Rheinmetall-Aktie in Rot: Umsatz und Gewinn gestiegen - Durchwachsene Prognose - Dividende überraschend hoch

Die hohe Nachfrage nach Wehrtechnik hat Rheinmetall vergangenes Jahr ein hohes Umsatzplus beschert.
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Angetrieben von seinen jüngsten Zukäufen will Rheinmetall im laufenden Jahr weiter kräftig wachsen. Zudem kann sich Deutschlands größter Rüstungskonzern angesichts der Aufrüstung der Nato-Staaten vor Aufträgen kaum retten. Im vergangenen Jahr hat Rheinmetall allerdings nur das untere Ende seiner Prognosen erreicht. Dafür können sich die Aktionäre über eine unerwartet hohe Dividende freuen. "Wir werden gebraucht, wenn es darum geht, die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands und Europas zu erhöhen", sagte Konzernchef Armin Papperger am Mittwoch laut Mitteilung. Rheinmetall werde einen bedeutenden Anteil an den steigenden Rüstungsausgaben haben. So soll der Umsatz in diesem Jahr um 40 bis 45 Prozent auf 14 bis 14,5 Milliarden Euro nach oben klettern. Das organische Wachstum ohne Übernahmen soll bei 28 bis 31 Prozent liegen. Die operative Ergebnismarge erwartet Papperger bei rund 19 Prozent.
Dabei kann sich Rheinmetall auf eine hohe Nachfrage stützen: Ende Dezember betrug der Backlog 63,8 Milliarden Euro. In diesem Orderbestand sind verbindliche Aufträge und Rahmenverträge inkludiert. Damit waren die Auftragsbücher so voll wie nie zuvor. Die sogenannte Nomination stieg im vergangenen Jahr um knapp 9 Prozent auf 26,4 Milliarden Euro. Diese Kennziffer umfasst neben dem klassischen Auftragseingang unter anderem das Volumen aus neu abgeschlossenen Rahmenverträgen. Der Backlog soll sich in diesem Jahr mehr als verdoppeln.
Kleinere Verzögerungen auf Kundenseite seien dabei weiterhin zu spüren, erklärte Rheinmetall-Chef Papperger in einem Gespräch mit Analysten. 2025 hatte der Regierungswechsel in Berlin zeitweise sogar für einen Auftragsstau gesorgt. Die Bundeswehr ist ein wichtiger Kunde für den Rüstungskonzern.
Rheinmetall konzentriert sich künftig komplett auf das Rüstungsgeschäft und möchte sich, wie bereits bekannt, von seiner Autozuliefersparte trennen - diese hat das Unternehmen deshalb als nicht fortgeführtes Geschäft in der Bilanz ausgeklammert. Gleichzeitig wagt sich der Konzern neben den bisherigen Domänen Land und Luft durch die Übernahme des Marineschiffbauers NVL und ein Gemeinschaftsunternehmen rund um Satelliten nun auch in den maritimen Bereich sowie den Weltraum.
Laut Papperger zahlt sich die Entwicklung zum umfassenden Systemhaus im Rüstungsbereich schon heute aus. Nicht zuletzt dank hoher Vorauszahlungen von Kunden und einem in der Folge stark gestiegenen freien Barmittelzufluss hält der Manager außerdem weitere Zukäufe für gut möglich.
Mit Blick auf das fortgeführte Geschäft ohne die Autozulieferung stieg der Umsatz im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2024 um 29 Prozent auf 9,94 Milliarden Euro. Zuletzt hatte Rheinmetall jedoch ein Wachstum zwischen 30 und 35 Prozent angepeilt. Das operative Ergebnis verbesserte sich um ein Drittel auf 1,84 Milliarden Euro. Die entsprechende Marge lag in der Folge bei 18,5 Prozent. Hier hatte der Rüstungskonzern 18,5 bis 19 Prozent auf dem Zettel.
Unter dem Strich entfiel auf die Aktionäre vor allem wegen höherer Verluste aus nicht fortgeführten Geschäften ein niedrigerer Gewinn von 696 Millionen Euro nach 717 Millionen Euro ein Jahr zuvor.
Die Aktionäre sollen für das abgelaufene Geschäftsjahr eine Dividende von 11,50 Euro je Aktie erhalten. Das ist deutlich mehr, als Analysten erwartet hatten. Fürs Vorjahr wurden 8,10 Euro je Anteilsschein ausgeschüttet.
Der Verkauf des Geschäfts rund um die Autozulieferung zieht sich derweil länger hin als erhofft. Rheinmetall peilt für eine Vertragsunterzeichnung spätestens das dritte Quartal an. Im vergangenen Dezember zeigte sich der Rüstungskonzern noch optimistisch, bereits im ersten Quartal Nägel mit Köpfen machen zu können. Damals hieß es, dass mit zwei Bietern verhandelt wird. Man stehe mittlerweile kurz vor der Entscheidung für einen der beiden, sagte Konzernchef Papperger bei einer Pressekonferenz. Die Sparte ist für Rheinmetall ein Klotz am Bein: Der Umsatz sank im vergangenen Jahr um fast 13 Prozent, die operative Ergebnismarge betrug nur 3 Prozent.
