20.09.2013 08:00

Aurubis: An Schrott verdienen

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Mit höheren Kapazitäten profitiert Europas größter Kupferkonzern Aurubis stärker von steigenden ­ Preisen. Zugleich muss Konzernchef Willbrandt Aurubis’ Befreiung von der Ökostromumlage verteidigen.
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€uro am Sonntag
von Klaus Schachinger, Euro am Sonntag

Das mehr als 70 Meter hohe Gebäude nach der Ausfahrt von der A1 in Richtung Lünen, nördlich von Dortmund, ist nicht zu übersehen. 20 Meter hoch ist allein der Schmelzofen. Darüber, verdeckt im Gebäude, mächtige Dampfkessel mit denen ein Teil der gewaltigen Energie genutzt wird, die für das Höllenfeuer im sogenannten Badschmelzofen des größten Recyclingkonzerns der Welt gebraucht wird. In der ersten Stufe eines aufwendigen Verfahrens wird Elektronikschrott geschmolzen, um später Kupfer und andere wertvolle Elemente wie ­Silber, Gold, Palladium oder Selen herauszulösen. Pro Jahr schluckt der Ofen am größten Recyclingstandort des Aurubis-Konzerns 400.000 Tonnen Schrott. In 14 Tonnen Schrott steckt eine Tonne reines Kupfer.

Erst in der letzten Phase, wenn der Verunreinigungsgrad des Kupfers weniger als ein Hundertstel Prozent beträgt, sind die anderen Metalle im sogenannten Anodenschlamm gebunden. Bisher wurde dieser Schlamm großteils verkauft.

Teurer Schlamm
Eigentlich kein schlechtes Geschäft. Eine Tonne des Schlamms kann bis zu einer Million Euro wert sein. Seit August läuft am AurubisStammsitz Hamburg jedoch eine eigene Anodenschlammanlage. „Deren Wirtschaftlichkeit ist sehr attraktiv“, versichert Konzernchef Peter Willbrandt gegenüber €uro am Sonntag. Das Bankhaus Lampe schätzt die Kapitalrendite deutlich über 15 Prozent. Diesen Wert will Aurubis in jeder Sparte und bei jeder größeren Investition mindestens erreichen. Der erste Effekt der neuen Anlage in der Bilanz wird eine deutlich höhere Goldproduktion sein. Schon im kommenden Geschäftsjahr, das Anfang Oktober beginnt, will Aurubis 50 Tonnen Gold liefern — 42 Prozent mehr als bisher. Zudem erhöht der Konzern seine Kapazitäten zur Verarbeitung von Kupferkonzentrat bis 2015 um ein Fünftel.

Dieses Konzentrat ist der Rohstoff, den Kupferverarbeiter von Minenbetreibern erhalten. Sein Kupfergehalt liegt jedoch nur bei 30 Prozent. Für die Weiterverarbeitung werden Aurubis und Co deshalb mit sogenannten Schmelz- und Raffinerie­löhnen bezahlt. Weil Minen mehr Konzentrat liefern, die Schmelzkapazitäten der Kupferhütten jedoch knapp sind, steigen diese Schmelzlöhne. Und da Aurubis auch Konzentrate verarbeitet, die mit toxischen Substanzen verunreinigt sind, kann der Konzern zehn bis 20 Prozent Aufschlag verlangen.

„Der Ausbau kommt zum richtigen Zeitpunkt“, sagt Willbrandt. Wegen Preisstürzen bei Kupfer und Metallen musste Aurubis im dritten Quartal die Erwartungen für das Ende September zu Ende gehende Geschäftsjahr korrigieren. Die Delle dürfte aber bald ausgeglichen sein. Der Preis je Tonne Kupfer liegt wieder über der Marke von 7.000 Dollar. Willbrandt erwartet, dass der Preis durch die Kupfernachfrage, vor allem aus China, „gut abgesichert“ ist.

Befreiung auf der Kippe
Schmelzöfen und Anlagen benötigen viel Energie. Bei Aurubis sind es bundesweit 1.000 Gigawattstunden Strom im Jahr. „Jede Preiserhöhung um einen Cent je Kilowattstunde kostet uns zehn Millionen Euro“, sagt Willbrandt. Strom macht ein Viertel der Produktionskosten aus.

Bisher ist der Konzern von der Ökostromumlage befreit. Die lange Liste der umlagebefreiten Firmen löste bei der EU jedoch Bedenken aus. Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia denkt darüber nach, ein Beihilfeverfahren einzuleiten. Zudem steht eine Reform des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) an. „Ohne weitgehende Befreiung von der mit dem EEG verbundenen Zusatzbelastung hätten wir erhebliche Wettbewerbsnachteile. Es wäre schwierig zu begründen, warum wir in Deutschland weiter investieren sollten“, warnt Aurubis-Chef Willbrandt. Für Aktionäre ist das mögliche Aus der Ökostromumlage-Befreiung ein Kursrisiko.

Investor-Info

Aurubis
Aufschwung in Sicht
Die Perspektiven des größten europäischen Kupferverarbeiters sind gut. Die eigene Anlage zur Nutzung der Beimetalle aus Kupferveredlung und -recycling läuft. Die Kapazitäten zur Kupferverarbeitung werden erhöht. Zudem zog der Kupferpreis deutlich an. Im neuen Geschäftsjahr erwarten Analysten im zyklischen Geschäft deshalb mehr als 35 Prozent Gewinnsteigerung. Die Aktie ist günstig. Das große Risiko für den Aktienkurs: das mögliche Aus für die Befreiung des energieintensiven Konzerns von der Ökostromumlage. Unbedingt mit Stopp absichern.

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