13.12.2019 12:42

Teamviewer: Nach holprigem Börsenstart zieht das Einhorn in den MDAX

Starke Wachstumsstory: Teamviewer: Nach holprigem Börsenstart zieht das Einhorn in den MDAX | Nachricht | finanzen.net
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Teamviewer, das Einhorn aus Schwaben, will die Börsenwelt erobern.
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Ein Einhorn - so nennt man Startups, die einen Milliardenwert erreichen - ist der Software-Hersteller für Computer-Fernwartung und Videokonferenzen schon lange. Mit dem Börsengang Ende September hat sich das Unternehmen nun mehr Aufmerksamkeit erkämpft.

Spätestens mit der anstehenden Aufnahme in den Index der mittelgroßen Werte MDAX dürfte Teamviewer zunehmend im Rampenlicht stehen. Der Börsenneuling kann seinen Anlegern eine beeindruckende Wachstumsstory bieten. Die ersten Wochen an der Börse verliefen allerdings holprig, das Einhorn geriet ins Stolpern. Was aktuell bei Teamviewer los ist, wie Analysten die Lage bewerten und was die Aktie macht.

DAS IST LOS IM UNTERNEHMEN:

Rund 14 Jahre nachdem die Software Teamviewer von Tilo Rossmanith entwickelt wurde, ist das Unternehmen aus Göppingen an der Börse gestartet. Rossmanith hat die Firma längst verlassen, mittlerweile hat Teamviewer rund 800 Mitarbeiter weltweit. Aus der Idee, sich die langen Wege zu Kunden mittels Ferndiagnose von Computer zu Computer zu sparen, ist ein milliardenschwerer Konzern geworden.

Mit einem Volumen von gut 2,2 Milliarden Euro feierte Teamviewer am 25. September den größten Tech-Börsengang seit dem Platzen der Dotcom-Blase. Nur der IPO von Infineon im Frühjahr 2000 war zuletzt mit rund sechs Milliarden Euro Emissionserlös noch größer. Damit wagte sich Teamviewer in schwierigen Zeiten rund um Brexit, Handelsstreits und Konjunktursorgen aufs Parkett. Das Jahr 2019 war laut einer Studie der Hamburger Beratungsfirma Kirchhoff Consult das schwächste Jahr für Börsengänge in Deutschland seit der globalen Finanzkrise.

Profitiert hat von Teamviewers Börsengang vor allem Permira. Der Finanzinvestor hatte das Unternehmen vor rund fünf Jahren für 870 Millionen Euro gekauft und hält auch nach dem IPO noch rund 60 Prozent. Permira hat mit dem Börsengang nun Kasse gemacht - Teamviewer selbst sieht von den 2,2 Milliarden Euro Emissionserlös nichts. Kein Problem aus Sicht von Finanzchef Stefan Gaiser: "Wir brauchen ja kein zusätzliches Geld für unser Wachstum, das schaffen wir aus eigener Kraft."

Und Teamviewer hat kräftiges Wachstum zu bieten. Im dritten Quartal hat das Unternehmen dank internationaler Expansion und neuer Anwendungen rasant zugelegt. Der Börsenneuling profitiert stark von der Digitalisierung. Die schwächelnde Konjunktur macht dem Vorstand keine Sorgen, gerade in Zeiten des Abschwungs würden Anwendungen von Teamviewer genutzt, um Reisekosten zu sparen. Zum Ende des dritten Quartals zählte das Unternehmen 430 000 kostenpflichtige Abonnements - doppelt so viele wie ein Jahr zuvor.

Insbesondere in Nord- und Südamerika verzeichnet Teamviewer hohe Wachstumsraten. Fürs Gesamtjahr peilt der Konzern ein Umsatzwachstum von 35 bis 39 Prozent auf 310 bis 320 Millionen Euro an. Aus Sicht von Experten ist das nach den bisherigen drei Quartalen leicht zu schaffen. Das Unternehmen gilt außerdem als hoch profitabel. Unter dem Strich verdiente Teamviewer im dritten Quartal 14 Millionen Euro und damit 40 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Als vorgezogenes Weihnachtsgeschenk bekommt der Börsenneuling jetzt die Aufnahme in den MDax. Das hat die Index-Überprüfung der Deutschen Börse Ende November ergeben. Die Index-Anpassung wird am 23. Dezember wirksam, dann ist das Einhorn ziemlich genau drei Monate an der Börse. Fonds, die den Index nachbilden, müssen dann einsteigen.

