05.04.2014 12:00

Investmentfonds: Grün ganz ohne Label

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Tragen nachhaltig anlegende Portfolios stets einen Zusatz wie "Sustainability" oder "Green"? Keineswegs. Auch viele "normale" Fonds schneiden unter Nachhaltigkeits-Aspekten überraschend gut ab.
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€uro am Sonntag
von Andreas Hohenadl, Euro am Sonntag

Schwarz oder weiß, gut oder böse. So einfach ist die Sache häufig nicht. Schon gar nicht, wenn es um ethische Investments geht. Darf zum Beispiel ein Fonds für erzkatholische Anleger in einen Konzern investieren, der unter anderem Kondome herstellt? Oder in eine Supermarktkette, die die Verhütungsprodukte verkauft?

Die Fondsmanager des Liga Pax Cattolico von Union Investment und der kirchlichen Pax-Bank entschieden so: Als der Konsumgüterriese Reckitt Benckiser vor wenigen Jahren den Kondomhersteller SSL ("Durex") kaufte, flog der Konzern aus dem Portfolio. Der Einzelhandelsgigant Tesco durfte dagegen drinbleiben, obwohl in dessen Filialen Kondome verkauft werden. Der Umsatz mit diesem Produkt sei im Vergleich zum Gesamtgeschäft verschwindend gering, so die Begründung.

Absolute Prinzipientreue ist nicht nur bei kirchlichen Fonds so gut wie unmöglich. Zweifelsfälle und moralische Abwägungen sind auch bei ökologisch oder sozial ausgerichteteten Portfolios an der Tagesordnung. Und Anleger sind überrascht, dass mancher Fonds mit dem Label "nachhaltig" sein Versprechen gerade mal teilweise erfüllt.

Umso erstaunlicher ist, dass viele "normale" Fonds unter Nachhaltigkeitsaspekten bemerkenswert gut abschneiden. Zu dieser Erkenntnis gelangt man, wenn man die Ratingergebnisse des österreichischen Analysehauses Finance & Ethics Research betrachtet. Das Unternehmen untersucht, inwieweit Fonds den Nachhaltigkeitsvorgaben von Investoren genügen. Je ethischer ein Portfolio anlegt, desto mehr sogenannte EDA-Punkte erhält es (siehe Investor-Info).

Rund 26.000 in Deutschland erhältliche Fondsanteilsklassen sind in der Datenbank der Österreicher enthalten - neben explizit nachhaltigen Fonds auch viele traditionell anlegende Portfolios, zu denen die Anbieter regelmäßig Daten liefern. Und die schneiden in puncto Nachhaltigkeit und ethisches Investieren zum Teil besser ab als ihre "grün" gewandeten Kollegen. Während mancher Nachhaltigkeitsfonds gerade mal 60 oder 70 von 100 möglichen EDA-Punkten schafft, gibt es viele "normale" Fonds, die 80 oder gar 90 Punkte erreichen.

Ein Beispiel ist der Danske Invest Denmark Focus, der in den dänischen Aktienmarkt investiert. Er ist mit 92 EDA-Punkten bewertet. Das sind nur vier Punkte weniger als der Spitzenreiter in der Kategorie Aktienfonds, der nachhaltig anlegende Dexia Equities L Sustainable Green Planet. Ein so guter Platz für einen Dänemark-Fonds ist noch nachvollziehbar. Schließlich gibt es in dem Land einen starken politischen Willen, nachhaltig zu wirtschaften. Der Gesetzgeber hat die Unternehmen verpflichtet, in ihrem Jahres- oder Konzernabschluss auch über ihre ökologische und soziale Leistungsfähigkeit zu berichten.

Im Danske-Fonds finden sich keine Unternehmen, für die es aufgrund von Negativkriterien Abzüge gäbe. Zudem enthält das Portfolio nach Angaben von Finance & Ethics Research einen hohen Anteil an Firmen mit Umweltorientierung und Engagement bei erneuerbaren Energien. Allein der Windkraftanlagenbauer Vestas ist im Danske-Portfolio mit knapp sieben Prozent gewichtet.

