finanzen.net
03.12.2019 22:20
Bewerten
(0)

thyssenkrupp-Aktie schwächer: Stahlarbeiter demonstrieren: thyssenkrupp braucht Zukunftskonzept

Vertrag läuft aus: thyssenkrupp-Aktie schwächer: Stahlarbeiter demonstrieren: thyssenkrupp braucht Zukunftskonzept | Nachricht | finanzen.net
Vertrag läuft aus
Bei den Stahlarbeitern von thyssenkrupp wächst die Wut. Vor einer Aufsichtsratssitzung der Stahlsparte des angeschlagenen Industriekonzerns machten sie am Dienstag ihrem Unmut lautstark Luft und forderten den Erhalt ihrer Arbeitsplätze.
thyssenkrupp will bis zu 2000 der insgesamt 27 000 Arbeitsplätze beim Stahl abbauen. Ein Tarifvertrag, der betriebsbedingte Kündigungen ausschließt, läuft Ende des Jahres aus. Nach Angaben der IG Metall waren 6000 Mitarbeiter vor das Verwaltungsgebäude von thyssenkrupp Steel in Duisburg gezogen.

Der Vorstand der Stahlsparte wollte in der Aufsichtsratssitzung sein Konzept für die Zukunft des größten deutschen Stahlproduzenten vorstellen. Die Arbeitnehmervertreter fordern, dass der Kündigungsschutz verlängert wird. thyssenkrupp mit weltweit 162 000 Mitarbeitern hatte bereits den konzernweiten Abbau von 6000 Arbeitsplätzen angekündigt.

Der Ruhrkonzern steckt seit langem in der Krise und schreibt rote Zahlen. Zuletzt musste er sogar den führenden Börsenindex DAX verlassen. Auch die Stahlsparte steht unter Druck, weil die geplante Stahlfusion mit dem europäischen Zweig des indischen Stahlkonzerns Tata von der EU untersagt worden war. Der Bau von zwei Stahlwerken vor über zehn Jahren in Brasilien und den USA hatte den Konzern an den Rand des Ruins gebracht und belastet ihn noch heute.

Redner von IG Metall und Betriebsrat warfen dem Management vor, mit Blick auf die Fusion jahrelang notwendige Investitionen in den Stahl unterlassen zu haben. "Der Stahlbereich ist durch fehlende Investitionen der letzten Jahre regelrecht ausgehungert", sagte der frühere IG-Metall-Vorsitzende Detlef Wetzel, der stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender bei thyssenkrupp Steel ist. Das Unternehmen erklärte, angesichts der wirtschaftlichen Situation sei der finanzielle Spielraum begrenzt. Für den Stahlbereich seien aber bereits Investitionen von 570 Millionen Euro jährlich geplant. Arbeitnehmervertreter hatten eine fast dreimal so hohe Summe gefordert.

Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von thyssenkrupp Steel, Tekin Nasikkol, machte die Führung des Konzerns für die Misere beim Stahl verantwortlich. "Dieser Konzern wurde von unfähigen Managern zugrunde gewirtschaftet", sagte er. Jahrelang seien die Stahlarbeiter als "Schmuddelkinder des Konzerns" behandelt worden. Sogar Reparaturen seien unterlassen oder nur notdürftig durchgeführt worden. Dabei habe der Stahl in den vergangenen zehn Jahren 3,5 Milliarden Euro an Gewinnen in die Konzernkasse überwiesen. "Jetzt ist es an der Zeit, dass dieses Geld wieder zurückfließt", forderte Nasikkol.

Zu der Kundgebung waren thyssenkrupp-Beschäftigte aus ganz Nordrhein-Westfalen nach Duisburg gekommen. Michael Faust war aus dem Siegerland angereist, wo er in einer Bandbeschichtungsanlage arbeitet. "Die Stimmung unter den Kollegen ist schlecht", berichtete er. "Vom Vorstand gibt es keine klaren Aussagen zur Zukunft." Jörg Jakob, der aus der Kokerei des Stahlwerks gekommen war, forderte: "Wir brauchen frisches Geld. Jahrelang hat es nur Sparprogramme gegeben."

Nach der Aufsichtsratssitzung teilte die IG Metall am Abend mit, das vom Vorstand vorgelegte Strategiepapier beinhalte "Investitionsplanungen in erheblichem Umfang, aber auch Restrukturierungsmaßnahmen". Gewerkschaft und Betriebsrat würden das Konzept jetzt prüfen. Dafür sei Zeit gewonnen, weil es die Zusage gebe, dass der Ende des Jahres auslaufende Kündigungsschutz um mindestens drei und maximal sechs Monate verlängert werde. Für die Gewerkschaft bleibe klar: "Am Ende darf der gesamte Prozess nicht zu betriebsbedingten Kündigungen führen", sagte der NRW-Bezirksleiter der IG Metall, Knut Giesler.

Die erst seit Anfang Oktober amtierende neue thyssenkrupp-Chefin Martina Merz muss einen Strategieschwenk beim Stahl einleiten. Das Joint Venture mit Tata sollte die Abhängigkeit des Konzerns vom konjunkturabhängigen Stahlgeschäft deutlich verringern. Jetzt könnte die Bedeutung des Stahls für den Konzern wieder wachsen - und das in schwierigen Zeiten. Allein bis Ende Oktober ist die Rohstahlproduktion in Deutschland nach Angaben des Branchenverbands um 4,6 Prozent gesunken. Hinzu kommt, dass der Klimaschutz immense Summen erfordert. thyssenkrupp kalkuliert mit Investitionen von rund 10 Milliarden Euro in den kommenden 30 Jahren.

