finanzen.net
17.10.2018 08:19
Bewerten
(0)

thyssenkrupp-Aktie im Fokus: Aufteilung hinterlässt noch viele offene Fragen

Verbesserungen?: thyssenkrupp-Aktie im Fokus: Aufteilung hinterlässt noch viele offene Fragen | Nachricht | finanzen.net
Verbesserungen?
DRUCKEN
Der kriselnde Stahl- und Industriekonzern thyssenkrupp hat die Flucht nach vorne angetreten und die eigene Aufteilung beschlossen.
Mit künftig zwei börsennotierten Unternehmen will das Management die Profitabilität verbessern. Zudem versucht thyssenkrupp damit, Dauerkritikern wie Großaktionär Cevian den Wind aus den Segeln zu nehmen. Ein Allheilmittel gegen die operative Schwäche ist die Teilung jedoch nicht. Die wichtigsten Punkte für das Unternehmen, was die Experten sagen und wie es für die Aktie läuft.

DAS IST LOS BEI THYSSENKRUPP:

thyssenkrupp beendete Ende September die monatelange Unsicherheit um die Zukunft des Konzerns, als Konzernchef Guido Kerkhoff die Aufteilung verkündete. Künftig soll es zwei thyssenkrupps geben. In dem einen Unternehmen werden die wachstumsträchtigeren Geschäfte um Aufzüge, Autokomponenten und den Anlagenbau zusammengefasst werden. Das andere Unternehmen wird aus dem Anteil an der künftigen Stahl-Gemeinschaftsfirma mit Tata Steel, dem Werkstoffhandel, den Großwälzlagern, dem Schmiedegeschäft sowie dem Schiffbau bestehen.

Beide Unternehmen sollen börsennotiert sein. thyssenkrupp erhofft sich durch die Eigenständigkeit der Unternehmen eine bessere Entwicklung sowie eine steigende Profitabilität. Als Konglomerat agierte der Konzern zuweilen schwerfällig. Den eigenen Renditezielen waren die verschiedenen Geschäftsbereiche in den vergangenen Jahren stetig hinterhergelaufen. Durch die neue Aufstellung erhofft sich das Management nun schnellere Entscheidungen und Reaktionen auf den Wettbewerb sowie das Umfeld.

Die Entscheidung zur Aufteilung kam für viele überraschend. Seit Monaten war das Unternehmen ohne Aufsichtsratschef. Finanzvorstand Kerkhoff führte die Geschäfte nur übergangsweise. Vorstandsvorsitzender Heinrich Hiesinger sowie Chefaufseher Ulrich Lehner hatten zuvor kurz hintereinander wegen erheblicher Dissonanzen mit dem Aufsichtsgremium über die zukünftigen Pläne das Handtuch geworfen. Marktbeobachter hatten angenommen, dass thyssenkrupp zunächst versuchen würde, die Führungskrise zu lösen und mit einem neuen Chef die künftige Strategie festzuzurren. Doch gelang es nicht, einen neuen Aufsichtsratschef von außen zu finden, thyssenkrupp handelte sich die Absagen offenbar gleich reihenweise ein.

Ein "weiter so" konnte es aber nicht geben, wie Kerkhoff bei der Vorstellung der Teilungspläne berichtete. Zu unterschiedliche Geschäfte, keine Klarheit für die Weiterentwicklung der Bereiche, zu langsame Entscheidungen sowie eine schwache Kapitalausstattung setzten thyssenkrupp unter Zugzwang. Dazu saß Großaktionär Cevian der Führung mit der Forderung eines radikalen Umbaus im Nacken. Neben der Aufteilung wurden auch andere Optionen diskutiert, wie etwa Verkäufe oder einen Teilbörsengang beziehungsweise die Fusion des Aufzugsgeschäft. Dies wurde jedoch verworfen.

Die genaue Ausgestaltung der Teilung muss noch ausgearbeitet werden. Bis zu eineinhalb Jahre hat Kerkhoff für den Prozess veranschlagt. Zusätzliche Sparziele oder einen Stellenabbau über die bereits geplanten Maßnahmen hinaus soll es nicht geben. Auch an den Finanzzielen für die einzelnen Sparten wird nicht gerüttelt. Die Großaktionäre, neben Cevian auch die Krupp-Stiftung, stimmten den Plänen zu. Die Führungskrise wurde intern gelöst. Als Aufsichtsratsvorsitzender wurde Bernhard Pellens bestimmt, der bereits in dem Gremium sitzt. Und Kerkhoff wurde dauerhaft als Vorstandsvorsitzender bestimmt.

