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05.10.2021 22:06

Facebook, Instagram und WhatsApp großflächig zeitgleich offline - Ex-Facebook-Mitarbeiterin sorgt mit Enthüllungen für tiefe Krise - Facebook-Aktie fester

Whistleblowerin: Facebook, Instagram und WhatsApp großflächig zeitgleich offline - Ex-Facebook-Mitarbeiterin sorgt mit Enthüllungen für tiefe Krise - Facebook-Aktie fester | Nachricht | finanzen.net
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Rund sechs Stunden ohne Facebook, WhatsApp und Instagram: Ein ungewöhnlich langer Total-Ausfall hat am Montag Milliarden Nutzern des Online-Netzwerks zugesetzt.
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Für Milliarden Nutzer von Facebook war der Komplett-Blackout ärgerlich, aber nach sechs Stunden wieder vorbei. Dem Online-Netzwerk selbst kann er noch lange Ärger bringen.

Denn die Tatsache, dass mit der Plattform auch WhatsApp und Instagram vom Netz gingen, löste neue Rufe nach einer Zerschlagung des Online-Giganten aus. Am Dienstag verstärkte zudem der Auftritt einer ehemaligen Mitarbeiterin im US-Senat den ohnehin schon massiven politischen Druck auf Facebook in den Vereinigten Staaten.

Senator Ed Markey, Autor diverser Gesetze zur Internet-Regulierung, richtete ungewöhnlich scharfe Worte an die Adresse von Facebooks Gründer und Chef Mark Zuckerberg: "Ihre Zeit der Invasion in unsere Privatsphäre, der Verbreitung toxischer Inhalte und der Beutezüge gegen unsere Kinder und Teenager ist vorbei."

Der US-Kongress werde handeln, kündigte Markey an. "Sie können mit uns zusammenarbeiten oder auch nicht - aber wir werden nicht länger zulassen, dass Ihr Unternehmen unseren Kindern, Familien und unserer Demokratie schadet", schimpfte der Demokrat.

"Zerschlagt sie jetzt", forderte die einflussreiche demokratische Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez. Sie verwies darauf, dass Instagram und WhatsApp nicht betroffen gewesen wären, wenn man deren Übernahme durch Facebook einst verhindert hätte. Die Demokraten halten mit Präsident Joe Biden das Weiße Haus sowie auch knappe Mehrheiten im Repräsentantenhaus und im Senat. Doch in der Kritik an Facebook demonstrieren Republikaner und Demokraten seltene Eintracht.

Die Facebook-Whistleblowerin Frances Haugen rief die Politik auf, für Einblick in die Funktionsweise des Online-Netzwerks zu sorgen. "Facebook formt unsere Wahrnehmung der Welt durch die Auswahl der Informationen, die wir sehen", sagte sie. Dabei wisse bisher aber nur der Konzern selbst, wie er den Newsfeed der Nutzer personalisiere. Und Facebook verweigere Forschern und Regulierern den Zugang dazu.

Dabei hätten die Mechanismen zum Teil das Potenzial, ein Suchtverhalten vor allem bei jüngeren Nutzern auszulösen, warnte Haugen. Sie wirft Facebook und der Fotoplattform Instagram unter anderem vor, Profite über das Wohl der User zu stellen. Da Zuckerberg nach wie vor die Mehrheit der Stimmrechte kontrolliere und damit auch nicht von Investoren zur Rechenschaft gezogen werden könne, sei er letztlich für alles verantwortlich.

Am Montag waren Facebook, WhatsApp und Instagram mit sechs Stunden ungewöhnlich lange offline gewesen. Facebook erklärte die Störung mit einer fehlerhaften Konfigurationsänderung, durch die der Datenverkehr zwischen Rechenzentren zusammengebrochen sei. Es sei ein eigener Fehler gewesen, nicht die Folge bösartiger Aktivitäten.

Die Störung war so schwer in Griff zu bekommen, dass Facebook der "New York Times" zufolge ein Team in sein Rechenzentrum im kalifornischen Santa Clara schicken musste, um einen "manuellen Reset" der Server zu versuchen. Das ist in etwa so, wie am PC zu Hause den Reset-Knopf zu drücken, weil gar nichts mehr geht.

Facebook verwies darauf, dass von dem Ausfall auch interne Systeme betroffen gewesen seien - wodurch es länger gedauert habe, das Problem zu diagnostizieren und zu beheben. Diese Erklärung deckt sich mit Vermutungen von Experten, die von einem Fehler in der Netzwerk-Infrastruktur ausgegangen waren.

