finanzen.net
02.06.2020 17:53

Volkswagen-Aktie dennoch im Plus: VW unterliegt in 'Dieselgate'-Streit vor US-Berufungsgericht

Strafen zulässig: Volkswagen-Aktie dennoch im Plus: VW unterliegt in 'Dieselgate'-Streit vor US-Berufungsgericht | Nachricht | finanzen.net
Strafen zulässig
Folgen
Volkswagen muss in der "Dieselgate"-Affäre weitere empfindliche Bußgelder in den USA fürchten.
Werbung
Ein Berufungsgericht entschied am Montag (Ortszeit), dass trotz bereits geschlossener Vergleiche zusätzliche Strafen zweier Bezirke der Bundesstaaten Florida und Utah zulässig seien. Obwohl VW wegen Dieselautos mit manipulierter Abgastechnik bereits für Verstöße gegen das landesweite US-Luftreinhaltegesetz "Clean Air Act" zur Rechenschaft gezogen wurde, dürfen regionale Behörden demnach weiter Sanktionen verhängen. Das könnte die Tür für erneute hohe Strafzahlungen öffnen.

Die Richter erklärten, sie seien sich im Klaren darüber, dass ihre Entscheidung zu "atemberaubenden Belastungen" führen könne. VW wies in einer Stellungnahme darauf hin, dass das Gericht mit seiner Linie im Konflikt zu anderer US-Rechtsprechung stehe. Das Unternehmen kündigte an, sich energisch verteidigen und den Fall notfalls bis zum Obersten US-Gerichtshof bringen zu wollen. VW hatte im September 2015 Abgasmanipulationen in großem Stil eingeräumt. Für den Skandal verbuchte der Konzern bereits Kosten in Höhe von 31,3 Milliarden Euro - der größte Teil davon entfiel auf Strafen und Entschädigungen in den USA.

Volkswagen war in der "Dieselgate"-Affäre wegen umweltrechtlicher Verstöße von den Bezirken Salt Lake County in Utah und Hillsborough County in Florida verklagt worden. Sollte der Richterspruch letztlich rechtskräftig werden, könnten die Bezirke theoretisch Schadenersatz in Milliardenhöhe von dem Autohersteller fordern. Laut US-Richter Charles Breyer, der 2018 in erster Instanz zugunsten von VW entschieden hatte, könnten sich die Belastungen für das Unternehmen auf Basis der regionalen Bußgeldkataloge in den beiden Bezirken potenziell auf bis zu 11,2 Milliarden Dollar pro Jahr belaufen.

Die VW-Vorzugsaktie zeigte sich nicht nennenswert unter Druck durch den drohenden neuen Rechtsärger. Im Gegenteil, das Papier legte am Dienstagmittag mit dem starken europäischen Autosektor um über 6 Prozent auf 140,70 Euro zu. Bei den Werten aus der vom Coronavirus geplagten Autoindustrie setzen Anleger auf spürbare Besserung, weil sie dank der internationalen Lockerungen und staatlicher Fördermaßnahmen auf eine sich erholende Konjunktur hoffen. Ebenso spekulieren Investoren derzeit wohl auch auf eine neue Autokaufprämie als Teil eines Konjunkturpakets, das die Spitzen der schwarz-roten Koalition an diesem Dienstag zur Bewältigung der Corona-Krise beschließen wollen.

Die US-Klagen beziehen sich nicht nur auf die US-Tochterfirma der Marke VW, sondern auch auf die der zum Konzern gehörenden Hersteller AUDI und Porsche, bei denen ebenfalls mit Hilfe einer speziellen Abschalteinrichtung ("Defeat Device") gezielt Abgaswerte manipuliert wurden, damit sie auf dem Prüfstand niedrig erschienen. Zudem befindet sich unter den von den US-Bezirken Beschuldigten der deutsche Zulieferer Bosch, der die Manipulationssoftware geliefert haben soll und sich ebenfalls schon mit US-Klägern auf teure Vergleiche geeinigt hatte.

