02.07.2019 22:11

Dirk Müller: Die Finanzmärkte sind gefährlich manipuliert

Interview exklusiv: Dirk Müller: Die Finanzmärkte sind gefährlich manipuliert | Nachricht | finanzen.net
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Mr. DAX spricht im Interview über die Verzerrung der Märkte durch die Geldpolitik der Notenbanken sowie über den Goldpreis.
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Von Benjamin Summa

Herr Müller, die US-Notenbank hat kürzlich ihre Bereitschaft signalisiert, die Zinsen angesichts diverser Risikofaktoren für das Wirtschaftswachstum zu senken - eine lockere Geldpolitik stützt grundsätzlich den Aktienmarkt. Gleichzeitig trüben aber Konjunktursorgen und geopolitische Risiken die Stimmung, der Ton zwischen den USA und dem Iran verschärft sich beispielsweise. Welchen Ausblick wagen Sie vor diesem Hintergrund für die Finanzmärkte?
Dirk Müller: Auf der einen Seite ist die Gefahr einer militärischen US-Intervention am Persischen Golf inklusive der Schließung der Straße von Hormus sehr realistisch. Hinzu kommt, dass immer lauter über eine weltweite Rezession gesprochen wird, 70 Prozent der amerikanischen CFOs erwarten diese für spätestens Ende 2020. Darüber hinaus werden wir Zeuge des heftigsten Handelskrieges zwischen den USA und China, an den ich mich erinnern kann. Und was passiert in dieser äußerst gefährlichen Situation? Die S&P und andere Aktienindizes notieren auf einem Allzeithoch. Die Wirtschaftslage und die Finanzmärkte haben sich zuletzt entkoppelt. Das widerspricht so ziemlich jedem volkswirtschaftlichen Lehrbuch und auch jeglicher Vernunft. Wir erleben also durch die Notenbanken und deren Verbündete in den großen amerikanischen Finanzhäusern eine extreme Verzerrung der Märkte, bei der die Gewinnerwartungen von Unternehmen völlig konträr laufen zur Aktienmarktentwicklung. Das Verrückte ist, dass angesichts derart manipulierter Märkte diese Situation noch sehr lange aufrechterhalten werden kann.

Wie reagieren Sie in Ihrem eigenen Fonds auf die aktuelle Gemengelage?
Wir sind grundsätzlich extrem skeptisch und vorsichtig, weil wir uns an den wirtschaftlichen Realitäten orientieren und nicht versuchen, die Manipulationen vorherzusehen. Wir setzen die Sicherheit an erste Stelle und gehen keine Risiken ein, die wir nicht vertreten können.

Das Vertrauen in die Geldpolitik der wichtigsten Notenbanken der Welt scheint noch immer unerschütterlich zu sein. Aber wie viel gibt der geldpolitische Werkzeugkasten denn überhaupt noch her? Werden die Notenbanken Ihrer Meinung nach auch im Falle einer Rezession oder eines heftigen Crashs an den Finanzmärkten noch wirkungsvoll stützen können?
Wenn wir nicht von freien Märkten, sondern von hochmanipulierten Finanzmärkten ausgehen, dann ist alles vorstellbar. Notenbanken haben einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung an den Finanzmärkten, sie können beispielsweise beliebig weiter billiges Geld zur Verfügung stellen sowie Aktien und Unternehmensanleihen aufkaufen. Wenn riesige Vermögensverwalter wie Blackrock und die Notenbanken wollen, dass die Aktienmärkte weiter steigen, dann steigen diese weiter - auch wenn die Konjunktur einbricht.

Der Finanzkrise von 2008 lag in erster Linie eine Schuldenkrise zugrunde. Seit zehn Jahren sind die Schulden weltweit weiter explodiert - in China und den USA haben sich die Schulden der Firmen immens erhöht, in Europa leiden Staaten wie Italien, Portugal, Spanien und auch Frankreich unter bedrohlich hohen Schuldenständen. Welche Sprengkraft besitzt das Schuldenthema Ihrer Ansicht nach?
Weltweit haben wir die Rückkehr der Schuldenpolitik und des billigen Geldes erlebt, zugleich sind die Zinsen immer weiter gesunken. Aus diesem Grund wiegen die Schuldenberge nicht mehr so schwer. Aber auch bei diesem Thema ist völlig klar, dass wir uns meilenweit von einer gesunden Entwicklung entfernt befinden. Angst machen muss vor allem die Situation in China: Seit der Finanzkrise wuchs die Wirtschaft dort enorm. Doch dieses Wachstum ging einher mit einer exzessiven Verschuldung - vor allem der Unternehmen. Wenn die Wirtschaft in China massiv unter Druck kommen sollte, dann werden sich die Massenproteste, die wir kürzlich in Hongkong gesehen haben, möglicherweise aufs ganze Land ausweiten. Hier sehe ich viel Sprengkraft.

Kryptowährungen wie der Bitcoin haben turbulente Monate mit Licht und Schatten hinter sich. Nun hat Facebook seine Pläne für die neue Kryptowährung "Libra" vorgestellt. Wie schätzen Sie dieses Vorhaben ein?
Die Libra-Idee ist exakt das, was ich in meinem Buch "Machtbeben" angekündigt habe, als davon noch überhaupt keine Rede war: Die Zukunft wird den Kryptowährungen gehören, aber eben nicht den anonymen, dezentralen, sondern den staatlicherseits oder teilstaatlicherseits maximal überwachten und kontrollierten. Und Unternehmen wie Facebook, Google und Amazon sind für mich teilstaatlich, denn hier passiert nichts ohne Kooperation mit den staatlichen Stellen. Libra wird sicherlich große Unterstützung bekommen, die Mehrheit wird gar nicht merken, dass die Kryptowährungen damit einer extremen Kontrolle unterworfen worden sind, die Kryptojünger, die sich eine Befreiung vom Bankensystem erhofft hatten, dürften jedoch enttäuscht sein.

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Der Goldpreis hat kürzlich auf Dollarbasis ein Sechsjahreshoch erreicht. Das Edelmetall profitiert von der Ankündigung der Fed zu ihrer zukünftigen Geldpolitik, aber auch von einem möglichen schwächeren Dollar und den vielen politischen Krisen weltweit. Wie stehen Sie zur Alternativwährung "Gold"?
Das Hoch in 2011, dann die Abwärtsbewegung bis 2016, anschließend eine lange Seitwärtsbewegung. Jetzt der Aufbruch nach oben. Gold geht nun möglicherweise den Weg, den ich mir seit Langem erhoffe. Ich war, bin und bleibe ein Edelmetallfan. Aber ich war noch nie wirklich auf den Goldpreis fixiert. Ich sehe Gold in erster Linie als Versicherung fürs Ersparte. Eine Unze bleibt eine Unze.

Disclaimer: Der Autor, Benjamin Summa, ist freier Mitarbeiter bei finanzen.net. Er interviewt regelmäßig Finanzexperten zu aktuellen Themen.




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Bildquellen: Dirk Müller

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