DAS SAGEN ANALYSTEN:

Die Marktexperten urteilten grundsätzlich positiv über die Entscheidungen, die so einige als Zugeständnis an die aktivistischen Investoren werten, zu denen seit geraumer Zeit auch der Hedgefonds Elliott gehört. Die im dpa-AFX Analyser zusammengefassten Analysten empfehlen die Aktie überwiegend zum Kauf. Die Aufspaltung sei "sinnvoll", fand zum Beispiel Analyst Christian Obst von der Baader Bank. Andere sehen nun wieder eine strategische Perspektive für thyssenkrupp. Für Seth Rosenfeld vom Analysehaus Jefferies bietet sich die Chance für eine Neubewertung des Industriegeschäfts und eine Restrukturierung der weniger attraktiven Materials-Sparte. Denn vor allem im wertvollen Aufzuggeschäft kann thyssenkrupp bislang ungenutzte stille Reserven haben, was die Bilanz positiv beeinflussen soll.

Positiv bewertet wird auch, dass die beiden neuen Unternehmen nun für sich "Konsolidierungschancen" nutzen könnten, wie Commerzbank-Analyst Ingo-Martin Schachel schreibt. Auch hier blicken die Analysten vor allem auf das Aufzuggeschäft. Denn schon einmal hat es Überlegungen eines Einstiegs des japanischen Wettbewerbs Kone gegeben. Die Übernahmefantasien könnten daher anhalten.

Aber es gibt auch Kritik: Viele Aspekte seien noch unklar, in erster Linie der Zeitrahmen sowie die Gewinnbeiträge und Strukturen der individuellen Einheiten, schrieb Analyst Luke Nelson von JPMorgan. Bei den beiden neuen Unternehmensgruppen im Konzern würde es sich nach wie vor um Mischkonzerne handeln, findet Sven Diermeier von Independent Research. Auch wird das thyssenkrupp Materials getaufte Unternehmen, im dem die Werkstoffbereiche vereinigt sind, als der schwächere Part gesehen. Das dort künftig ebenfalls beheimatete Marinegeschäft wirke zudem wie ein Fremdkörper.

Die Kritik an der langen Zeitspanne will dagegen Commerzbank-Analyst Schachel nicht gelten lassen. 12 bis 18 Monate seien eine durchaus adäquate Spanne bei solchen Transaktionen. Und er zeigte sich auch nicht besorgt darüber, dass aus einem Konglomerat nun zwei würden.

Allerdings ist eine Aufteilung auch kein Allheilmittel für die derzeitigen Probleme für thyssenkrupp - insbesondere im operativen Bereich. Zwar gehen Marktbeobachter von Effizienzsteigerungen und künftigen Wertschöpfungen aus. Vor allem letztere werde jedoch nicht von heute auf morgen erfolgen, betonte Baader-Analyst Obst. Lars Brorson von der britischen Investmentbank Barclays bleibt skeptisch: Er hält die Entscheidung thyssenkrupps zwar auch generell für sinnvoll. Seine Sorgen um die Gewinnqualität und die Bilanz des Industriekonzerns bestünden jedoch weiter, schrieb er in einer Studie.

Aktuelles Beispiel dafür, dass eine Aufteilung auch Wert vernichten kann, ist der Fall Metro. Der Handelskonzern hatte sich vor mehr als einem Jahr mit großen Hoffnungen in das Lebensmittelgeschäft sowie den Elektronikhandel (Ceconomy) aufgespalten - mit ähnlicher Begründung wie bei thyssenkrupp. Operativ konnten beide Unternehmen jedoch keinerlei Fortschritte erzielen, im Gegenteil: Sowohl Metro als auch Ceconomy mussten bei ihren Gewinnerwartungen zurückrudern, Ceconomy sogar mehrfach. Großaktionär Haniel war gezwungen im ersten Halbjahr fast eine Milliarde Euro auf seine Beteiligungen abzuschreiben. Die Aktien haben in der Zeit massiv an Wert verloren.

DAS MACHT DIE AKTIE:

Die Spaltungsabsichten von thyssenkrupp haben nur kurzfristig für einen Befreiungsschlag gesorgt. In der Spitze schnellten die Aktien am Tag der Ankündigung zwar um 17 Prozent in die Höhe und schlossen immer noch mit einem Plus von zehn Prozent.

Die Euphorie ließ allerdings rasch nach. Danach ging es mit der Aktie wieder abwärts. Seitdem hat das Papier wieder fast zehn Prozent eingebüßt. Die durchwachsene Kursreaktion nannte Commerzbank-Analyst Schachel ungerechtfertigt und schätzt sie als vorübergehend ein.

Seit Jahresbeginn hat die Aktie rund 18 Prozent an Wert verloren und bewegt sich um die Marke von 20 Euro herum. Damit notiert sie deutlich unter dem durchschnittlichen Kursziel der im dpa-AFX Analyser zusammengefassten Analysten. Dieses liegt bei fast 28 Euro.

/nas/she/mis

ESSEN (dpa-AFX)

Bildquellen: thyssenkrupp AG, Quinta / Shutterstock.com
Anzeige

Nachrichten zu thyssenkrupp AG

  • Relevant
    2
  • Alle
    6
  • vom Unternehmen
  • Peer Group
  • ?