Für VW galt die Abgasaffäre in den USA - abgesehen von einem anhaltenden Konflikt mit der Börsenaufsicht SEC - eigentlich längst als abgehakt. Der Konzern gab dort vor Gericht ein Schuldgeständnis ab und wurde nicht nur zivilrechtlich mit enormen Sanktionen belegt, sondern zahlte auch eine Milliardenstrafe wegen strafrechtlicher Vergehen. Gegen mehrere mutmaßlich Verantwortliche - darunter Ex-Konzernchef Martin Winterkorn - liegen Strafanzeigen und Haftbefehle der US-Justizbehörden vor. Zwei frühere VW-Mitarbeiter wurden bereits zu jahrelangen Haft- und hohen Geldstrafen verurteilt.

Für den Wolfsburger Konzern ist das Problem "Diesel" auch nach fast fünf Jahren noch immer nicht abgeschlossen. Kürzlich erst hatte der Bundesgerichtshof in Karlsruhe erstmals in höchstrichterlicher Instanz entschieden, dass VW die strittige Abgastechnik sittenwidrig in seinen Fahrzeugen verbaut hatte und die Käufer auch in Deutschland Schadenersatz einfordern können. Das Urteil ist wegweisend für viele Tausend noch laufende Einzelklagen. Nach VW-Angaben sind bundesweit noch rund 60 000 Verfahren offen.

Zuvor hatte VW einen Vergleich im Rahmen einer großen Musterfeststellungsklage mit rund 240 000 Diesel-Besitzern ausgehandelt, wofür rund 750 Millionen Euro fließen sollten. In vielen Einzelverfahren hat das Unternehmen sich bereits mit Kunden außergerichtlich geeinigt.

Außerdem zahlt der Konzern auch für seine wichtigsten Manager. Mit einem Betrag von 9 Millionen Euro wird ein möglicher öffentlicher Prozess um den Vorwurf der Marktmanipulation gegen Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch und Vorstandschef Herbert Diess aus dem Weg geräumt. Auch das Verfahren gegen den über den Dieselskandal gestürzten Ex-Konzernchef Winterkorn wackelt.

Allerdings muss sich VW noch in der laufenden Anlegerklage nach dem Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz (KapMuG) rechtfertigen, in der Investoren wegen des im September 2015 eingebrochenen Aktienkurses auf Wiedergutmachung pochen. Den Vorwurf, die Kapitalmärkte seien zu spät über das finanzielle Ausmaß des in den USA aufgeflogenen Betrugs informiert worden, weist VW zurück.

Die VW-Aktie verteuerte sich via XETRA am Dienstag um 5,74 Prozent auf 140,10 Euro.

/hbr/DP/zb

ANCHORAGE (dpa-AFX)

Werbung

Aktuelle Zertifikate von

NameTypWKNHebel
Mini Future Long auf Volkswagen VzJC23Z6
Open End Turbo Put Optionsschein auf Volkswagen VzJM73V5
Den Basisprospekt sowie die endgültigen Bedingungen und die Basisinformationsblätter erhalten Sie hier: JC23Z6, JM73V5. Beachten Sie auch die weiteren Hinweise** zu dieser Werbung.
Bildquellen: FotograFFF / Shutterstock.com

Nachrichten zu Volkswagen (VW) AG Vz.

  • Relevant
    5
  • Alle
    +
  • vom Unternehmen
  • Peer Group
  • ?

Um Ihnen die Übersicht über die große Anzahl an Nachrichten, die jeden Tag für ein Unternehmen erscheinen, etwas zu erleichtern, haben wir den Nachrichtenfeed in folgende Kategorien aufgeteilt:

Relevant: Nachrichten von ausgesuchten Quellen, die sich im Speziellen mit diesem Unternehmen befassen

Alle: Alle Nachrichten, die dieses Unternehmen betreffen. Z.B. auch Marktberichte die außerdem auch andere Unternehmen betreffen

vom Unternehmen: Nachrichten und Adhoc-Meldungen, die vom Unternehmen selbst veröffentlicht werden

Peer Group: Nachrichten von Unternehmen, die zur Peer Group gehören

Analysen zu Volkswagen (VW) AG Vz.