"Vereinfacht dargestellt: Die Dienste von Facebook, WhatsApp und Instagram sind noch da - aber es fehlt im Internet quasi die Verknüpfung dorthin", so Rüdiger Trost von der IT-Sicherheitsfirma F-Secure. "Als hätte jemand auf einer Autobahn die Ausfahrtsschilder zu den "Orten" Instagram, WhatsApp und Facebook entfernt."

Insgesamt nutzen monatlich rund 3,5 Milliarden Menschen mindestens einen Dienst des Konzerns, 2,76 Milliarden greifen sogar täglich darauf zu. Zuckerberg entschuldigte sich in einem kurzen Facebook-Beitrag bei den Nutzern. WhatsApp-Chef Will Cathcart versprach, man werde daraus lernen.

Bei Facebook selbst seien neben der internen Kommunikationsplattform zum Teil auch digitale Türschlösser in Büros und andere vernetzte Technik ausgefallen, schrieb die "New York Times". Zwei namentlich nicht genannte IT-Sicherheitsexperten von Facebook sagten der Zeitung, eine Cyberattacke als Auslöser erscheine unwahrscheinlich. Offiziell erklärte das Online-Netzwerk, man habe keine Hinweise darauf, dass auch Nutzerdaten betroffen gewesen seien.

Die Facebook-Dienste waren ab etwa 18.00 Uhr MESZ nicht mehr nutzbar und gingen kurz vor Mitternacht wieder online. Der Technik-Chef des Cloud-Dienstleisters Cloudflare, John Graham-Cumming, erklärte, dass Nutzer und auch Software zunächst weiter versuchten, immer wieder die Dienste anzusteuern. Das belastete die Web-Infrastruktur zusätzlich.

Mit dem Facebook-Blackout schlug die Stunde von Twitter - und der Facebook-Konkurrent war sich dessen bewusst. "Hallo, buchstäblich alle", twitterte der Account des Kurznachrichtendienstes, auf dem sich über Stunden unzählige Facebook-Nutzer tummelten.

Twitter war am Montag voller Scherze darüber, wie das Verschwinden von Facebook alles auf einen Schlag besser gemacht habe - bis hin zum Weltfrieden. "Hoffentlich gehen Facebook, Instagram und WhatsApp nie wieder an", schrieb der Satiriker Jan Böhmermann. Der NSA-Enthüller Edward Snowden ergriff die Gelegenheit, um die Chat-App Signal als Alternative zu empfehlen. Diese biete mehr Datenschutz. Signal begrüßte am Montag Millionen neue Nutzer.

Störungen, die auf Netzwerk-Fehler zurückgehen, gibt es im Web immer wieder mal. So hatte eine im Juli dafür gesorgt, dass zahlreiche Seiten zeitweise nicht erreichbar waren. Die Zentralisierung der Netz-Infrastruktur bei großen Anbietern führt zudem dazu, dass der Ausfall bei einer Firma viele andere Dienste aus dem Betrieb reißen kann. Auch Anfang Juni waren zahlreiche Webseiten weltweit nach einer Störung bei einem Cloud-Dienst rund eine Stunde nicht erreichbar.

Bei Facebook hatte es im Frühjahr 2019 einen großflächigen Ausfall gegeben, der dem Konzern zufolge auf einen Fehler bei der Server-Konfiguration zurückging. Die Störung vom Montag war jedoch in Ausmaß und Dauer außergewöhnlich.

Eine Frage ist, ob der Ausfall Facebook-Werbekunden veranlassen wird, über Alternativen nachzudenken. Denn gerade viele kleine Unternehmen rund um die Welt verlassen sich auf Facebook, um Kunden anzulocken. Für sie bedeutete die Störung verlorenes Geschäft. Der Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft (ZAW) erklärte, für einen kurzen Zeitraum lasse sich ein solcher Ausfall noch kompensieren.

Durch die Probleme bei WhatsApp griffen viele Nutzer in Deutschland auf die altbewährte SMS zurück. Die Deutsche Telekom verzeichnete acht Mal mehr Kurznachrichten als sonst, Telefónica und Vodafone meldeten das Dreifache.

Die Facebook-Aktie schloss am Montag mit einem Minus von knapp fünf Prozent. Auch danach war das Unternehmen an der Börse immer noch rund 920 Milliarden Dollar wert. Das persönliche Vermögen von Zuckerberg schrumpfte nach Berechnungen des Finanzdienstes Bloomberg binnen weniger Stunden um mehr als sechs Milliarden Dollar.

Mit noch 121,6 Milliarden Dollar rutschte er demnach um einen Platz nach hinten auf den fünften Rang hinter Microsoft-Gründer Bill Gates.

