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17.02.2020 17:51

Bayer und BASF zu Millionenzahlung verurteilt - Aktien leichter

35 ähnliche Klagen: Bayer und BASF zu Millionenzahlung verurteilt - Aktien leichter | Nachricht | finanzen.net
35 ähnliche Klagen
Eine US-Jury hat gegen Bayer und BASF in einem Fall von Ernteschäden entschieden und sprach einem Pfirsichbauern aus Missouri 265 Millionen Dollar zu, der behauptete, die Unternehmen hätten Bauern dazu ermutigt, in unverantwortlicher Weise ein schwer zu kontrollierendes Unkrautvernichtungsmittel zu spritzen.
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Der Pfirsichbauer Bill Bader verklagte die Hersteller von Pestiziden und Saatgut, wobei er sagte, dass tausende seiner Obstbäume in den Jahren 2015 und 2016 Schäden erlitten hätten. Der Schaden sei durch ein Herbizid namens Dicamba verursacht worden, das von benachbarten Baumwollfeldern verweht wurde. Auf diesen Baumwollfeldern sei ein von Bayer und BASF entwickeltes Biotech-Saatgut eingesetzt worden, das resisent gegen Dicamba war.

Der Rechtsstreit um Dicamba vertieft die juristischen Probleme von Bayer in Bezug auf seine meistverkauften Herbizide. Der Fall Bader Farms war der erste, bei dem Dicamba vor Gericht ging und ist der Vorläufer von etwa 35 ähnlichen Klagen von Landwirten, die in Illinois, Arkansas, Missouri und anderen Bundesstaaten Schadenersatz verlangen.

Die Entscheidung eines Bundesgerichts in Missouri fiel am Samstag. Die Umweltschutzbehörde will bis Ende dieses Jahres entscheiden, ob es den Bauern weiterhin erlaubt ist, die auf Dicamba basierenden Herbizide der Unternehmen auf die Kulturen zu sprühen.

Bayer kämpft separat gegen mehr als 42.000 Kläger, die behaupten, ihr umsatzstärkstes Herbizid Roundup habe ihren Krebs verursacht. Das Unternehmen argumentierte, dass jahrzehntelange wissenschaftliche Forschung sowie Überprüfungen durch Aufsichtsbehörden, die Sicherheit von Roundup belegen. Bayer hat die ersten drei Verfahren verloren und legte gegen diese Urteile Berufung ein.

Ein US-Sprecher für Bayer kündigte an, der Konzern werde Berufung gegen das Urteil einlegen. Dicamba sei für die Ernteverluste nicht verantwortlich. BASF kündigte ebenfalls Rechtsmittel an: "Wir sind überrascht und enttäuscht von der Entscheidung der Jury und planen in Berufung zu gehen", sagte ein Unternehmenssprecher.

Die Anwälte der Unternehmen hatten zuvor argumentiert, die Pfirsich-Felder hätten bereits vor 2015 gelitten und führten Wetterbedingungen wie Hagel und späten Frost für die Schäden an. Beide Unternehmen führten zudem an, dass die aktuelle Formulierung von Dicamba nicht verwehen könne, wenn sie korrekt angewendet werde. Wie der Schadenersatz unter den Unternehmen aufgeteilt wird, blieb zunächst offen.

Das Urteil, das Bader zugesprochen wurde, entsprach einem Schadenersatz in Höhe von 15 Millionen Dollar, um Bader für die Verluste aus dem Dicamba-Schaden zu entschädigen, sowie einem Strafschadenersatz in Höhe von 250 Millionen Dollar.

So reagieren die Aktien von Bayer und BASF

Das millionenschwere Schadenersatzurteil in den USA gegen Bayer und BASF hat am Montag die Aktien der beiden Chemieunternehmen belastet. Die Unsicherheit über das endgültige finanzielle Ausmaß weiterer Klagen gegen den Unkrautvernichter Dicamba verschrecke, hieß es am Markt. Denn abgesehen vom aktuellen Fall des Pfirsichbauern Bill Bader aus dem US-Bundesstaat Missouri gibt es laut Analysten mehr das 100 weitere Klagen. Und dabei hatten Investoren gehofft, dass größere Rechtsstreitigkeiten angesichts eines womöglich baldigen Vergleichs im Streit um angebliche Krebsrisiken des Unkrautvernichters Glyphosat endlich der Vergangenheit angehören.

