Starke Ziele

Commerzbank-Aktie rutscht wegen enttäuschter Erwartung ab: Bank wird nach starkem Ergebnis zuversichtlicher

11.02.26 17:53 Uhr

Commerzank-Aktie verliert wegen enttäuschter Erwartungen: Anleger dürfen jubeln - Bank hebt Ziele deutlich an | finanzen.net

Die Commerzbank nimmt sich im Abwehrkampf gegen die UniCredit für 2026 eine noch stärkere Gewinnsteigerung vor. So fielen die jüngsten Zahlen aus.

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Die Commerzbank setzt sich nach einem Gewinn fast auf Rekordniveau höhere Ziele, um eine feindliche Übernahme durch die UniCredit zu verhindern. Neue Bestmarken sollen den Aktienkurs nach oben treiben, was einen Kauf durch die italienische Großbank erschweren würde. Doch UniCredit-Chef Andrea Orcel spielt bei seinen Plänen auf Zeit.

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Dieses Jahr soll der Commerzbank-Gewinn die bisherige Zielmarke von 3,2 Milliarden Euro noch übertreffen, wie der DAX-Konzern am Mittwoch in Frankfurt mitteilte. Bis 2028 soll der Gewinn wie geplant auf 4,2 Milliarden Euro wachsen. Analysten rechnen für beide Jahre bereits mit mehr.

An der Börse konnte die Commerzbank mit den Neuigkeiten nicht überzeugen: Die Aktie des Konzerns verlor bis zur Mittagszeit rund fünf Prozent an Wert und war damit Schlusslicht im DAX. Allerdings hatte sich ihr Kurs im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt.

"Wir haben unsere ehrgeizigen Wachstumsziele für 2025 nicht nur erreicht, sondern an vielen Stellen sogar übertroffen", sagte Vorstandschefin Bettina Orlopp. "Das zeigt: Die Commerzbank spielt heute in einer anderen Liga."

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Hartes Ringen mit UniCredit

Die UniCreditmit Sitz in Mailand buhlt seit September 2024 um die Commerzbank und verspricht sich von einer Übernahme Vorteile im deutschen Markt mit Privat- und Mittelstandskunden. Mit ihrer Tochter Hypovereinsbank ist sie hierzulande schon vertreten, was Einsparungen ermöglichen würde - ein Horrorszenario aus Sicht der Arbeitnehmervertreter. Inzwischen ist die UniCredit mit gut 26 Prozent der Anteile größter Aktionär der Commerzbank und hat über Finanzinstrumente Zugriff auf weitere gut drei Prozent.

Doch UniCredit-Chef Orcel hat bisher kein Übernahmeangebot für die Commerzbank vorgelegt - ab der Schwelle von 30 Prozent wäre er dazu verpflichtet. Die Commerzbank hat ihren Börsenwert auf rund 38 Milliarden Euro hochgeschraubt, was sie selbst für die etwa dreimal so wertvolle UniCredit schwer angreifbar macht.

Orlopp setzt auf den hohen Aktienkurs als Abschreckung: "Es gibt kein Angebot, und wenn ich auch die Nachrichten richtig verstanden habe, ist das auch im Moment nicht zu erwarten." Unterstützung bekommt sie aus Berlin: Die Bundesregierung, die rund 12 Prozent der Commerzbank-Anteile hält, lehnt eine Übernahme ab und will ihre Aktien nicht verkaufen.

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Orlopp setzt auf KI und Konjunkturerholung

Für ihr Ziel der Eigenständigkeit will Orlopp die Einnahmen weiter nach oben treiben und zugleich die Kosten im Griff halten. So soll der Zinsüberschuss dieses Jahr stärker als gedacht von zuletzt 8,2 Milliarden auf 8,5 Milliarden Euro wachsen. Der Provisionsüberschuss etwa aus Wertpapiergeschäften soll um sieben Prozent zulegen, und die Kosten sollen nur noch 54 Prozent der Erträge aufzehren - nach 57 Prozent im vergangenen Jahr.

Für 2028 hat sich Orlopp dann eine Aufwand-Ertrags-Quote von 50 Prozent vorgenommen und setzt dabei verstärkt auf den Einsatz Künstlicher Intelligenz. So und mit einer anziehenden Konjunktur könnte die Rendite auf das materielle Eigenkapital die angepeilte Marke von 15 Prozent noch übertreffen, deutete die Managerin an.

Hoher Gewinn trotz teurer Abfindungen

Unterm Strich verdiente die Commerzbank 2025 wie bereits am Vortag mitgeteilt gut 2,6 Milliarden Euro. Die Erträge - die gesamten Einnahmen - wuchsen um zehn Prozent auf 12,2 Milliarden Euro.

