Dank höherer Zinsen

Commerzbank-Aktie steigt: Commerzbank mit höchstem Gewinn seit 15 Jahren - COO geht

15.02.24 17:54 Uhr

Commerzbank-Aktie steigt: Gewinn der Commerzbank auf 15-Jahres-Hoch - Dividende steigt | finanzen.net

Die Commerzbank hat im vergangenen Jahr von einem kräftigen Anstieg der Zinserträge profitiert.

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Die Commerzbank verspricht ihren Aktionären nach dem höchsten Gewinn ihrer Geschichte weiteres Wachstum. "Wir werden uns nicht auf dem Erfolg von 2023 ausruhen", versicherte Konzernchef Manfred Knof am Donnerstag in Frankfurt. "Nach dem Spiel ist vor dem Spiel." Das Geldhaus werde "das Konzernergebnis im laufenden Jahr erneut steigern" und beweisen, dass es "auch in einem weniger günstigen Zinsumfeld profitabel wachsen" könne, sagte Knof. "Das wird allerdings kein Selbstläufer werden."

Beflügelt von der Zinswende kletterte der Überschuss des vor knapp einem Jahr in die erste deutsche Börsenliga zurückgekehrten Geldhauses von gut 1,4 Milliarden Euro 2022 auf den Rekordwert von etwas mehr als 2,2 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Den bisher höchsten Jahresgewinn ihrer Geschichte hatte die Commerzbank 2007 mit gut 1,9 Milliarden Euro eingefahren - vor der Finanzkrise und der späteren Rettung durch den Staat.

Steigende Zinsen als Treiber

Der Zinsüberschuss des Dax-Konzerns (DAX 40) legte 2023 um fast 30 Prozent auf rund 8,4 Milliarden Euro zu. Für das laufende Jahr erwartet der Vorstand rund 7,9 Milliarden Euro. Seitdem die Europäische Zentralbank (EZB) im Juli 2022 die Ära der Null- und Negativzinsen beendet und die Leitzinsen zehnmal in Folge erhöht hat, müssen Banken und Sparkassen keine Zinsen mehr zahlen, wenn sie Geld bei der Notenbank parken, sondern verdienen daran.

Die Erträge der Commerzbank - also die gesamten Einnahmen - erhöhten sich binnen Jahresfrist um knapp elf Prozent auf rund 10,5 Milliarden Euro. Die Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle lag aufgrund von Auflösungen mit 618 Millionen Euro unter dem Vorjahreswert (876 Mio Euro). Für das Gesamtjahr 2024 erwartet der Vorstand hierbei derzeit einen Wert unter 800 Millionen Euro.

Milliardenbelastung im Geschäft in Polen

Knof hatte nach seinem Antritt Anfang 2021 den Sparkurs verschärft. Die Bank baute Tausende Stellen ab und verkleinerte ihr Filialnetz in Deutschland deutlich von 1000 auf 400 Standorte. In den nächsten Jahren sollen mehr Geschäft mit vermögenden Privatkunden und zusätzliche digitale Angebote für Firmenkunden dem Institut steigende Gewinne bescheren. Bis 2027 will der Vorstand das Nettoergebnis auf rund 3,4 Milliarden Euro steigern.

Allerdings hätte der Gewinn der Commerzbank schon 2022 erheblich höher ausfallen können, wären seinerzeit nicht die mehr als eine Milliarde Euro Belastungen durch die polnische Tochter mBank unter anderem im Zusammenhang mit Schweizer-Franken-Krediten gewesen. Auch 2023 drückten Sonderbelastungen in Polen in Höhe von fast 1,1 Milliarden Euro das Ergebnis. Über außergerichtliche Einigungen versucht die Bank, die Rechtsrisiken in diesem Bereich zu mindern. "Wir sind nicht am Ende des Tunnels, aber wir sehen klar Licht am Ende des Tunnels", sagte Finanzvorständin Bettina Orlopp in einer Schalte mit Analysten.

