aktualisiert: 29.05.2015 21:21

Wann crashen DAX, Dow und Co, Professor Otte?

Interview exklusiv: Wann crashen DAX, Dow und Co, Professor Otte? | Nachricht | finanzen.net
Interview exklusiv
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Börsenexperte Prof. Otte analysiert im Interview die Aktienmärkte in Europa, den USA und Asien. Eine mögliche Pleite Griechenlands bezeichnet er als Befreiungsschlag für die Märkte.
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von Benjamin Summa

Herr Prof. Otte, der DAX hat sich in den vergangenen Wochen deutlich von dem Mitte April markierten Allzeithoch entfernt, seit einigen Tagen bekommt er jedoch wieder Rückenwind - nicht zuletzt wegen der Ankündigung der EZB, einen Teil der für Juli und August geplanten Bond-Käufe auf Mai und Juni vorzuziehen. Können sich die Anleger jetzt auf die EZB-Power verlassen oder sollten Sie sich an der Börsenweisheit "Sell in May and go away" orientieren?
Prof. Max Otte: Der zweite Teil dieser Börsenweisheit "... but remember to come back in September" ist jedenfalls durch die Statistik widerlegt. Denn der September gehört zu den schlechtesten Börsenmonaten. Aus meiner Sicht haben wir in den vergangenen Wochen eine Zwischenkorrektur im Dax gesehen. Grundsätzlich ist der Weg aber nach oben frei - die EZB pumpt weiterhin Liquidität in die Märkte, zudem gibt es kaum Alternativen zu Aktien. Eine Überhitzung im DAX haben wir in den vergangenen Monaten noch nicht gehabt, die Bewertungen sind angemessen. Verglichen mit den noch immer sehr niedrigen Renditen für Anleihen sind Aktien weiterhin sehr attraktiv.

Griechenland ist aus Sicht der Deutschen Bundesbank massiv von einer Staatspleite bedroht. Hat dieses Thema Crash-Potenzial?
Kurzfristig würde diese Situation sicherlich einige Unruhe an den Märkten stiften. Aus meiner Sicht würde sich eine Staatspleite Griechenlands aber relativ schnell als Befreiungsschlag für die Aktienmärkte herausstellen. Denn der Staatsbankrott wäre eine Möglichkeit, endlich aus der verfehlten Euro-Politik herauszukommen - durch eine Pleite könnte Griechenland etwa den erdrückenden Schuldendienst einstellen und mittelfristig Exporte und das Wachstum ankurbeln.

In den vergangenen Tagen wurde eine Parallelwährung für Griechenland wieder verstärkt diskutiert. Die Idee dahinter: Die griechische Regierung zahlt beispielsweise Beamten-Gehälter und Renten nicht mehr in Euro, sondern gibt Schuldscheine aus. Mit diesen Geuro-Scheinen sollen die Bürger einkaufen können, Mieten bezahlen etc. - wie mit dem normalen Euro. Was halten Sie davon?
Das ist eine vernünftige Idee, die übrigens nicht neu ist: die Lateinische Münzunion funktionierte vor knapp 150 Jahren nach einem ähnlichen Prinzip - für den nationalen Zahlungsverkehr hatte man Silber, für den internationalen hatte man Gold. 1868 trat auch Griechenland dieser Union bei. Letztlich ist die Frage, wie man das technisch löst, zweitrangig. Viel wichtiger ist der politische Wille, aus der jetzigen Politik auszusteigen.

Seit Ende April purzeln die Anleihekurse - und die Renditen steigen. Das Phänomen zeigt sich weltweit. Kündigt sich jetzt das Platzen der Anleiheblase an?
Die Anleiherenditen sind noch immer grotesk niedrig, deswegen ist die Furcht vor einer Bondblase berechtigt. Aber es gibt hier einen fundamentalen Unterschied zu anderen Assetklassen wie Aktien, Kunst oder Gold. Bei einer Anleiheblase werden viele nicht verkaufen können, weil sie gezwungen sind, Anleihen zu halten - große Pensionsfonds beispielsweise. Grundsätzlich ist die zunehmende Volatilität auf den Bondmärkten aber ein ernstes Warnzeichen dafür, dass die Politik des ultralockeren Geldes nicht ewig fortgesetzt werden kann.

Ein möglicher Beschleuniger für Turbulenzen an den Anleihemärkten wäre eine radikale Zinswende in den USA. Welche Erwartung haben Sie diesbezüglich?
Es ist einfach zu früh für eine Zinswende in den USA. Das Wirtschaftswachstum hat sich dort deutlich verlangsamt - im ersten Quartal 2015 gab es nur eine Steigerung von 0,2 Prozent gegenüber dem Schlussquartal 2014. Die Fed wird so schnell nicht den Mut aufbringen, an der Zinsschraube zu drehen. Man könnte das Thema übertiteln mit: "Auf unbestimmte Zeit verschoben".

Die Skepsis über die Stärke der US-Konjunkturerholung hatte in letzter Zeit den Dollar im Vergleich zu vielen Währungen unter Druck gebracht. Ist Ihrer Meinung nach die Phase der Dollarstärke vorbei?
Nein, ich denke nicht, dass diese Phase vorbei ist. Die Dollarstärke beruht weniger auf der Tatsache, dass die USA schneller wachsen als die großen Volkswirtschaften drumherum, sondern vor allem auf der außerordentlich aggressiven Außenwirtschaftspolitik Amerikas. Die Sanktionen gegenüber Russland haben ihre Wirkung nicht verfehlt: Die deutsche Wirtschaft ist hiervon schwer belastet worden, die europäischen Konzerne haben mehr in den USA investiert. Wir haben es also mit einer politisch induzierten Dollarstärke zu tun. Aber eines stimmt natürlich auch: Amerikas große Unternehmen leiden im Export unter einer starken Währung. Es besteht also das Risiko, dass der Dollar Amerikas Aufschwung ausbremst. Die jüngste Wachstumsrate von 0,2 Prozent im ersten Quartal ist ein deutliches Alarmsignal.