Trotz hoher Kosten für den Abbau von 3.900 Vollzeitstellen, davon den Löwenanteil in Deutschland, verfehlte die Bank damit ihren Rekordgewinn von 2024 nur knapp. Ohne die Umbaukosten von 562 Millionen Euro hätte sie mit 3 Milliarden Euro eine neue Bestmarke erreicht.

Gewinn geht komplett an Aktionäre

Doch die Commerzbank ist zum Erfolg verdammt: Orcel hält betont gelassen an seinem Übernahmeplan fest. "Wenn der richtige Zeitpunkt kommt und die Konditionen stimmen, dann wird es auf die richtige Weise passieren", sagte er jüngst in einem Interview. Falls nicht, habe man genügend andere Themen.

Die Commerzbank geht daher in die Vollen, um ihre Aktionäre zufriedenzustellen. Sie schraubt die Dividende von 65 Cent auf 1,10 Euro je Anteil hoch und will für bis zu 540 Millionen Euro weitere Aktien zurückkaufen. Zusammen mit dem abgeschlossenen Rückkaufprogramm von 2025 gibt sie damit 2,7 Milliarden Euro für Dividenden und Aktienrückkäufe aus - mehr als ihren ganzen Jahresgewinn.

Zusammen mit den steigenden Gewinnen soll dies das Geldhaus für Anleger so attraktiv machen, dass sie ihre Commerzbank-Aktien lieber behalten, als sie an die UniCredit zu verkaufen.

So bewegt sich die Commerzbank-Aktie

Der Ausblick der Commerzbank auf das neue Jahr sowie das vollständige Zahlenwerk für 2025 haben die Aktien der Bank am Mittwoch zeitweise auf den tiefsten Stand seit November gedrückt. Marktanalyst Andreas Lipkow vom Broker CMC Markets sprach von "enttäuschten, hohen Erwartungen" angesichts insgesamt guter Zahlen.

Nachdem die Papiere im Verlauf des Vormittags via XETRA bis auf 32,86 Euro abgesackt waren, erholten sie sich zum Handelsschluss mit minus 2,01 Prozent auf 34,55 Euro. Dabei fanden sie Unterstützung an der 90-Tage-Durchschnittslinie, die als ein wichtiger mittelfristiger Trendindikator gilt. Im DAX blieben sie um die Mittagszeit dennoch das Schlusslicht.

"Die Zahlen waren grundsätzlich gut, aber die Erwartungshaltung einiger großer Marktteilnehmer war tatsächlich noch höher", kommentierte Lipkow die Verluste der Aktie. Damit treffe der Verkaufsdruck auf eine zugleich nachlassende Nachfrage durch fehlende Impulse. "Kurz gefasst: die guten Nachrichten werden verkauft", resümierte er.

Die Commerzbank habe für das vierte Quartal einen Vorsteuergewinn gemeldet, der 6 Prozent über der von der Bank zur Verfügung gestellten Konsensschätzung liege, schrieb UBS-Analyst Mate Nemes. Zudem hob er positiv hervor, dass plangemäß ausgefallene Zinserträge sowie etwas höhere Gebührenerträge bei zugleich geringer als erwarteten Kosten sich positiv auf die Erträge insgesamt ausgewirkt hätten. Sie seien ebenfalls besser gewesen, als Analysten im Schnitt erwartet hätten.

In dem von der Commerzbank erhöhten Ausblick sah er aber auch Schattenseiten. So soll der Überschuss zwar über die bisherige Zielmarke von 3,2 Milliarden Euro hinaus nach oben klettern, im Schnitt liege die Konsensschätzung aber rund 7 Prozent darüber, hob Nemes hervor.

"Unter dem Strich gibt es nicht viel Grund zu übermäßiger Freude", resümierte Analyst Krishnendra Dubey von der Barclays Bank. Letztlich hätten die Quartalszahlen die Erwartungen nur leicht übertroffen. Die Zielvorgaben für 2026 deckten sich zudem mit den Erwartungen, sodass sich an den Schätzungen am Markt nicht viel ändern dürfte.

Borja Ramirez Segura von der Citigroup merkte obendrein kritisch an, dass - obwohl Nettogewinn und harte Kernkapitalquote überraschend stark gewesen seien - die Prognose für Rückstellungen für Kreditausfälle (LLP) 2026 konservativ sei und daher hinterfragt werden könnte.

FRANKFURT (dpa-AFX)

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Bildquellen: mf, Commerzbank AG

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