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aktualisiert: 22.08.2011 13:47

Wie die Superreichen ihr Geld anlegen

Charlotte Beyer leitet in New York einen der exklusivsten Klubs weltweit: das Institute for Private Investors, ein Verein megareicher US-Familien.
€uro am Sonntag
von Tim Schäfer, €uro am Sonntag

Charlotte Beyer hat das Institute for Private Investors im Jahr 1991 gegründet, einen exklusiven Klub von 320 vermögenden US-Familien. Jeweils mindestens 30 Millionen Dollar haben diese investiert, ein Drittel der Mitglieder soll gar bei über 200 Millionen Dollar liegen. Zweck des Klubs ist es, die Mitglieder in Finanzfragen fortzubilden und den Kontakt untereinander zu fördern. Das Institut gibt keine spezielle Finanzberatung, verkauft keine Wertpapiere und finanziert sich ausschließlich über Mitgliedsbeiträge und Ausbildungsgebühren. €uro am Sonntag besuchte Charlotte Beyer am Firmensitz in New York an der Südspitze Manhattans. Von ihrem Schreibtisch aus hat sie einen atemberaubenden Blick auf den Hafen und die Freiheitsstatue.

€uro am Sonntag: Frau Beyer, in den vergangenen Wochen spielte die Börse verrückt. An einem Tag ging der Dow-Jones-Index um 500 Punkte runter, am nächsten wieder um 500 Punkte rauf. Wie reagieren die Mitglieder Ihres Klubs auf diese extremen Schwankungen?
Charlotte Beyer:
Unsere Mitglieder fragen sich: Hat eine grundlegende Veränderung der Börse stattgefunden? Ist aus einem Investorenmarkt nun endgültig ein Trader-Markt geworden? Und sie fragen sich natürlich: Bleiben wir dabei oder verlassen wir diesen Markt? Der Hochfrequenzhandel hat scheinbar die Oberhand gewonnen. Der Chef des Baumaschinenkonzerns Caterpillar sagte gerade, dass sich am Geschäft überhaupt nichts verändert habe in den vergangenen Tagen, aber seine Aktie von 112 auf 87 Dollar gefallen sei. Das hat mit fundamentalen Daten überhaupt nichts mehr zu tun, sondern mit Tradern.


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Ist die Lage ähnlich wie vor drei, vier Jahren?
Der Ausbruch der Finanzkrise war damals ein Schock, das Selbstvertrauen und das Sicherheitsgefühl litten. Dieser Ruck hielt an, bis die Krise im März 2009 ihren ­Höhepunkt erreicht hatte. Seinerzeit glaubten die Menschen, die Welt geht bald unter. Unsere Investoren hielten Ende 2008 durchschnittlich fast 20 Prozent in Bargeld. Sie waren also bereits ziemlich abgesichert und verloren 2008 nur rund 20 Prozent, während der US-Markt um mehr als 30 Prozent einbrach.

Welche Lehren ­haben Ihre Mitglieder aus diesem Börsencrash gezogen?
Unsere Mitglieder konzentrierten sich auf ihre Risiken, sie überdachten ihre Investments. Sie schauten sich Management- und Währungsrisiken an. Sie analysierten ökonomische, politische und regulatorische Risiken. Die Familien erkannten am Ende, dass die Börse für sie zu knifflig ist. Sie dachten über Direktinvestments und Co-Investments mit anderen Familien nach. Dieser Trend verstärkte sich 2009 und 2010.

Wie hat sich insgesamt die Aufteilung des Vermögens geändert?
Hedgefonds, Private Equity, kurz gesagt alternative Investments, stellen heute alles in allem den größten Anteil des Vermögens unserer Mitglieder dar. Vor zehn Jahren bildeten börsennotierte Aktien den größten Anteil. Ein paar unserer ­Mitglieder sind sogar in das Bank­geschäft eingestiegen. Sie haben sich entweder mit anderen zusammen­getan und verleihen ihr Geld an den ­Mittelstand, oder sie haben eine Bank gekauft. Für einen privaten Investor sind die Renditen in diesem Sektor gut.

Ist das nicht auch ziemlich riskant?
Es ist weder transparent noch steuerlich effizient, vor allem aber birgt das Management große Risiken. Es hat sich ein Ungleichgewicht entwickelt. Einerseits mögen unsere Kunden die alternativen Anlageformen, weil sie sie für ein komplettes Werkzeugset halten. Andererseits wissen sie, dass ein größerer Bedarf für Unternehmensprüfungen besteht. Zwei Drittel unserer Mitglieder haben einen Berater, um dabei zu helfen, die passenden Vermögensmanager zu finden. Dieser Anteil mit einem Berater hat sich innerhalb von zehn Jahren verdoppelt. Die Auswahl und Prüfung ist komplexer geworden. Die Familien können das nicht mehr selbst bewältigen.

Fließt inzwischen auch mehr Geld ins Ausland?
Beyer: Die Krise brachte allen ins Bewusstsein, dass die Welt sehr klein ist und alle voneinander abhängig sind. Unsere Mitglieder investierten also signifikant außerhalb der USA. Dabei sicherte sich im vergangenen Jahr nur eines von fünf Mitgliedern gegen Währungsrisiken ab. Doch unsere Familien haben mehr Geld außerhalb der USA als beispielsweise ein herkömmlicher Stiftungs- und Pensionsfonds. Die Megareichen waren immer Trendsetter, sie brauchen kein Komitee fragen, es handelt sich um ihr Geld. Sie waren die Ersten, die in Hedgefonds investierten, sie waren auch die Ersten, die sich erheblich in Übersee engagierten.

