Carl Zeiss Meditec-Aktie gibt ab: Rote Zahlen zum Jahresstart

Der Medizintechnikkonzern Carl Zeiss Meditec ist im ersten Quartal unter anderem wegen Problemen in China in die roten Zahlen gerutscht.
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Als Konsequenz will der Augenheilkundespezialist nun mehr Produktion in die Volksrepublik verlagern. "Um weiter am großen chinesischen Markt partizipieren zu können, müssen wir mehr Wertschöpfung dorthin verlegen", sagte Finanzvorstand Justus Felix Wehmer am Donnerstag im Gespräch mit der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. "Wir können nicht ausschließen, dass das Auswirkungen auf Standorte woanders in der Welt, und sicherlich auch Deutschland, haben kann." Im XETRA-Handel am Donnerstag verliert die Carl Zeiss-Aktie zeitweise 3,91 Prozent auf 26,06 Euro.
Für genauere Aussagen, etwa auch zu einem möglichen Stellenabbau, sei es derzeit noch zu früh, ergänzte Wehmer. "Das muss erst einmal durch die zuständigen Gremien." Auch die bereits im Januar ausgesetzte Prognose für das noch bis Ende September laufende Geschäftsjahr liegt vorerst weiter auf Halde.
Im ersten Geschäftsquartal (bis Ende Dezember) hatte das Unternehmen unter dem Strich 4,9 Millionen Euro Verlust verbucht, nach einem Gewinn von 15,7 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Wie bereits bekannt brach das operative Ergebnis (Ebita) um fast 80 Prozent auf gut 8 Millionen Euro ein. Grund war neben negativen Währungseffekten und höheren Abschreibungen auch das schwierige China-Geschäft.
Das Unternehmen steht in China laut Aussage des Finanzvorstands erheblich unter Druck, zu reagieren. Dort änderten sich derzeit immer schneller die Spielregeln, erläuterte der Manager. Die Regierung in Peking versuche in immer stärkerem Umfang, den chinesischen Markt durch Schutzmaßnahmen nach außen hin abzuschotten. Auch habe Carl Zeiss Meditec verschärfte Auflagen erheblich zu spüren bekommen, die als Reaktion auf EU-Strafzölle für chinesische Elektroautos eingeführt worden waren. Problematisch sei zudem die generell schwache Wirtschaftslage in China und die anhaltende Kaufzurückhaltung.
Ein Rückzug aus China steht für Carl Zeiss Meditec gleichwohl außer Frage. Für das Jenaer Unternehmen, das neben künstlichen Linsen (Intraokularlinsen) auch Instrumente für die Augenuntersuchung sowie Operationsmikroskope und medizinische Laser herstellt, ist das Land mit einem Umsatzanteil von einem Viertel der wichtigste Markt. "China ist der weltweit größte Markt für die Augenheilkunde. Als führendes Unternehmen im Bereich der Ophtalmologie ist es schlechterdings nicht vorstellbar, dort keinen Zugang zu haben", betonte Wehmer.
Carl Zeiss Meditec verfügt aktuell über zwei eigene Produktionsstandorte in der Volksrepublik in Guangzhou und Suzhou.
Über die Verlagerungen von Produktion hinaus kündigte das ostdeutsche Unternehmen die Neuausrichtung seiner Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten an. Hinzu kämen weitere Effizienzmaßnahmen; dabei gehe es darum, sich alle Prozesse im Konzern genauer anzuschauen, eventuell zu vereinheitlichen und zu standardisieren, um Kosten zu sparen, erläuterte Wehmer. "Ich will da gar keine Funktion besonders hervorheben, aber auch keine ausnehmen."
Die aktualisierten Ziele für das Jahr soll es weiterhin spätestens bis zur Halbjahresbilanz am 12. Mai geben, bekräftigte der Finanzvorstand. "Bis dahin haben wir mehr Klarheit." Offen ist bislang unter anderem der Ausgang einer wichtigen landesweiten Ausschreibung in China, bei der der Konzern sich mit einer teuren Premiumlinse bewirbt. Das Geschäft wäre bei einem Zuschlag einträglich. Doch erst seit Kurzem ist den Jenaern bekannt, dass sie gegen zwei lokale Anbieter antreten. Heimische Unternehmen werden mittlerweile bei der Vergabe oft bevorzugt.
Zudem liegt laut Wehmer für eine weitere Linse in China bislang nur die Zulassung in mündlicher Form vor. Abzuwarten bleibe auch die Nachfrage rund um das chinesische Neujahrsfest sowie die weitere Entwicklung der US-Zölle.
/tav/stk
JENA (dpa-AFX)
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