Zum Handelsschluss büßten die Anteile von BASF im leicht freundlichen Gesamtmarkt 1,02 Prozent auf 61,87 Euro ein und die von Bayer am DAX-Ende 1,87 Prozent auf 75,92 Euro.

"Der Missouri-Fall ist der erste, der als Teil eines Massenverfahrens gegen Bayer/BASF wegen Verwehungsschäden geführt wurde", schrieb Analyst Jonas Oxgaard von Bernstein Research. Und da BASF und Bayer zu den Hauptproduzenten von Dicamba zählten, könnten weitere erhebliche Strafzahlungen auf sie zukommen.

"Wird diese erste Summe in Höhe von 265 Millionen US-Dollar, die die beiden Unternehmen zusammen an den Pfirsichbauer zahlen sollen, auf alle 140 Fälle angewandt, ergibt sich eine Gesamtschadensumme von umgerechnet rund 33,7 Milliarden Euro", rechnet Commerzbank-Analyst Daniel Wendorff vor. Davon dürften etwa zwei Drittel auf BASF entfallen und ein Drittel des potenziellen Schadenrisikos auf Bayer, ergänzte er.

Zwar sei es noch zu früh, eine seriöse Zahl und Wahrscheinlichkeit mit Blick auf weitere Schadenersatzzahlungen einzukalkulieren, doch ist der Zeitpunkt laut Wendorff vor allem für Bayer ungünstig. Dabei verwies er auf die zahlreichen, gegen die Leverkusener noch anhängigen Glyphosat-Klagen.

So war in den Glyphosat-Prozessen teils der Anteil des sogenannten Strafschadenersatzes, der auch den weitaus größten teils des Dicamba-Urteils ausmacht, von Richtern reduziert worden.

Zu BASF lautet der Kommentar des Commerzbank-Analysten Michael Schäfer: Er bleibe vorsichtig. Unter anderem schätzt er, dass das Dicamba-Mittel Engenia rund 300 bis 400 Millionen Euro Umsatz erzielt. Das seien rund 13 Prozent des Umsatzes, den der Ludwigshafener Konzern mit Herbiziden erwirtschafte oder 5 Prozent mit Blick auf die Umsätze der gesamten Sparte Agricultural Solutions.

Wie Alistar Campell vom Analysehaus Liberum betont, wollen BASF und Bayer zwar in Berufung gehen gegen das Dicamba-Urteil, das zudem nicht mit dem Glyphosat-Problem vergleichbar sei. "Allerdings handelt es sich aber um ein weiteres juristisches Thema, um dass sich die Bayer-Investoren in naher Zukunft nun den Kopf zerbrechen müssen", schreibt er.

Die US-Umweltschutzbehörde EPA hatte die Zulassung von Dicamba erst im November 2018 mit Einschränkungen bis Ende 2020 verlängert. Zuvor hatte es zahlreiche Beschwerden gegeben, weil das Mittel mutmaßlich vom Wind auf anderer Felder verweht worden war. So setzen Landwirte Dicamba auf Feldern ein, auf denen sie etwa XTend-Sojabohnen-Sorten von Monsanto anbauen, die gegen Dicamba resistent sind. Wird der Wirkstoff aber durch Wind auf andere Felder verweht, können dort nicht-resistente Pflanzen Schaden nehmen. Laut den Auflagen der EPA von Ende 2018 darf mittlerweile nur noch speziell geschultes Personal Dicamba ausbringen.

Nach dem ersten Dicamba-Urteil nun geht Bernstein-Experte Oxgaard zudem davon aus, dass Bayer Xtend schon bald vom Markt nehmen dürfte.

DJG/DJN/apo

NEW YORK (Dow Jones) / (dpa-AFX)

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