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09.09.2011 09:00
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Agrarrohstoffe: Aufschwung vom Acker

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Missernten und wachsende Nachfrage aus den Schwellenländern treiben die Preise für Agrarrohstoffe in die Höhe. So verdienen Anleger mit.
von Oliver Ristau, €uro am Sonntag

E 10 hat alle Chancen, zum unbeliebtesten Produkt des Jahres gewählt zu werden – so deutlich fällt das Nein der deutschen Autofahrer zum Kraftstoff mit zehnprozentigem Ethanolanteil aus. Aber auch an den weltweiten Agrarmärkten sorgt Biosprit in diesem Jahr für Aufregung. Denn der Bedarf an pflanzlich hergestellten Kraftstoffen treibt die weltweite Nachfrage nach Getreide an – und die Preise hoch. Denn mit Ausnahme des Zuckers in Brasilien wird das für den Superkraftstoff benötigte Ethanol vor allem aus stärkehaltigem Getreide wie Mais, Weizen oder Roggen gewonnen.

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„Insbesondere bei den Maispreisen macht sich die Spritnachfrage aus den USA bemerkbar“, hat Oliver Schwarz, Rohstoffanalyst von Warburg Research, beobachtet. Die Notierungen für die gelbe Futterpflanze haben seit Anfang des Jahres an der Chicagoer Warenterminbörse CBOT um 25 Prozent auf 750 US-Cent je Scheffel zugelegt. Seit einem Jahr beträgt das Plus gar mehr als 70 Prozent. In den Vereinigten Staaten wandern mehr als 40 Prozent der Maisproduktion in die Tanks der Autofahrer – Tendenz steigend.

Nach Auskunft des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) soll sich der Anteil des Ethanols am Benzinverbrauch in den kommenden zehn Jahren auf über 20 Prozent verdoppeln. In den USA gilt wie in der EU eine wachsende Beimischungspflicht für Pflanzensprit zu herkömmlichem Kraftstoff.

Ethanol treibt die Rohstoffpreise auch in Brasilien an. Der weltgrößte Zuckerproduzent kündigte kürzlich eine verstärkte Regulierung des heimischen Ethanolmarkts an, um die Versorgung mit günstigem Sprit zu sichern. Brasiliens Benzin besteht zu 85 Prozent aus pflanzlichem Alkohol und ist deutlich billiger als herkömmlicher Superkraftstoff. Das soll angesichts der wachsenden Auto fahrenden Mittelschicht auch so bleiben. Der Zuckerexport für den Weltmarkt verliert damit in Brasilien an Bedeutung. Die Sorge vor einer Angebotsverknappung wirkt sich auf die Preise aus. Kostete ein Pfund Zucker in Chicago im Juni noch 18 US-Cent, waren es Ende August bereits 30.

„Rohstoffe, die nicht für den Kraftstoffeinsatz verwendet werden, zeigen sich preislich weniger volatil und sind im Jahresverlauf auch nicht so teuer geworden“, sagt Schwarz und verweist auf das Beispiel Reis. Das galt allerdings nur bis Anfang August. Als Meldungen aus dem größten Exportland Thailand durchsickerten, die auf eine schwächere Ernte hindeuteten, legte der Reispreis an der Börse in Chicago um acht Prozent zu. Beobachter halten eine weitere Rally für möglich. „Schlechte Wetterverhältnisse und magere Ernteaussichten waren zuletzt die Haupttreiber für viele Rohstoffpreise“, hat Analyst Carsten Fritsch von der Commerzbank beobachtet.

In Deutschland sorgten Wetterkapriolen laut Deutschem Bauernverband für die schlechteste Ernte seit acht Jahren. Die bis Ende August eingefahrene Getreidemenge sank um zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gründe waren das zu trockene, heiße Frühjahr und der nasskalte Sommer. Ähnliches gilt für die USA. Zwar rechnete das Landwirtschaftsministerium in der jüngsten monatlichen Schätzung Mitte August mit einer Mais­ernte von 328 Millionen Tonnen über Vorjahr. Doch einen Monat zuvor war die Behörde noch von fünf Prozent mehr ausgegangen. Die Gründe sind auch hier klimatischer Natur: anhaltende Hitze und Trockenheit im Süden und in der Mitte der USA, ausgerechnet in der Zeit der wichtigsten Wachstumsphase.

Die Sorge vor Ernteausfällen in den Südstaaten nach massiven Überschwemmungen beendete den seit Frühjahr anhaltenden Preisverfall beim Weizen. Mittlerweile kostet ein Scheffel (bushel) an der Chicagoer Börse mit 7,90 Dollar zehn Prozent mehr als noch Anfang Juli. Aus dem gleichen Grund steigen die Preise für Baumwolle und Ölsaaten. Die USDA rechnet etwa bei Soja mit einem wachsenden Angebotsdefizit, was zu einem Abbau der Lagerbestände um mehr als zehn Prozent führen könnte. Die Preise für Sojabohnen liegen aktuell um mehr als 30 Prozent über Vorjahresniveau.


