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27.09.2019 17:51
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Coba-Aktie dreht ins Plus: Commerzbank senkt Ertragsprognose 2019 - Offizielles Angebot für comdirect

Neue Strategie verkündet: Coba-Aktie dreht ins Plus: Commerzbank senkt Ertragsprognose 2019 - Offizielles Angebot für comdirect | Nachricht | finanzen.net
Neue Strategie verkündet
Die Commerzbank hat ihre Ertragsprognose für das laufende Jahr gesenkt.
Wie das Institut bei Ankündigung seiner neuen Strategie mitteilte, geht sie für das Jahr 2019 nicht länger von steigenden bereinigten Erträgen aus. Im Jahresverlauf habe sich das Marktumfeld weiter verschärft, so die Bank.

Die Commerzbank hat nach Verabschiedung ihrer neuen Strategie ein konkretes Angebot für die börsennotierte Direktbanktochter comdirect angekündigt. Wie das Institut mitteilte, bietet sie für die im Streubesitz befindlichen 18 Prozent der Anteile 11,44 Euro je Aktie, das entspricht einer Prämie auf den unbeeinflussten Schlusskurs am 19. September von 25 Prozent. Die Commerzbank strebt eine Beteiligung von mindestens 90 Prozent an, derzeit hält sie rund 82 Prozent.

Die comdirect mit Sitz in Quickborn soll auf die Commerzbank verschmolzen werden, "um die hohe Digitalkompetenz und Innovationskraft der comdirect künftig für alle Kunden des Konzerns zu nutzen". Der comdirect wiederum eröffne die Integration, ihr Angebot über die Commerzbank zu skalieren.

Mit einer Beteiligungsschwelle von 90 Prozent sei es möglich, die Verschmelzung via Squeeze-Out durchzuführen. Falls das nicht gelingt, werden "die für eine direkte Verschmelzung der comdirect auf die Commerzbank erforderlichen Maßnahmen" ergriffen.

Die Commerzbank erhofft sich von der Integration "signifikante Synergiepotenziale". Die Marke comdirect soll erhalten bleiben.

Die comdirect war an der Börse Stand Mittwochabend 1,7 Milliarden Euro wert.

Die Commerzbank erhofft sich aus der Komplettübernahme der Direktbanktochter comdirect Synergien und Skaleneffekte. Eine Zweimarkenstrategie ergebe Sinn, solange beide Banken wachsen und der Aufwand überschaubar ist, sagte Commerzbank-Vorstandschef Martin Zielke bei der Pressekonferenz zum neuerlichen Umbau der Bank in Frankfurt. "Dieses getrennte Wachstum hat aber einen abnehmenden Grenznutzen, insbesondere da sich die Geschäftsmodelle weiter annähern." Deswegen sei es sinnvoll, bei Vertrieb und Marketing auf eine Marke zu setzen. Die Marke comdirect werde als Produktmarke für das Brokerage erhalten.

Dass durch die Zusammenführung beider Angebote die comdirect-Kunden abwandern, glaubt Zielke nicht. Er versicherte, dass sich für Kunden der comdirect "im praktischen Sinne" kaum etwas ändere. Allerdings könnten die Kunden in Zukunft auch Filialdienstleistungen der Commerzbank wahrnehmen.

Was die Integration der comdirect in den Commerzbank-Konzern für die Mitarbeiter der Tochtergesellschaft bedeutet, ist noch unklar. Auf die Frage nach einer Garantie für die Erhalt des comdirect-Hauptsitzes in Quickborn gab sich Zielke zurückhaltend. "Ich werde dazu nichts sagen", so Zielke und verwies auf anstehende Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern.

Commerzbank-Chef erläutert Radikalumbau

Nach der Zustimmung des Aufsichtsrates zur künftigen Strategie des teilverstaatlichten Instituts wollen Konzernchef Martin Zielke und Noch-Finanzvorstand Stephan Engels an diesem Freitag die tiefgreifenden Entscheidungen erläutern.

Das Kontrollgremium hatte vergangene Woche Eckpunkte der Strategie veröffentlicht. Diese sieht den Abbau Tausender Stellen vor sowie Filialschließungen und den Verkauf von Tafelsilber. Damit reagiert die zweitgrößte Privatbank Deutschlands auf Zinstief, Digitalisierung und den Wettbewerb. Mit der Strategie Commerzbank 5.0 werde das Geldhaus "wetterfest", erklärte Zielke.

Im Frühjahr war der Versuch gescheitert, mit der Deutschen Bank einen Finanzriesen zu schmieden - nun muss sich die Commerzbank alleine beweisen. Die Deutsche Bank hatte schon Anfang Juli radikale Umbaupläne mit Milliardenkosten bekanntgegeben. Deutschlands größtes Geldhaus will bis 2022 rund 18 000 Stellen streichen und die Zahl der Vollzeitstellen auf etwa 74 000 senken.

In den nächsten Jahren werden bei der Commerzbank konzernweit 4300 Vollzeitstellen gestrichen. Weil in strategischen Bereichen wie Vertrieb, IT und Regulatorik 2000 Jobs geschaffen werden, verbleibt unterm Strich ein Abbau von rund 2300 Stellen.

