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02.11.2015 16:49
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ROUNDUP: Gutachten: VW-Kunden müssen Folgekosten zahlen - Rückruf ab Januar

WOLFSBURG/FLENSBURG (dpa-AFX) - Der Abgas-Skandal droht den betroffenen VW-Kunden nach Einschätzung von Verbraucherschützern direkt ans Portemonnaie zu gehen. So besagt ein Rechtsgutachten im Auftrag des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen (vzbv), dass Volkswagen (Volkswagen vz) nach aktueller Rechtslage nicht verpflichtet ist, sämtliche Kosten für die Folgen der bevorstehenden Rückrufe zu tragen. Dazu zählten etwa ein Ersatzwagen während der Reparatur, Verdienstausfall oder Mängel im Anschluss an die Nachbesserungen in den Werkstätten. Die Aktion kann nach Auffassung des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) im Januar starten.

Wie der vzbv am Montag in Berlin mitteilte, deutet sich an, dass ein erhöhter Spritverbrauch, Leistungsabfall oder schwindender Wiederverkaufswert infolge der Nachbesserung das Problem der Halter wäre. "Verbraucher dürfen nicht auf dem Schaden sitzen bleiben, den ihnen Volkswagen beschert hat", forderte der Verband. Kritisch ist es laut dem Gutachten auch, dass bereits nach zwei Jahren Gewährleistungsansprüche gegen Autohändler verjährten. Diese Frist ist für viele betroffene VW-Kunden schon abgelaufen.

Für weiterreichende Schadenersatz-Ansprüche müssten die Verbraucher in Vorleistung gehen und den Nachweis führen, dass VW beispielsweise betrogen oder vorsätzlich Kunden getäuscht hat. "Diesen Nachweis zu erbringen, wird für Verbraucher schwierig, weil sie keinen Einblick in interne Vorgänge des Unternehmens haben", erklärte der Verband.

Die Rückrufaktion für 2,4 Millionen Diesel in Deutschland beginnt im Januar. Das KBA habe den geforderten Maßnahmen- und Zeitplan nun bewertet und für tragfähig erachtet, sagte ein Behördensprecher der Deutschen Presse-Agentur. Los gehen könne es mit den Zwei-Liter-Fahrzeugen. VW hatte mit einem Computerprogramm die Abgaswerte bei Dieselwagen manipuliert. Deshalb müssen die betroffenen Fahrzeuge nach und nach in die Werkstätten. Es sei eine große logistische Herausforderung zu bewältigen, hieß es beim KBA.

Die Verbraucherschützer forderten unterdessen die Politik auf, über die Flensburger Behörde anzuordnen, dass VW alle Folgekosten tragen muss. Das KBA überwacht den Rückruf. Die Nachbesserungen sind laut Volkswagen "kostenlos für unsere Kunden". Details - etwa zum Thema Ersatzfahrzeuge - sind allerdings noch unklar.

Am Freitag hatte eine juristische Expertise der Wissenschaftlichen Dienste im Bundestag ergeben, dass betroffene Kunden unter Umständen weitreichende Rechte haben, wenn die Autos nach der Nachbesserung mehr verbrauchen oder "reduzierte Fahrleistungen" aufweisen. Dann hätten Halter zumindest im Rahmen der Garantiefrist das Recht, vom Vertrag zurückzutreten oder Geld zurückzufordern.

Schon ein erhöhter Verbrauch von drei Prozent könne einen Sachmangel bedeuten. Ab zehn Prozent komme eine "erhebliche Pflichtverletzung" infrage, die dann sogar zum Rücktritt vom Kauf berechtige.

Die Affäre könnte mit Blick auf VW die Gewichte im konzerninternen Wettstreit der Schwestermarken VW-Pkw und Skoda verschieben. Denn das Diesel-Debakel dürfte vor allem am Image der VW-Kernmarke mit Golf und Passat kratzen, da die Affäre "im Kundenbewusstsein direkt mit der Marke VW in Zusammenhang gebracht wird", schrieben die Autoexperten der Uni Duisburg-Essen am Montag.

Dieser Negativeffekt gelte weniger für die VW-Töchter Audi, Seat und Skoda - obwohl diese ebenfalls, wenn auch weit geringer, von dem Anfang 2016 bevorstehenden Rückruf betroffenen sind. "Ein Effekt des VW-Skandals wird damit auch die weitere Stärkung der Marke Skoda gegenüber der Marke VW sein", heißt es in der Studienreihe, die seit Jahren jeden Monat das Rabattniveau der großen Marken analysiert.

Skoda gilt noch vor Seat als größter konzerninterner Konkurrent für die Hauptmarke mit dem VW-Logo. Dabei war Skoda der zuletzt deutlich bessere Gewinnbringer: Die Renditekraft der Marke mit dem geflügelten Pfeil lag in den ersten neun Monaten 2015 fast dreimal so hoch wie die der Kernmarke. VW-Pkw tritt jedoch auch stark in Vorleistung für die Schwestermarken, etwa in der Forschung und Entwicklung.

Der neue Skoda-Chef Bernhard Maier startete am Montag seine Führungsaufgabe bei der tschechischen VW-Tochter mit einem Lob für die Autobauer-Tradition des Nachbarlandes. "Dieses Unternehmen repräsentiert in herausragender Weise die Bedeutung Tschechiens und Böhmens als eine der Wiegen des Automobilbaus in Europa", sagte der 55-Jährige. Die Skoda-Wurzeln reichen bis ins 19. Jahrhundert. Maier hatte zuvor als Vertriebschef bei Porsche gearbeitet. Er folgt auf Winfried Vahland, der den VW-Konzern auf eigenen Wunsch verließ./loh/wsz/jap/DP/edh

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