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19.09.2018 15:00
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LKW-Titel: Deshalb fahren Anleger voll drauf ab

Euro am Sonntag-Aktien-Tipps: LKW-Titel: Deshalb fahren Anleger voll drauf ab | Nachricht | finanzen.net
Euro am Sonntag-Aktien-Tipps
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Für seine Nutzfahrzeuge hat der VW-Konzern große Pläne: Die Tochter Traton soll erst an die Börse und dann an die Weltspitze. Es gibt aber weitere Wettbewerber.
€uro am Sonntag
von Klaus Schachinger, Euro am Sonntag

Wenige Tage noch. Wenn am Donnerstag die Nutzfahrzeugmesse IAA in Hannover ihre Pforten öffnet, wird Andreas Renschler, Chef von Volkswagens Nutzfahrzeugsparte, auf Angriff schalten. Er wird die internationale Bühne nutzen, um für die Perspektiven seiner inzwischen selbstständigen Trucker- und Bus-Einheit - mit /aktien/MAN-Aktie in München und Scania im schwedischen Södertälje - zu werben.


Drei Begriffe - Tradition, Transformation und Tonnen - hat das Marketing in Traton, dem neuen Namen von Renschlers Einheit, zusammengefasst. Bald wird Traton eine europäische Aktiengesellschaft mit Sitz in München sein. Der nächste Schritt ist der für 2019 avisierte Börsengang. Um Investoren für den Einstieg bei Traton zu gewinnen, hat der Chef den Anspruch des Angreifers im Truck-Business klar formuliert: "Traton ist ein wichtiger Meilenstein auf unserem Weg zum Global Champion der Transportbranche", wirbt Renschler.

Mit Nachdruck an die Spitze

Allerdings ist das noch ein sehr langer Weg. Mit den knapp über 134.000 Trucks der Marken MAN und Scania, die 2017 verkauft wurden, rangieren die Münchner in der weltweiten Rangliste auf Platz 9. Der Abstand auf den Primus ist groß: Daimler setzte über 304.000 Brummis ab. Auch Volvo, der derzeit profitabelste börsennotierte Hersteller, hatte 2017 mit mehr als 164 000 Fahrzeugen auf Platz 6 einen klaren Vorsprung.

Renschler, der vor mehr als drei Jahren von Daimler als Chef von Volkswagen Truck & Bus nach Wolfsburg wechselte, will Lkw und Busse zur Mustersparte des DAX-Konzerns formen. Das notwendige Selbstbewusstsein, um seine Vorstellungen durchzusetzen, hat sich der Kaufmann und Wirtschaftsingenieur während seiner Zeit bei Daimler zugelegt. Dort hatte sich der gebürtige Stuttgarter im Topmanagement als Feuerwehrmann bewährt: "Entweder die halten mich aus oder sie zahlen mich aus", lautete sein Credo damals.



Als Truck-Chef bei VW soll Renschler das lange Zeit schwierige Verhältnis zwischen MAN und Scania inzwischen entschärft haben. Aktuell wird an einer belastbaren Kooperation zwischen den konzerninternen Rivalen gearbeitet. Gelingt sie, wäre viel gewonnen. "Vor ein paar Jahren hat man bei Scania in MAN noch den größten Feind gesehen", berichtet Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des CAR-Center ­Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen. Zudem sollen die Schweden mit einer operativen Marge von zehn Prozent sogar profitabler sein als ihr lokaler Konkurrent Volvo mit einer Ebit-Marge von rund neun Prozent.

Sollte die Kooperation zwischen MAN und Scania tatsächlich belastbar funktionieren, dürfte Traton schneller und vor allem profitabler als bisher vorankommen. Dafür sollen die stolzen Schweden für spezielle Varianten, etwa Fahrzeuge für schwere Holztransporte, auch weiterhin ihre bulligen V8-Motoren mit mehr als 700 PS entwickeln - auch weil die Aggregate das Image der Marke prägen. Darüber hinaus ist für Entwicklung und Produktion der Motoren in der Gruppe jedoch MAN verantwortlich. Scania soll die Getriebe für alle Trucks im Verbund liefern.