Das Filialnetz mit etwa 1000 Standorten wird die Commerzbank ausdünnen. Etwa 200 Zweigstellen sollen geschlossen werden. Die Kosten für Stellenabbau und Filialschließungen beziffert die Commerzbank auf 850 Millionen Euro. Auf der anderen Seite will die Bank 750 Millionen Euro in die Digitalisierung stecken.

Auf Kunden könnten auch höhere Gebühren zukommen. "Künftig wird die Commerzbank (...) Leistungen differenzierter bepreisen", heißt es. Nähere Angaben wurden zunächst nicht gemacht. Im Privatkundengeschäft will die Commerzbank bis 2023 unterm Strich mehr als eine Million neue Klienten gewinnen.

Commerzbank will bei Bankenfusionen aktiv mitspielen

Die Commerzbank will sich mit ihrem Umbau für mögliche Zusammenschlüsse mit anderen Geldhäusern rüsten. Über kurz oder lang werde es in der Branche in Deutschland und möglicherweise in Europa zur Konsolidierung kommen, sagte Commerzbank-Chef Martin Zielke am Freitag bei der Vorstellung des neuen Strategieprogramms für die Zeit bis 2023 in Frankfurt. Die Commerzbank wolle im Fusionspoker "ein aktiver Spieler" sein.

Zielke wollte allerdings nicht sagen, ob die Commerzbank als Käuferin anderer Kreditinstitute auftreten soll. Das Management hatte im Frühjahr mit der Deutschen Bank über mehrere Wochen Gespräche über einen möglichen Zusammenschluss geführt. Ende April bliesen beide Seiten das Vorhaben ab.

Commerzbank erwartet in nächsten Jahren zunächst weniger Rendite

Bis zum Erreichen des mittelfristigen Renditeziels von über 4 Prozent dürfte die Profitabilität der Commerzbank in den nächsten Jahren zunächst sinken. Wie Finanzvorstand Stephan Engels auf der Pressekonferenz zur neuen Strategie sagte, rechnet die Bank in den nächsten Jahren mit einer Rendite auf das materielle Eigenkapital von 2 bis 4 Prozent. 2023, nach Abschluss des neuen Strategieprogramms "Commerzbank 5.0", soll die Rendite bei über 4 Prozent liegen. "Im günstigsten Fall wäre eine Rendite von über 5 Prozent möglich", sagte Engels.

2018 hat die Commerzbank noch eine Rendite von 4,8 Prozent erzielt, im 2016 vorgestellten Strategieprogramm "Commerzbank 4.0" hatte sie sich für Ende nächsten Jahres einen Wert von über 6 Prozent vorgenommen.

Den Einwand, die das Renditeziel wenig ambitioniert sei, ließ Engels nicht gelten. "In dieser Zahl spiegeln sich eben auch die Umsetzungskosten der Strategie und das aktuelle Umfeld wider", sagte der Manager, der die Commerzbank in einigen Monaten verlassen wird, um zur Danske Bank zu wechseln.

"Wir versuchen die Dinge realistisch zu sehen, und das gilt auch für unsere Renditeziele", sagte auch Vorstandschef Martin Zielke. "Diese basieren auf den jüngsten Entscheidungen der Europäischen Zentralbank und bilden unseren Planungshorizont für die nächsten vier Jahre ab." Daraus ergebe sich zwangsläufig ein niedrigeres Renditeniveau.

Mit Blick auf die Erträge verwies Engels ebenfalls auf die EZB. "Die letzte EZB-Entscheidung macht uns das Leben also nicht leichter", sagte Engels. "Der angekündigte Staffelzins kann das Ganze auch nur teilweise lindern." Ausgleichen werde er die niedrigen Zinsen nicht.

Die Commerzbank hat am Donnerstagabend die Ertragsprognose für das laufende Jahr gekappt und erwartet für 2019 nun keine steigenden bereinigten Erträge mehr. Bis 2023 sollen die Erträge wieder zulegen.

Verdi will gegen Personalabbau bei Commerzbank kämpfen

Verdi kündigt Widerstand gegen Job-Streichungen bei der Commerzbank im Vertrieb an. "Gegen einen Personalabbau im Filialbereich sprechen wir uns ganz entschieden aus", sagte Verdi-Gewerkschaftssekretär Stefan Wittmann am Freitag. Es gebe "keinerlei Einsparpotenzial" in den Zweigstellen. Einen etwaigen weiteren Personalabbau in anderen Bereichen werde Verdi kritisch begleiten. Die angepeilte Komplettübernahme der Online-Tochter Comdirect und den Verkauf der Mehrheitsbeteiligung an der polnischen Mbank unterstütze man hingegen.

So reagiert die Commerzbank-Aktie

Pessimistischere Aussichten für die diesjährigen Geschäfte haben die Aktien der Commerzbank im Freitagshandel zunächst belastet. Im Xetra-Handel rutschten die im MDAX notierten Papiere um über 2 Prozent bis auf 5,16 Euro ab. Bis zum Handelsende erholten sie sich jedoch und gewannen 0,64 Prozent auf 5,37 Euro.

FRANKFURT (Dow Jones) / (dpa-AFX)

Bildquellen: Thomas Lohnes/Getty Images, Commerzbank AG

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