Geopolitische Krise - aber der Goldpreis profitiert nicht: Das steckt dahinter

Der Nahost-Konflikt sorgt für massive Turbulenzen an den Märkten - doch ausgerechnet der klassische Krisenwert Gold kann davon nicht profitieren.
Werte in diesem Artikel
• Starker US-Dollar belastet Goldpreis
• Steigende US-Anleiherenditen erhöhen Konkurrenz zu Gold
• Anleger verkaufen Gold teils zur Liquiditätsbeschaffung
Seit rund einer Woche hat sich die Lage im Nahen Osten extrem verschärft. Doch trotz der massiven militärischen Eskalation im Iran und der damit verbundenen Unsicherheit an den Weltmärkten verzeichnet Gold in diesem Zeitraum Kursverluste. Anstatt als sicherer Hafen zu fungieren, geriet das Edelmetall unter Verkaufsdruck, während die Investoren ihre Strategien in einem Umfeld extremer geopolitischer Spannungen radikal neu ordnen.
Der US-Dollar als dominanter Fluchtpunkt
Ein wesentlicher Grund für die Schwäche des Goldpreises liegt in der außergewöhnlichen Stärke der US-Währung. MarketWatch zufolge suchen verunsicherte Investoren derzeit vorrangig Schutz im Dollar, der als ultimativer Zufluchtsort in Krisenzeiten fungiert. Der US-Dollar-Index (DXY) kletterte infolge der Nachrichten aus dem Nahen Osten auf neue Mehrmonatshochs. In Phasen, in denen das globale Finanzsystem durch drohende Versorgungsengpässe bei Energie erschüttert wird, bevorzugen Marktteilnehmer die sofortige Liquidität der Weltleitwährung gegenüber physischen Rohstoffen wie Gold. Diese "Flucht in den Dollar" verteuert Gold für Käufer außerhalb des Dollarraums und drückt somit den Preis.
Zinsdruck und die Suche nach Liquidität
Parallel zum erstarkenden Dollar belasten steigende Renditen am US-Anleihenmarkt die Attraktivität des Edelmetalls. Da Gold keine Zinsen abwirft, verliert es in einem Umfeld steigender Realzinsen an Boden gegenüber verzinsten Wertpapieren. Analysten beobachten dem zudem ein technisches Phänomen: Viele Anleger seien gezwungen, Goldpositionen kurzfristig aufzulösen, um Liquidität für sogenannte Margin Calls zu beschaffen, heißt es bei MarketWatch weiter. Diese Nachschusspflichten entstehen, wenn die Aktienmärkte im Zuge des Kriegsschocks massiv einbrechen und Depots abgesichert werden müssen. In solchen Momenten wird Gold oft als "Liquiditätsreserve" verkauft, um Verluste in anderen Anlageklassen auszugleichen.
Stagflationssorgen und die Logik des Kriegsschocks
Die aktuelle Marktdynamik unterscheidet sich dabei von vielen früheren geopolitischen Schocks. Während Gold nachgibt, sind die Rohölpreise aufgrund der Blockade der Straße von Hormus auf über 100 US-Dollar pro Barrel geschossen. Experten wie Ed Yardeni vor diesem Hintergrund bereits vor einem Stagflationsszenario, das an die 1970er Jahre erinnert, bei dem explodierende Energiekosten das Wirtschaftswachstum bremsen und gleichzeitig die Inflation befeuern. Marktstrategen betonen dabei, dass die Korrektur beim Goldpreis weniger ein Misstrauen gegenüber dem Metall selbst darstellt, sondern eine Reaktion auf die schiere Übermacht des Dollars ist.
Redaktion finanzen.net
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