Interview Exklusiv

Markus Koch: Barack Obama bekommt eine zweite Amtszeit

aktualisiert 06.11.12 14:20 Uhr

Wall Street-Experte Markus Koch glaubt fest an einen Sieg Barack Obamas. Die amerikanische Wirtschaft hält er zwar für sehr widerstandsfähig. Kurzfristig rechnet er an der Wall Street aber mit Gegenwind.

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von Benjamin Summa

Herr Koch, am 6. November sind Wahlen in den USA. Haben Sie einen persönlichen Favoriten?
Markus Koch: Barack Obama. Er steuerte mit seinem Konjunkturprogramm, der Rekapitalisierung der Banken, und der Rettung von GM und Chrysler erfolgreich gegen eine Vertiefung der Wirtschaftskrise. Auch seine Außenpolitik ist löblich. Generell fiel Obamas Performance zwar durchwachsen aus. Seine Administration gilt gegenüber Unternehmen als besonders unfreundlich. Auch im Bereich des Klimawandels und der Einwanderungspolitik ruderte er kräftig zurück. Obamacare wurde derart aufgeweicht, dass der Inflation im Gesundheitswesen kaum Einhalt geboten werden konnte. Kurzum: Ich favorisiere Obama vor allem deshalb, weil ich Mitt Romney für unberechenbarer halte und für gefährlich was seine Außenpolitik gegenüber China und dem Iran betrifft.

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Zuletzt ist der Vorsprung von Präsident Obama aber wieder deutlich abgeschmolzen...
Obama bekommt eine zweite Amtszeit. Schaut man sich den gleitenden Durchschnitt der über 500 Umfragen an, die in diesem Jahr gemacht wurden, lag Obama stets vor Romney. Historisch betrachtet ist ihm ein Sieg damit sicher. Dass die Konjunktur vor drei Jahren den Tiefstpunkt erreicht hat und keine Rezession durchläuft, hilft ebenfalls. Wir sehen zudem eine Erholung des Verbrauchervertrauens und ein wachsender Prozentsatz der Bevölkerung ist der Meinung, dass sich das Land in die richtige Richtung bewegt. Der Dow Jones hat unter Obama fast 70 Prozent zulegen können, zudem steigen die Immobilienpreise nun wieder, dies facht die Netto-Vermögen an. Was den Arbeitsmarkt betrifft, wurden insbesondere in den unentschiedenen Bundesstaaten, also den „Swing States”, fast eine Million Jobs geschaffen. Selbst wenn Florida und Virgina Romney favorisieren sollten, liegt Obama bei den Stimmen des Electoral College vorne.

Viele Analysten erwarten bei einem Sieg Romneys ein Kursfeuerwerk an den Börsen. Wie wird der Wahlausgang aus Ihrer Sicht die Aktienmärkte beeinflussen?
Historisch betrachtet tendiert der S&P 500 in den ersten sechs Monaten nach dem Wahlsieg eines amtierenden Präsidenten schwächer, mit einem Verlust von durchschnittlich 4,5 Prozent. BlackRock hat unlängst Investoren zu den Aussichten der Wall Street befragt. 34 Prozent glauben, dass der Aktienmarkt in den kommenden sechs Monaten unter Romney besonders gut abschneiden würde. 22 Prozent versprechen sich eine besonders gute Performance unter Obama. Kurzum: Siegt Obama, profitieren vor allem Anleihen wie auch Aktien aus dem Gesundheitswesen, dem Immobiliensektor und der alternativen Energie. Zieht Romney ins Weiße Haus, profitieren vor allem Aktien, und hier besonders der traditionelle Energiesektor, die Telekom-Industrie, die Finanzbranchen und der Rüstungssektor. Gold hätte in dem Fall bis Jahresende schlechte Karten.

Was spricht in den kommenden Monaten für Zuversicht, was für Pessimismus an den Börsen?
Die voranschreitende Erholung der amerikanischen Konjunktur und erste Zeichen einer Bodenbildung der chinesischen Wirtschaft stimmen mich zuversichtlich. Was die Wall Street betrifft, rechne ich kurzfristig aber mit Gegenwind. Zum einen wegen der schwachen Umsätze der Unternehmen im S&P 500, und zum anderen wegen der wachsenden Sorge vor dem so genannten „Fiscal Cliff“.