Im Rüstungsgeschäft rechnet Rheinmetall dagegen auch längerfristig mit glänzenden Aussichten. Die Düsseldorfer bestätigten ihre Mittelfristziele und wollen den Umsatz bis 2030 auf rund 50 Milliarden Euro in etwa verfünffachen. Die operative Marge soll dann bei mehr als 20 Prozent liegen. Parallel soll die Beschäftigtenzahl auf 70.000 mehr als verdoppelt werden.
Neben dem massiven Rückenwind durch den Ukraine-Krieg profitiert Rheinmetall auch von der Eskalation im Iran. Der Rüstungskonzern versorgt die USA und dessen Verbündete unter anderem mit Raketen und Luftverteidigungssystemen. Papperger sprach von einem erheblichen Wachstumsschub durch den Konflikt. "Die Telefone standen übers Wochenende nicht still, man will unsere Systeme", sagte der Konzernchef.
So bewegt sich die Rheinmetall-Aktie
p> Hinter den Erwartungen zurückgebliebene Jahreszahlen sowie ein leicht enttäuschender Ausblick auf 2026 haben am Mittwoch die zuletzt erholten Aktien von Rheinmetall belastet. Die Aktie des Rüstungsunternehmens sackte im schwächelnden DAX via XETRA letztlich um 8,02 Prozent auf 1.520,50 Euro ab und zählte damit zu den Schlusslichtern im Leitindex.Selbst mit einem zeitweiligen Verlust von etwas mehr als 6 Prozent blieb das Papier aber immer noch über seinem Zwischentief von 1.546,50 Euro aus der vergangenen Woche und hält sich seit Ausbruch des Iran-Kriegs im Vergleich zum Gesamtmarkt stabil. Die Gewinne im bisherigen Jahresverlauf allerdings haben sich aufgelöst.
Allgemein verwiesen Analysten wie etwa DZ-Bank-Experte Holger Schmidt darauf, dass Rheinmetall 2025 zwar ein starkes Umsatz- und Ergebniswachstum verbucht habe, trotzdem aber hinter den durchschnittlichen Analystenschätzungen (Konsens) zurückgeblieben sei. So sei der Konzernumsatz um 29 Prozent im Jahresvergleich gestiegen, doch der Konsens und seine Schätzung hätten etwas mehr erwartet. Ähnlich verhalte es sich mit dem operativen Ergebnis (Ebit).
Adrien Rabier von Bernstein Research rückte die Jahresziele für 2026 in den Blick. Er erinnerte daran, dass Rheinmetall bereits im Februar eine schwache Indikation gegeben hatte und schrieb, dass dies denn auch der Grund gewesen sei, warum die Aktie nach einem sehr starken Jahresstart geschwächelt hatte. Nun aber habe Rheinmetall "eine neue, klare Prognose veröffentlicht, die die neuen Geschäftsbereiche Luftverteidigung, Digital und Marine einbezieht, das zivile Automobil-Geschäft Power Systems nicht mehr beinhaltet und die Auswirkungen der Konsolidierung berücksichtigt".
Rabier rechnet daher mit einer größeren Transparenz und Sicht in die Zukunft. Alles in allem sei der heutige Bericht nicht sonderlich spannend, aber er "verbessert die Ausgangslage für die Aktie taktisch und dürfte dazu beitragen, die Bedenken der Anleger zu zerstreuen". Obendrein bleiben laut Analyst George McWhirter von der Berenberg Bank die mittelfristigen Aussichten "aufgrund zusätzlicher Impulse durch eine Dynamisierung der Auftragschancen im Bereich Luftverteidigung unverändert stark".
Und David Perry von JPMorgan beschäftigte sich nicht zuletzt auch mit dem Investoren-Fokus: "Die Einschätzung zu Rheinmetall hat sich in den vergangenen Monaten geändert. Zwischen 2022 und 2025 lag der Schwerpunkt auf dem enormen Aufwärtspotenzial, da Deutschland aufrüstet. Heute konzentrieren sich die Anleger dagegen voll und ganz auf die Umsetzung und die Fähigkeit des Konzerns, einen überzeugenden Auftragsbestand in Umsatz und operatives Ergebnis im Einklang mit den Markterwartungen umzuwandeln."
Wenn ihm zufolge das Management die Anleger nun davon überzeugen könne, dass die Prognose für 2026 nach der Kurskorrektur im vergangenen Monat robust sei, wäre "ein attraktiver Einstiegspunkt da".
dpa-AFX
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