Amazon-Aktie im Fokus: Was die Insolvenz von Saks für Anleger bedeutet

Amazon muss einen Totalverlust bei seiner Luxus-Einzelhandels-Wette verkraften. Die Insolvenz von Saks Global vernichtet ein Investment von 475 Millionen US-Dollar.
Werte in diesem Artikel
• Amazon investierte im Dezember 2024 rund 475 Millionen US-Dollar in die Saks-Übernahme von Neiman Marcus
• Amazon bezeichnet seine Beteiligung in Gerichtsunterlagen als "de facto wertlos"
• Der Tech-Konzern wirft Saks vor, innerhalb eines Jahres Hunderte Millionen US-Dollar verbrannt zu haben
Amazons gescheiterte Luxus-Strategie
Der E-Commerce-Riese Amazon investierte im Dezember 2024 rund 475 Millionen US-Dollar in Saks Global, als das Unternehmen 2,7 Milliarden US-Dollar für die Übernahme des Luxushändlers Neiman Marcus auf den Tisch gelegt hatte. Im Gegenzug sollte Saks seine Luxusprodukte über einen eigenen "Saks at Amazon"-Shop auf der Plattform des Tech-Konzerns anbieten und über einen Zeitraum von acht Jahren mindestens 900 Millionen US-Dollar an Vermittlungsgebühren zahlen. Wie aus den am 15. Januar 2026 beim US-Insolvenzgericht in Houston eingereichten Gerichtsunterlagen hervorgeht, bezeichnet Amazon diese Kapitalbeteiligung inzwischen als "de facto wertlos" ("presumptively worthless").
Nur gut ein Jahr nach der Übernahme meldete Saks Global am 14. Januar 2026 Insolvenz nach Chapter 11 des US-amerikanischen Insolvenzrechts an. Wie Reuters berichtet, türmten sich bei dem Kaufhauskonzern Schulden von 3,4 Milliarden US-Dollar auf. Das Unternehmen schuldet allein seinen wichtigsten Lieferanten mehr als 337 Millionen US-Dollar, darunter dem französischen Luxushaus Chanel mit 136 Millionen US-Dollar und dem Gucci-Mutterkonzern Kering mit 26 Millionen US-Dollar.
Amazon wehrt sich vor Gericht
Amazon legte unmittelbar nach Bekanntwerden der Insolvenz Einspruch gegen den Sanierungsfinanzierungsplan von Saks ein. In der bei CourtListener veröffentlichten Klageschrift wirft der Tech-Konzern dem Kaufhausbetreiber vor, innerhalb weniger als eines Jahres Hunderte Millionen US-Dollar verbrannt und zusätzliche Hunderte Millionen US-Dollar an unbezahlten Rechnungen bei seinen Einzelhandelspartnern angehäuft zu haben. Der neue Finanzierungsplan belaste Teile des Saks-Konzerns mit zusätzlichen Schulden und dränge Amazon in der Gläubigerrangfolge nach hinten, was die Chancen auf Rückzahlung erheblich mindere.
Laut Reuters äußerte Amazons Anwältin Caroline Reckler bei einer Anhörung vor dem US-Insolvenzgericht in Houston, ihr Mandant habe "wenig bis kein Vertrauen" in eine erfolgreiche Sanierung von Saks. Wie aus den Gerichtsunterlagen weiter hervorgeht, droht Amazon mit "drastischen Maßnahmen", sollte Saks die Bedenken nicht ausräumen, darunter die Beantragung eines Treuhänders oder Sonderprüfers. Richter Alfredo Perez genehmigte dennoch zunächst die ersten 400 Millionen US-Dollar einer insgesamt 1,75 Milliarden US-Dollar umfassenden Notfinanzierung und begründete dies damit, dass das Unternehmen ohne diese Mittel sofort liquidiert werden müsste.
Begrenzte Auswirkungen auf die Amazon-Aktie
Trotz des drohenden Totalverlusts von 475 Millionen US-Dollar reagierte die Amazon-Aktie am Tag der Insolvenzbekanntgabe kaum auf die Nachricht. Die moderate Reaktion der Börse erklärt sich durch die relative Geringfügigkeit des Investments im Verhältnis zur Gesamtgröße von Amazon. Für den Konzern mit einer Marktkapitalisierung von über zwei Billionen US-Dollar stellt der Verlust zwar einen Rückschlag für die Luxus-Ambitionen dar, erschüttert aber nicht die Grundfesten des Geschäftsmodells. Amazon hatte in der Vergangenheit ähnliche strategische Beteiligungen eingegangen, etwa bei Grubhub, wo der Konzern seinen Anteil von zunächst zwei Prozent im Jahr 2022 bis 2024 auf bis zu 18 Prozent aufstockte. Ob Amazon seine Pläne im stationären Luxussegment nun grundsätzlich überdenkt, bleibt abzuwarten. Auch der Software-Konzern Salesforce, der im Zuge der Neiman-Marcus-Übernahme eine kleinere Beteiligung an Saks erwarb, hat sich bislang nicht zu möglichen rechtlichen Schritten geäußert.
D. Maier / Redaktion finanzen.net
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