE insgesamt zwei Drittel der Braunkohlekapazität stilllegen. Bis 2040 will RWE klimaneutral Strom erzeugen. Umweltschützer und auch Investoren hatten immer wieder mehr Tempo von dem Konzern gefordert.

RWE erhält Zuschlag für Offshore-Windparks mit Null Cent Förderung

Energieversorger verlangen für Bau und Betrieb von Windparks auf hoher See derzeit keine Förderung mehr.

RWE und der französische Konzern EDF erhielten bei einer Ausschreibung den Zuschlag für den Bau in Nord- sowie Ostsee ohne jegliche Subventionen, wie die Bundesnetzagentur in Bonn am Donnerstag mitteilte. RWE kann zwei Windparks mit einer Gesamtleistung von 525 Megawatt bauen, EDF einen mit 433 Megawatt. Sie sollen 2026 in Betrieb gehen. Da sich für zwei Flächen mehrere Unternehmen beworben hatten, ohne Förderung zu verlangen, entschied hier das Los. Die Firmen haben nun das Recht, die Windparks nach dem Bau für 25 Jahre zu betreiben. Den Stromanschluss müssen sie nicht selbst finanzieren. Die Leitungen werden vom Verbraucher über eine Umlage auf den Strompreis bezahlt.

Im Rahmen des Erneuerbaren Energien Gesetzes (EEG) werden Projekte für Wind- oder Solarstrom ausgeschrieben. Wer die geringsten Subventionen verlangt, erhält den Zuschlag. Für Wind an Land oder Freiflächen-Solaranlage lag die Förderung zuletzt um die vier beziehungsweise bei Solar um gut fünf Cent pro Kilowattstunde. Das heißt, die Betreiber erhalten einen garantierten Abnahmepreis in dieser Höhe für ihren Strom über 20 beziehungsweise bei Offshore-Anlagen über 25 Jahre.

Zuschläge für Offshore-Windparks ohne Förderung hat es zwar bereits gegeben, sie sind aber sehr selten. Null-Cent-Gebote spiegeln auch die Erwartung für die Strompreis-Entwicklung wieder. Die Unternehmen gehen also davon aus, dass "grüner" Strom gewinnbringend vermarktet werden kann und auch die erheblichen Investitionen wieder einspielt. Zuletzt war der Strompreis auch an den Börsen deutlich gestiegen.Zudem wollen immer mehr Unternehmen direkt erneuerbare Energie einkaufen.

So reagiert die RWE-Aktie

Papiere von RWE gehören aktuell mit plus 1,34 Prozent auf 33,17 Euro zu den besten DAX-Werten. Die Anleger hoffen auf frischen Wind durch den aktivistischen Investor Enkraft Capital. Nach seinem Einstieg sorgte Enkraft mit einer Forderung nach der Abspaltung des Braunkohle-Geschäfts für Aufmerksamkeit, über die die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete. Mit fast 34 Euro hatten RWE-Papiere Ende August ein Viermonatshoch erreicht, auf das sie nun wieder zulaufen.

Metzler-Analyst Guido Hoymann hob am Morgen sein Kursziel auf 48 Euro. Er sieht massives Gewinnpotenzial bis 2031. Dabei könne RWE auf eine starke Bilanz bauen.

NEURATH (dpa-AFX) / Düsseldorf (Reuters)

Bildquellen: 360b / Shutterstock.com

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