17.05.2018 10:58
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So budgetiert Netflix neue Serien und Filme

Datensammlung: So budgetiert Netflix neue Serien und Filme | Nachricht | finanzen.net
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Nachdem Netflix Anfang des Jahres verkündete, 2018 bis zu 8 Milliarden US-Dollar investieren zu wollen, um bis Ende des Jahres insgesamt 700 Originalproduktionen im Programm zu haben, stellt sich nun die Frage, wie das alles finanziell möglich ist. Die jüngsten Quartalszahlen geben Aufschluss darüber.
In seinem im April veröffentlichten Quartalsbericht legte Netflix dar, dass es mit seinen mittlerweile 125 Millionen Abonnenten weltweit insgesamt 3,6 Milliarden US-Dollar einnehmen konnte und gibt gleichzeitig an, dieses Geld sinnvoll einsetzen zu wollen. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Einnahmen um 43 Prozent, was auch mit einer Erhöhung des Mitgliedspreises zusammenhing. Weltweit konnte der Dienst im ersten Quartal des Jahres über 7 Millionen neue User verzeichnen, was einen Anstieg von 50 Prozent zum Vorjahr ausmacht und sogar die Konzerterwartungen von 6,35 Millionen übertraf.

Mehrschichtiges Konzept von Streaming und eigener Produktion

Netflix verfolgt ein mehrschichtiges Konzept, das aus einer Kombination aus der Produktion eigener Inhalte und dem Streaming lizensierter Inhalte besteht. Im Laufe der letzten Jahre wurde jedoch deutlich, dass die Durchführung eigener Projekte immer mehr in den Fokus der Plattform rückte. Dieses Fokussieren auf Eigenproduktionen wurde in den letzten Jahren auch belohnt - unter anderem mit mehreren Emmys und in diesem Jahr mit dem Gewinn eines Academy Awards, eines Oscars, für den Dokumentarfilm "Icarus". Für Finanzchef David Wells ist es dennoch wichtig, ein gewisses Gleichgewicht zwischen beiden Bereichen beizubehalten, da es "keine Religion" gäbe, die besage, dass aller Content von Netflix sein müsse und führt an, dass es den Nutzern meist egal wäre, wo der Inhalt herkäme.

Star-Produzenten an Land gezogen

Netflix feilt immer weiter daran, den eigenen Content weiter zu etablieren und dadurch immer interessante und breitgefächerte Inhalte anbieten zu können. So wurde letztes Jahr mit Shonda Rhimes die Produzentin und Drehbuchautorin engagiert, welche für den Sender ABC gleich mehrere Serienhits, wie "Grey’s Anatomy", "How to Get Away with Murder" und "Private Practice", landen konnte). Dieses Jahr folgt auf Rhimes nun mit Produzent Ryan Murphy der nächste Hochkaräter. Murphy, der mit Erfolgen wie "American Horror Story", "Glee" und "American Crime Story" bereits mehrfach sein Gespür für erfolgreiche TV-Serien beweisen konnte, bindet sich für fünf Jahre an das Unternehmen und erhält hierfür, laut Quellen der New York Times, bis zu 300 Millionen US-Dollar.

Einer der Gründe dafür, dass Netflix es schafft, namhafte Produzenten an sich zu binden, ist die Tatsache, dass die künstlerische Freiheit, die Netflix bieten kann, von traditionellen Sendern aufgrund deren Marktlage und Konkurrenzsituation nicht geboten werden kann. Ein weiterer Grund liegt in der Vorhersagbarkeit des möglichen Publikums. Durch die Möglichkeit der personalisierten Content-Empfehlung kann sichergestellt werden, dass Zuschauern, denen bereits andere Titel des jeweiligen Produzenten gefallen, auch die neuen Titel angezeigt werden. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Serien oder Filme erfolgreich werden.

Budgetplanung für die nächsten Jahre

Um erfolgreich budgetieren zu können, legt Netflix weiterhin Wert darauf, Geld in Eigenkreationen zu investieren und geht von einem free cash flow in 2018 von minus drei bis minus vier Milliarden US-Dollar aus. Das Unternehmen erwartet, dass es noch mehrere Jahre rote Zahlen schreiben wird, da die Ausgaben für neuen Content weiter zunehmen werden.

Bei der Budgetierung helfen Netflix zum einen der eigene Datensatz sowie Google-Suchergebnisse und Social Media. Durch diese drei Bereiche kann der Streamingdienst genau entscheiden, welche Investitionen in neue Programme sich lohnen und wie das Budget richtig verteilt werden kann.

Erhöhung des Marketingbudgets

Auch im Bereich Marketing wird sich 2018 einiges tun. Finanzvorstand David Wells zufolge gäbe es schließlich immer noch mehr Netflix-Nicht-Nutzer als Netflix-Nutzer in der Welt. Er verwies dabei auf die ungefähr 700 Millionen Internet-Nutzer weltweit (ohne China). Dies wird einer der Gründe dafür sein, dass das Marketingbudget des Unternehmens von zuvor 1,6 Milliarden in 2017 auf 2 Milliarden US-Dollar in 2018 erhöht werden soll.

Probleme und Konkurrenz von Netflix

Natürlich ist auch Netflix als Marktführer unter den Streamingportalen nicht vor Problemen und Konkurrenz gefeit. Eines dieser Probleme hängt mit den Filmfestspielen in Cannes zusammen, bei denen Netflix dieses Jahr mit keinem Film vertreten sein wird. Grund dafür sei eine neue Regel des Festivals, die besagt, dass Netflix die Filme, mit denen es bei den Filmfestspielen antreten würde, die nächsten drei Jahre nicht auf dessen französischen Plattform streamen dürfte, was einen kompletten Ausstieg aus dem Festival zur Folge hatte.

Jedoch scheint dieses Problem im Hinblick auf den Faktor Konkurrenz ein kleineres Thema zu sein, denn während sowohl Apple als auch Amazon ihr Streaming-Budget immer weiter aufstocken und Tech-Giganten wie Google und Facebook nun auch in das Thema einsteigen wollen, kann bald Disney zu Netflix' größtem Konkurrenten werden. Disney plant, im Herbst 2019 einen eigenen Streamingdienst zu starten und im Zuge dessen wohl auch, alle Verträge, die bisher mit Netflix bestehen, nicht zu verlängern. Zu Disney gehören sowohl Pixar (u.a. "Cars", "Toy Story", "Findet Nemo") und Marvel (u.a. "Avengers", "Guardings of the Galaxy") als auch Lucasfilm ("Star Wars"). Inwiefern das Fehlen dieser Filme Netflix tatsächlich schaden wird, gilt abzuwarten.

Netflix-Fokus liegt auch auf den internationalen Portalen

Was das Wachstum von Netflix anbelangt, liegt der Fokus auch auf den internationalen Seiten. Von den 7 Millionen neuen Usern des ersten Quartals kamen fast 5,5 Millionen durch die internationalen Plattformen des Dienstes hinzu. Um diesen Faktor der Internationalisierung nicht nur des Portals, sondern auch des Contents weiter zu unterstützen, wurde mit Susan Rice eine ehemalige Botschafterin der USA bei den Vereinten Nationen, in den Aufsichtsrat berufen, die durch ihre Erfahrung in der US-Außenpolitik viele internationale Kenntnisse besitzt. Als Unternehmen, das in über 190 Ländern operiert, zeigt Netflix hier, welchen Stellenwert der internationale Bereich für das erfolgreiche Wachstum einnimmt.

Redaktion finanzen.net

Bildquellen: Netflix, pixinoo / Shutterstock.com

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