Mit einem Baukastenprinzip ist Volkswagen im Pkw-Geschäft seit geraumer Zeit erfolgreich: Viele gleiche Komponenten werden in verschiedenen Modellen eingesetzt. Jetzt führt Renschler das Vorgehen auch bei den Nutzfahrzeugen des DAX-Konzerns als Standard ein. In seiner Zeit bei Daimler hatte er bereits dafür gesorgt, dass die Mercedes- Trucks wie alle Laster im Portfolio, etwa Freightliner in den USA oder die ­Aumann-Laster des Joint Venture mit Beijin Foton in China, bei Motoren die gleiche Technologie nutzen.

Auch bei der Profitabilität soll Traton in der Branche an die Spitze. Das Ziel sind neun Prozent Ebit-Marge. Damit würden die Münchner auf Augenhöhe mit Volvo liegen und einen ganzen Prozentpunkt mehr einfahren als Daimler. Die Stuttgarter streben acht Prozent Ebit-Rendite an - über den gesamten ­Zyklus. Schwankungen bei der Profitabilität sind in dem von der Konjunktur stark abhängigen Geschäft normal. Aktuell liegen die Konkurrenten mit Ebit-Margen von rund sieben Prozent auf ähnlichen Niveaus.

Sechs Milliarden Euro Erlös

Um bei der avisierten Aufholjagd besseren Zugriff auf finanzielle Ressourcen zu bekommen, soll Traton im nächsten Jahr an die Börse. Aus der Platzierung von bis zu einem Fünftel der Anteile hofft Chef Renschler auf mehr als sechs Milliarden Euro Erlöse. VWs Börsendebütant spielt damit in der gleichen Liga wie die Medizintechnik-Tochter Health­ineers von Siemens. Ähnlich wie bei den Erlangern dürfte auch VW daran interessiert sein, auf absehbare Zeit mit großer Mehrheit an Traton beteiligt zu bleiben. Die milliardenschweren Belastungen, die Volkswagen während der nächsten Jahre stemmen muss - die Folgen des Dieselskandals, die Ausgaben für alternative Antriebe, autonomes Fahren und neue Mobilitätsdienste -, beschleunigen die Planung des IPO.

VW-Konkurrent Daimler muss ähnliche finanzielle Herausforderungen bewältigen. Auch die Schwaben bringen die Abspaltung von Daimler Trucks mit dem Ziel einer Börsennotiz voran. Neben der Mittelbeschaffung und dem besseren Kapitalmarktzugang durch einen Börsengang bietet die Ausgliederung der Sparte auch Vorteile für die Weiterentwicklung des Geschäfts.

"Heavy Trucks haben mit Pkw so viel gemeinsam wie Flugzeuge mit U-Booten. Eigenständige Truck-Einheiten können in der Transportlogistik einfacher und besser mit den verschiedenen Industrien zusammenarbeiten", erklärt Experte Dudenhöffer. Darüber hinaus sieht er Chancen, dass anstehende Börsenpremieren auch die Komplexität in der Struktur der Fahrzeughersteller verringern.

Daimler Trucks starten später

Ein Börsengang von Daimler Trucks gilt in der Branche deshalb als so gut wie sicher. Anders als Renschler kann Martin Daum, seit gut einem Jahr Chef der Sparte, allerdings noch nicht für das Potenzial eines IPO werben. Die Vorbereitungen für den großen Umbau der Konzernstruktur laufen gerade an. Die geplante Holding soll künftig drei statt bisher fünf Einheiten umfassen: die Mercedes-Benz AG mit ihren Pkw und Vans, Daimler Truck mit Nutzfahrzeugen und Bussen sowie die Sparte Daimler Mobility mit Finanz- und Mobilitätsdienstleistungen. Wenn die Aktionäre auf der Hauptversammlung im Mai 2019 den Umbau abnicken, könnte Daimler 2020 in neuer Struktur durchstarten. Daimler Trucks würde dann voraussichtlich ein Jahr nach Traton an die Börse fahren.

US-Markt im Visier

Lenker Renschler dürfte den zeitlichen Vorsprung intensiv nutzen, um im globalen Ranking aufzuholen. Die auf hohe Qualität fokussierten Marken MAN und Scania, die bisher vor allem in ­Europa und Lateinamerika stark sind, haben in Märkten wie Russland, China sowie dem Rest Asiens und auch in den USA noch großes Aufholpotenzial.