Whistleblowerin bringt Konzern unter Druck

Für Facebook, das gerade in den USA unter verstärktem politischen Druck steht, war ein mehrstündiger Ausfall eine blamable Krönung ohnehin schlechter Wochen. Erst am Sonntag hatte eine ehemalige Mitarbeiter sich als Whistleblowerin zu erkennen gegeben und warf dem Online-Netzwerk vor, Profit über das Wohl der Nutzer zu stellen. Am Dienstag sollte sie im US-Senat befragt werden.

Die 37-jährige Frances Haugen lieferte Schlüsselinformationen für eine Artikel-Serie im "Wall Street Journal", nach der Facebook unter erheblichen politischen Druck in den USA geriet. Darin ging es unter anderem um die Auswirkungen des Foto-Dienstes Instagram auf junge Nutzer. Haugen gab sich in am Sonntag veröffentlichten Interviews erstmals als Whistleblowerin zu erkennen. Am Dienstag soll sie im US-Senat aussagen.

Haugen sagte dem "Wall Street Journal", sie sei frustriert gewesen, weil Facebook nicht ausreichend offen damit umgehe, dass das Online-Netzwerk Schaden anrichten könne. Zu ihrem Job bei Facebook, den sie im Mai nach rund zwei Jahren aufgab, habe der Kampf gegen Manipulationsversuche bei Wahlen gehört. Sie habe jedoch schnell das Gefühl gehabt, dass ihr Team zu wenig Ressourcen habe, um etwas zu bewirken.

Auch sei ihr Eindruck gewesen, dass Facebook weiter auf Wachstum gesetzt habe, obwohl dem Unternehmen negative Auswirkungen der Plattform auf die Nutzer bekannt gewesen seien. "Es gab Interessenkonflikte zwischen dem, was für die Öffentlichkeit gut war und was für Facebook gut war", sagte Haugen bei "60 Minutes". Und Facebook habe sich immer und immer wieder dafür entschieden, für eigene Interessen das Geschäft zu optimieren.

Aus der Serie von Berichten im "Wall Street Journal" in den vergangenen Wochen schlug besonders schwer der Artikel ein, in dem es um interne Untersuchungen zum Einfluss von Instagram auf junge Nutzer ging. Unter anderem hieß es in einem Bericht von Facebook-Forschern, bei zahlreichen Teenagern - vor allem Mädchen - verstärke Instagram die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper. Das sorge für Essstörungen und Depressionen.

Facebook verwies nach dem Bericht darauf, dass weiteren Daten aus denselben Studien zufolge Teenager andere Themen als hilfreich bezeichnet hätten. Dennoch legte das Online-Netzwerk vergangene Woche Pläne für eine Instagram-Version für Zehn- bis Zwölfjährige auf Eis.

Aktuell dürfen Kinder im Alter ab 13 Jahren Instagram nutzen. Viele geben jedoch bei der Registrierung ein falsches Geburtsdatum an. Mit "Instagram Kids" wollte Facebook nach eigenen Angaben auch dieses Problem angehen. Doch nach einer Anhörung im US-Senat wurde klar, dass dies politisch nur noch schwer durchzusetzen sein wäre. Instagram betonte in einer Stellungnahme für "60 Minutes", dass man weiterhin eine Version für Jüngere für sinnvoll halte: "Die Realität ist, die Kinder sind bereits online."

Die für Nutzer-Sicherheit zuständige Managerin Antigone Davis drang bei den Senatoren mit ihren relativierenden Erklärungen nicht durch. So verglich der Demokrat Ed Markey die Vorgehensweise des Online-Netzwerks vor allem bei Instagram mit verantwortungslosem Handeln der Tabakindustrie. "Instagram ist diese erste Zigarette der Kindheit", die Teenager früh abhängig machen solle und am Ende ihre Gesundheit gefährde, sagte Markey unter anderem. "Facebook agiert wie die großen Tabakkonzerne: Sie verbreiten ein Produkt, von dem sie wissen, dass es der Gesundheit junger Menschen schadet."

Facebook-Gründer und -Chef Mark Zuckerberg und auch die fürs operative Geschäft zuständige Top-Managerin Sheryl Sandberg äußerten sich bisher nicht zu der Kontroverse.

Wie am Sonntag bekannt wurde, kontaktierte Haugen das "Wall Street Journal" bereits im Dezember vergangenen Jahres, nachdem ihre Abteilung aufgelöst wurde. Sie fand nach eigenen Angaben zu ihrer Überraschung diverse Studien zum Einfluss auf Nutzer, die praktisch allen Mitarbeiter in der internen Kommunikations-Plattform des Online-Netzwerks zugänglich gewesen seien. Sie habe solches Material gesammelt, bis sie Facebook im Frühjahr verlassen habe. Haugens war in der Pandemie nach Puerto Rico gezogen - und die Personalabteilung habe ihr mitgeteilt, dass dies nicht als Fernarbeitsplatz akzeptiert werde.

