Rechtsstreitigkeiten

Bayer-Aktie kräftig im Minus: Gerichtliche Entscheidung könnte Erfolg des Glyphosat-Deals beeinflussen

18.02.26 21:57 Uhr

Bayer-Aktie sackt ab: Unsicherheiten bleiben trotz Glyphosat-Vergleich - Supreme-Court-Entscheidung wegweisend | finanzen.net

Bei den Bayer-Aktionären scheint sich am Mittwoch die Euphorie vom Vortag über den Glyphosat-Vergleich etwas zu legen.

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Bayer versucht in den USA mit einem milliardenschweren Vergleich das Thema Glyphosat-Klagen weitgehend vom Tisch zu bekommen. Die Streitigkeiten rund um angebliche Krebsrisiken glyphosathaltiger Unkrautvernichter haben schon Milliarden verschlungen, die Dividende wurde zusammengestrichen. Ein Gericht in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri muss dem nun angestrebten Sammelvergleich noch zustimmen. Bereits Anfang des Jahrzehnts hatte der Pharma- und Agrarchemiekonzern eine umfassende Lösung angestrebt, die ein Richter aber abgelehnt hatte. Der aktuelle Vorschlag ist allerdings anders aufgebaut. An der Börse ebbte die anfängliche Euphorie am Mittwochvormittag ab.

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"Die Vergleichsvereinbarung schafft zusammen mit dem Fall beim Supreme Court einen klaren Weg aus den Unsicherheiten durch die Rechtsstreitigkeiten", sagte der Bayer-Vorstandsvorsitzende Bill Anderson laut Mitteilung vom Dienstagnachmittag.

So kann sich das Unternehmen seit einigen Wochen auch Hoffnung auf ein positives Grundsatzurteil des obersten US-Gerichtes machen, nachdem der US Supreme Court zugestimmt hatte, den Fall "Durnell" zur Prüfung anzunehmen. Dieser ist denn auch vom Vergleich ausgenommen. Die Richter müssen entscheiden, ob Bundesrecht zu Warnhinweisen beim Verkauf der Unkrautvernichter - wie Bayer argumentiert - über dem Recht von Bundesstaaten steht. Als ein Kernpunkt bleibe aber trotz der aktuellen Vergleichsankündigung die Frage, was passiert, wenn der Supreme Court nicht zugunsten von Bayer entscheidet, erklärt Analyst Charles Pitman-King von der Barclays-Bank.

Konkret würde der Konzern im angestrebten Sammelvergleich über bis zu 21 Jahre insgesamt maximal 7,25 Milliarden US-Dollar auszahlen. Die Zahlungen würden jährlich abnehmen und wären gedeckelt. Damit soll die finanzielle Planbarkeit verbessert werden, sowohl mit Blick auf aktuelle als auch mögliche künftige Klagen.

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Dabei deckt der Vergleich laut Bayer Kläger ab, die angeben, vor dem 17.02.2026 dem glyphosathaltigen Unkrautvernichter Roundup ausgesetzt gewesen zu sein, und bereits eine NHL-Diagnose haben oder eine NHL-Diagnose vor dem Ende einer 16-jährigen Frist erhalten. Diese Frist für eine Diagnose dieser Gruppe von Lymphdrüsenkrebs (Non-Hodgkin-Lymphom (NHL)) laufe ab der finalen Genehmigung der Vergleichsvereinbarung.

Eine Kapitalerhöhung zur Finanzierung ist laut Bayer nicht geplant, auch wenn sich der Konzern auf der Hauptversammlung im April 2025 von den Aktionären die Erlaubnis für eine mögliche Erhöhung des Kapitals um bis zu 35 Prozent eingeholt hatte. Damit wollte sich der Konzern Handlungsspielraum schaffen, "die Rechtsstreitigkeiten eindämmen und das Kreditrating auf einem angemessenen Niveau halten".

Vielmehr sei die Finanzierung des Sammelvergleichs sowie bestimmter Anleihefälligkeiten durch eine Kreditlinie von 8 Milliarden US-Dollar gesichert, teilte Bayer am Dienstag weiter mit. Die Kreditlinie soll dann über Anleihen sowie Instrumente refinanziert werden, die Ratingagenturen als eigenkapitalähnlich einstufen.

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Damit der aktuelle Vergleichsplan aber überhaupt greift, muss ein Großteil der Kläger zustimmen, im Grunde fast alle, wie Anderson in einer Webkonferenz mit Analysten und Journalisten sagte. Im Herbst hatte Bayer per Stand 15. Oktober von 197.000 angemeldeten Ansprüchen gesprochen, von denen damals rund 132.000 bereits verglichen waren oder die Vergleichskriterien nicht erfüllt hatten. Diese Vergleiche haben allerdings nichts mit dem nun geplanten Sammelvergleich zu tun.

Für Analyst Matthew Weston von der Schweizer Bank UBS ist denn auch die entscheidende Frage, ob sich genügend Kläger für einen Vergleich entscheiden, bevor der oberste US-Gerichtshof seine Grundsatzentscheidung fällt. Die Entscheidung des US Supreme Courts erwartet er gegen Ende Juni.

