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30.10.2019 17:56
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Bayer-Aktie klettert: Bayer sieht sich nach Zuwächsen im dritten Quartal auf Kurs

Über Analystenschätzungen: Bayer-Aktie klettert: Bayer sieht sich nach Zuwächsen im dritten Quartal auf Kurs | Nachricht | finanzen.net
Über Analystenschätzungen
Während Bayer im operativen Tagesgeschäft Fortschritte macht, wird der Agrarchemie- und Pharmakonzern von der Glyphosat-Klagewelle geradezu überrollt.
Binnen drei Monaten bis Mitte Oktober hat sich die Zahl der Klagen wegen angeblicher Krebsrisiken glyphosathaltiger Unkrautvernichter in den USA mehr als verdoppelt. Der Druck auf Bayer, eine Einigung zu finden, dürfte also zunehmen. Derweil entwickelten sich die Geschäfte des Dax-Konzerns im dritten Quartal dank der Nachfrage nach Agrarprodukten und wachstumsstarken Medikamenten besser als gedacht. Der Aktienkurs knüpfte an die jüngste Erholung an.

Bis zum Stichtag 11. Oktober liegen in den USA Klagen von 42 700 Klägern vor, wie Bayer am Mittwoch bei der Vorlage der Geschäftszahlen in Leverkusen mitteilte. Der nochmals beschleunigte Anstieg überraschte allerdings wenig, da die Klägeranwälte zuletzt noch einmal kräftig die Werbetrommel gerührt hatten, um weitere Mandanten zu gewinnen. Bayer hat seit August 2018 drei Prozessniederlagen in den USA hinnehmen müssen und war jeweils zu hohen Strafen verdonnert worden.

Dass glyphosathaltige Monsanto-Produkte Krebs verursachen, weist das Unternehmen mit Verweis auf zahlreiche Studien vehement zurück. In allen drei Verfahren geht Bayer denn auch in Berufung. Sollten die Berufsrichter dann im Gegensatz zu den Geschworenen in der ersten Instanz zu anderen Einschätzungen, würde das Bayer in die Karten spielen. Bis eine Entscheidung fällt, könnte es aber noch Monate dauern.

Parallel laufen aber auch Vergleichsverhandlungen unter Leitung des renommierten Mediators und Experten in Entschädigungsfragen Ken Feinberg, der sich bereits nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko um die Entschädigungen kümmerte. So werden in den USA Massenklagen oftmals mit groß angelegten Vergleichen beigelegt. Voraussetzung sei aber ein finanzielle Angemessenheit sowie die Sicherheit eines weitestmöglichen Abschlusses des Glyphosat-Komplexes, betonte Konzernchef Werner Baumann im Mittwoch in einer Telefonkonferenz mit Journalisten.

Ein Abschluss der Causa Glyphosat würde dem Management einen wieder stärkeren Fokus auf das operative Geschäft ermöglichen. Hier lief es im dritten Quartal nach Zuwächsen im Pharma- und Agrarbereich etwas besser als von Analysten im Durchschnitt erwartet. Analyst Markus Mayer von der Baader Bank sprach in einer ersten Reaktion von soliden Resultaten und hob dabei den Jahresausblick hervor. Die Bestätigung der Ziele für 2019 dürfte bei Anlegern positiv ankommen, da viele nach dem eher schwachen Agrargeschäft im zweiten Quartal durchaus mit einer Senkung gerechnet hätten.

Die Aktien legten zum Handelsschluss auch als einer der Favoriten im deutschen Leitindex DAX um 2,05 Prozent auf 67,28 Euro zu. Damit nahmen die Papiere wieder Kurs auf den Bereich um die 70 Euro, in dem die Erholung zuletzt immer wieder gestockt hatte. So haben sich die Anteilsscheine, die nach der ersten Glyphosat-Prozessschlappe im August 2018 stark unter Druck gerieten, seit dem Mehrjahrestief im Juni bereits um 30 Prozent erholt. Haupttreiber waren dabei vor allem von Hoffnungen auf eine Einigung im Glyphosat-Streit, aber auch die Geschäftsentwicklung.

Bayer-Chef Baumann peilt 2019 einen Umsatzanstieg vor Wechselkurseffekten sowie Zu- und Verkäufen von Unternehmensteilen um rund vier Prozent auf 43,5 Milliarden Euro an. Der Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie vor Sondereinflüssen soll etwa 11,5 Milliarden Euro erreichen. Die Ziele erscheinen auf den ersten Blick niedriger als bisher, was aber auch an den laufenden Veräußerungen der Tiermedizin und der Mehrheitsbeteiligung am Chemieparkbetreiber Currenta liegt. Diese werden nun nicht mehr berücksichtigt.

Im abgelaufenen dritten Quartal profitierte Bayer von der Nachfrage nach Medikamenten wie dem Gerinnungshemmer Xarelto und dem Augenmittel Eylea. Zudem lief es im Agrar-Geschäft, in dem der 2018 übernommene US-Saatgutkonzern Monsanto aufging, wieder besser. Das hatte im dritten Quartal noch unter den Folgen von Überschwemmungen in weiten Teilen der USA gelitten, die den Landwirten das Leben schwer machten.

Der Sparte Crop Science wuchs auch dank einer hohen Nachfrage nach Maissaat und Preissteigerungen in Nordamerika nun im Vergleich Vorjahreszeitraum um 5,8 Prozent auf 3,95 Milliarden Euro. Währungs- und Portfolioeffekte herausgerechnet hätte das Plus noch knapp 5 Prozent betragen. Das operative Ebitda schnellte sogar um ein Viertel nach oben.

Im Pharmageschäft lieferten erneut die Wachstumsmotoren Xarelto und Eylea Rückenwind. Allerdings drückten unter anderem höhere Werbekosten für neue Produkte auf den Gewinn. Die in der jüngeren Vergangenheit eher schwächelnde Sparte Consumer Health verzeichnete derweil ein kleines operatives Gewinnplus, auch weil wieder mehr Aspirin Complex in Europa für die Kunden verfügbar war.

Letztlich stieg der Konzernumsatz in den drei Monaten bis Ende September im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6,1 Prozent auf 9,83 Milliarden Euro. Vor Währungs- und Portfolioeffekten hätte das Plus 5,4 Prozent betragen. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte um 7,5 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro zu. Beide Werte lagen leicht über den durchschnittlichen Analystenschätzungen.

Gewinnseitig kam Bayer dabei auch eine schneller als gedachte Umsetzung der im Zuge des Monsanto-Kaufs geplanten Einsparungen zugute. Diese sollen zusammen mit anderen Sparmaßnahmen wie Stellenstreichungen und Verkäufen von Unternehmensteilen ab 2022 jährliche Beiträge in Höhe von 2,6 Milliarden Euro liefern. Aufgrund der Fortschritte bei der Integration von Monsanto erwartet Bayer nun 2019 bereits Beiträge von mehr als 600 Millionen.

Unter dem Strich blieb für Bayer im dritten Quartal indes mit einem Überschuss von rund einer Milliarden Euro etwa 64 Prozent weniger übrig als vor einem Jahr. Allerdings hatte der Verkauf von Teilen des Saatgutgeschäfts an die BASF dem DAX-Konzern im Vorjahr einen Sondergewinn beschert.

LEVERKUSEN (dpa-AFX)

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