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Diese Preissprünge wirken sich auch auf andere Rohstoffe wie Kaffee und Kakao aus, obwohl dort flächendeckende Missernten bisher nicht ­erwartet werden. Zwar gibt es Meldungen über Ausfälle beim zweitgrößten Kaffeeproduzenten Vietnam. „Doch verlässliche Neuigkeiten liegen nicht vor. Der Preisanstieg ist eher spekulativ“, sagt Commerzbank-Experte Fritsch. Kaffee hat sich seit einem Jahr um mehr als 50 Prozent verteuert. Allein im August stiegen die Notierungen um zehn Prozent an. Auch Kakao ist aktuell zehn Prozent teurer als vor Jahresfrist, obwohl es laut Fritsch einen Angebotsüberschuss geben wird. „Die Preise sind übertrieben.“

Doch bei vielen Rohstoffen wird es immer schwieriger, den weltweit wachsenden Bedarf zu decken. Nach Schätzung der USDA-Experten wird die weltweite Nachfrage von 2,28 Milliarden Tonnen in diesem Jahr nicht gedeckt werden können. Das Defizit von 150 Millionen Tonnen muss aus den weltweiten Lagern bedient werden, die sich dadurch um vier Prozent reduzieren werden. Warburg-Analyst Schwarz: „Die Lagerbestände sind bereits niedrig. Erntedefizite setzen sie weiter unter Druck. Das hat Einfluss auf die Preise.“ Auch Commerzbank-Analyst Fritsch ist alarmiert: „Es wird kein Angebot aufgebaut. Man lebt von der Hand in den Mund. Das sind auch mittelfristig keine beruhigenden Faktoren für die Preisentwicklung.“

Für Finanzinvestoren ist das allerdings ein triftiger Grund, sich wieder verstärkt den Agrarrohstoffen zuzuwenden, zumal diese in Zeiten konjunktureller Unklarheiten als krisenfest gelten. „In einer Zeit, in der die Nachfrage nach Industrie­rohstoffen aufgrund wirtschaftlicher Unsicherheiten nicht mehr so gut abgeschätzt werden kann, bietet ein Investment in Rohstoffe wie Grundnahrungsmittel, die immer gebraucht werden, eine gewisse Sicherheit“, erklärt Schwarz das wiedererwachte Interesse von institu­tioneller Seite.

Hedgefonds und andere speku­lative Investoren haben Ende August ihre Wetten auf steigende Agrarpreise um mehr als zehn Prozent ausgeweitet – die höchsten Werte seit Mai. Commerzbank-Analyst Fritsch hat insbesondere beim Zucker einen starken Aufbau von Positionen beobachtet. Großanleger rechnen demnach mit weiter wachsendem Ethanolbedarf. Trotz der Verweigerungshaltung deutscher Autofahrer.

Agrarrohstoffpreise: Anleger können zwar mit Exchange Traded Commodities (ETCs) inzwischen relativ einfach auf einzelne Rohstoffe setzen. Wegen der Besonderheiten der Terminmärkte und der damit verbundenen Risiken empfehlen wir aber breiter gestreute Investments über Zertifikate, ETFs oder Fonds (siehe Investor-Info).
Agrarrohstoffe (pdf)

Investor-Info

UBS-Agrarindex
Rolloptimiert für Optimisten
Die Commerzbank bietet mit dem Commodity Curve Agricultural Total Return Investment Index Basket ein Papier, das auf sieben Agrarrohstoffe von Kakao bis Soja in unterschiedlichen Gewichtungen setzt. Besonderer Clou: Das endlos laufende Zertifikat schwächt nicht nur die Volatilität ab, sondern ist auch rolloptimiert und hebelt bei steigenden Notierungen die Gewinne. Bei fallen­den Kursen kehrt sich dieser Vorteil allerdings um, Verluste werden verstärkt. Gutes Papier für Optimisten.

UBS-Agrarindex
Acht auf einen Streich
Mit einem Index aus acht Agrarrohstoffen als Basis ist das Papier der UBS ebenfalls breit diversifiziert. Einige Rohstoffe wie Soja sind in verschiedenen Auslieferformen (Bohne, Mehl, Öl) oder auf unterschiedlichen Handelsplätzen vertreten, um die typischen regionalen Schwankungen besser auszugleichen. Deshalb enthält der Basket streng genommen eigentlich zwölf Basiswerte. Ohne Laufzeit­begrenzung, aber nicht rolloptimiert. Für Anleger mit etwas höherer ­Risikobereitschaft.

Agrarrohstoffe-ETF
Günstige Gebühren
Auch diesem Papier liegt ein Index zugrunde, der DJ-AIG Agriculture Sub-Index SM, der die Entwicklung von sieben Agrarrohstoffen abbildet und zudem täglich anfallende Zinserträge thesauriert. Gut handelbare Rohstoffe wie Soja, Mais und Weizen machen rund 65 Prozent der Gewichtung aus. Hier handelt es sich um einen sogenannten Exchange Traded Fund (ETF) und nicht um ein Zertifikat. Gute und günstige Depotbeimischung.

BGF World Agriculture
Profiteure steigender Preise
Der Aktienfonds ist eine Alternative zu Rohstoffinvestments, die in der Regel noch schwankungsanfälliger sind als die Dividendenpapiere. Mit rund 16 Prozent Plus auf Jahressicht hat er im Vergleich zu den breiten Märkten recht gut abgeschnitten. Investiert wird in Unternehmen, die vom Langfrist­trend Agrar profitieren. Die Sektoren: Landmaschinen samt Zubehör, Agrochemie, Saatgut, Dünger, Rohstoffhandel sowie Farmbetreiber.

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