Lenovo: Wir wollen unter die Top 3 weltweit
Milko van Duijl vom chinesischen Computerbauer Lenovo über den PC-Markt, Wachstumsziele und Engpässe nach der Japan-Katastrophe
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von Thomas Schmidtutz
€uro am Sonntag: Herr van Duijl, in Japan sind wegen des Erdbebens immer noch viele Fabriken geschlossen. Vor allem bei Akkus könnte es demnächst knapp werden, sagen Experten. Haben Sie schon Engpässe?
Van Duijl: Aktuell können wir mögliche Ausfälle über unseren Lagerbestand noch überbrücken. Aber im laufenden zweiten Quartal werden auch wir das zu spüren bekommen, vor allem bei Akkus und Displays. Darauf stellen wir uns ein.
Über den Wechsel der Lieferanten?
Wir haben Notfallpläne für andere Lieferanten. Aber ein Wechsel des Anbieters ist nicht so einfach. Denn die entsprechenden Bauteile müssen erst geprüft und für den Einbau frei gegeben werden. Das braucht Zeit.
Und kostet Umsatz?
Jeder Lieferengpass, den wir nicht lösen, wird sich in den Absatzzahlen niederschlagen. Ob das spürbare Folgen haben wird, müssen wir sehen.
Das Umfeld scheint derzeit ohnehin eher schwierig zu sein. Im vierten Quartal sind die weltweiten Verkaufszahlen in der Branche hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Ist Besserung in Sicht?
Man muss da unterscheiden: Die Unternehmensnachfrage ist gut, die Budgets sind da. Die großen Konzerne haben PC-Systeme, die teilweise fünf Jahre alt sind. Ein Wechsel ist da häufig überfällig. Von daher gehe ich davon aus, dass die Nachfrage im Geschäft mit Unternehmenskunden zumindest bis Jahresende gut bleiben wird. Bei kleinen und mittleren Betrieben sehen wir dagegen einen leichten Rückgang.
Und im Endkundengeschäft?
In diesem Markt erwarten wir einen deutlichen Rückgang. Die Lager sind wegen des unerwartet schwachen Weihnachtsgeschäfts immer noch gut gefüllt. Bis die sich leeren, wird es noch dauern.
Sie sind traditionell stark im Unternehmensumfeld. Da können Sie ja einigermaßen entspannt zurücklehnen?
Das nicht. Aber es stimmt: Wir machen rund 63 Prozent unseres Geschäfts mit Konzernen, weitere 26 Prozent mit kleinen und mittleren Unternehmen, den Rest mit Endkunden. Insofern werden wir die Schwäche im Endkunden-Geschäft zu spüren bekommen, aber sicher nicht so stark wie andere.
Als einer der Hauptgründe für die Schwäche im Endgeschäft gilt der Siegeszug der Tablets. Kannibalisieren Tablets den traditionellen PC-Markt?
Absolut. Die Frage ist nicht Ob, sondern in welchem Umfang. Immer mehr Leute nutzen Tablets, vor allem zum Konsum von digitalen Inhalten, angefangen vom Internet über Fotos, Musik und Filme bis zu Büchern. Mit PCs kann man Inhalte konsumieren, aber eben auch erstellen. Von daher werden Tablets PCs nicht ersetzen, sondern ergänzen – mit den entsprechenden Auswirkungen auf den PC-Umsatz.
Lenovo hat in China gerade sein eigenes Tablet namens LePad gestartet. Wann kommt das Gerät nach Europa?
Der weltweite Start ist voraussichtlich für den Juni/Juli geplant. Der LePad zielt auf das Endkundengeschäft und wird zunächst auf dem Betriebssystem Android laufen, später ist auch eine Windows-Version geplant. Für Unternehmen bereiten wir ein entsprechend angepasstes Gerät auf Basis unserer bekannten Thinkpad-Marke vor. Es soll ebenfalls auf Basis von Android laufen und alle Anforderungen von Unternehmen erfüllen. Das gilt für Dinge wie Zuverlässigkeit, Sicherheit oder Qualität. Ich sehe bei Unternehmen ein sehr großes Interesse an Tablets. Viele IT-Leiter sind an dem Thema dran.
Wann geht der Thinkpad Tablet an den Start?
Wir peilen den August an.
Wie viele Geräte wollen Sie verkaufen?
Wir gehen von über 100.000 Geräte noch in diesem Jahr aus.
Und wann kommt eine Windows-Version?
Das wird dauern. Entscheidend für den Erfolg der Tablets werden die Öko-Systeme sein, also die AppStore, auf denen man sich kleine Zusatzprogramme herunterladen kann. Es wird viel davon abhängen, ob es Microsoft gelingt, einen ähnlich erfolgreichen AppStore für Windows aufzubauen, wie Apple für das iPad oder Android. Zudem muss Microsoft noch viel Zeit investieren, um sicherzustellen, dass die Benutzeroberfläche den Vorstellungen der Kunden entspricht. Ich denke, mit Windows 8 wird Microsoft hier einen großen Schritt nach vorne machen.
Android ist aber weiter?
Absolut. Android wird ein Standard bei Tablets. Schauen Sie: Android ist mit dem Einschalten bereit, es gibt eine Datei-Verschlüsselung, Kameras und den Marktplatz. Anders als bei Apple lassen sich Programme zudem von anderen Marktplätzen laden. Wir werden das nutzen und zum Start einen eigenen Marktplatz einrichten. Das wird ein ganz wichtiger Teil unserer Thinkpad-Tablet-Strategie sein.
Lenovo hat unlängst in Japan ein viel beachtetes Joint Venture mit NEC gegründet. Ist das ein Modell für andere Märkte?
Wir haben sehr ehrgeizige Ziele und wollen so schnell wie möglich wachsen, intern aber auch extern. Von daher werden wir nicht zögern, zu handeln, wenn es passt.
Schauen Sie da eher nach Europa oder in andere Länder?
Wir sind da offen. Das kann Joint-Venture sein oder auch ein Zukauf. Wir wollen auf dem PC-Markt weltweit zu den Top3 gehören.
Bis wann?
Das wird sicher noch etwas dauern. Aber im Dezember haben wir den Abstand zur Nummer 3 verringert. Das ist Acer. Wir sind da nicht mehr weit weg.
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