DAS SAGEN DIE ANALYSTEN:

Experten zeigen sich von der Geschäftsentwicklung bei Teamviewer durchweg positiv überrascht. Alle wichtigen Kennziffern zum dritten Quartal seien besser ausgefallen als erwartet, schrieb Mohammed Moawalla von der US-Investmentbank Goldman Sachs. Teamviewer habe außerdem die Geschäftsdynamik bei einem Investorentag in allen Regionen als positiv beurteilt.

Alle vier im dpa-AFX-Analyser erfassten Analysten sprechen eine Kaufempfehlung für die Teamviewer-Aktie aus. Ihr durchschnittliches Kursziel liegt bei 31,65 Euro und räumt dem Papier damit noch etwas Aufwärtspotenzial ein. Goldman Sachs traut dem Unternehmen mit einem Kursziel von 35 Euro am meisten zu.

Sollte Teamviewer auch im Schlussquartal die Erwartungen übertreffen, würde das mit Blick auf das kommende Jahr für Zuversicht sorgen, erklärte James Goodman von der britischen Investmentbank Barclays. Auch Adam Wood von der US-Investmentbank Morgan Stanley sieht noch Bewertungsspielraum mit Blick auf die mittelfristige Wachstumsstory.

Die Autoren des Bernecker-Börsenbriefes gossen zuletzt aber etwas Wasser in den Wein. Sie hielten Teamviewers Börsenwert von mehr als fünf Milliarden Euro für überteuert. Mittlerweile steuert das Unternehmen sogar auf sechs Milliarden Euro Marktkapitalisierung zu.

DAS MACHT DIE AKTIE:

Direkt nach dem Börsenstart lahmte das Einhorn ein wenig. Teamviewer zeigte sich selbst vom holprigen Start überrascht. Vorstandschef Oliver Steil schob die schlechte Performance der Aktie auch auf die allgemeine Schwäche von Technologiewerten. Das Papier von Teamviewer war nach dem Börsengang lange unterhalb des Ausgabepreises von 26,25 Euro unterwegs und schaffte es erst im November zurück über diese Marke.

Zuletzt zog die Teamviewer-Aktie aber an und kletterte von Hoch zu Hoch. Die Bestmarke liegt bei 29,44 Euro; zuletzt kosteten die Papiere um die 29 Euro. Damit beschert sie den Anlegern der ersten Stunde einen Kursgewinn von etwa 10 Prozent. Zum Vergleich: Der Index der mittelgroßen Werte legte im gleichen Zeitrum um knapp 7 Prozent zu.

Die Aufnahme in den MDAX überraschte an der Börse nicht, Index-Experten hatten angesichts der Unternehmensgröße damit gerechnet. Trotzdem könnte Teamviewer vom Aufstieg möglicherweise mehr profitieren als manch anderer Konzern. Ein Händler kommentierte, es habe noch immer den Anschein, als werde das Unternehmen von Investorenseite etwas vernachlässigt.

Mittlerweile bringt Teamviewer einen Börsenwert von fast 5,8 Milliarden Euro auf die Waage und damit fast so viel wie der Hersteller von Bausoftware Nemetschek (Nemetschek SE), der gemessen am Umsatz größer ist. Dieser ist seit September 2018 im MDax gelistet und wird an der Börse derzeit mit rund 6,5 Milliarden Euro bewertet. Die ebenfalls im Index für mittelgroße Werte notierten Softwarehersteller CompuGroup Medical beziehungsweise die Software kommen mit 3,3 Milliarden Euro und 2,3 Milliarden Euro auf deutlich weniger.

In der Liga von Software-Giganten wie Microsoft (1,04 Billionen Euro), Oracle (165 Mrd Euro), SAP (150 Mrd Euro), Adobe (132 Mrd Euro) oder Salesforce (125 Mrd Euro) spielt Teamviewer freilich noch lange nicht.

GÖPPINGEN (dpa-AFX)

Bildquellen: II.studio / Shutterstock.com

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