03.05.2013 09:30

Knock-out-Papiere: Achtung, Dividende!

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Viele Emittenten von Knock-out-Papieren berechnen nicht den kompletten Dividendenabschlag. Was Anleger beachten müssen.
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€uro am Sonntag
von Thomas Koch, Euro am Sonntag

Die Dividendensaison ist in vollem Gange. Insgesamt 27 der 30 im DAX vertretenen Unternehmen laden im April und Mai ihre Aktionäre zur diesjährigen Hauptversammlung (HV) ein. Die Summe aller Ausschüttungen wird mit rund 28 Milliarden Euro einen neuen Rekordstand erreichen.

Dabei ist die Auszahlung der Gewinnbeteiligung im Grunde genommen ein Nullsummenspiel, da die Aktie am Tag nach der HV mit einem rechnerischen Kursabschlag exakt in Höhe der Dividende eröffnet. Dennoch freuen sich die meisten Anleger über den Geld­regen, auch weil die Aktie den Abschlag in vielen Fällen schnell wieder wettmacht.

Besitzer von strukturierten Produkten auf diese Aktien haben keinen Anspruch auf Dividende, sie gehen leer aus. Negative Folgen durch den in einigen Fällen recht üppigen Abschlag sind in der Regel aber nicht zu befürchten. Bei Papieren mit einem festgelegten Fälligkeitsdatum ist dieser im Vorfeld ja absehbare Effekt im Preis berücksichtigt, sodass der Dividendentermin selbst ohne konkrete Auswirkungen bleibt.

Bei Knock-out-Scheinen ohne feste Laufzeit — wie Mini Futures, Wave XXL, Unlimited Turbos, Open-End-Turbos etc. — ist das anders. Wegen der hier nicht klar definierten Fälligkeit haben die Emittenten keinerlei Anhaltspunkte, wie viele Dividendenzahlungen sie berücksichtigen müssen. Aus diesem Grund kommt es am Tag der Ausschüttung immer zu einer Anpassung der kursrelevanten Parameter. Erklärtes Ziel ist dabei eine wertneu­trale Veränderung des Basispreises. Mit anderen Worten: Der Kurs der Hebelprodukte soll durch die Ausschüttung und den daraus resultierenden Dividendenabschlag nicht verändert werden.

Warum das sinnvoll ist, zeigt das Beispiel Daimler: Am Tag des Aktionärstreffens schloss die Aktie im Xetra-Handel bei 42,66 Euro. Durch den Dividendenabschlag lag der Eröffnungskurs am Folgetag bei 40,80 Euro. Wäre die Berechnungsbasis der Endloshebelpapiere nun unverändert geblieben, hätten alle in Long-Produkten investierten Anleger rein durch diesen technischen Kurseffekt immense Verluste erzielt und sämtliche Short-Produkte wären im Kurs gestiegen. Und das, obwohl die Daimler-Aktie bei Bereinigung des Dividendenabschlags knapp ein Prozent im Plus eröffnet hätte.

Unklare Argumentation
Um sämtliche Einflüsse zu eliminieren, müsste der Basispreis also bei jeder Dividendenzahlung um den vollen Ausschüttungsbetrag reduziert werden. So weit zur Theorie. In der Praxis ist das nur selten der Fall. Eine Stichprobenprüfung von €uro am Sonntag auf Daimler-Scheine ergab: Eine 100-prozentige Anpassung bei Long-Produkten (auf DAX-Aktien) führen nur zwei der zwölf in diesem Segment führenden Emittenten durch: die Commerzbank und die HypoVereinsbank (HVB).

Ein Großteil der anderen Anbieter reduziert den Basispreis lediglich um 85 Prozent der Bruttodividende. Als Begründung verweisen vor allem die ausländischen Institute darauf, dass die ausgeschüttete Dividende von der Bank versteuert werden muss und deshalb auch nur die Nettodividende an die Kunden weitergegeben werden kann.

Warum der oftmals pauschale Abzug bei vielen Häusern 15 Prozent, bei anderen zehn Prozent und in einem Fall sogar nur vier Prozent beträgt, bleibt unklar. Fakt ist, dass vielen Emittenten ein Teil der abzuführenden Steuer aufgrund des Doppelbesteuerungsabkommens wieder gutgeschrieben wird und dass die letztendliche Belastung von Fall zu Fall unterschiedlich ausfällt.

Die BNP Paribas ermittelt deshalb bei jeder Dividendenzahlung separat den verbleibenden Betrag, um den der Basispreis dann reduziert wird. Die anderen Emittenten bevorzugen eine Pauschallösung. Welche Folgen die unterschiedliche Vorgehensweise für Anleger hat, zeigt ein Vergleich von Endlos-Knock-out-Produkten auf Daimler im Zuge der jüngsten Dividendenzahlung. Bei zwei nahezu identisch ausgestatteten Scheinen berücksichtigte die HVB die komplette Bruttodividende, die Deutsche Bank reduzierte — wie viele andere Emittenten auch — den zur Preisberechnung der Scheine maßgeblichen Basispreis lediglich um 85 Prozent des Ausschüttungsbetrags.

Diese Maßnahme drückte auf den Kurs, der sich in der Folge spürbar schlechter entwickelte als bei der Konkurrenz. In der Summe legte der Deutsche-Bank-Schein in den zwei Tagen zwar um 25 Prozent zu, mit dem Pendant der HVB gewannen Anleger aber knapp 30 Prozent.

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