Mit einer Wertentwicklung von 180 Prozent in fünf Jahren lässt der Dänemark-Fonds manch ausgewiesenes Nachhaltigkeitsportfolio alt aussehen. So erzielte der erwähnte Dexia-Green-Planet-Fonds in fünf Jahren ein Minus von fünf Prozent. Der LBBW Nachhaltigkeit Aktien brachte es im selben Zeitraum zwar immerhin auf 73 Prozent Plus, schneidet mit 74 EDA-Punkten in Sachen Ethik und Ökologie aber wesentlich schlechter ab.

Gutes Gewissen mit Tech-Aktien
Doch auch wer in so manchen Technologieaktienfonds investiert, tut damit etwas fürs gute Gewissen. Mit 90 EDA-Punkten ist zum Beispiel der Allianz Global Hi-Tech Growth eine ausgesprochen nachhaltige und dabei rentable Anlage. In fünf Jahren erzielte der Fonds rund 125 Prozent Plus. Zum einen sind in dem Port­folio mit Solarwerten Investments aus dem Bereich erneuerbare Energien vertreten. Damit sind schon mal Positivkriterien erfüllt. Zum anderen greifen so gut wie keine Negativkriterien; etwa dass Unternehmen in der Rüstungsproduktion, Gentechnik oder Atomenergie tätig wären. Denn der Schwerpunkt des Fonds liegt eindeutig auf der Informationstechnologie. Neben dem Allianz-Fonds hat auch der JPM Europe Technology mit 87 EDA-Punkten eine hohe Nachhaltigkeitskennziffer und mit knapp 195 Prozent Wertzuwachs in fünf Jahren einen beachtlichen Anlageerfolg.

Doch nicht nur Aktienfonds, auch Misch- und Anleihefonds werden von den Österreichern betrachtet. Im Fall von Staatsanleihen verwenden sie ein Rating, das Länder oder Regionen ebenfalls nach Positiv- und Negativkriterien bewertet. Dabei schneiden etwa Deutschland, Norwegen oder die Niederlande ziemlich gut ab. Die USA sind wegen mangelnder Umweltorientierung eher im Mittelfeld zu finden.

Es verwundert nicht, dass die anleiheorientierten Mischfonds Bantleon Opportunities S und Opportunities L mit 87 Zählern eine sehr hohe EDA-Punktzahl ausweisen, investieren sie doch schwerpunktmäßig in sichere Staatsanleihen aus der Eurozone - und hier zu fast 75 Prozent in deutsche Staatspapiere.

Es gibt verschiedene Gründe, warum in wesentlich mehr Fonds "nachhaltig" drin ist, obwohl es gar nicht draufsteht. So erzielen durchaus auch einige China-Aktienfonds hohe EDA-Punktzahlen, obwohl sie auf den ersten Blick alles andere als "grün" sind. Aber solange keine Unternehmen aus kritischen Bereichen wie Rüstung oder Atomenergie, dafür aber Solarfirmen im Portfolio sind, ist sogar das möglich. 

Investor-Info

Punkte für Nachhaltigkeit
Was sich hinter EDA verbirgt

Das Analysehaus Finance & Ethics Research, das zum Finanzdatenanbieter software-systems.at gehört, durchleuchtet Fondsportfolios unter dem Aspekt nachhaltiges Investieren. Dabei vergeben die Spezialisten EDA-Punkte. EDA steht für "ethisch-dynamischer Anteil". Maximal sind 100 Punkte möglich. Man kann Ausschlusskriterien festlegen (etwa Rüstung, Atomkraft, Gentechnik), aber auch Positivkriterien bestimmen. Zum Beispiel, dass Firmen verstärkt umweltorientiert handeln. Wer streng ist, kreuzt alle Kriterien an, so wie wir es getan haben. Wer etwa Atomkraft toleriert, lässt diesen Punkt aus und erhält andere Ergebnisse. Unter www.software-systems.at, Menüpunkt "EDA let’s go", können Interessierte nach Anmeldung den Service nutzen.

