Prof. Otte-Kolumne Max Otte

Finger weg von „Mittelstandsanleihen“!

18.04.11 10:59 Uhr

Finger weg von „Mittelstandsanleihen“! | finanzen.net

In letzter Zeit werden vermehrt sogenannte „Mittelstandsanleihen“ auf den Markt gebracht. Finger weg!

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3.326,3 PKT -28,0 PKT -0,84%

3.949,5 PKT -20,9 PKT -0,53%

Es handelt sich meistens um ziemlich riskante Papiere, bei denen Rendite und Risiko in keinem Verhältnis stehen.

Diese Anleihen werden meistens nämlich nicht von etablierten Mittelständlern emittiert, sondern von kleinen und neuen Unternehmen, mit unerprobten oder riskanten Geschäftsmodellen. Es handelt sich also tendenziell wieder um Zocks, die den Börsenemissionen zu Zeiten der Technologieblase nicht ganz unähnlich sind. Aber „Mittelstandsanleihe“ klingt gut, und schon wird eine neue Generation von unwissenden deutschen Privatanlegern übervorteilt.

Die Börsen haben dafür Handelssegmente aufgebaut, erst im Mai 2010 die Börse Stuttgart, dann die Börsen Düsseldorf, Frankfurt und München. In Stuttgart wurden Anleihen im Wert von mehr als einer Milliarde Euro platziert. Dabei sind unbekannte Firmen wie Uniwheels oder die Immobilienfirma Golden Gate. Dass man hier auf unwissende Privatanleger zielt, zeigt auch die Tatsache, dass Mittelstandsanleihen schon ab einer Stückelung von 1000 Euro zu haben sind. Bei Großunternehmen ist die Stückelung oft erst ab 50.000 Euro möglich.

Die Zinsen liegen oft bei sieben Prozent und darüber und bieten vier bis fünf Prozent mehr als Bundesanleihen. Allerdings ist das für Venture Capital und riskante Unternehmen wirklich ein miserables Chance-Risiko-Verhältnis. Die Bonität der meisten Papiere liegt zwischen B und CCC. Das heißt, dass die Ausfallwahrscheinlichkeiten über 20 Prozent liegen. Es handelt sich um riskante Zocks, die überhaupt nicht in die Hände von Privatanlegern gehören. Gerade deshalb werden Sie ja von skrupellosen Emittenten und Finanzdienstleistern so gerne an Privatanleger verkauft.

Ich bin ein großer Freund des Mittelstandes. Deutschland steht deswegen so gut da, weil wir einen funktionierenden Mittelstand mit hoher Wertschöpfung haben. Im letzten Jahrzehnt haben vor allem Mittelstandsfirmen neue Arbeitsplätze geschaffen, während die Großkonzerne in Summe Arbeitsplätze abgebaut haben.

Es ist eine Sauerei, den guten Namen des Mittelstands für die Junk Bonds (Schrottanleihen) zu missbrauchen, die jetzt oftmals emittiert werden.

Wenn Sie sich am Mittelstand beteiligen wollen, dann kaufen Sie Aktien von Mittelstandunternehmen mit Familieneinfluss wie Fielmann, Gerry Weber, Sixt, United Internet, Delticom, Maschinenfabrik Berthold Hermle, Gesco, Fresenius, oder, wenn es etwas größer sein soll, BMW oder Beiersdorf.

Da sind die Risiken sehr begrenzt – und langfristig können Sie bei allen diesen Titeln mit acht Prozent Rendite und mehr rechnen. Sie müssen allerdings die Tatsache aushalten, dass Aktienmärkte schwanken.

Prof. Dr. Max Otte ist Herausgeber des PRIVATINVESTOR (www.privatinvestor.de) und Geschäftsführender Gesellschafter der IFVE Institut für Vermögensentwicklung GmbH. Ziel des Instituts ist die Aktienanalyse und die Entwicklung von Aktienstrategien für Privatanleger.Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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