Geld für den Umbau des Konzerns soll die profitable Aufzugssparte bringen. Ob dies über einen Börsengang, einen Komplett- oder einen Teilverkauf geschehen soll, ist nach Unternehmensangaben noch offen. Auch bei den Mitarbeitern des Aufzugsgeschäfts herrscht Verunsicherung. Sie haben für Mittwoch eine Kundgebung vor der Konzernzentrale in Essen angekündigt. Die Zeiten bei thyssenkrupp bleiben unruhig.

Die thyssenkrupp-Aktie verlor im Xetra-Geschäft am Dienstag 0,98 Prozent auf 11,13 Euro.

/hff/DP/fba

DUISBURG (dpa-AFX)
Bildquellen: thyssenkrupp AG, Quinta / Shutterstock.com

Nachrichten zu thyssenkrupp AG

  • Relevant
  • Alle
  • vom Unternehmen
  • Peer Group
  • ?

Um Ihnen die Übersicht über die große Anzahl an Nachrichten, die jeden Tag für ein Unternehmen erscheinen, etwas zu erleichtern, haben wir den Nachrichtenfeed in folgende Kategorien aufgeteilt:

Relevant: Nachrichten von ausgesuchten Quellen, die sich im Speziellen mit diesem Unternehmen befassen

Alle: Alle Nachrichten, die dieses Unternehmen betreffen. Z.B. auch Marktberichte die außerdem auch andere Unternehmen betreffen

vom Unternehmen: Nachrichten und Adhoc-Meldungen, die vom Unternehmen selbst veröffentlicht werden

Peer Group: Nachrichten von Unternehmen, die zur Peer Group gehören

Analysen zu thyssenkrupp AG

  • Alle
  • Buy
  • Hold
  • Sell
  • ?
05.12.2019thyssenkrupp buyKepler Cheuvreux
05.12.2019thyssenkrupp HoldBaader Bank
26.11.2019thyssenkrupp HaltenNorddeutsche Landesbank (Nord/LB)
25.11.2019thyssenkrupp buyJefferies & Company Inc.
22.11.2019thyssenkrupp HaltenDZ BANK
05.12.2019thyssenkrupp buyKepler Cheuvreux
25.11.2019thyssenkrupp buyJefferies & Company Inc.
21.11.2019thyssenkrupp buyKepler Cheuvreux
21.11.2019thyssenkrupp buyJefferies & Company Inc.
15.11.2019thyssenkrupp buyKepler Cheuvreux
05.12.2019thyssenkrupp HoldBaader Bank
26.11.2019thyssenkrupp HaltenNorddeutsche Landesbank (Nord/LB)
22.11.2019thyssenkrupp HaltenDZ BANK
22.11.2019thyssenkrupp HaltenDZ BANK
22.11.2019thyssenkrupp HoldBaader Bank
22.11.2019thyssenkrupp UnderperformCredit Suisse Group
11.11.2019thyssenkrupp UnderweightBarclays Capital
01.11.2019thyssenkrupp UnderweightBarclays Capital
09.10.2019thyssenkrupp UnderweightBarclays Capital
10.09.2019thyssenkrupp UnderperformCredit Suisse Group

Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für thyssenkrupp AG nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen

Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"

Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"

Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"
mehr Analysen
Werbung
Werbung
Börse Stuttgart Anlegerclub

Die richtige Strategie für die Börsenkrise

Stecken Sie nicht den Sand in den Kopf, sondern kaufen Sie die richtigen Aktien. Erfahren Sie im aktuellen Anlegermagazin mehr über attraktive Qualitätsaktien und zyklische Aktien
Kostenfrei registrieren und lesen!

Heute im Fokus

DAX schließt im Plus -- US-Handel endet fester -- Fed legt Zinspause ein -- Aramco feiert Mega-Börsengang -- Shortseller belasten Wirecard -- Chevron, BVB, HORNBACH, HSB im Fokus

Einigung gescheitert - USA stürzen WTO in größte Krise seit 25 Jahren. Daimler baut Antrieb für Elektroautos künftig in Stuttgart selbst. JPMorgan: HelloFresh nach kometenhaftem Aufstieg hoch bewertet. Bundesregierung will Thomas-Cook-Kunden finanziell helfen - Umsetzung unklar. Deliveroo-Investment von Amazon gerät in Fokus von Wettbewerbshütern.

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Die Performance der DAX 30-Werte im November 2019.
Welche Aktie macht das Rennen?
Die Performance der Rohstoffe in in KW 49 2019.
Welcher Rohstoff macht das Rennen?
Das hat sich geändert
Diese Aktien hat George Soros im Depot
Das sind die reichsten Länder Welt 2019
Deutschland gerade noch in den Top 20
Hohe Gehälter:
Welche Arbeitgeber am meisten zahlen
mehr Top Rankings

Umfrage

Was wünschen Sie sich von der Großen Koalition?

Online Brokerage über finanzen.net

finanzen.net Brokerage
Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade aus der Informationswelt von finanzen.net!

ETF-Sparplan

Oskar ist der einfache und intelligente ETF-Sparplan. Er übernimmt die ETF-Auswahl, ist steuersmart, transparent und kostengünstig.
Zur klassischen Ansicht wechseln
Kontakt - Impressum - Werben - Pressemehr anzeigen
Top News
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Bitcoin
Goldpreis
Meistgesucht
Wirecard AG747206
Aramco (Saudi-Aramco)A2PVHD
Daimler AG710000
Deutsche Bank AG514000
EVOTEC SE566480
NEL ASAA0B733
Microsoft Corp.870747
Apple Inc.865985
BVB (Borussia Dortmund)549309
BASFBASF11
K+S AGKSAG88
Deutsche Telekom AG555750
Varta AGA0TGJ5
Amazon906866
Ballard Power Inc.A0RENB