"Die heute existierende Version von Facebook reißt unsere Gesellschaften auseinander und löst ethnische Gewalt rund um die Welt aus", sagte sie "60 Minutes". Haugen beantragte bei US-Behörden offiziell Schutz als Whistleblowerin - so werden Mitarbeiter genannt, die durch Weitergabe von Informationen Missstände aufdecken wollen.

Ein Facebook-Sprecher erklärte dem "Wall Street Journal" am Sonntag nach den Äußerungen Haugens, das Online-Netzwerk versuche täglich, eine Balance zwischen dem Recht von Milliarden Menschen auf freie Meinungsäußerung und einer sicheren Umgebung für Nutzer zu finden. Zugleich betonte das Online-Netzwerk, dass Hassrede oder schädliche Beiträge schlecht für das Geschäft seien. Top-Manager Guy Rosen betonte, dass Facebook inzwischen Hassreden bis auf 0,05 Prozent solcher Beiträge herausfiltern könne, noch bevor sie die Nutzer erreichten.

Deutlich wird, dass Facebook vor allem in der US-Politik unter so starkem Druck steht wie seit dem Skandal um Cambridge Analytica 2018 nicht mehr. Damals war bekanntgeworden, dass Jahre zuvor eine Datenanalysefirma Informationen von Millionen Nutzern ohne deren Wissen abgreifen konnte. Es war eigentlich nicht der schwerwiegendste Datenschutz-Fehltritt, der bei Facebook bis dahin passiert war - doch es war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, und zwar bei Politikern sowohl in Europa als auch in den USA.

Facebook-Whistleblowerin: Die Welt braucht Einblick in Algorithmen

Eine ehemalige Facebook-Mitarbeiterin, die zur Whistleblowerin wurde, hat im US-Senat öffentliche Einblicke in die Funktionsweise des Online-Netzwerks gefordert. "Facebook formt unsere Wahrnehmung der Welt durch die Auswahl der Informationen, die wir sehen", sagte Frances Haugen am Dienstag bei einer Anhörung.

Dabei wisse bisher aber nur der Internetkonzern selbst, wie er den Newsfeed der Nutzer personalisiere. Und Facebook verweigere Forschern und Regulierern den Zugang dazu. Dabei hätten die Mechanismen zum Teil das Potenzial, ein Suchtverhalten vor allem bei jüngeren Nutzern auszulösen, warnte Haugen in Washington. Sie wirft Facebook und der Fotoplattform Instagram unter anderem vor, Profite über das Wohl der User zu stellen.

Haugen forderte ein Eingreifen der Politik: "Aus eigenem Antrieb wird Facebook weiter Entscheidungen treffen, die gegen das öffentliche Wohl gehen." In den USA löste besonders ihr Vorwurf Empörung aus, Facebook habe aus internen Studien gewusst, dass Instagram der psychischen Gesundheit einiger Teenager schade - aber keine konsequenten Maßnahmen dagegen ergriffen.

Die 37-Jährige war rund zwei Jahre bei Facebook, zuvor bei Google sowie der Fotoplattform Pinterest. Bei dem Online-Netzwerk arbeitete sie unter anderem an der Abwehr von Versuchen, die Öffentlichkeit vor Wahlen zu manipulieren. Sie warnte bei ihrem Auftritt im Handels-Unterausschuss des Senats auch, dass Facebooks Versuche, Hassrede und schädliche Inhalte mit Hilfe von Software herauszufiltern, nicht effizient genug seien. Facebook verweist stets darauf, dass die Systeme immer besser darin würden, untersagte Inhalte zu entfernen, noch bevor Nutzer sie zu sehen bekommen.

Nachdem die Störung behoben ist, legte der Kurs der Facebook-Aktie im NASDAQ-Handel am Dienstag letztlich um 2,05 Prozent auf 332,96 Dollar zu.

/so/DP/ngu

NEW YORK (dpa-AFX)
Bildquellen: AlesiaKan / Shutterstock.com

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17.11.2021Meta Platforms (ex Facebook) BuyGoldman Sachs Group Inc.
29.10.2021Facebook (Meta) OverweightJP Morgan Chase & Co.
26.10.2021Facebook OutperformCredit Suisse Group
26.10.2021Facebook BuyUBS AG
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