Nicht wenige Experten warnen vor Exzessen in Chinas Aktienmarkt, während gleichzeitig das Wirtschaftswachstum abnimmt. Wie ist Ihre Lesart in dieser Frage?
Das sehe ich etwas anders. Der chinesische Markt war lange Zeit sehr billig, jetzt hat er deutlich zugelegt. Es mag Überbewertungen in selektiven Bereichen geben - vor allem im IT-Sektor. Aber der Aktienmarkt in Shanghai ist bei Weitem nicht so teuer wie der amerikanische. Ein anderes Problem ist es natürlich, wenn völlig unerfahrene Privatpersonen auf den fahrenden Zug aufspringen und auf Kredit an den Märkten spekulieren.

Bitte schätzen Sie folgende Branchenaktien mit einem Satz ein:
Aktien von Versorgern: Bei Versorgern sind die Aussichten noch immer deutlich eingetrübt. Die Bundesregierung reagierte auf das Reaktorunglück in Fukushima mit einem so harten Einschnitt, wie ihn zuvor keine andere Branche erlebt hatte. Seitdem sehen wir bei den großen deutschen Versorgern drastische Umsatzeinbrüche. Ich lasse derzeit die Finger weg von Versorgeraktien wie Eon oder RWE.

Aktien von Banken und Versicherungen: Versicherungen wie Allianz und Münchner Rück haben gerade eine Kursdelle hinter sich. Für mich ganz klar Einstiegskurse. Trotz aller Herausforderungen in diesem Sektor können sich die Unternehmen über profitable Geschäftsmodelle freuen. Bei Bankaktien bin ich persönlich sehr vorsichtig, gerade bei Titeln wie der Deutschen Bank, die gerade natürlich international unter enormem Druck stehen.

Rohstoffaktien: Ich finde Öl interessanter als Rohstoffaktien, hier hat man schöne Dividenden und irgendwann geht’s auch wieder mit dem Preis nach oben.

Emerging Markets: Brasilien ist billig geworden, Russland ist wahnsinnig billig, aber eben auch riskant, China kann man aufgrund des Bewertungsniveaus noch machen, Indien ist schon zu teuer.

Blue Chips: Die meisten Blue Chips sind ausgepreist, aber nicht überbewertet. Für den normalen Anleger stellen sie noch immer eine gute Möglichkeit dar, sich langfristig zu investieren. Klassiker sind Coca-Cola, Nestlé oder Novartis. Mein favorisierter Sektor für Privatanleger sind Blue Chips im IT-Bereich. Was früher die Konsumaktien waren, sind heute Technologieaktien wie Microsoft, IBM und Google.

Der Goldpreis konnte in der vergangenen Woche eine gute Performance zeigen. Es hat zwar noch nicht für eine Befreiung aus dem Abwärtstrend gereicht, der Anfang könnte jedoch gemacht sein. Welche Faktoren sprechen Ihrer Meinung nach für eine Anlage in Edelmetalle und welche dagegen?
Zugegeben: Gold hat in den vergangenen Jahren als klassische Krisenwährung nicht besonders gut performt. Trotz der Griechenland- und Ukrainekrise ist das gelbe Metall nicht wirklich vom Fleck gekommen. Viele Anleger sind wohl der Meinung, dass die Party derzeit woanders stattfindet: bei den Aktien oder im Immobilienbereich. Ich rate aber allen Privatkunden: Wer zu wenig physisches Gold im Depot hat, sollte jetzt noch die relativ günstigen Preise zum Einstieg nutzen. Die Krisen auf der Welt werden nicht weniger werden. Gold ist hierfür die ultimative Absicherung - und das mit einem track record von 5000 Jahren.
Die Minenaktien haben uns in den vergangenen Jahren auch wenig Freude bereitet. Wir behalten diese aber im Depot. Dieser Bereich ist so dermaßen ausgebombt worden, dass wir nur noch eine Staubwolke sehen werden, wenn dieser unterbewertete Sektor anzieht.

Wie würden Sie derzeit 50.000 Euro konkret für den Vermögensaufbau anlegen?
Kurz und knapp: Ich investiere 10.000 Euro in IT-Werte, 10.000 Euro in klassische Konsumaktien, 5.000 Euro fließen in Aktien von Versicherern und 5.000 Euro in Öl, 10.000 würde ich in Gold anlegen und 10.000 Euro in Cash halten, um spontan Akzente zu setzen.


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Kurzvita
Der in Princeton promovierte Ökonom lehrt nach Tätigkeiten an den Hochschulen Worms, Boston und Würzburg heute an der Universität Graz und ist als Vermögens- und Fondsberater tätig. Er ist Mitbegründer des Instituts für Vermögensentwicklung und des Zen­trums für Value Investing.

Disclaimer: Der Autor, Benjamin Summa, ist freier Mitarbeiter bei finanzen.net. Er interviewt regelmäßig Finanzexperten zu aktuellen Themen.

Bildquellen: Oliver Schmauch, Max Otte

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