Dividende soll steigen

Den Aktionärinnen und Aktionären verspricht der Commerzbank-Vorstand lukrativere Zeiten: Für die Geschäftsjahre 2022 bis 2024 hat die Bank in Summe drei Milliarden Euro für Dividenden und Aktienrückkäufe vorgesehen. Für das Geschäftsjahr 2023 soll es 35 Cent je Aktie geben und damit 15 Cent mehr als ein Jahr zuvor. Es wäre die vierte Gewinnausschüttung seit dem Einstieg des Staates 2008/2009. Insgesamt will die Bank ihren Anteilseignern für das Geschäftsjahr 2023 rund eine Milliarde Euro zugutekommen lassen.

"Wir haben jetzt so viel Wasser unter dem Kiel und genug Spielraum, dass wir sowohl investieren können, wie eben auch die Aktionäre bedienen können, die ja nun zugegebenermaßen in den letzten Jahren nicht so besonders viel Spaß hatten an der Aktie", sagte Konzernchef Knof.

Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) wird diese Botschaft gerne vernehmen: Der Staat hatte die Commerzbank nach der Übernahme der Dresdner Bank in der Finanzkrise 2008/2009 mit Steuermilliarden vor dem Kollaps bewahrt und ist seither größter Anteilseigner des Frankfurter Instituts. Medienberichten zufolge könnte der Anteil des Bundes an der Commerzbank noch leicht steigen, weil der Bund im Rahmen des seit 10. Januar laufenden Aktienrückkaufprogramms keine Papiere veräußere. Da nach Abschluss des Programms weniger Commerzbank-Aktien im Umlauf sind, steigt der Anteil des Bundes automatisch: den Berichten zufolge voraussichtlich von 15,75 Prozent auf rund 16,5 Prozent.

Strebt Knof zweite Amtszeit an?

Im Vorstand des Instituts bahnt sich eine Neubesetzung an: IT-Vorstand Jörg Oliveri del Castillo-Schulz, der dem Gremium seit 20. Januar 2022 angehört, wird seinen Ende September auslaufenden Vertrag nicht verlängern. Vorstandschef Knof bestätigte entsprechende "Handelsblatt"-Informationen. Die Suche nach einem Nachfolger habe begonnen.

Knof, dessen Vertrag Ende 2025 ausläuft, und Orlopp, der Ambitionen auf den Chefposten nachgesagt werden, präsentierten sich am Donnerstag betont harmonisch: Er habe schon "den Ehrgeiz zu zeigen, dass das mit dem Wachstum hier wirklich funktioniert", antwortete Knof auf die Frage, ob er für eine zweite Amtszeit zur Verfügung stünde. Orlopp hob hervor: "Wir arbeiteten als Team ausgesprochen gut zusammen und haben einen ziemlich guten Plan für die nächsten Jahre." Sie selbst sei "eine sehr treue Seele".

Aktie legt deutlich zu

An der Börse kamen die Nachrichten gut an. Vor allem der Ausblick sowie Aussicht auf weiter steigende Dividenden und weitere Aktienrückkäufe halfen der Aktie auf die Sprünge. Am frühen Nachmittag gehörte die Commerzbank-Aktie mit einem Plus von knapp vier Prozent zu den größten Gewinnern im deutschen Leitindex. Im bisherigen Jahresverlauf legte der Kurs allerdings nur rund ein Prozent zu und damit etwas weniger als der Dax.

Analysten sprachen in ersten Einschätzungen von einem "guten Mix" mit Blick auf das Schlussquartal 2023. So seien die Nettozinserträge und die Kosten besser ausgefallen als erwartet, schrieb Benjamin Goy von der Deutschen Bank. Auch Kian Abouhossein von JPMorgan attestierte dem Geldhaus ein "gutes Management der Kosten". Anke Reingen von der kanadischen Bank RBC schrieb, der Ausblick auf die Nettozinserträge in diesem Jahr stimme zuversichtlich.