In Nordamerika, dem weltweit zweitgrößten Markt hinter China, hat Daimler mit Tochter Freightliner über 40 Prozent Marktanteil. Traton löste das Ticket für den Markteintritt erst 2016 mit einer Beteiligung von knapp 17 Prozent am US-Konzern Navistar. Eine Übernahme des amerikanischen Truck-Herstellers mit eigenen Aktien und Geld aus dem Börsengang ist für Traton verlockend. Die Chance gibt es: Finanzinvestor Carl Icahn hält über 16 Prozent. Mit einem Kauf könnte Traton auch ohne weitere Übernahme den Einfluss deutlich vergrößern. "Der US-Markt wird zu einem erheblichen Teil von wenigen europäischen Herstellern kontrolliert. Die Chancen, über Akquisitionen den Einfluss in Amerika zu erhöhen, sind rar", sagt Romed Kelp, Experte der Strategieberatung Oliver Wyman.

In China hält Traton 25 Prozent an Sinotruck. Das könnte Renschler nutzen, um in einem ersten Schritt mehr Motoren nach China zu verkaufen. Auch Rivale Daimler ist dort schon länger vor Ort. Keine Frage: Das Rennen zwischen den Bayern und den Schwaben hat gerade erst begonnen.

Nr. 1: Daimler fährt weltweit an der Spitze der Branche. 2017 verkauften die Stuttgarter 304.322 Lkw

Nr. 2: mit 267.743 Lkw ab sechs Tonnen Leergewicht ist FAW aus China

Nr. 3: ist Chinas Dongfeng mit einem Absatz von 266.281 Brummis. Europas Peugeot-Citroën (PSA) ist beteiligt

Nr. 4: ist die chinesische Sinotruck mit 192.366 verkauften Lastern, VW-Tochter MAN hält 25 Prozent der Anteile

Nr. 5: ist die indische Tata Group mit 164.266 Verkäufen weltweit. Für Tata waren Lateinamerika, Südostasien und Russland lange Zeit wichtiger als China

Nr. 6: ist Volvo Trucks mit 164.041 abgesetzten Lkw. Miteigentümer ist der Autokonzern Geely, Besitzer von Volvo Cars und Großaktionär bei Daimler

Investor-Info

Volkswagen
Frische Kursfantasie

Mit 24 Milliarden Euro lieferte Traton, die Sparte Trucks und Busse, nur ein Zehntel der 230,7 Milliarden Euro Gesamtumsatz des Konzerns. Die Autosparte ist durch die Folgen von Dieselgate, einschließlich der Verzögerung durch das WLTP-Abgasmessverfahren bei Neuwagen, belastet. Beim Nettogewinn erwarten Analysten für das laufende Jahr über zwölf Prozent Rückgang. Die Aussicht auf Tratons IPO im nächsten Jahr sollte den Aktienkurs mittelfristig jedoch beflügeln.

Daimler
Trucks in der Spur

Seine Sparte brauche mehr Ertrag, mahnte Daimler-Truck-Chef Martin Daum im Sommer. Für ihn läuft es gut. Während das größere Pkw-Segment vom technologischen Wandel, der Regulierung und Rückrufen gebremst wird, profitiert die Truck-Sparte vom starken US-Markt. Bei der Rendite ist man vom Zielwert weit entfernt. Daimlers Nettogewinn soll nach Einschätzung von Analysten 2018 um knapp 15 Prozent schrumpfen. Damit besteht derzeit das akute Risiko einer Prognosesenkung. Auf Stoppkurs achten.

Navistar International
Im Visier von Traton

Die Nummer 4 im US-Markt hatte dort 2017 rund 11,4 Prozent der Anteile. Unterstützt vom Wirtschaftswachstum brummt das Lkw-Geschäft in den USA auch in diesem Jahr. Analysten erwarten deshalb ein Fünftel mehr Umsatz, knapp 10,3 Milliarden Dollar, und eine von 6,8 auf 7,8 Prozent verbesserte Ebit-Marge bei Navistar. Experten halten es für wahrscheinlich, dass VW seinen Anteil von knapp 17 Prozent klar erhöhen oder Navistar übernehmen wird. Aktie mit Fantasie.




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Bildquellen: Volvo Truck Corporation, Daimler Trucks, Volvo Trucks
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