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Welche Anlagestrategie haben Sie derzeit angesichts der unüberschaubaren Lage? Aktien, Anleihen, Edelmetalle?
Ich halte die amerikanische Konjunktur im globalen Vergleich für besonders widerstandsfähig und setze auf Unternehmen, die sich auf die heimische Wirtschaft konzentrieren. Banken halte ich für besonders attraktiv. Mag sein, dass die Netto-Zinsmargen unter Druck stehen, das ändert aber nichts daran, dass der Sektor von der Immobilien-Erholung profitieren wird. Banken generieren langlaufende Hypotheken mit festem Zinssatz, die dann am Zweitmarkt profitabel platziert werden. Hier sind die Margen so hoch wie seit den 80er Jahren nicht mehr. Im Gegensatz zu europäischen Banken zieht die Kreditvergabe deutlich an und damit einhergehend auch die Ertragslage.
Die Korrektur bei Gold ist noch nicht beendet, aber ich gehe davon aus, dass wir in 2013 neue Hochs sehen werden. Die Edelmetallanlage bleibt also attraktiv.

Mit der neuen Lockerungsrunde greift die amerikanische Notenbank ähnlich verzerrend in die Märkte ein wie die EZB. Die Fed will nun so lange unbegrenzt Geld drucken, bis die Konjunktur wieder läuft. Halten Sie vor diesem Hintergrund ein Inflationsszenario in den USA und auch in anderen Ländern für realistisch, wenn die Weltwirtschaft wieder kräftig anziehen sollte?
Mit einem kräftigen Anstieg der Weltwirtschaft ist vorest nicht zu rechnen. Wir sehen in China erste Zeichen eines konjunkturellen Wendepunktes, und auch in den USA dürfte die moderate Erholung anhalten. Die Auslastung der Industrie ist aber niedrig und es besteht insbesondere in den USA ein Überhang an Arbeitskräften. Das Risiko von Lohninflation ist somit begrenzt. In der Eurozone laufen wir Gefahr, dass das BIP im vierten Quartal erneut enttäuschen wird. Die Daten der verarbeitenden Industrie fielen im Oktober auf breiter Front schwach aus. Vor allem die Auftragseingänge, exklusive der Lagerbestände, enttäuschten. Inflation spiegelt sich vor allem bei Vermögenswerten wider, angefangen bei Aktien, über Corporate Bonds bis hin zu Immobilien und dem Kunstmarkt.

Rund vier Jahre nach der Eskalation der Finanzkrise gewinnen die US-Großbanken langsam wieder an Halt. Überwiegend besser als erwartete Geschäftsergebnisse im dritten Quartal dieses Jahres zeigen, dass die Institute selbst die Euro-Krise und die Abkühlung der Weltwirtschaft weitgehend gut weggesteckt haben. Welche mittelfristige Konjunkturprognose wagen Sie für die gesamte US-Wirtschaft?
Die Erholung amerikanischer Konsumenten stimmt mich zuversichtlich. Die Netto-Vermögen sind seit 2008 von 53 auf 63 Billionen Dollar gestiegen. Erstmals seit vierzehn Quartalen nehmen Verbraucher mehr Schulden auf als sie abzahlen. Das Verbrauchervertrauen erreicht wiederum das höchste Niveau seit September 2007, einhergehend mit einer Erholung am Arbeitsmarkt. Auch die verarbeitende Industrie konnte im Oktober überraschend robuste Zahlen melden, auch was die Auftragseingänge betrifft. Die Flaute bei Auslandsaufträgen wurde durch die Binnennachfrage ausgeglichen. In den kommenden Wochen wird dieser erfreuliche Trend durch die Schäden des Hurrikans „Sandy“ verwischt. Mit Kosten von 30 bis 50 Milliarden Dollar wird das BIP-Wachstum im vierten Quartal um voraussichtlich 0,25 bis 0,5 Prozent geschmälert. Dies ist aber nur ein temporärer Faktor, der das Wachstum im ersten Quartal entsprechend stark anfachen wird.

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Welches Problem muss der neu gewählte Präsident mit Priorität angehen?
Das nahende „Fiscal Cliff“, das im Januar in Kraft treten wird, muss abgewendet werden. Eine automatische Anhebung der Steuern und eine Reduzierung der Staatsausgaben könnte das BIP um mindestens 1,5 Prozent senken. Es ist sehr wahrscheinlich, dass man sich zumindest temporär einigen wird. Die Unsicherheit wird in diesem Zusammenhang an der Wall Street aber zunehmen.

Europa hat in den vergangenen Jahren vor allem wegen der Finanzkrise international einen Bedeutungsverlust erlitten - politisch wie wirtschaftlich. Haben die USA aus Ihrer Sicht auch bereits den Zenith ihrer Macht überschritten?
Machen wir uns nichts vor: Japan, China, Europa, die USA, wir alle haben an Macht verloren. Durch das Anwerfen der Gelddruckmaschinen übertragen wir den Schlüssel zur Macht an uns unbekannte Kräfte. Wir sind auf Safari in Jurassic Park.

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20.01.2026Deutsche Bank HoldWarburg Research
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29.10.2025Deutsche Bank HoldWarburg Research
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27.07.2023Deutsche Bank UnderperformCredit Suisse Group
04.07.2023Deutsche Bank UnderperformCredit Suisse Group
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