Nachhaltige Fonds
Saubere "Normalos"

In der Tabelle sind Fonds aufgeführt, die von Finance & Ethics Research eine hohe Nachhaltigkeitspunktzahl erhalten, obwohl sie nicht als nachhaltige Fonds gelten. Im Artikel werden sie näher besprochen. Da sie sich mit Ausnahme der Bantleon-Fonds auf recht enge Anlagefelder beziehen, stellen wir darunter noch zwei breiter aufgestellte Fonds vor.









Leonardo UI
Nachhaltig dank Zinspapieren

Der Leonardo UI zählt mit 87 EDA-Punkten zu den nachhaltigsten flexiblen Mischfonds. Der Grund: Er setzt zwar modellbasiert auf Aktien, Anleihen und Rohstoffe, doch diese Investments erfolgen kostengünstig über Futures. Der Löwenanteil des Anlagekapitals steckt in Zinspapieren. Und die sind ziemlich dieselben wie im nachhaltigen Anleihefonds Lebenswerte Zukunft vom selben Anbieter.

Danske Global Corp. Bonds
Grün mit Einschränkung

Dieses Portfolio für Unternehmensanleihen trägt nicht nur eine gute FondsNote, sondern beruhigt auch das Gewissen. Der Anteil von Bonds aus dem Bereich erneuerbare Energien ist recht hoch. Abzüge gibt’s für den Energieversorger Enel, der auch im Atomkraftwerksbau tätig ist. Trotzdem: 79 EDA-Punkte - ein sehr hoher Wert in dieser Kategorie.

Auf der nächsten Seite finden Sie ein Interview mit dem österreichischen Nachhaltigkeitsexperten Richard Lernbass. Richard Lernbass, der österreichische ­Nachhaltigkeitsexperte erklärt, weshalb viele ­klassisch anlegende Fonds "grün" sind.

"Eine Frage der Kriterien"

€uro am Sonntag: Herr Lernbass, Ihre Analyseabteilung Finance & Ethics Research untersucht, wie nachhaltig Fonds investieren. Wie funktioniert das?
Richard Lernbass:
Wir wollen den Kunden die Möglichkeit geben, nach ihren eigenen Präferenzen auszuwählen, was in einem Fonds drin sein darf und was nicht. Ob ich zum Beispiel Atomstromproduktion toleriere oder sie generell ausschließe.

Sie bewerten Fonds mit speziellen ­Nachhaltigkeitspunkten. Auch viele "normale" Fonds erzielen dabei eine hohe Punktzahl.
Häufig sind in "normalen" Fonds eben dieselben Unternehmen enthalten wie in Fonds, die als nachhaltig definiert sind.

Weit vorn in Ihrem Ranking befinden sich zum Beispiel einige Technologiefonds. Was ist an denen so nachhaltig?
Bei einer nachhaltigen Betrachtungsweise geht es vorerst darum, ob ein Fonds gewissen Kriterien genügt. So gibt es einen Punkteabzug, wenn Unternehmen enthalten sind, die in der Rüstungsproduktion oder Atomindustrie tätig sind, Gentechnikprodukte herstellen oder Tierversuche auch dann durchführen, wenn sie vom Gesetzgeber nicht vorgeschrieben sind. Das trifft für die Mehrzahl der Technologiefirmen nicht zu. Daneben wird in diesem Fall posi­tiv bewertet, wenn sich Unternehmen verstärkt im Bereich erneuerbare Energien engagieren. Auch dort können Technologiefirmen gut abschneiden.

Auch Investmentfonds, die auf Nebenwerte setzen, schneiden unter Nach­haltigkeitsaspekten bei Ihnen ziemlich gut ab ...
Das ist eine ähnliche Geschichte. Es gibt bei den Small Caps eben bedeutend weniger Atomstrom produzierende oder im Rüstungsbereich tätige Unternehmen. Das ist in der Regel eine Domäne der großen Konzerne oder deren Töchter.

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