Um Ihnen die Übersicht über die große Anzahl an Nachrichten, die jeden Tag für ein Unternehmen erscheinen, etwas zu erleichtern, haben wir den Nachrichtenfeed in folgende Kategorien aufgeteilt:

Relevant: Nachrichten von ausgesuchten Quellen, die sich im Speziellen mit diesem Unternehmen befassen

Alle: Alle Nachrichten, die dieses Unternehmen betreffen. Z.B. auch Marktberichte die außerdem auch andere Unternehmen betreffen

vom Unternehmen: Nachrichten und Adhoc-Meldungen, die vom Unternehmen selbst veröffentlicht werden

Peer Group: Nachrichten von Unternehmen, die zur Peer Group gehören

Analysen zu thyssenkrupp AG

  • Alle
  • Buy
  • Hold
  • Sell
  • ?
09.01.2019thyssenkrupp buyMerrill Lynch & Co., Inc.
18.12.2018thyssenkrupp kaufenNorddeutsche Landesbank (Nord/LB)
14.12.2018thyssenkrupp NeutralJP Morgan Chase & Co.
10.12.2018thyssenkrupp NeutralMacquarie Research
07.12.2018thyssenkrupp verkaufenBarclays Capital
09.01.2019thyssenkrupp buyMerrill Lynch & Co., Inc.
18.12.2018thyssenkrupp kaufenNorddeutsche Landesbank (Nord/LB)
28.11.2018thyssenkrupp buyJefferies & Company Inc.
22.11.2018thyssenkrupp buyJefferies & Company Inc.
22.11.2018thyssenkrupp buyCommerzbank AG
14.12.2018thyssenkrupp NeutralJP Morgan Chase & Co.
10.12.2018thyssenkrupp NeutralMacquarie Research
23.11.2018thyssenkrupp HaltenDZ BANK
22.11.2018thyssenkrupp HoldCFRA
22.11.2018thyssenkrupp NeutralJP Morgan Chase & Co.
07.12.2018thyssenkrupp verkaufenBarclays Capital
21.11.2018thyssenkrupp UnderweightBarclays Capital
07.11.2018thyssenkrupp UnderweightBarclays Capital
28.09.2018thyssenkrupp UnderweightBarclays Capital
10.08.2018thyssenkrupp UnderweightBarclays Capital

Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für thyssenkrupp AG nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen

Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"

Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"

Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"
mehr Analysen
Anzeige
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub

Fünf deutsche Internet-Aktien, die Sie kennen sollten!

Das Gute liegt oft so nah. Heimische Internet-Unternehmen rollen den Markt auf. Im neuen Anlegermagazin erwartet Sie ein Special über deutsche Internet-Aktien, die Sie kennen sollten.
Kostenfrei registrieren und lesen!

Heute im Fokus

DAX leichter -- METRO steigert Umsatz -- Beiersdorf wächst wie erwartet -- Morgan Stanley enttäuscht im Schlussquartal -- Inflation im Euroraum entfernt sich vom EZB-Ziel -- RWE, Uniper im Fokus

Aurora Cannabis-Aktie fällt tief: Wandelanleihe angekündigt. Druck auf Chinas Huawei steigt - Neue US-Ermittlungen berichtet. Fed-Beige Book: Marktvolatilität und höhere Zinsen drücken auf die Stimmung. Société Générale will stabile Dividende zahlen. Siemens-Partner Alstom erhält so viele Aufträge wie nie. Brexit: May übersteht Misstrauensvotum. Wirecard kooperiert mit Swatch.

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Erster Job
Wo Absolventen am meisten Geld verdienen
Abschlüsse der DAX-Chefs
Diese Studiengänge haben die DAX-Chefs absolviert
Die Performance der DAX 30-Werte in 2018.
Welche Aktie macht das Rennen?
Das sind die reichsten Länder Welt 2018
USA nicht mal in den Top 10
Die Performance der Rohstoffe in in 2018.
Welcher Rohstoff macht das Rennen?
mehr Top Rankings

Umfrage

Wie viele Zinserhöhungen der US-Notenbank erwarten Sie 2019?

finanzen.net Brokerage

Online Brokerage über finanzen.net

Das Beste aus zwei Welten: Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade unmittelbar aus der Informationswelt von finanzen.net!
Zur klassischen Ansicht wechseln
Kontakt - Impressum - Werben - Pressemehr anzeigen
Top News
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Bitcoin
Goldpreis
Meistgesucht
Deutsche Bank AG514000
Aurora Cannabis IncA12GS7
CommerzbankCBK100
Daimler AG710000
SteinhoffA14XB9
Amazon906866
Wirecard AG747206
Apple Inc.865985
BASFBASF11
Allianz840400
Deutsche Telekom AG555750
Siemens AG723610
EVOTEC AG566480
BayerBAY001
Netflix Inc.552484