Commerzbank-COO geht nach nur drei Jahren

Der für IT zuständige Commerzbank-Vorstand Jörg Oliveri del Castillo-Schulz geht nach nur drei Jahren im Amt. "Es stimmt, dass Jörg Oliveri del Castillo-Schulz gesagt hat, dass er seinen Vertrag nicht verlängern wird und der Aufsichtsrat mit der Nachfolgesuche befasst ist", sagte Vorstandschef Manfred Knof in der Bilanzpressekonferenz der Commerzbank. Details über die Umstände des Abgangs des COO wollte er nicht nennen.

Das Handelsblatt hatte berichtet, dass es innerhalb der Bank schon länger Kritik an Oliveri del Castillo-Schulz gibt.

Commerzbank sieht kurzfristig keinen Verkauf des Bundesanteils

Die Commerzbank geht aktuell von einem Verbleib des Bundes als Großaktionär aus.

"Mir ist also nichts bekannt, dass der Bund jetzt hier irgendwas kurzfristig plant" sagte Commerzbank-Chef Manfred Knof am Donnerstag auf die Frage, ob der Bund Großaktionär bei dem Geldhaus bleibe. Alles weitere müsse man die Bundesregierung fragen. Der Bund ist seit der Finanzkrise von 2008 an der Commerzbank beteiligt. Sein Anteil könnte im Zuge des laufenden Aktienrückkaufs des Geldhauses auf mehr als 16 Prozent steigen.

Commerzbank-Aktie steigt - RBC: Nettozinsertrag stimmt zuversichtlich

Der Geschäftsausblick der Commerzbank hat die Anleger am Aktienmarkt am Donnerstag doch noch überzeugt. Nach stärkeren Kursschwankungen lagen die Aktien zuletzt mit 5,53 Prozent im Plus bei 11,06 Euro. In den ersten Handelsminuten hatten sie ein Abrutschen ins Minus noch haarscharf vermieden.

Von 2022 auf 2023 kletterte der Überschuss des vor knapp einem Jahr in den DAX zurückgekehrten Geldhauses von gut 1,4 Milliarden Euro auf etwas mehr als 2,2 Milliarden Euro. Damit hat die Bank nach eigener Aussage ihr bestes Ergebnis seit 15 Jahren erwirtschaftet. Beflügelt von der Zinswende strebt die Commerzbank zudem 2024 ein weiteres Gewinnplus an.

Analysten sprachen in ersten Einschätzungen von einem "guten Mix" mit Blick auf das Schlussquartal 2023. So seien die Nettozinserträge und die Kosten besser ausgefallen als erwartet, schrieb Benjamin Goy von der Deutschen Bank. Auch Kian Abouhossein von JPMorgan attestierte dem Geldhaus ein "gutes Management der Kosten". Anke Reingen von der kanadischen Bank RBC schrieb, der Ausblick auf die Nettozinserträge in diesem Jahr stimme zuversichtlich.

Den Aktionärinnen und Aktionären verspricht der Commerzbank-Vorstand lukrativere Zeiten: Für die Geschäftsjahre 2022 bis 2024 hat die Commerzbank in Summe drei Milliarden Euro für Dividenden und Aktienrückkäufe vorgesehen. Für das Geschäftsjahr 2023 will die Bank ihren Anteilseignern rund eine Milliarde Euro zugutekommen lassen.

Doch am Markt gab es auch skeptische Töne. "Zwar verkündet die Commerzbank für 2023 einen Gewinn von 2,2 Milliarden Euro und hat damit so viel verdient wie seit 15 Jahren nicht mehr. Dennoch war mit der Aktie in den vergangenen zwölf Monaten kein Geld zu verdienen", argumentierte Jürgen Molnar vom Broker Robomarkets. Vor einem Jahr bewegten sich Commerzbank-Aktien etwa auf dem aktuellen Kursniveau.

Molnar mahnt zudem, dass Probleme einiger anderer Geldhäuser im US-Gewerbeimmobiliensektor auf der Branchenstimmung lasten könnten. Das könne die starken Zahlen, die die Commerzbank vorgelegt habe, rasch vergessen machen und den Aktienkurs weiterhin "deckeln".

FRANKFURT / DÜSSELDORF (Dow Jones/dpa-AFX/Reuters)

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