Negatives EBIT in 1Q

Zalando erwartet 2020 zweistelliges Wachstum und schwarze Zahlen im Gesamtjahr - Aktie auf Rekordhoch

07.05.20 17:52 Uhr

Zalando erwartet 2020 zweistelliges Wachstum und schwarze Zahlen im Gesamtjahr - Aktie auf Rekordhoch | finanzen.net

Die Zalando SE erwartet ein Wachstum im zweistelligen Bereich für das Jahr 2020. Damit liegt das Unternehmen nach eigenen Angaben deutlich über den Prognosen für den Modemarkt, der in diesem Jahr voraussichtlich starke Verluste einfahren werde.

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Trotz des herausfordernden Geschäftsumfeldes durch das Coronavirus will die Online-Plattform für Mode sowohl das Bruttowarenvolumen (GMV) als auch den Umsatz in diesem Jahr um 10 bis 20 Prozent steigern. Dabei werde das Umsatzwachstum bedingt durch das stark wachsende Plattformgeschäft leicht unter dem des GMV liegen. Das Unternehmen rechnet weiterhin damit, das Jahr klar profitabel zu beenden und mit einem bereinigten EBIT zwischen 100 und 200 Millionen Euro sowie Investitionen in Höhe von 230 bis 280 Millionen Euro abzuschließen.

Wachstumstreiber seien die Verschiebung der Kundennachfrage von Offline nach Online, Zalandos Investitionsfähigkeit auch bei schwankender Nachfrage und in einem herausfordernden Umfeld sowie die beschleunigte Zunahme des Plattform-Geschäfts. Im ersten Quartal stieg der Anteil des Partnerprogramms am GMV um 4,4 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr. In Zeiten, in denen der stationäre Handel in vielen Ländern Europas durch Ausgangsbeschränkungen stark betroffen sei, verlagerten Marken größere Anteile ihres Geschäftes ins Digitale, um ihre Kunden weiterhin erreichen zu können. In den letzten drei Wochen kamen 50 neue Partner zum Partnerprogramm hinzu, darunter Vaude, American Eagle Outfitters und die Next Group Marke Lipsy London.

Im ersten Quartal 2020 steigerte Zalando sein GMV um 13,9 Prozent auf 2 (Vj: 1,7) Milliarden Euro und seinen Umsatz um 10,6 Prozent auf 1,5 (1,4) Milliarden Euro. Besonders deutlich war das Wachstum im Offprice-Segment. Hier wuchs der Umsatz um 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Aufgrund von geringerer Nachfrage im März sowie Sonderabschreibungen auf den Warenbestand in Höhe von 40 Millionen Euro als Folge der geänderten Verkaufserwartungen für die laufende Saison lag das bereinigte EBIT im ersten Quartal bei minus 98,6 Millionen Euro oder einer Marge von -6,5 Prozent (Q1 2019: 6,4 Mio. Euro). Seit Anfang April habe sich die Kundennachfrage erholt und das GMV ist im Vergleich zum Vorjahr wieder zweistellig gewachsen.

Die Zahl aktiver Kunden stieg um 17 Prozent auf fast 32 Millionen (Q1 2019: 27,2 Millionen), die durchschnittlich 4,7 mal pro Jahr bei Zalando bestellten (Q1 2019: 4,5 mal). Auch die Zahl neuer Kunden wuchs deutlich, ein Trend, der sich im April fortsetzte: Im Vergleich zum Vorjahr kamen 39 Prozent mehr neue Kunden zu Zalando.

Corona-Krise treibt Zalando-Aktie auf Rekordhoch

Die Aktien von Zalando haben am Donnerstag ihren Status als Profiteur der Corona-Pandemie gefestigt. Nachdem sich die Papiere des Internet-Modehändlers zuletzt bereits seit der Eskalation der Virus-Krise am Rosenmontag (24. Februar) besser als der MDAX der mittelgroßen Werte geschlagen haben, gab nun der überraschend positive Geschäftstaufblick den Anteilsscheinen weiteren Auftrieb.

Die Zalando-Aktien zogen bis Handelsschluss um 11,46 Prozent auf 53,50 Euro an. Im frühen Handel hatten die Papiere mit einem Sprung um knapp 13 Prozent auf 54,16 Euro ein Rekordhoch erreicht.

Zalando rechnet im laufenden Jahr trotz der Pandemie mit einem deutlichen Umsatzanstieg. Dieser Ausblick und die neue Vorgabe für den um Sondereffekte bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern liegen zwar unter den ursprünglich im Februar ausgerufenen und dann wegen der Corona-Krise zurückgezogenen Zielen, aber deutlich über dem, was Experten zuletzt erwartet hatten.

Analysten lobten unisono die überraschend positiven Prognosen von Zalando. Der Online-Modehändler habe einen starken Ausblick abgeliefert, schrieb etwa der Experte Volker Bosse von der Baader Bank. Das Unternehmen zähle zu den Gewinnern der Corona-Krise, denn die Bedeutung des Unternehmens dürfte nach der Pandemie des Virus eine größere sein als zuvor.

Analyst Thomas Maul von der DZ Bank schrieb: "Die Widerstandsfähigkeit des Geschäftsmodells ist offensichtlich stärker als wir ursprünglich angenommen hatten." Der erneute Hinweis, dass das Bruttowarenvolumen seit April zweistellig gewachsen sei, dürfte die Marktstimmung für die Aktien weiter verbessern.

Zudem zeichnet sich Maul zufolge ab, dass die Covid-19-Krise dazu beitrage, den Ausbau des Plattformgeschäfts schneller voranzutreiben. Immer mehr Marken und stationäre Partner nutzten die Zalando-Plattform als Vertriebskanal mit hoher Reichweite.

Auf lange Sicht bleibt die Fachfrau Sherri Malek vom Analysehaus RBC zuversichtlich. Während das Geschäftsumfeld für Zalando kurzfristig ohne Frage herausfordernd sei, sei der Online-Modehändler gleichwohl als führendes Branchenunternehmen in Europa gut positioniert.

Zalando ist an der Börse derzeit gut 13 Milliarden Euro wert und damit mehr als einige im deutschen Leitindex DAX vertretene Konzerne. Mit dem Kursanstieg nach der neuen Prognose hat sich der Aktienkurs seit dem Corona-Crash-Tief Mitte März bei gut 27 Euro fast verdoppelt.

Seit dem Beginn des virusbedingten Marktcrashs am Rosenmontag haben die Zalando-Aktien inzwischen gut 11 Prozent gewonnen. Der MDax aber hat in diesem Zeitraum rund 19 Prozent verloren.

BERLIN (Dow Jones)/FRANKFURT (dpa-AFX Broker)

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