Energiepreisschock

Zwischen Ölpreis-Explosion und Entspannung: Barclays zeigt Risiken für den Importgiganten China

10.03.26 16:02 Uhr

Ölmarkt-Achterbahn im Barclays-Check: Was der Ölpreis-Schock für Chinas Wirtschaft bedeutet | finanzen.net

Zwischen 120-Dollar-Schock und diplomatischer Entspannung: Was die volatilen Ölpreise für den Großimporteur China bedeuten.

Werte in diesem Artikel
Rohstoffe

2,97 USD -0,03 USD -1,03%

108,01 USD 4,81 USD 4,66%

93,33 USD -1,15 USD -1,22%

• Ölpreis nähert sich zeitweise 120-Dollar-Marke
• 100-Dollar-Marke: Belastungsprobe für China?
• Strategische Puffer und erneuerbare Energien senken die Belastung

Wer­bung

Ölpreisentwicklung im Blick

Die globalen Energiemärkte gleichen derzeit einer Berg- und Talfahrt, getrieben durch die militärische Eskalation im Nahen Osten. Nachdem israelische Angriffe auf Öllager in Teheran und die faktische Blockade der strategisch wichtigen Straße von Hormus den Preis für die Nordsee-Sorte Brent in einer dramatischen Nachtrally kürzlich nach oben katapultiert hatten, markierte Brent bei fast 120 US-Dollar den höchsten Stand seit Sommer 2022, wie dpa-AFX erklärte. Innerhalb nur einer Kriegswoche verteuerte sich Rohöl damit zeitweise um fast 50 Prozent.

Angesichts dieser Entwicklung beraten wohl die G7-Staaten unter Koordination der Internationalen Energieagentur (IEA) über die Freigabe strategischer Ölreserven. Insgesamt stehen rund 1,2 Milliarden Barrel Notreserven zur Verfügung. Während Länder wie die USA den Einsatz bereits unterstützen und auch Deutschland sich offen zeigt, betonte Frankreichs Finanzminister Roland Lescure, dass eine finale Entscheidung noch ausstehe. Man beobachte die Situation genau und sei bereit, "alle notwendigen Mittel" zur Marktstabilisierung zu nutzen, sobald der richtige Zeitpunkt gekommen sei.

Am Montagabend kühlte sich die erhitzte Lage am Ölmarkt jedoch überraschend ab: Der Ölpreis sank deutlich unter die 100-Dollar-Marke ab und fiel damit sogar leicht unter das Niveau vom vorangegangenen Freitag. Auslöser für diesen Rücksetzer waren Äußerungen von US-Präsident Donald Trump. In einem Interview signalisierte er laut dpa-AFX ein baldiges Ende des Konflikts, da der Iran militärisch weitgehend handlungsunfähig sei. Trump betonte, die USA lägen ihrem Zeitplan weit voraus und er erwäge sogar eine Übernahme der Straße von Hormus, um den globalen Handel dauerhaft zu sichern. Kurzfristig höhere Preise seien laut Trump ein "sehr geringer Preis für die Sicherheit und den Frieden der Welt".

Wer­bung

100-Dollar-Marke: Was bedeutet das für China?

Doch nicht nur in Europa waren die Auswirkungen des Nahostkonflikts am Energiemarkt spürbar. Auch für China steht die 100-Dollar-Marke im Fokus. Für das Reich der Mitte stellt die runde Marke beim Ölpreis eine ernstzunehmende Belastungsprobe dar, da das Land rund 75 Prozent seines Rohölbedarfs importiert. Laut einer Analyse von Barclays, die Investing.com vorliegt, hängen insbesondere die Lieferwege durch die Straße von Hormus wie ein Damoklesschwert über der chinesischen Wirtschaft: Über 35 Prozent des gesamten Ölverbrauchs und rund 30 Prozent der Flüssigerdgas-Importe passieren dieses geopolitische Nadelöhr. Ein anhaltender Preisschock auf 100 US-Dollar pro Barrel im Jahr 2026 könnte die Inflation in China um etwa 0,3 Prozentpunkte nach oben treiben und das Wirtschaftswachstum durch steigende Produktionskosten sowie einen schwächeren Konsum spürbar bremsen.

Puffer und erneuerbare Energien

Trotz dieser massiven Abhängigkeit verfügt Peking jedoch über strategische Puffer, die einen totalen wirtschaftlichen Absturz verhindern könnten. Mit geschätzten Reserven von 1,2 Milliarden Barrel kann China seine Importe für etwa 104 Tage autark decken. Zudem zeigt sich das Land bei der Wahl seiner Lieferanten hochflexibel: Sollten Importe aus dem Iran oder den Golfstaaten wegfallen, könne China verstärkt auf russisches Öl sowie Lieferungen aus Brasilien, Angola oder Kanada ausweichen, heißt es weiter.

Langfristig profitiert China zudem von seinem rasanten Umstieg auf erneuerbare Energien. Dieser strukturelle Wandel im Energiemix reduziert die Bedeutung des Öls schrittweise und macht die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt gegenüber fossilen Preisschocks resilienter als in vergangenen Krisenjahrzehnten.

Wer­bung

IEA-Sondersitzung zu Ölnotreserven einberufen

Die Internationale Energieagentur (IEA) hält wegen der angespannten Lage an den Ölmärkten noch heute eine Sondersitzung ab. Es gehe darum, die aktuelle Versorgungssicherheit und die Marktbedingungen zu beurteilen, was Einfluss auf eine folgende Entscheidung über die mögliche Freigabe von nationalen Ölreserven habe, hieß es von der IEA. Agenturchef Fatih Birol habe das Treffen mit den Regierungen der IEA-Mitgliedstaaten einberufen.

Die 32 Mitgliedsländer verfügen über 1,2 Milliarden Barrel (je 159 Liter) Notreserven Öl. Hinzu kommen laut der in Paris ansässigen Organisation 600 Millionen Barrel Industrievorräte.

Ihre strategischen Ölreserven geben Volkswirtschaften jeweils in Krisensituationen frei, um den Ölmarkt zu stabilisieren oder auf Versorgungsengpässe zu reagieren. Zu diesem Mittel wird selten gegriffen. Der IEA zufolge geschah dies seit ihrer Gründung vor gut 50 Jahren bereits fünfmal in koordinierter Weise. Auch Deutschland hatte sich daran in der Vergangenheit beteiligt.

Redaktion finanzen.net / dpa-AFX

Bildquellen: sacura / Shutterstock.com, FOTOGRIN / Shutterstock.com

Nachrichten zu Ölpreis