Angesichts der erwarteten Vergleichskosten muss der Konzern nun zusätzliches Geld auf die Seite legen. Die Vereinbarungen dürften inklusive der Rechtskosten zu einer Erhöhung der Rückstellungen und Verbindlichkeiten für Rechtsstreitigkeiten von 7,8 Milliarden Euro per Ende September 2025 (davon 6,5 Milliarden Euro für Glyphosat) auf 11,8 Milliarden Euro (davon 9,6 Milliarden Euro für Glyphosat) führen, hieß es.

Auf Basis einer ersten Einschätzung sämtlicher Auszahlungen für Rechtsstreitigkeiten in Höhe von circa 5 Milliarden Euro im laufenden Jahr geht Bayer zudem für 2026 von einem negativen freien Finanzmittelfluss (Free Cashflow) aus. Um die Vergleichsvereinbarungen in den Finanzzahlen zu berücksichtigen, wird die Veröffentlichung der Geschäftszahlen für 2025 auf den 4. März verschoben.

Zusätzlich zum angestrebten Glyphosat-Sammelvergleich vereinbarte Bayer weitere vertrauliche Vergleiche, um andere Glyphosat-Fälle beizulegen. Darüber hinaus verglich sich Bayer Anfang dieses Jahres den Angaben zufolge auch zu acht verbliebenen PCB-Urteilen an der Schule "Sky Valley Education Center" im US-Bundesstaat Washington. Die Bedingungen hierzu seien ebenfalls vertraulich. Dabei geht es um Belastungen durch die seit Jahrzehnten verbotene Umweltchemikalie PCB und damit verbundene Vorwürfe von Klägern, die Gesundheitsschäden darauf zurückführen. Zudem legte Bayer jüngst auch Klagen wegen angeblicher Umweltverschmutzungen durch PCB mit den US-Bundesstaaten Illinois und West Virginia bei.

So reagiert die Bayer-Aktie

Die Euphorie der Bayer-Aktionäre über den Glyphosat-Vergleich in den USA währte nicht lange. Auf den Kurssprung vom Vortag folgte am Mittwoch ein Rutsch unter ihre 21-Tage-Linie. Mit einem Verlust von 7,11 Prozent auf 45,81 Euro gingen die Papiere der Leverkusener aus dem Handel. Am Dienstag hatten sie erstmals seit 2023 wieder fast 50 Euro gekostet und am Ende um gut sieben Prozent zugelegt.

Die erste Freude war groß, nachdem Bayer einen umfassenden Sammelvergleich angekündigt hatte. Experten sehen dies als weiteren, sehr wichtigen Schritt, um die seit Jahren anhängigen Glyphosat-Klagen vom Tisch zu bekommen.

Aktien von Bayer waren seit Oktober mit einem Kursplus von 85 Prozent bis Dienstagabend bereits deutlich gestiegen. Sie kosten aber immer noch deutlich weniger als vor der ersten Niederlage in einem US-Glyphosatverfahren im Sommer 2018. Damals notierten sie bei gut 93 Euro.

Rückenwind hatten positive Studiendaten zum Blutgerinnungshemmer Asundexian geliefert, die Hoffnungen auf ein Milliardenmedikament machten. Zudem stützte die Aussicht, dass der US Supreme Court eine Präzedenzentscheidung zugunsten von Bayer für zahlreiche anhängige Glyphosat-Verfahren trifft. Diese Entscheidung des höchsten US-Gerichts ist auch vor dem Hintergrund des Vergleichs der wohl größte Unsicherheitsfaktor. Offen sei, was passiere, wenn die Richter nicht im Sinne von Bayer entschieden, so Experte Charles Pitman-King von Barclays.

Die Richter müssen klären, ob Bundesrecht zu Warnhinweisen beim Verkauf der Unkrautvernichter - wie der Konzern argumentiert - über dem Recht von Bundesstaaten steht. Es geht also im Kern darum, ob hinreichend vor den Risiken im Umgang mit dem Unkrautvernichter gewarnt wurde.

Daher sei die Entscheidung des Supreme Court auch so wichtig, so Analyst Richard Vosser von der Bank JPMorgan. Denn ein für Bayer günstiger Ausgang würde dann Kläger betreffen, die ihre Ansprüche mit fehlenden Warnhinweisen begründeten und dem vorgeschlagenen Sammelvergleich nicht zustimmten. Ersteres sei wohl geschätzt die Grundlage für etwa 80 Prozent aller Fälle.

Es bestehe durchaus auch die Möglichkeit, dass sich viele Kläger gegen den von Bayer angestrebten Sammelvergleich entschieden, so Vosser weiter. Sollten es zu viele sein, würde die gesamte Vereinbarung laut Bayer platzen.

Die DZ Bank nahm die neueste Entwicklung zum Anlass, die Papiere gleich um zwei Schritte von "Kaufen" auf "Verkaufen" abzustufen. Aus Sicht des Experten Peter Spengler ist der Glyphosat-Vergleich in den USA ein "teuer erkaufter Schritt zu mehr Planungssicherheit". Es handele sich um ein langfristig auf 21 Jahre angelegtes Entschädigungsprogramm, das sowohl aktuelle als auch zukünftige Kläger in einem einheitlichen Rahmen berücksichtige.

dpa-AFX

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