07.05.2021 21:24

Zinsdilemma umgehen - wie Anleihen wieder attraktiver scheinen

Diversifizierung: Zinsdilemma umgehen - wie Anleihen wieder attraktiver scheinen | Nachricht | finanzen.net
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Im derzeitigen Niedrigzinsumfeld erscheinen klassische Anleihen wenig attraktiv. Dabei sind auch bei dieser Assetklasse interessante Renditen möglich, sagt Analystin Seema Shah - vorausgesetzt man setzt auf mehr Vielfalt.
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• Anleiheinvestitionen können vor Inflation schützen
• Expertin empfiehlt eine erweiterte Strategie
• Gesamtes Risikospektrum bei festverzinslichen Anlagen nutzen

Der Aktienmarkt boomt schon seit Jahren. Einer der Gründe hierfür ist, dass es schlicht an attraktiven Alternativen mangelt. So weisen beispielsweise die deutschen zehnjährigen Bundesanleihen Negativrenditen aus und in den USA wird die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen derzeit von der Inflation mehr als aufgefressen.

Zum Vermögensaufbau scheinen Bonds angesichts dieser Entwicklung kaum geeignet. Doch wie die "Börse am Sonntag" unter Berufung auf Seema Shah, Chefstrategin beim Vermögensverwalter Principal, berichtet, ist es durchaus möglich, mit den als sichere Anlageform geltenden Anleihen interessante Renditen zu erzielen. "Investoren sollten kreativer werden und ihren Instrumentenkasten entschlossener als bislang vergrößern", lautet die Lösung der Analystin. Sie empfiehlt daher eine Kombination von vier festverzinslichen Anlagen: US-Kommunalanleihen, Schwellenländeranleihen, private Kredite und Nachranganleihen.

US-Kommunalanleihen

US-Kommunalanleihen werden von den Bundesstaaten, Städten und Gemeinden ausgegeben, um ihre Infrastrukturprojekte zu finanzieren. Laut der "Börse am Sonntag" sind sie sicherer als US-Unternehmensanleihen, bei vergleichbarer Kreditqualität und höherer Rendite.

Auch Gary Buxton hält sie für eine interessante Anlage. "Im Vergleich zu US-Investment-Grade-Anleihen zeichnen sich US-Kommunalanleihen - ‚Municipal Bonds‘ oder ‚Munis‘ - durch höhere Renditen, ein im Schnitt besseres Kreditrating und deutlich niedrigere Ausfallraten aus. Mit diesem ungewöhnlichen Profil könnten sie für viele ertragsorientierte Investoren eine attraktive Alternative darstellen" zitiert "Institutional Money" den Head of EMEA ETFs and Indexed Strategies bei Invesco.

Interessant ist auch, dass die US-Kommunalanleihen für US-Bürger steuerfrei sein können, wobei sich die steuerliche Behandlung nach der Erlösverwendung richtet. Aufgrund dieses Vorteils für US-Steuerzahler befinden sich die meisten dieser Kommunalanleihen entweder direkt oder über Fondsprodukte im Besitz von Privatpersonen in den USA.

Schwellenländeranleihen

Potenzial für eine gute Entwicklung sieht Seema Shah auch für Schwellenländeranleihen. Ihrer Meinung nach könnten diese EMD (Emerging Markets Debt) Rückenwind durch eine weitere Schwächung des US-Dollars erhalten. Außerdem glaubt sie, dass viele Schwellenländer-Regionen von einer globalen Wachstumsbeschleunigung sowie von steigenden Rohstoffpreisen profitieren könnten.

Allerdings gilt es zu beachten, dass Schwellenländeranleihen zwar mit hohen Zinsen locken, sie im Gegenzug aber auch viel riskanter als die sicheren europäischen oder amerikanischen Staatsanleihen sind. Immer wieder kommt es zu Zahlungsschwierigkeiten oder -ausfällen in einzelnen Ländern, denen es zum Teil auch an stabilen demokratischen Strukturen mangelt.

Außerdem können Wechselkursschwankungen das Risiko für Anleger erhöhen. Um trotzdem internationale Investoren anzulocken, werden Emerging-Markets-Bonds oft auch in sogenannten Hartwährungen herausgegeben, vor allem in US-Dollar, aber auch in Euro und Yen.

Im Vergleich zu den Industrieländern ist der der globale Markt für Schwellenländeranleihen sehr klein. Zu den größten Emittenten zählen dabei Brasilien, Mexiko, Indonesien, Russland und Südafrika.

Private Kredite (Private Debt)

Mittels privater Kreditfonds, die außerhalb des Kapitalmarkts anstelle von Banken Fremdkapital für Unternehmen zur Verfügung stellen, können Anleger verstärkt auf bestimmte Branchen und Trends setzen.. "Aufgrund ihres differenzierten und illiquiden Charakters weisen private Kreditfonds häufig hohe Renditen auf und bieten einzigartige Risiko- und Ertragsprofile", erklärt Shah, warum sie diese Anlageform empfiehlt.

Auch hier ist das Risiko für Anleger nicht unerheblich. Zum einen werden hiermit oft bonitätsschwache Unternehmen finanziert, die Schwierigkeiten haben, sich mithilfe von Banken zu finanzieren. Außerdem werden diese Schuldtitel privat platziert, d.h. sie sind im Sekundärmarkt i.d.R. nicht gehandelt und somit illiquid.

Nachranganleihen

Wie die Expertin erklärt, funktionieren Nachranganleihen identisch wie Unternehmensanleihen. Jedoch gilt es zu beachten, dass die Gläubiger im Insolvenzfall erst später, also nachrangig, zum Zug kommen, womit ein Totalverlust nicht auszuschließen sei.

Als Ausgleich für dieses höhere Risiko weisen diese Preferred Securities bessere Renditen aus. Allerdings lassen sich die Erträge nicht vorab durchrechnen, weil Nachranganleihen im Unterschied zu normalen Unternehmensanleihen nach dem ersten Kündigungstermin oftmals variabel verzinst werden.

"Nachranganleihen weisen häufig aktienähnliche Attribute auf, die die Renditen verbessern und die Korrelation des eignen Portfolios mit den US-amerikanischen und globalen Anleihemärkten verringern können", so Seema Shah.

Redaktion finanzen.net

Bildquellen: travellight / Shutterstock.com, rvlsoft / Shutterstock.com
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