  • Alle
  • Buy
  • Hold
  • Sell
  • ?
30.06.2020Volkswagen (VW) vz buyGoldman Sachs Group Inc.
30.06.2020Volkswagen (VW) vz buyUBS AG
29.06.2020Volkswagen (VW) vz overweightJP Morgan Chase & Co.
26.06.2020Volkswagen (VW) vz buyWarburg Research
25.06.2020Volkswagen (VW) vz overweightJP Morgan Chase & Co.
30.06.2020Volkswagen (VW) vz buyGoldman Sachs Group Inc.
30.06.2020Volkswagen (VW) vz buyUBS AG
29.06.2020Volkswagen (VW) vz overweightJP Morgan Chase & Co.
26.06.2020Volkswagen (VW) vz buyWarburg Research
25.06.2020Volkswagen (VW) vz overweightJP Morgan Chase & Co.
18.06.2020Volkswagen (VW) vz HoldJefferies & Company Inc.
16.06.2020Volkswagen (VW) vz NeutralMerrill Lynch & Co., Inc.
27.05.2020Volkswagen (VW) vz HaltenIndependent Research GmbH
15.05.2020Volkswagen (VW) vz HaltenNorddeutsche Landesbank (Nord/LB)
30.04.2020Volkswagen (VW) vz HaltenIndependent Research GmbH

Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für Volkswagen (VW) AG Vz. nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen

Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"

Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"

Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"
mehr Analysen
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung
Börse Stuttgart Anlegerclub

Die richtige Strategie für die Börsenkrise

Stecken Sie nicht den Sand in den Kopf, sondern kaufen Sie die richtigen Aktien. Erfahren Sie im aktuellen Anlegermagazin mehr über attraktive Qualitätsaktien und zyklische Aktien
Kostenfrei registrieren und lesen!

Heute im Fokus

DAX beendet den Handel mit kräftigen Gewinnen -- Erholung am US-Arbeitsmarkt übertrifft Erwartungen -- Softbank beendet Partnerschaft mit Wirecard -- Tesla, JENOPTIK, BMW, Zalando, Bayer im Fokus

Airbus setzt Regierungen wegen Stellenstreichungen unter Druck. Übernahme von Fitbit durch Google besorgt Verbraucherschützer. Facebook verstößt gegen selbst gesetzte Datenschutz-Auflage. Boeing und FAA schließen Zertifizierungsflüge für Krisenjet 737 Max. Apple muss in den USA wegen Corona wieder Läden schließen. LANXESS bekräftigt Dividendenvorschlag. Fraport will Landegebühren wegen Corona-Krise nicht senken.

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Das sind 2020 die 10 bestbezahlten Prominenten der Welt
Welcher Promi macht das Rennen?
DAX 30: Die Gewinner und Verlierer im Mai 2020
Welche Aktie macht das Rennen?
Diese Aktien hat Warren Buffett im Depot (Q1 2020)
Die Änderungen unter den Top-Positionen
Das sind die besten Renten-Länder
In welchen Ländern lohnt es sich, zur Ruhe zu setzen?
Welche Marken sind vorne mit dabei?
BrandZ-Ranking: Das sind die wertvollsten deutschen Marken
mehr Top Rankings

Umfrage

Wie gehen Sie angesichts der ausgesprochen volatilen Börsen in diesem Sommer mit Ihrem Depot um?

Online Brokerage über finanzen.net

finanzen.net Brokerage
Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade aus der Informationswelt von finanzen.net!

ETF-Sparplan

Oskar ist der einfache und intelligente ETF-Sparplan. Er übernimmt die ETF-Auswahl, ist steuersmart, transparent und kostengünstig.
Zur klassischen Ansicht wechseln
Kontakt - Impressum - Werben - Pressemehr anzeigen
Top News
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Bitcoin
Goldpreis
Meistgesucht
Wirecard AG747206
BioNTech SE (spons. ADRs)A2PSR2
Ballard Power Inc.A0RENB
TeslaA1CX3T
NEL ASAA0B733
Lufthansa AG823212
Plug Power Inc.A1JA81
Deutsche Bank AG514000
Daimler AG710000
TUITUAG00
Amazon906866
BayerBAY001
Airbus SE (ex EADS)938914
BASFBASF11
Deutsche Telekom AG555750