Wie hoch liegt der Auslandsanteil jetzt?
Wir haben nun einen Auslandsanteil von mehr als 20 Prozent. Der Anteil hat sich verdoppelt. Früher haben die Leute gesagt: „Oh, das brauche ich nicht. Die ameri­kanischen Rechnungslegungsvorschriften sind transparent und fair.“ Vor allem der plötzliche Crash vom Mai 2010 hat das Misstrauen gegenüber den Börsenmärkten noch weiter verschärft. Die Leute sagten: „Das ist keine faire Plattform mehr.“ Geheimzirkel und Hochfrequenzhandel haben den Aktienmarkt verändert.

Im Zuge der US-Finanzmarktreform müssen sich Hedgefonds ab 2012 bei der Aufsichtsbehörde registrieren lassen und Informationen preisgeben. Welche Konsequenzen hat das?
Man wird nicht nur die Namen reicher Anleger künftig einsehen können, sondern kann auch ihre Adressen herausfinden. Betrüger und andere Leute mit schlechten Absichten können erkennen, wer sehr viel Geld hat. Entführungen und ­Erpressungen werden Tür und Tor geöffnet. Eine Familie, die jahrzehntelang ohne großes Aufsehen gearbeitet und ein Vermögen aufgebaut hat, muss nun Dokumente aus ihrem Family Office bereitstellen, die über das Internet abrufbar sind. So etwas ist Furcht einflößend und nicht akzeptabel.

2009 wurde der Finanzbetrüger Bernard Madoff zu 150 Jahren Gefängnis verurteilt, weil er über ein Schneeballsystem Anleger um 50 bis 65 Milliarden Dollar geprellt haben soll. Waren Mitglieder Ihres Klubs betroffen?
Es war eine riesige Lehre für uns, auch einige unserer Mitglieder hatten bei ihm investiert. Das traurigste Ereignis war: Ein Mitglied ­versuchte, seinen über 70 Jahre alten ­Vater davon zu überzeugen, seine Investments bei Madoff zu liquidieren. Er scheiterte jedoch. Die Rendite war zu verlockend, und all seine Freunde vom Country Club waren ebenfalls bei Madoff. Es ist immer dasselbe, wie die Leute denken: Jemand ist smart, also kann ich mir Zeit sparen und einfach dort mein Geld anlegen, wo mein Bekannter investiert ist. Es handelt sich um Verzicht von Eigenverantwortung, eine sehr menschliche Verhaltensweise. Ganz nach dem Motto: Ich vertraue John.

Und wenn man doch misstrauisch wurde?
Madoff war charismatisch, er war begabt. Er konnte diese Verhaltensweise zu Geld machen. Gleichwohl gab es auch Leute bei uns, die skeptisch waren. Einer traf sich mit Madoff. Er stellte gleich zu Beginn des Zusammentreffens im Konferenz­raum kritische Fragen. Madoff sagte: Das Gespräch ist beendet. Danke. Auf Wiedersehen.

Wie würden Sie Ihre Mitglieder charakterisieren?
Wir haben ein breites Spektrum. Manche haben den Grundstein für ihr Vermögen mit einem innovativen Produkt gelegt. Allen gemeinsam ist, dass sie alles kontrollieren wollen. Sie sind extrem fokussiert, streng. Der Unternehmer, der enor­me Energie aufbringen musste und über großen Ehrgeiz verfügt, hält sein Geld zusammen. Glauben Sie mir, ich merke es manchmal beim Einzug der Mitgliedsgebühren. „Was, Sie erhöhen die Preise?“, meckern sie dann. Manche sind schon sehr sparsam.

Wundert Sie das denn?
Es wundert mich überhaupt nicht. Wenn einer eine Reinigung in Kansas betreibt und über einen längeren Zeitraum fünf Millionen Dollar angespart hat, warum soll er plötzlich anfangen, das Geld aus­zugeben? Er hat das Geld angespart, weil er ein guter Geschäftsmann ist.

Wie bewerten Sie diese Sparsamkeit?
Diese Menschen haben ein gutes Gespür. Meine Investoren sagen mir immer wieder, es ist höchste Zeit, bei einem Hedgefonds auszusteigen, wenn der Hedgefondsmanager beginnt, Autos zu kaufen, zum vierten Mal heiratet, Häuser baut, auf den Kilimandscharo klettert oder auf Safari geht. Es bedeutet nämlich, dass diese Leute sich nicht mehr 24 Stunden um ihren Hedgefonds und die Investments kümmern. Dann verkaufen meine Anleger.

Nachrichten zu Caterpillar Inc.

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24.10.2019Caterpillar overweightJP Morgan Chase & Co.
25.07.2019Caterpillar buyGoldman Sachs Group Inc.
05.06.2019Caterpillar BuyStandpoint Research
03.04.2019Caterpillar HoldDeutsche Bank AG
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24.10.2019Caterpillar overweightJP Morgan Chase & Co.
25.07.2019Caterpillar buyGoldman Sachs Group Inc.
05.06.2019Caterpillar BuyStandpoint Research
28.01.2019Caterpillar overweightJP Morgan Chase & Co.
29.10.2018Caterpillar HoldStifel, Nicolaus & Co., Inc.
03.04.2019Caterpillar HoldDeutsche Bank AG
26.12.2018Caterpillar AccumulateStandpoint Research
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26.02.2019Caterpillar SellUBS AG
26.01.2017Caterpillar SellStandpoint Research
25.01.2016Caterpillar SellGoldman Sachs Group Inc.
05.01.2015Caterpillar UnderweightJP Morgan Chase & Co.
01.02.2010Caterpillar nicht anfassenFrankfurter Tagesdienst

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